Sid Meier's Pirates! vereint Minigames und RPG-Elemente zu einem witzigen und süchtig machenden Abenteuer in der Karibik.Piraten ahoi! Das originale
Sid Meier's Pirates! erschien 1987 und entpuppte sich als einer der ersten wirklich erfolgreichen Multiplattformtitel für Commodore, Amiga und IBM PC. Selbst heute überzeugt das Spiel aufgrund eingängigem Gameplay und den vorhandenen RPG-Elementen. Chefdesigner
Sid Meier und Entwickler
Firaxis veröffentlichten vor kurzem ein Remake des zeitlosen Klassikers auf PC und Xbox. Für die Konsolenumsetzung wurde das Game an die speziellen Anforderungen (Controller anstatt Maus zur Steuerung und geringere TV-Auflösung) angepasst. Möchtegern-Freibeuter und Badewannen-Piraten aufgepasst: Es folgt das Master-Review des Kapitäns.
Auch ein Pirat fängt klein an! In
Sid Meier's Pirates! übernimmt der Spieler die Rolle eines jungen Piraten, der sich anschickt, die Welt aus den Angeln zu heben. Einerseits gilt es, verschollene Familienmitglieder auszuforschen und andererseits darf nach Herzenslust
dem romantisierten Piratendasein gefrönt werden. Bereits nach einiger Spielzeit entpuppt sich
Pirates! als ein
Strategiespiel mit offenem Gameplay. Die Entwickler schreiben dabei in keiner Weise vor, wie die Geschichte ausgeht. Nach und nach kommen auch die durchwegs anspruchsvollen Zusammenhänge zwischen den einzelnen RPG-Facetten zum tragen.
In der schönen Karibik beginnt eure Karriere als junger Spund im Dienste einer der im 17. Jahrhundert operierenden Seemächte (England, Spanien, Frankreich oder die Niederlande). Durch Wahl einer Epoche, die maßgeblich Einfluss auf die Machthemisphären der einzelnen Nationen hat, wird die Verteilung der freundlichen Häfen festgelegt. Als erste
RPG-Einstellung bestimmt eine besondere Charakter-Eigenschaft (Schwertkampf, Charme, Navigation etc.), deren spezielle Stärke sich auch spürbar auf das Gameplay auswirkt.
"GTA" auf hoher See! Pirates! besteht im Wesentlichen aus einer
Sammlung von durch eine Seekarte verbundenen Minispielen. Vom Heimathafen aufgebrochen, macht ihr den Teil der Karibik mit dem klingenden Namen "Spanish Main" unsicher.
» Gleich wandert er über die Planke! |
Auf einer liebevoll in Szene gesetzten Seekarte (tolle Wettereffekte und viele Details) könnt ihr eure Flotte bequem per L-Stick durch die Gewässer steuern, wobei man jedoch auf die Windverhältnisse Rücksicht nehmen muss. Trefft ihr auf andere Schiffe, so können Informationen ausgetauscht oder eine Seeschlacht provoziert werden. Hierbei wechselt die Karte in den Kampfmodus, in dem nach Herzenslust mit Kanonen Gegnern das Leben schwer gemacht wird. Diese actionreichen Sequenzen gestalten sich dank
taktischer Elemente abwechslungsreich und sind äußerst unterhaltsam. Habt ihr einen feindlichen Kahn enterreif geschossen oder gerammt, so folgt ein Duell mit dem Kapitän.
Durch
geschicktes Reagieren und ein wenig Taktik mit dem Schwert ist der Kampf meist mehr oder weniger schmerzlos beendet. Bei erfolgreichem Beutezug, könnt ihr Schiffsladung sowie mögliche Schätze aufteilen und den feindlichen Kreuzer in eure eigene Flotte integrieren. Euer Erfolg hat auch direkte Auswirkung auf die Moral der Crew. Die Piraten sind ein mürrischer Haufen und schneller als alte Seebären "Klar zum Entern!" brüllen können, meutert die Mannschaft. Die Reise ist im Prinzip endlos fortsetzbar, allerdings vergeht ständig die Zeit und ein zur Neige gehender Proviant begrenzt eure Expedition. In regelmäßigen Abständen muss man also einen freundlichen Hafen anlaufen.
