Squadron Leader besticht wie schon der Vorgänger durch eine gute Mischung aus Arcade und Flugsimulation.Eigentlich dürfte
Namcos Ace Combat-Serie auf einer Konsole niemals erfolgreich sein. Eigentlich... denn der bereits fünfte Teil namens
Squadron Leader (außerhalb Europas:
The Unsung War) beweist, dass es doch Platz für ein mehr oder weniger realistisches aber dafür umso actionlastigeres Videospiel gibt. Das 2001 erschienene
Ace Combat: Distant Thunder (außerhalb Europas:
Shattered Skies) ließ damals alles Dagewesene weit hinter sich. Sowohl in technischer als auch künstlerischer Hinsicht hatte die Arcade-Flugsimulation die Lufthoheit über der PS2 errungen - und eigentlich bis heute nicht abgegeben. Unser Master-Review kann zwar nicht erklären, warum sich
Namco für Europa immer eine andere, verwirrende Namensgebung einfallen lässt, aber es klärt, ob der fünfte Teil
Top Gun oder Flopp Gun ist.
Arcadelastiges Fluggefühl Allen voran muss
Namco zur auf den ersten Blick prächtigen Grafik gratuliert werden. Wer das Spielprinzip hinter Ace Combat nicht kennt, würde sofort meinen, es handle sich um eine realistische Flugsimulation.
» Enten aus den Wolken pusten. |
Doch weit gefehlt:
Squadron Leader steht für leicht zugängliche Flugeinlagen und das ist auch gut so. Den Vergleich mit einer echten Flugsimulation auf dem PC, in der man schon für das Abheben 200 Tastenkombinationen benötigt, würde der Titel nämlich nicht standhalten. Doch das wollten die Entwickler auch gar nicht. Sie konzentrieren sich mehr auf eine komfortable Steuerung und eine
tiefgründige Story. Wie schon im Vorgänger schildert
Ace Combat 5 das Geschehen einer alternativen, jedoch nicht zu weit entfernten, Realität. Zwei große Nationen führen einen erbitterten Krieg. Ihr übernehmt die Rolle von Blaze, seines Zeichens Fighter-Pilot. Die Geschichte gliedert sich dabei in
gut zwei Dutzend Missionen, die begleitet von vielen Dialogen mit anderen Charakteren sowie einigen beeindruckenden Cut-Scenes vor euch ausgebreitet wird. Im großen Gegensatz zum Vorgänger wählte
Namco nicht mehr den gezeichneten Anime-Stil, sondern setzt wieder auf voll animierte Zwischensequenzen.
Immer zu einem Schwätzchen aufgelegt Was
Ace Combat von der Konkurrenz abhebt, ist die faszinierende und fesselnde Erzählweise. In einigen Fällen kann man der Story nur schwer folgen, denn es brechen gleichzeitig viele Informationen über einen herein.
» Maverick: Wo ist die Kamera wenn man sie braucht? |
Hinzu kommen die zwar recht stimmungsvollen, aber auch sehr hektischen Funksprüche mit anderen Teammitgliedern oder der Bodenstation. Diese enthalten oftmals wichtige Details zur Story. Alles in allem kann die
dichte Atmophäre trotzdem voll überzeugen, obwohl die Handlung doch einige mehr oder weniger glaubwürdige Purzelbäume schlägt - was jedoch nicht untypisch für ein japanisches Spiel ist.
Namco hat es gut verstanden, den Spieler immer bei Laune zu halten. Während einer Mission gibt es immer
sehr viele Dialoge und es vergehen kaum einmal 20 Sekunden ohne Funkspruch. Besonders lobenswert sticht die Sprachausgabe hervor: Hier wurden keine Mühen gescheut und man merkt deutlich, dass das Voice-Acting dem Spiel eine eigene Qualität verleiht. Auch der gefällige Soundtrack - unspektatkulär aber auch nie fade - kann überzeugen und vor allem das gute Timing der Musik zum Spielgeschehen fällt sehr positiv auf.
Boogey auf sechs Uhr Ace Combat hat aufgrund der gelungen Grafik eine sehr realistische Optik. Mit ca.
50 verschiedenen Flugzeugen, die allesamt detailliert in Szene gesetzt sind, scheint das auch kein Wunder zu sein.
