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Master-Review:   » drucken    » versenden

Constantine

» Autor: Björn Sturm
» Datum: 02.03.2005
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Constantine weckt den Dämonenjäger in euch - nur leider viel zu kurz.

Nicht erst seit gestern sind einige Publisher an Umsetzungen potentieller Kinokassenschlager auf den aktuellen Konsolenplattformen interessiert. Ein adäquates Beispiel stellt gegenwärtig die Portierung des Mystery-Thrillers Constantine dar, welche hierzulande vor wenigen Tagen das Licht der Videospielwelt erblickte. Dabei versetzten euch die Bit Studios in die Haut von John Constantine, der über eine außergewöhnliche Gabe verfügt. Der besagte Held ist in der Lage, Dämonen, Halbblut-Engel und anderweitiges Höllengesindel wahrzunehmen und von der Erdoberfläche zu verbannen. Doch immer der Reihe nach: Wir haben uns das schaurige Action-Adventure zur Brust genommen, um euch im Master-Review fundierte Auskunft über die Qualitäten des Titels zu geben.

Die Hölle auf Erden
Der vorgeschichtliche Part ist schnell erzählt: Die sonderbare Fähigkeit, permanent böswillige Höllenwesen zu ertragen, endete für John Constantine im fest entschlossenen Suizid. Doch selbst die letzte Ruhe blieb ihm nicht vergönnt, denn
» Gib der Hölle keine Chance.
von nun an muss er sich als Teufelsaustreiber zwischen Ober- und Unterwelt durchschlagen. Als sich dann noch eine umstrittene Polizeidetektivin an ihn wandte, um den Tod ihrer Zwillingsschwester aufzuklären, war die Rückkehr des kettenrauchenden Helden perfekt. Eines vorneweg: Die intensive Zusammenarbeit mit Schauspieler Keanu Reeves hat sich gelohnt, denn sowohl in den Zwischensequenzen als auch im grundlegenden Spielverlauf sieht das virtuelle Ebenbild dem realen Original zum Verwechseln ähnlich.
Wie eingangs erwähnt, handelt es sich bei Constantine um ein Action-Adventure aus der klassischen Third-Perspektive, das in punkto Präsentation und Gameplay deutlich an Genre-Kollegen Max Payne erinnert. Trotzdem ist John Constantine mehr als nur ein imitierter Rockstar-Draufgänger: Demnach besitzt Herr Exorzist die Fähigkeit, in die Welt des finsteren Höllenfürsten zu sausen - bei Bedarf natürlich auch wieder zurück. Um in Luzifers Unterwelt zu gelangen, stellt ihr euch - so abstrus das auch klingen mag - in eine Wasserpfütze und drückt anschließend eine vorgegebene Tastenkombination. Die Fahrkarte für eure Rückreise verkörpert jedoch - wer hätte es gedacht - eine heilige Ampulle, die ihr stilgemäß auf eurem Oberkörper zertrümmert.

