Constantine weckt den Dämonenjäger in euch - nur leider viel zu kurz.Nicht erst seit gestern sind einige Publisher an Umsetzungen potentieller Kinokassenschlager auf den aktuellen Konsolenplattformen interessiert. Ein adäquates Beispiel stellt gegenwärtig die Portierung des Mystery-Thrillers
Constantine dar, welche hierzulande vor wenigen Tagen das Licht der Videospielwelt erblickte. Dabei versetzten euch die
Bit Studios in die Haut von
John Constantine, der über eine außergewöhnliche Gabe verfügt. Der besagte Held ist in der Lage, Dämonen, Halbblut-Engel und anderweitiges Höllengesindel wahrzunehmen und von der Erdoberfläche zu verbannen. Doch immer der Reihe nach: Wir haben uns das schaurige Action-Adventure zur Brust genommen, um euch im Master-Review fundierte Auskunft über die Qualitäten des Titels zu geben.
Die Hölle auf Erden Der vorgeschichtliche Part ist schnell erzählt: Die sonderbare Fähigkeit, permanent böswillige Höllenwesen zu ertragen, endete für
John Constantine im fest entschlossenen Suizid. Doch selbst die letzte Ruhe blieb ihm nicht vergönnt, denn
» Gib der Hölle keine Chance. |
von nun an muss er sich als Teufelsaustreiber zwischen Ober- und Unterwelt durchschlagen. Als sich dann noch eine umstrittene Polizeidetektivin an ihn wandte, um den Tod ihrer Zwillingsschwester aufzuklären, war die Rückkehr des kettenrauchenden Helden perfekt. Eines vorneweg: Die intensive Zusammenarbeit mit Schauspieler
Keanu Reeves hat sich gelohnt, denn sowohl in den Zwischensequenzen als auch im grundlegenden Spielverlauf sieht das virtuelle Ebenbild dem realen
Original zum Verwechseln ähnlich.
Wie eingangs erwähnt, handelt es sich bei
Constantine um ein Action-Adventure aus der klassischen
Third-Perspektive, das in punkto Präsentation und Gameplay deutlich an Genre-Kollegen
Max Payne erinnert. Trotzdem ist
John Constantine mehr als nur ein imitierter
Rockstar-Draufgänger: Demnach besitzt Herr Exorzist die Fähigkeit, in die Welt des finsteren Höllenfürsten zu sausen - bei Bedarf natürlich auch wieder zurück. Um in Luzifers Unterwelt zu gelangen, stellt ihr euch - so abstrus das auch klingen mag - in eine Wasserpfütze und drückt anschließend eine vorgegebene Tastenkombination. Die Fahrkarte für eure Rückreise verkörpert jedoch - wer hätte es gedacht - eine heilige Ampulle, die ihr
stilgemäß auf eurem Oberkörper zertrümmert.
In Teufels Küche Unzweifelhaft: Der
Wechsel zwischen Erde und Hölle ist der entscheidende Faktor im Spielverlauf. Dabei gilt es im Rahmen der
dreizehn unterschiedlichen Stages bestimmte Gegenstände beider Ebenen miteinander zu kombinieren. Konkretes
» Der Drachenhauch ist effektiv. |
Beispiel gefällig? Ihr seid auf der Erde zu Gange und müsst eine verschlossene Tür in Augenschein nehmen - wo ist nur dieser verdammte Schlüssel? Keine Sorge: Die Höllenwelt bietet euch die Lösung, denn neben einer Kiste findet ihr schnurstracks das vermisste Utensil. Außerdem lässt sich eine
Hilfeoption aufrufen, die euch jederzeit mit umfassenden Details zu Missionszielen, Zaubersprüchen, Waffen, Artefakten und Monster versorgt. Dennoch gilt: Für Profispieler ist das Leveldesign weitgehend anspruchslos - für Genreneulinge größtenteils unkompliziert.
Im grundlegenden Spielverlauf ist der
Rätselanteil schwindend gering ausgefallen, daher seid ihr hauptsächlich mit der Beseitigung von unzähligen Untoten und Dämonen beschäftigt. Doch
John Constantine wäre kein Exorzist, könnte er nicht auf ein
reichhaltiges Waffenarsenal und
magische Kräfte zurückgreifen. Um den höllischen Ausgeburten gehörig Dampf unterm verwesten Hintern zu machen, dürft ihr euch z.B. auf den
Hexenfluch (einer schweren Doppelkanone), den
Drachenhauch (einer Art Flammenwerfer) und auf das
Heilige Gewehr verlassen. Obendrein stehen euch
diverse Zaubersprüche zur Verfügung, die via Tastenkombination und in einem vorgegebenen Zeitintervall gedrückt, eindrucksvoll mehrere Feinde zeitgleich ins Nirwana befördern. Da jedoch Gegner existieren, die auf den ersten Blick menschlichen Wesen ähneln, könnt ihr euch neben dem
Wahrheitsblick auch auf mit
Weihwasser gefüllte Bomben berufen. In beiden Fällen verschwindet die optische Verschleierung und euer Gegenüber ist augenblicklich aufgeflogen. In
Constantine könnt ihr außerdem die blanken Fäuste sprechen lassen - ein geradliniger rechter Hacken in der Fratze des Bösen sieht hier nicht nur gut aus, sondern ist zudem durchaus effektiv.
