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Master-Review:   » drucken    » versenden

Blood Will Tell

» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 26.03.2005
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Monotones Hack’n’Slay mit 48 gelungenen Bosskämpfen und abgedrehter Hauptfigur.

Atari sorgt wieder einmal für Hack'n'Slay-lastigen Actionnachschub aus Fernost. Mit Blood Will Tell bringt der Publisher Segas neuestes Metzelwerk auch hierzulande auf den Markt und will potenzielle Käufer mit einer abgedrehten Hauptfigur und viel Action vor den Fernseher locken. Ob der Titel sein Geld wert ist, erfahrt ihr wie immer in unserem Master-Review, in dem wir das Spiel - im wahrsten Sinne des Wortes - auf Herz und Nieren getestet haben.

Full Metal Samurai
Das Leben ist hart - und bei manchen ist es sogar noch härter! Ein gutes Beispiel dafür, wie übel es einen erwischen kann, ist der junge Samurai Hyakkimaru. Er wurde gleich nach seiner Geburt von Dämonen entführt,
» Das tut weh!
die ihm kurzerhand sämtliche Körperteile und Organe entnahmen, um diese durch diverse Waffen sowie künstliche Gebilde zu ersetzen. So machten sie aus dem gesunden Sprössling eine groteske Kriegsmaschine. Statt Unterarmen und Händen verfügt Hyakkimaru über lange Klingen. In seinen rechten Arm ist zudem ein Maschinengewehr implantiert. Perfektioniert wird die Bewaffnung durch eine im Bein verarbeitete Bazooka, welche durch hohe Durchschlagskraft zu überzeugen weiß.
Ein Samurai mit einem Maschinengewehr im Arm und einer Bazooka im Bein? Und das im feudalen Japan? Klingt trashig und ist es auch. Dennoch bieten diese Körpermodifikationen einige wertvolle Vorteile gegenüber den Gegnerhorden, denen sich der Protagonist im Verlauf des Spiels stellen muss: Neben rund 50 Standardmonstern sind dies 48 Dämonen, von denen jeder jeweils ein Körperteil des geschundenen Hyakkimura bewacht. Ziel des Spiels ist es, hinter das Geheimnis des jungen Samurai zu kommen und alle seine Extremitäten und Organe wiederzufinden, um ihm seine Menschlichkeit zurückzugeben.

Playstation kaputt?
Das Spiel beginnt irgendwo in einer nicht näher benannten Einöde, in welcher Hyakkimura auf seine ersten Feinde trifft. Dies wird vom Programm gleich genutzt, die grundsätzlichen
» Groteskes Gegnerdesign.
Steuerungsbefehle zu vermitteln. Dabei hält sich der Titel an geltende Action-Standards und dürfte somit niemanden vor echte Probleme stellen. Laufen, ausweichen, springen, harter und leichter Schlag gehen dank sinnvoller Controllerbelegung genauso schnell ins Blut über wie die Benutzung der implantierten Feuerwaffen. Lediglich die Kamera will nicht immer so wie der Spieler und muss daher des Öfteren manuell zentriert werden.
Cooler Verwirr-Effekt in den ersten Spielminuten: Die komplette Sicht ist in schwarz/weiß gehalten. Dies liegt nicht etwa an einem Hardwarefehler oder TV-Defekt, sondern ist von den Entwicklern beabsichtigt. Erst nach dem Kampf gegen einen frühen Endgegner findet man sein richtiges Auge und kann fortan die Welt in ihrer vollen Schönheit betrachten. Leider muss man bei Blood Will Tell aber eher von Hässlichkeit sprechen, da die Grafik insgesamt ziemlich trist geraten ist. Schwache Texturen, polygonarme Figuren und das Playstation 2-typische Kantenflimmern lassen die visuelle Seite des Titels schnell im Mittelmaß versinken. Lediglich das teils groteske Gegnerdesign sowie einige opulente Dämonenbosse wissen einigermaßen zu gefallen und stellen somit die visuellen Highlights des Spiels dar. Erschwerend hinzu kommen sehr häufige Ladebildschirme, welche den Spielfluss stören und für zusätzlichen Verdruss über die mäßige Technik sorgen. Im Gegensatz zur Optik kann wenigstens der Sound überzeugen und bietet solide Kost fürs Ohr.

