Hisst die Segel! Konami lädt ein zum Segeltörn.Für Fans von Rollenspielen aus Japan gehören die
Suikoden-Titel zu den Perlen ihres Fachs. Doch mit dem Umstieg auf die PS2 begann eine Leidensgeschichte in Europa: Der dritte Teil, das Next-Generation-Debüt, stellt zwar den Höhepunkt der Serie dar, erschien aber hierzulande nie. Umso gespannter warteten Fans auf den vierten Auftritt- sie scheinen aber enttäuscht zu werden, denn
Suikoden ist qualitativ nicht mehr das, was es einmal war. Handelt es sich hier um ein klassisches Drama in 5 Akten, dessen Regeln Aristoteles schon vor über 2300 Jahren aufstellte? Wäre dem so, folgt auf den Höhepunkt im dritten Akt der vierte Akt mit retardierendem Moment, hinleitend zur Katastrophe im fünften und letzten Akt. Was
Suikoden 4 wirklich taugt, lest ihr in unserem Master-Review.
Eine Seefahrt die ist lustig, ein Seefahrt die ist schön… Im Zentrum eurer Expedition steht das Meer, denn einen Großteil der Spielzeit verbringt ihr auf einem Schiff zwischen den ca.
100 Inseln der Spielwelt. Auch beginnt alles zur See: Euer stummer Held, der im
» Nun seid ihr ein Ritter |
Abenteuer keinen Ton von sich gibt, befindet sich auf Patroullienfahrt für das Königreich von Gaien, in dessen Ritterstand er bald erhoben wird. Alles läuft prima, bis ihr eines Tages bei einer Eskorte von Piraten überfallen werden. Gerade noch rechtzeitig erreicht uns der Kommandant der Flotte und schützt uns vor der mächtigen Rune, die der Pirat in den letzten Sekunden vor seinem Ableben einsetzt. Wie ihr später erfahrt, hat es so einiges auf sich mit der mächtigen
Rune der Bestrafung: Sie zehrt allmählich am Leben ihres Besitzers und führt unweigerlich zu dessen Tod. Tritt dieser Fall ein, wählt sie sich einen neuen Besitzer unter den gerade Anwesenden. Und es würde nicht der Storyauftakt eines Videospiels sein, wenn es anders wäre: Kaum habt ihr euch zurück zu eurem Stützpunkt retten können, wird dieser von einer Armada an Bösewichten angegriffen und bläst zur Jagd auf die seltene und wertvolle Rune. Vor euern unwissenden Augen benutzt der bereits schwache Kommandant sie und kann den Angriff stoppen, bezahlt den Einsatz aber mit seinem Leben. So nimmt das Schicksal seinen Lauf und ihr werdet zum nächsten Wirt im Teufelskreis der Rune. Zu allem Überfluss werdet ihr von eurem Freund Snowe verraten, für den das Ritual wie ein Mord aussah. Nach einem unfairen Prozess findet ihr euch also auf einem kleinen Kahn ohne Segel oder Paddel wieder, ringsherum nichts als Wasser. Doch es soll nicht die letzte Begegnung mit Snowe gewesen sein…
107 einhalb Freunde Die Odyssey hat begonnen und euer Titelheld stolpert auf dem Weg zur Erkenntnis über die verhängnisvolle Rune und über sein Schicksal von Ereignis zu Ereignis. Dabei bleibt er wahrlich nicht alleine: Nicht weniger als 107 Kumpanen, die so genannten
» Zwischensequenzen treiben die Story voran |
Sterne des Schicksals, stehen ihm zur Seite, nachdem sie gefunden und von der guten Sache überzeugt wurden.
Die Weiterführung der Geschichte bewirken die Entwickler fast ausschließlich durch
Zwischensequenzen in Spielgrafik. Diese werden oft durch zielloses Herumirren ausgelöst, welches aus den vielen Pausen im Storyfluss resultiert. Ein Questlog würde sich hier anbieten, ist aber nicht vorhanden. Stattdessen verlassen sich die Entwickler auf das gute Gedächtnis des Spielers, was meist zu weiterem Herumirren führt.