Im Hafen steppt der Bär! Habt ihr bei einer Stadt angedockt, lassen sich per Menü diverse Aktionen ausführen. Sehr informativ sind die
Besuche beim Gouverneur. Hier erfahrt ihr News aus der Karibik, welche Nation
» Aus der Sumpftruppe werden bald feinste Piraten! |
gerade mit einer anderen Krieg führt oder erhaltet Promotionen sowie im Idealfall spezielle Auszeichnungen oder lukrative Aufträge. Seid ihr ein charismatischer Zeitgenosse (oder habt Titel und Ländereien), bittet die hübsche Gouverneurstochter
zu einem gesellschaftlichen Großereignis (Rhythmus-Minigame). Stellt ihr euch nicht tölpelhaft an, so winkt vielleicht sogar die Hand des anmutigen Geschöpfs oder zumindest ein interessantes Geheimnis. Für besondere Leistungen im Dienste einer Nation hagelt es Ehrentitel in Hülle und Fülle. Der Reichtum hingegen will als ehrlicher und hart arbeitender Pirat erst verdient werden.
Auch die
lokale Taverne stellt eine erstklassige Möglichkeit zur Informationssuche dar. Nebenbei heuert ihr hier auch willige Seefahrer an oder kauft von einer zwielichtigen Gestalt
Schatzkarten und Insider-Hinweise. Empfehlenswert ist es auch, auf alle Fälle
die Werft zu besuchen: Der Hafenmeister führt notwendige Reparaturen und Upgrades an der Flotte durch. Außerdem könnt ihr Schiffe verkaufen sowie beim Kaufmann Proviant handeln und so ein hübsches Sümmchen extra verdienen.
What shall we do with the drunken sailor?! Das Ziel von
Pirates! ist es, so viele Reichtümer wie nur möglich anzuhäufen, das Unrecht an eurer Familieehre zu rächen, verschollene Verwandte ausfindig zu machen, wertvolle Schätze zu heben, Titel zu erlangen und
eventuell zu heiraten. Das Gameplay ist zwar sehr offen, jedoch vergeht unaufhaltsam die Zeit. Wenn ihr ein alter zahnloser Seefahrer seid, so muss die hoffentlich wohlerbeutete Pension im Piratenseniorenheim angetreten werden. Besondere Leistungen finden natürlich Eingang in die
Hall of Fame und zahlen sich in Form von Credits aus, die Artwork in den Bonusgalerien freischalten.
Inhaltlich wurde die Xbox-Version behutsam angepasst. Die Kartengröße reduzierte sich um etwa 50%, so dass mehr Übersicht herrscht und die Segelreisen zeitlich kürzer ausfallen. Außerdem gibt
Pirates! mehr Hilfestellung zum Erreichen der einzelnen Ziele und auch die Schatzsuche gestaltet sich deutlich einfacher. Allerdings stören diese Elemente das Gameplay in keinster Weise, machen das Geschehen aber etwas linearer. Dank der Controller-Steuerung spielen sich einzelene Minigames wie Schwertkampf, Tanzen oder auch das
Infiltrieren feindlicher Städte actionreicher. Hinzugekommen ist überdies ein
spaßiger Multiplayer-Spielmodus, in dem bis zu vier Spieler gegeneinander zur Seeschlacht antreten dürfen.
Schön ist das Piratenleben! Technisch gesehen kann die Xbox-Version "gerade so" überzeugen. Allerdings spielt bei
Pirates! die Präsentation eine eher untergeordnete Rolle. Das soll nicht heißen, dass die Grafik oder der Sound schlecht wären,
aber man darf keine Wunder erwarten. Optisch wählte
Firaxis eine
humoristisch überzeichnete Note, die dem ganzen Geschehen einen farbenfrohen Stempel aufdrückt. Aus unerfindlichen Gründen leidet die Xbox-Version unter häufig bemerkbaren
Einbrüchen bei der Framerate, die das Spielgeschehen (speziell das Tanzen-Minigame) teils ärgerlich stören. Auch die zwar kurzen aber ungewöhnlich
häufigen Ladezeiten fallen unschön auf. Der Soundtrack ist gefällig, plätschert jedoch eher im Hintergrund dahin.
Leider hat sich bei der Lokalisierung ins Deutsche ein
folgenschwerer Fehler eingeschlichen: Im Menü fehlt eine Option und so ist es unmöglich, die Beute aufzuteilen. Das Problem behebt man am besten, indem die Xbox auf Englisch umgeschaltet wird. Laut Informationen von Publisher
Take 2 kann jederzeit auf hoher See gespeichert, die Sprache umgestellt und das Abenteuer fortgesetzt werden.