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Zur Auswahl stehen Jets aus allen Perioden ab den 1960er Jahren: F-4 Phantom, F-16 Fighting Falcon, F/A-18 Hornet oder der Panzerknacker A-10 Warthog. Auch russische Flieger wie die Su-27 Flanker oder MiG-29 dürfen da nicht fehlen. Als Leckerbissen gibt's auch ein paar State-of-the-Art Flugzeuge wie die F-22. Das Spielgeschehen mit diesen Kampfmaschinen präsentiert sich aber doch
sehr arcadelastig. Während in der Realität sehr große Unterschiede zwischen z.B. einer A-10 (langsames, extrem schwer bewaffnetes Flugzeug, das um eine Bordkanone herum gebaut wurde, um Panzer das Fürchten zu lehren) oder einer Su-27 (Hochgeschwindigkeitsflugzeug, speziell für Luft-Luft-Kämpfe) bestehen, steuern sich beide Fluggeräte erstaunlich ähnlich in
Squadron Leader. Im Prinzip muss man nur die grundlegenden Elemente der einzelnen Flugmanöver verstehen und schon kann der Spaß losgehen. Selbst das gefürchtete Stalling (das Flugzeug verliert Vorschub aufgrund eines Manövers) oder die Black-Outs (Bewusstlosigkeit) aufgrund hoher g-Beschleunigung müsst ihr nicht fürchten. Für Anfänger gibt es sogar einen extra leichten Modus mit nochmals vereinfachter Steuerung.
Enten vom Himmel putzen Eine Partie
Ace Combat kann sehr schnell ein Riesenfest für Freunde des nervösen Zeigefingers werden. Mit diversen Raketen oder dem Bordgeschütz könnt ihr die extrem zahlreichen feindlichen Jäger sprichwörtlich vom Himmel putzen.
Obwohl echte
Dogfights (1:1 Luftkämpfe) im Mach-Geschwindigkeitszeitalter natürlich kompletter Humbug sind - die Jets fliegen viel zu schnell dafür - macht genau diese
Over-the-Top-Action Laune. Der Flugtitel bietet einige Abwechslung im Missionsdesign: Einmal müsst ihr Eskorte fliegen, ein anderes Mal sollen Bodenziele mit Bomben ausgeschaltet werden. Darüber hinaus spielen offenbar auch Piloten gerne Schiffchen-Versenken. Im Prinzip laufen aber doch die meisten Missionen nach ähnlichem Muster ab: Feindliche Flugzeuge angreifen, die eigenen Truppen verteidigen, Missionsziele zeitgerecht erfüllen und noch ein wenig mit Freund und Feind kommunizieren.
Apropos Kommunikation: erstmals wurde auch eine
Wingmen-Steuerung implementiert. Mit dem Steuerkreuz könnt ihr dem Geschwader simple Befehle für Angriff und Verteidigung zukommen lassen. Besonder positiv fällt hier die autonome Intelligenz der Mitstreiter auf. Sie agieren nicht auf eigene Faust und verhalten sich klug.
Auf die Plätze. Fertig. Arcade! Je nachdem, wie gut ihr eine Mission absolviert, belohnt euch
Ace Combat mit Geld, das ihr sogleich gegen neuen Flugzeuge eintauschen könnt. Jede Maschine hat auch eine Art
Kilometerzähler, der mitnotiert, wieviel ihr schon mit dem Jet
herum geflogen seid und wie gut ihr damit umgehen könnt. Nach und nach werden so immer mehr Flugzeuge freigeschaltet. Zusätzlich zum umfangreichen Story-Mode bietet sich für Zwischendurch der
Arcade-Mode an, der noch actionlastigere Einlagen garantiert. Hier gilt es immer schwerer werdende Mission innerhalb eines Zeitlimits zu absolvieren. Vor allem aber kommt auch immer wieder die gelungene Grafik-Engine voll zur Geltung. Schöne Wolkenformationen inklusive den obligatorischen Regentropfen und Kondenzstreifen flimmern butterweich über das TV-Gerät. Die Framerate bleibt erfreulich stabil – selbst wenn man zwischen
Cockpit-, HUD- und Außenansicht wechselt. Am schicksten ist natürlich die Außenansicht, wo auch die beweglichen Teile wie Höhen-/Seitenruder in Action bewundert werden dürfen. Puristen werden wohl das etwas unübersichtlichere Cockpit bevorzugen, während gemütlichere Naturen sicher ihren Gefallen an der HUD-Sicht (bester Überblick und zahlreiche Zusatzinfos) ihren Gefallen finden werden. Einzig die verwaschenen Bodentexturen trüben das Fliegerherz etwas, ansonsten stimmt bei der Grafik aber einfach alles.