In Teufels Küche
Unzweifelhaft: Der Wechsel zwischen Erde und Hölle ist der entscheidende Faktor im Spielverlauf. Dabei gilt es im Rahmen der dreizehn unterschiedlichen Stages bestimmte Gegenstände beider Ebenen miteinander zu kombinieren. Konkretes
» Der Drachenhauch ist effektiv.
Beispiel gefällig? Ihr seid auf der Erde zu Gange und müsst eine verschlossene Tür in Augenschein nehmen - wo ist nur dieser verdammte Schlüssel? Keine Sorge: Die Höllenwelt bietet euch die Lösung, denn neben einer Kiste findet ihr schnurstracks das vermisste Utensil. Außerdem lässt sich eine Hilfeoption aufrufen, die euch jederzeit mit umfassenden Details zu Missionszielen, Zaubersprüchen, Waffen, Artefakten und Monster versorgt. Dennoch gilt: Für Profispieler ist das Leveldesign weitgehend anspruchslos - für Genreneulinge größtenteils unkompliziert.
Im grundlegenden Spielverlauf ist der Rätselanteil schwindend gering ausgefallen, daher seid ihr hauptsächlich mit der Beseitigung von unzähligen Untoten und Dämonen beschäftigt. Doch John Constantine wäre kein Exorzist, könnte er nicht auf ein reichhaltiges Waffenarsenal und magische Kräfte zurückgreifen. Um den höllischen Ausgeburten gehörig Dampf unterm verwesten Hintern zu machen, dürft ihr euch z.B. auf den Hexenfluch (einer schweren Doppelkanone), den Drachenhauch (einer Art Flammenwerfer) und auf das Heilige Gewehr verlassen. Obendrein stehen euch diverse Zaubersprüche zur Verfügung, die via Tastenkombination und in einem vorgegebenen Zeitintervall gedrückt, eindrucksvoll mehrere Feinde zeitgleich ins Nirwana befördern. Da jedoch Gegner existieren, die auf den ersten Blick menschlichen Wesen ähneln, könnt ihr euch neben dem Wahrheitsblick auch auf mit Weihwasser gefüllte Bomben berufen. In beiden Fällen verschwindet die optische Verschleierung und euer Gegenüber ist augenblicklich aufgeflogen. In Constantine könnt ihr außerdem die blanken Fäuste sprechen lassen - ein geradliniger rechter Hacken in der Fratze des Bösen sieht hier nicht nur gut aus, sondern ist zudem durchaus effektiv.

Kalorienarme Satanskost
Sicherlich erscheint die Auswahl von insgesamt drei Schwierigkeitsgraden zunächst vielversprechend. Doch weit gefehlt: Constantine ist sogar auf mittlerer Stufe unheimlich einfach zu spielen und wird selbst Gelegenheitszocker zu keinem
» Der Blick in die Wahrheit.
Zeitpunkt fordern. Noch schlimmer: Ferner werden sich Genreprofis sogar auf höchstem Schwierigkeitsniveau durchgängig ins Fäustchen lachen. Zugegeben: Um den letzten Oberboss erfolgreich ins Jenseits zu befördern, müsst ihr ein paar Anläufe investieren. Wer sich jedoch mit der desolaten KI der herkömmlichen Gegner auseinandersetzt, wird sich zu Recht über den unzureichenden Schädelinhalt beklagen.
Falls ihr zu den zartbesaiteten Spielernaturen zählt, wird euch Constantine unzweifelhaft auf den Magen schlagen. Wenngleich zu keinem Zeitpunkt spritzende Lebenssäfte oder gar Gliedabtragungen zu erkennen sind, ist das Gebotene - insbesondere in der Unterwelt - wahrhaftig nichts für schwache Nerven. Hier bietet sich ein vielfältiges Bild: Stellen verzerrte Schreckensgesichter noch den harmlosen Teil dar, geben euch drangsalierte Menschenkörper und komplett verkohlte Leiber den Rest. Mahlzeit!
Weitaus positiver offenbart sich dagegen die erstklassig umgesetzte Steuerung, die ihr bereits nach kurzer Spielzeit verinnerlicht habt. Darüber hinaus gibt auch die stets optimale Kamera keinen Anlass zur Kritik. Auf diese könnt ihr euch sogar bei schnellen 180-Grad-Drehungen mit dazugehöriger Bullet-Time - Herr Payne lässt an dieser Stelle schön grüßen - komplett verlassen. Letztlich fügen sich auch die atmosphärischen Zwischensequenzen ausgezeichnet in den Spielverlauf mit ein.