Kalorienarme Satanskost Sicherlich erscheint die
Auswahl von insgesamt drei Schwierigkeitsgraden zunächst vielversprechend. Doch weit gefehlt:
Constantine ist
sogar auf mittlerer Stufe unheimlich einfach zu spielen und wird selbst Gelegenheitszocker zu keinem
» Der Blick in die Wahrheit. |
Zeitpunkt fordern. Noch schlimmer: Ferner werden sich Genreprofis sogar auf höchstem Schwierigkeitsniveau durchgängig ins Fäustchen lachen. Zugegeben: Um den letzten Oberboss erfolgreich ins Jenseits zu befördern, müsst ihr ein paar Anläufe investieren. Wer sich jedoch mit der
desolaten KI der herkömmlichen Gegner auseinandersetzt, wird sich zu Recht über den
unzureichenden Schädelinhalt beklagen.
Falls ihr zu den zartbesaiteten Spielernaturen zählt, wird euch
Constantine unzweifelhaft auf den Magen schlagen. Wenngleich zu keinem Zeitpunkt spritzende Lebenssäfte oder gar Gliedabtragungen zu erkennen sind, ist das Gebotene - insbesondere in der Unterwelt -
wahrhaftig nichts für schwache Nerven. Hier bietet sich ein vielfältiges Bild: Stellen verzerrte Schreckensgesichter noch den harmlosen Teil dar, geben euch drangsalierte Menschenkörper und komplett verkohlte Leiber den Rest. Mahlzeit!
Weitaus positiver offenbart sich dagegen die
erstklassig umgesetzte Steuerung, die ihr bereits nach kurzer Spielzeit verinnerlicht habt. Darüber hinaus gibt auch die
stets optimale Kamera keinen Anlass zur Kritik. Auf diese könnt ihr euch sogar bei schnellen 180-Grad-Drehungen mit dazugehöriger Bullet-Time - Herr
Payne lässt an dieser Stelle schön grüßen - komplett verlassen. Letztlich fügen sich auch die
atmosphärischen Zwischensequenzen ausgezeichnet in den Spielverlauf mit ein.
Kurzweiliger Spielspaß und überzeugende Technik In den ersten Spielstunden baut
Constantine ohne Zweifel eine
enorm dichte Atmosphäre auf, denn durch die Aufeinanderfolge der mustergültigen Videosequenzen wird euch die Story einleuchtend erklärt. Freilich besitzt die
» Herr Exorzist kann zweifellos mit Waffen umgehen. |
Thematik genug Potential, um euch eine gewisse Zeit in den Bann zu ziehen, doch die bis dahin wohlschmeckende Spielspaßsuppe wird euch später angesichts einiger
misslungener Gameplay-Elemente versalzen. Die Gründe liegen auf der Hand: Einerseits stellt der gebotene Schwierigkeitsgrad - unabhängig auf welcher Stufe - zu keinem Zeitpunkt eine ernsthafte Anforderung an euch. Andererseits gibt die
kurze Spieldauer von rund 5 Stunden etwas zu denken. Einzig und allein die Tatsache, dass ihr durch das Einsammeln von Tarotkarten an Bonusmaterial wie z.B. Zeichnungen, Grafiken oder Entwicklerinterviews gelangt, kann dazu führen, den Datenträger weitere Male in die Konsole zu legen.
In der Summe erreicht der Titel ein
ordentliches grafisches Niveau, obwohl vereinzelte Defizite das optische Gesamtbild trüben. Doch beäugen wir zuerst die Stärken: Absolute Spitzenklasse sind die raffinierten Zwischensequenzen, die einen nicht unbedeutenden Teil der dichten Atmosphäre erzeugen. Ebenfalls hochwertig präsentieren sich die Charaktermodelle, die durch
viel Liebe zum Detail und ansehnliche Animationen das kritische Spielerauge überzeugen. Des Weiteren zeichnet sich
Constantine durch farbenfrohe Licht-, Partikel- und Zaubereffekte aus. Einige Ungereimtheiten finden sich allerdings in den teils monotonen Umgebungen sowie in den ausgewaschenen Texturen wieder. Zuletzt sind mancherorts auch vereinzelte Clippingfehler und Einbrüche der Framerate zu erkennen. Die soundtechnische Untermalung knüpft konsequent an die gelungene Optik an und stellt dadurch eine gute technische Gesamtwertung sicher. Einen nicht unbedeutenden Anteil daran besitzt die deutsche Synchronisation, die euch das Spielgeschehen unaufhörlich in verblüffender Filmqualität serviert. Auch das teilweise entsetzliche Gekeife der feindlichen Widersacher fügt sich bemerkenswert in den Spielverlauf ein, woraufhin
John Constantine immer wieder einen passenden Spruch parat hat. In punkto Soundtrack, der leider nur eine recht dürftige Auswahl an orchestralen Kompositionen bereithält, hätte das Studio etwas mehr Entwicklungszeit investieren müssen. Keine Frage: Die Musikstücke geben der Atmosphäre den nötigen Schliff, doch mangelt es schließlich an der Quantität.