Zufallsk(r)ämpfe Auf dem Meer vergehen kaum fünf Sekunden, ohne dass irgendwelches Kleinvieh das Schiff entert und bekämpft werden will. Doch auch an Land ist die
» Kleine Gegner greifen in Gruppen an |
Frequenz der Zufallskämpfe teilweise heftig:
Suikoden 4 zelebriert diese nervige Tradition der japanischen Rollenspiele besonders intensiv. Das
rundenbasierte Kampfsystem ist schnell erlernt: Neben den Standardaktionen Angriff, Verteidigung und Itemeinsatz wählt ihr außerdem zwischen den Spezialaktionen Sturmangriff, Partnerattacke und Einsatz von Runenmagie. Beim Sturmangriff, der nur von Zeit zu Zeit verfügbar ist, bündeln die maximal drei gleichzeitig mitgeführten Begleiter ihre Energie auf den Anführer, der nun vollständig geheilt einen besonders starken Angriff auf alle Gegner gleichzeitig loslässt. Partnerattacken sind jederzeit ausführbar und sind auch stärker als normale Angriffe; der Clou besteht darin, die Kombinationen aus zwei oder mehr Mitstreitern herauszufinden. Neben der Rune der Vergeltung gibt es noch zahlreiche andere im Kampf einsetzbare Magiesteine. Diese sockelt ein Runenmeister, der in jeder größeren Stadt zu finden ist, am Körper eurer Charaktere. Sie sind in die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft geteilt und haben vielfältige Wirkungen. Ein Kampf kann außerdem durch einen Flucht- oder Bestechungsversuch beendet werden. Bei letzterem entkommt ihr dem Gegner gegen Tausch von Potch, der Währung in
Suikoden 4. Neben den
vier Partymitgliedern habt ihr weiterhin einen fünften Slot für Unterstützer zur Verfügung. Diese agieren unsichtbar im Hintergrund und heilen, verbessern eure Angriffswerte usw.
Schere-Stein-Papier Deluxe Neu hinzugekommen im vierten Teil sind die
Seeschlachten: Diese taktischen Hexfeldkämpfe, in denen ihr ein oder mehr Schiffe als Kapitän in den Kampf schickt, sind zwar nicht besonders tiefgründig oder schwer, lockern aber dafür
» Das Kampfsystem in Aktion |
den Spielverlauf auf und sind durchaus spaßig. Nachdem ihr Aufgaben an eure Crew verteilt, gilt es, den Gegner durch Runenbeschuss oder Entern unschädlich zu machen. Manchmal kommt es dabei zum
Duell zwischen den beiden Anführern: Dann wählt ihr in einer klassischen Beat em’ up-Ansicht rundenweise aus den Aktionen Angriff, Verteidigung und Spezialangriff. Nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip wird daraufhin Schaden verteilt. Auch diese Duelle sind keine besondere Herausforderung, da die Gegner fleißig Sprüche klopfen und ihre nächste Aktion so leicht zu erahnen ist. Zum Entspannen zwischendurch bieten das Programm unzählige kleine Minispiele, in denen das erkämpfte Geld umgesetzt werden kann. An vielen Ecken stehen Personen oder Läden, die zu den kleinen Zockereien einladen.
Rollenspieler werden sich wundern: Nachdem sie schon zu Beginn keinen Charaktererschaffungsbildschrim zu Gesicht bekommen, sollten sie doch spätestens nach dem ersten Levelaufstieg die ersten Attributspunkte verteilen dürfen? Fehlanzeige! In
Suikoden 4 gibt es weder Klassen zu wählen noch Punkte auf Fähigkeiten zu verteilen – lediglich die unterstützenden Charaktere haben ein Aufgabengebiet. Die strategische Tiefe beim Verbessern der vier Charakterwerte Angriff, Verteidigung, Geschwindigkeit und Gesundheitspunke durch Items bleibt ebenso aus. Wie lange das Spiel beschäftigt, hängt größtenteils von der Vorgehensweise des Spielers ab. Schnelle Zocker haben die Haupthandlung nach ungefähr 25 Stunden beendet, ruhigere Genossen brauchen aber noch gut 10-15 Stunden länger, bis sie alle Sterne des Schicksals gefunden und die gesamte Seekarte erforscht haben.
Technischer EinheitsbreiWeder visuell noch akustisch setzt dieser Titel zu Quantensprüngen an. Die Farben sind durchgehend recht blass geraten und die Texturen liegen karg und matschig auf der detailarmen Umgebung. Vor allem auf dem Meer gibt es außer dem Schiff und
» In Geschäften wird der Vorrat aufgestockt |
jeder Menge Wasser fast keine anderen Blickfänge, was die Seereisen noch langweiliger macht, als sie ohnehin schon sind. Dieses Grundprinzip lässt sich auch auf die Charaktermodelle übertragen. Die Grafik ist nicht hässlich, das sollte man nicht falsch verstehen, sondern nur zweckmäßig und unauffällig durchschnittlich. Vor allem im Intro wird deutlich: Die Musik in
Suikoden 4 ist gar nicht mal so schlecht, teilweise sogar recht stimmig und passend, doch im Spiel stellt sich heraus, dass sie nur im Hintergrund – immerhin situationsangepasst – unmerklich vor sich hindudelt und eigentlich gar nicht auffällt. Die Sprachausgabe der deutschen Version ist in Englisch, die Dialoge in Textfenstern sind komplett übersetzt. Zwar sind die Stimmen teilweise durchaus gelungen, doch hört man sie viel zu selten. Daraus folgt, dass die eingeworfenen Sprachfetzen in wichtigen Sequenzen den Eindruck stören.