Fingertraining
Obwohl im Verlauf des recht umfangreichen Titels über 50 verschiedene Typen an Standardgegnern den Weg des Protagonisten kreuzen, spielen sich alle Kämpfe relativ gleich. Oft führt simples Buttonsmashing im richtigen
» Gib der Oma ein Küsschen!
Moment zum Sieg über die zahlenmäßig weit überlegenen, aber strunzdummen Feinde. Auch das Leveldesign weiß nicht zu überzeugen: So laufen die allermeisten Missionen darauf hinaus, von Punkt A nach Punkt B zu hetzen und unterwegs alles abzuschlachten. Mehrmals verwendete Levelabschnitte und die tristen Umgebungen verschlimmern die Monotonie zusätzlich.
Anders hingegen sieht es bei den insgesamt 48 Bossgegnern aus. Diese wurden größtenteils toll in Szene gesetzt, erfordern individuelle Taktiken sowie viel Geschick am Gamepad und sorgen so für Abwechslung im tristen Samuraialltag. Während einige Kontrahenten vor allem durch Größe und immense Stärke auftrumpfen, berufen sich andere nur auf ihre kämpferischen Geschicke und flitzen blitzschnell über den Bildschirm. Manche Bosse wiederum heizen dem Spieler mit Zaubern ein, während diverse Obermotze sogar fliegen können. Insgesamt befinden sich die Endgegnerkämpfe auf einem hohem Niveau und bieten selbst geübten Spielern ein gutes Maß an Herausforderung und Abwechslung. Gleichzeitig sind sie die Hauptmotivation, die öden Abschnitte gegen niedere Kreaturen durchzuspielen.
Durch die vielen Kämpfe kann die Hauptfigur an Geschicklichkeit gewinnen und Erfahrung in der Handhabung der verschiedenen Waffen sammeln, was durch Levelupgrades verdeutlicht wird. Neben den im Körper des Protagonisten verbauten Kriegsgeräten gibt es noch diverse einsammelbare Waffen, welche überall im Spiel versteckt wurden.

Kleiner Helfer und ausgedehnte Zwischensequenzen
Kurz nach Beginn des Spiels trifft Hyakkimaru den jungen Dororo, welcher ihm fortan hilfreich zur Seite steht. Dank gelungener Mitstreiter-KI ist dieser eine echte Hilfe und heizt den Gegnern, je nach
» Das MG im Arm leistet gute Dienste.
Wunsch des Spielers, ein oder sammelt Objekte, um diese später Hyakkimaru zu übergeben. Weniger gelungen sind einige Missionen, in denen der Spieler selbst die Geschicke des Dreikäsehochs übernimmt. Diese spielen sich durchaus kampfärmer als die Passagen mit dem Haupthelden und langweilen durch schwache Adventureelemente, dem Ausweichen von Fallen und mäßigen Sprungpassagen.
Nette Dreingabe: Statt Dororo von der KI steuern zu lassen, kann dieser von einem zweiten Spieler übernommen werden, um den Titel kooperativ zu spielen. Allerdings konzentriert sich die Kamera hierbei immer noch auf den Hauptcharakter, während sie den zweiten Spieler vollkommen unbeachtet lässt, so dass man dieses Feature kaum als vollwertigen Kooperations-Modus durchgehen lassen kann.
Zwischen den Missionen wird die Story in schicken Rendervideos und Ingamesequenzen fortgesponnen. Leider haben es die Entwickler hier manchmal etwas übertrieben und so ziehen sich einige dieser bewegten Bilder wie Kaugummi und langweilen den Spieler. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen.
Pro
48 spannende Bossfights
Intuitive Bedienung
Schräge Hauptfigur
Solide Story
Contra
Kämpfe gegen Standardgegner auf Dauer ermüdend
Ödes Leveldesign
Langatmige Zwischensequenzen
Kein wählbarer Schwierigkeitsgrad, daher für Einsteiger ungeeignet
Mäßige technische Umsetzung
Häufige Ladebildschirme
Fazit
Blood Will Tell bietet vor allem eines: Gelungene Bosskämpfe bis zum Abwinken. Leider hat man beim Drumherum nicht so viel Ideenreichtum an den Tag gelegt und so präsentiert sich der Titel abseits der Kämpfe gegen die 48 Endgegner als lediglich durchschnittliches Hack’n’Slay-Vergnügen. Zwar gibt es auch bei den Standardwidersachern zahlreiche Variationen, allerdings lassen sich die meisten durch ein und die selbe Taktik besiegen, so dass die Fights schnell ermüden. Besonders öde fand ich die Abschnitte mit Klein-Dororo , die durch nervige Suchrätsel und schwache Abstiche ins Plattform-Genre langweilen. Hinzu kommt eine nur mäßige grafische Umsetzung der Spielwelt. Unter dem Strich bleibt also ein durchschnittlicher Metzeltitel mit tollen Bosskämpfen und einer herrlich schrägen Hauptfigur. Alles in allem hätte man aber weitaus mehr aus dem Spiel machen können – Schade!
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
Publisher
Atari
Entwickler
WOW Entertainme...
Website
www.atari.de/pr...
Release
18. Februar 2005
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User-Bewertung
65
3 Bewertungen
1 Review
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