Square-Enix serviert eine würdige Fortsetzung der Traditionsserie mit nur wenigen Schwächen.In punkto Langlebigkeit und Erfolg können nur wenige Rollenspiel-Franchises mit Final Fantasy mithalten. Galt diese zu ihren Anfängen als Fixstarter auf Nintendo-Konsolen, so kurbelt
Square-Enix seit Teil sieben schwerpunktmäßig den Absatz von Sonys Spielekisten an. Für den jüngsten Sprössling der Serie bemüht das Entwicklerteam das bereits etablierte Universum Ivalice, welches schon Top-Titeln wie
Vagrant Story und
Final Fantasy Tactics einen stimmungsvollen Hintergrund bot. Ob
Final Fantasy XII an den Erfolg der genannten Titel anknüpfen kann, durchleuchtet das folgende
Master-Review.
Episode siebenIvalice ist schon seit langem kein friedlicher Platz mehr. Die großen Imperien Rozarria und Archadia rittern um die Vorherrschaft über ganz Ivalice und die Expansionsbestrebungen dieser beiden bedeuteten schon das Ende
» Große Parade der Mogrys. |
für so manches Königreich. Auch das Land Dalmasca fiel dem Streit zum Opfer und wurde von den archadianischen Streitkräften gewaltsam annektiert. Für die Bewohner Dalmascas begann mit diesem Ereignis ein Leben im Untergrund. Sie wurden aus ihren Städten in die Kanalisation vertrieben, um der Bevölkerung Archadias Platz zu machen.
Wie diese kurzen Ausführungen bereits andeuten, distanziert sich die Handlung in
Final Fantasy XII von den genreüblichen Stereotypen und entpuppt sich als
handfestes Polit-Drama. Mit einem bunt zusammengewürfelten Haufen an Helden, die nur wenig zu verbinden scheint, zieht ihr aus, um die geknechtete Bevölkerung vom Joch Archadias zu befreien. Mehr wird jedoch an dieser Stelle nicht verraten. Ivalice-Kenner dürfen sich im Rahmen dieser Bestrebungen über
viele Wiedersehensmomente freuen. Bekannte Rassen, Gegenden und ein zentraler Charakter aus
Final Fantasy Tactics Advance sorgen so für vertraute Momente. Kurioserweise erinnert der Titel über weite Strecken hinweg genauso an
Krieg der Sterne. Gerade zu Beginn erwecken die Wüstenlandschaften, die Raumschiffe und das bunte Treiben in den Städten viel mehr Erinnerungen an Tatooine als an Ivalice.
Zufallsbegegnungen adeWährend
Square-Enix bei
Dragon Quest: Die Reise des verwunschenen Königs konsequent auf traditionelle Gameplay-Elemente setzte, blieb beim neuesten Sprössling der Final Fantasy-Reihe kaum ein Stein auf dem
» Das neue Kampfsystem ist deutlich dynamischer. |
anderen. Am augenscheinlichsten tritt dies beim Kampfsystem zu Tage. Die seit Urzeiten des Konsolen-Rollenspiels vorherrschenden (und oftmals nervtötenden) Zufallskämpfe wurden in die ewigen Jagdgründe verbannt und durch ein dynamischeres Konzept namens
Active Dimension Battle ersetzt. Auseinandersetzungen finden nicht mehr in einem eigenen Kampfbildschirm sondern direkt an Ort und Stelle statt, was für ein deutlich
flüssigeres Spielerlebnis sorgt.
Während ihr den Anführer der Party selbst steuert, übernimmt die KI in den Gefechten die Kontrolle über eure Gefolgschaft. Im Falle eines Misserfolgs gibt es jedoch keine Möglichkeiten zur Ausrede auf die CPU, denn die KI-gesteuerten Charaktere agieren gemäß von euch selbst vordefinierten Verhaltensmustern, den sogenannten
Gambits. Hierbei handelt es sich vereinfacht gesagt um eine Reihe von Wenn-Dann-Bedingungen, die genau festlegen, wie sich die Mitstreiter in unterschiedlichen Situationen zu verhalten haben. Zum Beispiel könnt ihr hier angeben, dass ein bestimmter Charakter Party-Mitglieder heilen soll, wenn deren Trefferpunkte unter ein gewisses Niveau fallen.
Lizenz zum TötenDie taktischen Möglichkeiten, welche dieses System bietet, erlauben einiges an kreativem Spielraum. Leider gestaltet sich das Zusammenklicken der Gambits für die ganze Party
äußerst fummelig. Ein weiteres FF-Novum ist die Tatsache,
» Auf dem Lizenzbrett erwerbt ihr eure Fähigkeiten. |
dass ihr sowohl in den Dungeons als auch auf der Oberwelt eure Gegner schon von weitem sehen könnt. Somit darf man stets selbst entscheiden, ob ein Aufeinandertreffen mit den Widersachern angestrebt wird. Als Alternative bietet sich für friedliche Naturen einfach das weiträumige Ausweichen. Wer jedoch ständig Kämpfe scheut, bekommt weder Erfahrungs- noch Lizenzpunkte gut geschrieben.
Besonders letztere stellen jedoch das tägliche Brot dar, da jede Waffe, jeglicher Rüstungsgegenstand und sämtliche Zauber erst dann eingesetzt werden dürfen, wenn der betreffende Charakter im Besitz der entsprechenden Lizenz ist. Und da bekanntlich nur der Tod umsonst ist, müsst ihr diese Berechtigungen auf dem
Lizenzbrett im Tausch gegen die erwähnten Punkte erwerben. Konzeptionell steckt hinter diesem Prinzip eine Abwandlung des Sphäro-Bretts, welches in
Final Fantasy 10 zum Einsatz kam. Mehr noch als bei letzterem Spiel habt ihr im aktuellen System die Entscheidungsgewalt, in welche Richtung ihr die einzelnen Party-Mitglieder spezialisieren wollt, da sie alle mit den gleichen Voraussetzungen beginnen und über die selben Erweiterungsmöglichkeiten verfügen.
Licht und Schatten Final Fantasy XII setzt auf die firmentypischen Stärken. Vor allem technisch punktet der Titel in allen Belangen. Die gewohnt
imposanten Rendersequenzen verwöhnen das Auge des Betrachters ebenso wie die Ingame-Grafik,
wobei letztere an Kantenflimmern leidet. Akustisch geigt
Square-Enix groß auf, die Synchronstimmen tragen die Texte überzeugend vor und die Musikstücke bereichern das Geschehen auf dem Bildschirm atmosphärisch enorm. Dennoch macht sich die nur eingeschränkte Mitwirkung von Komponist
Nobuo Uematsu bemerkbar, denn die konkurrenzlose Qualität der Tracks aus
Final Fantasy 10 wird nicht erreicht.
Das
Charakterdesign hinterlässt einen
zwiespältigen Eindruck. Während vor allem viele eurer Kontrahenten zu beeindrucken wissen, muss sich die Heldengruppe großteils mit dem Attribut farblos betiteln lassen. Prinzessin Ashe, eine der zentralen Figuren, wirkt gar wie ein müder Abklatsch der aus
Final Fantasy 10 bekannten Yuna. Dieser Umstand unterstreicht zudem auch die unglückliche Tatsache, dass die Hintergrundgeschichte den Spieler zu keiner Zeit wirklich mitreißt und bewegt. Immerhin gibt sich der Titel in Sachen Umfang keine Blöße. Wer möglichst zielstrebig dem Handlungsstrang folgt, sieht erst nach
rund 50 Stunden den Abspann, hat dann jedoch eine
Unzahl an Side-Quests und Geheimnissen am Wegesrand liegen gelassen.