Kurzweiliger Spielspaß und überzeugende Technik
In den ersten Spielstunden baut Constantine ohne Zweifel eine enorm dichte Atmosphäre auf, denn durch die Aufeinanderfolge der mustergültigen Videosequenzen wird euch die Story einleuchtend erklärt. Freilich besitzt die
» Herr Exorzist kann zweifellos mit Waffen umgehen.
Thematik genug Potential, um euch eine gewisse Zeit in den Bann zu ziehen, doch die bis dahin wohlschmeckende Spielspaßsuppe wird euch später angesichts einiger misslungener Gameplay-Elemente versalzen. Die Gründe liegen auf der Hand: Einerseits stellt der gebotene Schwierigkeitsgrad - unabhängig auf welcher Stufe - zu keinem Zeitpunkt eine ernsthafte Anforderung an euch. Andererseits gibt die kurze Spieldauer von rund 5 Stunden etwas zu denken. Einzig und allein die Tatsache, dass ihr durch das Einsammeln von Tarotkarten an Bonusmaterial wie z.B. Zeichnungen, Grafiken oder Entwicklerinterviews gelangt, kann dazu führen, den Datenträger weitere Male in die Konsole zu legen.
In der Summe erreicht der Titel ein ordentliches grafisches Niveau, obwohl vereinzelte Defizite das optische Gesamtbild trüben. Doch beäugen wir zuerst die Stärken: Absolute Spitzenklasse sind die raffinierten Zwischensequenzen, die einen nicht unbedeutenden Teil der dichten Atmosphäre erzeugen. Ebenfalls hochwertig präsentieren sich die Charaktermodelle, die durch viel Liebe zum Detail und ansehnliche Animationen das kritische Spielerauge überzeugen. Des Weiteren zeichnet sich Constantine durch farbenfrohe Licht-, Partikel- und Zaubereffekte aus. Einige Ungereimtheiten finden sich allerdings in den teils monotonen Umgebungen sowie in den ausgewaschenen Texturen wieder. Zuletzt sind mancherorts auch vereinzelte Clippingfehler und Einbrüche der Framerate zu erkennen. Die soundtechnische Untermalung knüpft konsequent an die gelungene Optik an und stellt dadurch eine gute technische Gesamtwertung sicher. Einen nicht unbedeutenden Anteil daran besitzt die deutsche Synchronisation, die euch das Spielgeschehen unaufhörlich in verblüffender Filmqualität serviert. Auch das teilweise entsetzliche Gekeife der feindlichen Widersacher fügt sich bemerkenswert in den Spielverlauf ein, woraufhin John Constantine immer wieder einen passenden Spruch parat hat. In punkto Soundtrack, der leider nur eine recht dürftige Auswahl an orchestralen Kompositionen bereithält, hätte das Studio etwas mehr Entwicklungszeit investieren müssen. Keine Frage: Die Musikstücke geben der Atmosphäre den nötigen Schliff, doch mangelt es schließlich an der Quantität.
Pro
Packende Atmosphäre
Erstklassige Zwischensequenzen
Abwechslungsreiches Waffenarsenal
Ansprechende Gesamtoptik
Contra
Relativ kurze Spieldauer
Vereinzelte Einbrüche der Framerate
Teils desolate Gegner-KI
Enorm leichter Schwierigkeitsgrad
Fazit
Der alte Satan käme nicht weit ohne sehr viel Hilfe: In meinen Augen trifft kein besseres Sprichwort für SCis Konsolenumsetzung zu, denn nüchtern betrachtet habe ich mir das Abenteuer in der Höllenwelt weitgehend anspruchsvoller vorgestellt. Trotz eines mehrstufigen Schwierigkeitsgrades ist Constantine binnen eines längeren Nachmittags durchgespielt und findet seinen Weg leider verfrüht in die Spielvitrine zurück. Dabei kann das Gebotene - wenn auch nur für diesen kurzen Zeitraum - klar überzeugen. Dafür verantwortlich zeigen sich die dichte Atmosphäre, die variierenden Zauberfähigkeiten und das schnörkellose Kampfsystem. Dem gegenüber lassen die spielerischen Ähnlichkeiten mit Berufskollege Max Payne keinen Zweifel daran, dass man sich bei den Herren von Rockstar Games so manches Mal bedient hat. Nichtsdestotrotz ist die technische Seite gelungen und lässt den Entwicklern zu Recht ein kleines Lob zukommen. Summa Summarum: Wer auf Gänsehaut steht und konventioneller Spielkost nicht abgeneigt ist, sollte sich Herrn Teufelsaustreiber testweise in die eigenen Räumlichkeiten einladen.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
Publisher
SCi
Entwickler
Bits Studios
Website
www.constantine...
Release
25. Februar 2005
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