Monotones Hack’n’Slay mit 48 gelungenen Bosskämpfen und abgedrehter Hauptfigur.Atari sorgt wieder einmal für Hack'n'Slay-lastigen Actionnachschub aus Fernost. Mit
Blood Will Tell bringt der Publisher Segas neuestes Metzelwerk auch hierzulande auf den Markt und will potenzielle Käufer mit einer abgedrehten Hauptfigur und viel Action vor den Fernseher locken. Ob der Titel sein Geld wert ist, erfahrt ihr wie immer in unserem
Master-Review, in dem wir das Spiel - im wahrsten Sinne des Wortes - auf Herz und Nieren getestet haben.
Full Metal SamuraiDas Leben ist hart - und bei manchen ist es sogar noch härter! Ein gutes Beispiel dafür, wie übel es einen erwischen kann, ist der junge Samurai
Hyakkimaru. Er wurde gleich nach seiner Geburt von Dämonen entführt,
die ihm kurzerhand sämtliche Körperteile und Organe entnahmen, um diese durch diverse Waffen sowie künstliche Gebilde zu ersetzen. So machten sie aus dem gesunden Sprössling eine groteske Kriegsmaschine. Statt Unterarmen und Händen verfügt
Hyakkimaru über lange Klingen. In seinen rechten Arm ist zudem ein Maschinengewehr implantiert. Perfektioniert wird die Bewaffnung durch eine im Bein verarbeitete Bazooka, welche durch hohe Durchschlagskraft zu überzeugen weiß.
Ein Samurai mit einem Maschinengewehr im Arm und einer Bazooka im Bein? Und das im feudalen Japan? Klingt
trashig und ist es auch. Dennoch bieten diese
Körpermodifikationen einige wertvolle Vorteile gegenüber den Gegnerhorden, denen sich der Protagonist im Verlauf des Spiels stellen muss: Neben rund
50 Standardmonstern sind dies
48 Dämonen, von denen jeder jeweils ein Körperteil des geschundenen
Hyakkimura bewacht. Ziel des Spiels ist es, hinter das Geheimnis des jungen Samurai zu kommen und alle seine Extremitäten und Organe wiederzufinden, um ihm seine Menschlichkeit zurückzugeben.
Playstation kaputt?Das Spiel beginnt irgendwo in einer nicht näher benannten Einöde, in welcher
Hyakkimura auf seine ersten Feinde trifft. Dies wird vom Programm gleich genutzt, die grundsätzlichen
» Groteskes Gegnerdesign. |
Steuerungsbefehle zu vermitteln. Dabei hält sich der Titel an geltende Action-Standards und dürfte somit niemanden vor echte Probleme stellen. Laufen, ausweichen, springen, harter und leichter Schlag gehen dank
sinnvoller Controllerbelegung genauso schnell ins Blut über wie die Benutzung der implantierten Feuerwaffen. Lediglich die
Kamera will nicht immer so wie der Spieler und muss daher des Öfteren manuell zentriert werden.
Cooler Verwirr-Effekt in den ersten Spielminuten: Die komplette Sicht ist in schwarz/weiß gehalten. Dies liegt nicht etwa an einem Hardwarefehler oder TV-Defekt, sondern ist von den Entwicklern beabsichtigt. Erst nach dem Kampf gegen einen frühen Endgegner findet man sein
richtiges Auge und kann fortan die Welt in ihrer vollen Schönheit betrachten. Leider muss man bei
Blood Will Tell aber eher von Hässlichkeit sprechen, da die
Grafik insgesamt ziemlich trist geraten ist. Schwache Texturen, polygonarme Figuren und das Playstation 2-typische Kantenflimmern lassen die visuelle Seite des Titels schnell im Mittelmaß versinken. Lediglich das teils
groteske Gegnerdesign sowie einige opulente Dämonenbosse wissen einigermaßen zu gefallen und stellen somit die visuellen Highlights des Spiels dar. Erschwerend hinzu kommen sehr häufige Ladebildschirme, welche den Spielfluss stören und für zusätzlichen Verdruss über die mäßige Technik sorgen. Im Gegensatz zur Optik kann wenigstens der Sound überzeugen und bietet solide Kost fürs Ohr.
FingertrainingObwohl im Verlauf des recht umfangreichen Titels über
50 verschiedene Typen an Standardgegnern den Weg des Protagonisten kreuzen, spielen sich alle Kämpfe relativ gleich. Oft führt
simples Buttonsmashing im richtigen
» Gib der Oma ein Küsschen! |
Moment zum Sieg über die zahlenmäßig weit überlegenen, aber strunzdummen Feinde. Auch das Leveldesign weiß nicht zu überzeugen: So laufen die allermeisten Missionen darauf hinaus, von Punkt A nach Punkt B zu hetzen und unterwegs alles abzuschlachten. Mehrmals verwendete Levelabschnitte und die tristen Umgebungen verschlimmern die Monotonie zusätzlich.
Anders hingegen sieht es bei den insgesamt
48 Bossgegnern aus. Diese wurden größtenteils toll in Szene gesetzt, erfordern individuelle Taktiken sowie viel Geschick am Gamepad und sorgen so für Abwechslung im tristen Samuraialltag. Während einige Kontrahenten vor allem durch Größe und immense Stärke auftrumpfen, berufen sich andere nur auf ihre kämpferischen Geschicke und flitzen blitzschnell über den Bildschirm. Manche Bosse wiederum heizen dem Spieler mit Zaubern ein, während diverse Obermotze sogar fliegen können. Insgesamt befinden sich die
Endgegnerkämpfe auf einem hohem Niveau und bieten selbst geübten Spielern ein gutes Maß an Herausforderung und Abwechslung. Gleichzeitig sind sie die Hauptmotivation, die öden Abschnitte gegen niedere Kreaturen durchzuspielen.
Durch die vielen Kämpfe kann die Hauptfigur an Geschicklichkeit gewinnen und Erfahrung in der Handhabung der verschiedenen Waffen sammeln, was durch Levelupgrades verdeutlicht wird. Neben den im Körper des Protagonisten verbauten Kriegsgeräten gibt es noch diverse einsammelbare Waffen, welche überall im Spiel versteckt wurden.
Kleiner Helfer und ausgedehnte ZwischensequenzenKurz nach Beginn des Spiels trifft
Hyakkimaru den jungen
Dororo, welcher ihm fortan hilfreich zur Seite steht. Dank
gelungener Mitstreiter-KI ist dieser eine echte Hilfe und heizt den Gegnern, je nach
» Das MG im Arm leistet gute Dienste. |
Wunsch des Spielers, ein oder sammelt Objekte, um diese später
Hyakkimaru zu übergeben. Weniger gelungen sind einige Missionen, in denen der Spieler selbst die Geschicke des Dreikäsehochs übernimmt. Diese spielen sich durchaus kampfärmer als die Passagen mit dem Haupthelden und langweilen durch
schwache Adventureelemente, dem Ausweichen von Fallen und
mäßigen Sprungpassagen.
Nette Dreingabe: Statt
Dororo von der KI steuern zu lassen, kann dieser von einem zweiten Spieler übernommen werden, um den Titel
kooperativ zu spielen. Allerdings konzentriert sich die Kamera hierbei immer noch auf den Hauptcharakter, während sie den zweiten Spieler vollkommen unbeachtet lässt, so dass man dieses Feature kaum als vollwertigen Kooperations-Modus durchgehen lassen kann.
Zwischen den Missionen wird die Story in
schicken Rendervideos und Ingamesequenzen fortgesponnen. Leider haben es die Entwickler hier manchmal etwas übertrieben und so ziehen sich einige dieser bewegten Bilder wie Kaugummi und langweilen den Spieler. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen.