» userrankings.com Master-Review «
Link: http://userrankings.com/spiel/1577/masterreview.html
MechAssault 2: Lone Wolf  
» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 04.02.2005
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Die stählernen Kampfkolosse bringen die Xbox erneut zum Beben!

Sie sind zwölf Meter groß, wiegen bis zu 100 Tonnen, sind schwer bewaffnet und beherrschen die Schlachtfelder der Zukunft: die Battlemechs, kurz Mechs. Was als Brett-/Tabletop- und Rollenspiel seinen Anfang nahm, hat es im Verlauf der Jahre bereits auf mehrere virtuelle Spieleserien geschafft. Vor etlichen Jahren erschien der erste MechWarrior-Titel für den PC. Mittlerweile zählt die Simulationsreihe stolze vier Titel plus diverse Addons. Der Strategieableger MechCommander hat es immerhin auf zwei sehr gelungene Teile geschafft. Die jüngste im Battletech-Universum angesiedelte Serie heißt MechAssault und liegt exklusiv auf Microsofts XBox vor. Während der Fokus bei den PC-Titeln eher auf überlegtem Vorgehen und strategischem Planen liegt, richten sich die MechAssault-Titel eindeutig an Zocker mit nervösem Zeigefinger. Ob der zweite Teil dem grandiosen Vorgänger gerecht wird, erfahrt ihr in unserem Master-Review.

One-Man-Army
Die Geschichte schließt nahtlos an den Vorgänger an und dreht sich abermals um die Abenteuer der Besatzung des Landungsschiffs Icarus. Diese besteht aus dem Mechaniker Lieutenant Foster, der Kapitänin Major Natalia Kerensky
» Mit der Battlearmor in Lauerstellung.
und dem stummen virtuellen Ich des Spielers, welches sich lediglich durch sein Aussehen und Dauerschweigen definiert. Da die Story des Erstlings kaum über das übliche "böse Sekte bedroht Galaxie mit Supertechnologie, wird aber im letzen Moment vom einsamen Helden gestoppt" hinaus geht, sind Vorkenntnisse nicht von Nöten. Gestresst von den Strapazen der vergangenen Mission hofft die Crew auf dem dicht besiedelten Planeten Dante auf etwas Ruhe. Allerdings werden sie dort schon von unbekannten Feinden erwartet und sofort in Kämpfe verwickelt und ehe sie sich versehen in ein weiteres Abenteuer rund um geheime Superartefakte, sexy Piratenbräute und die wahnsinnigen Fanatiker des Word of Blake getrieben. Dies ist natürlich der perfekte Zeitpunkt, Lieutenant Fosters neuestes Spielzeug – die Battlearmor - zu testen.

Mech Highjacking
Bei der Battlearmor handelt es sich um einen Kampfanzug für eine Person, der neben einer Laserkanone über einen Granatwerfer verfügt. Die eigentliche Stärke der Hightech-Rüstung liegt allerdings in ihrer
» Die Grafik kann sich sehen lassen.
Fähigkeit, Mechs kapern zu können. Dazu muss man mittels Sprung auf diesen landen, um sich anschließend per Neurohack in ihr System einzuklinken. Das Hacken selbst gestaltet sich als spaßiges Minispiel, in dem vorgegebene Knöpfe möglichst schnell hintereinander gedrückt werden müssen, bevor das Opfer den Spieler abschüttelt. Gelingt der Hackerangriff, wird der feindliche Pilot aus seinem Mech geschossen, womit der Stahlkoloss vom Spieler übernommen werden kann. Dazu muss dieser lediglich aus seiner Battlearmor aussteigen - was übrigens zu jeder Zeit möglich ist - und sich ins Cockpit der Kampfmaschine begeben. Neben der Fähigkeit feindliche Mechs zu kapern, kann die Battlearmor kurze Strecken fliegen und sich an Gebäuden festkrallen, was auch das Erreichen höherer Ebenen ermöglicht.

Gleißendes Inferno
Wer nun Angst bekommen hat, dass MechAssault 2: Lone Wolf neue Schwerpunkte im Gameplay setzt, der sei beruhigt. Die Battlearmor und die Möglichkeit aus den Kampfgeräten auszusteigen, sind nur ein netter Zusatz.
» Schwer bewaffnete Mechs bestimmen die Schlachten.
Der Fokus des Spiels liegt immer noch auf beinharter Action, deren Ergebnis jede Menge Altmetall ist. Obwohl fast ausschließlich aus allen Rohren auf allerlei Panzer, Fußsoldaten, Flugzeuge und feindliche Mechs geballert wird, hat man nie das Gefühl, ständig das Selbe zu tun. Dies liegt vor allem am geschickten Missionsdesign, welches sich als sehr abwechslungsreich entpuppt. Mal müssen feindliche Basen in Schutt und Asche gelegt werden, während ein anderes Mal der eigene Stützpunkt vor Feindangriffen geschützt werden soll. Hin und wieder ist man auch per pedes unterwegs und muss Sprengladungen an strategisch wichtigen Stellen anbringen oder Torkontrollen hacken. Diese Einlagen gestalten sich allerdings stets so kurz, dass man nie das Gefühl hat, zu wenig ballern zu dürfen. Als besonders pfiffig erweist sich eine Mission, in der man mit Hilfe der Battlearmor gegnerische Mechs aus einem Lager stehlen und anschließend zur eigenen Basis liefern muss. Sämtliche Gebäude und Objekte wie Steine oder Bäume sind zerstörbar und tragen während der Gefechte deutliche Spuren davon. Vor allem in Stadtleveln kommt dieses Feature prima zur Geltung, wenn im Kampfgebiet alles zusammenbricht. Einige Gebilde wie Brücken oder Tunnel stellen taktisch wichtige Nachschubwege für Feindeinheiten dar. Werden diese Bauten zerstört, hat man fortan mit weniger Gegenwehr zu rechnen.

Großer Fuhrpark
Für das erfolgreiche Absolvieren solch actiongeladener Missionen braucht man natürlich entsprechendes Kampfgerät. Dazu stehen neben zahlreichen Battlemechs neuerdings auch Vehikel wie ein Panzer, stationäre
» Freie Mechs können erobert werden.
Geschütztürme und ein VTOL (Vertical Take-Off and Landing Vehicle) zur Verfügung. Diese kommen jedoch eher selten zum Einsatz. Den Mammutteil des Spiels verbringt der Spieler nach wie vor im Cockpit verschiedener Mechs, was im Interesse aller Fans der Stahlkolosse liegen dürfte. Diese verfügen je nach Modell über unterschiedlichste Waffensysteme, welche in drei Typen unterteilt werden: Ballistische Waffen, Energiewaffen und Raketen. Während der neue Star Adder beispielsweise vor allem im Nahkampf durch zwei durchschlagskräftige Autokanonen und einen Flammenwerfer zu überzeugen weiß, lehrt der kleinere Kollege Bowman seinen Kontrahenten mit einem starken Raketenwerfer aus sicherer Entfernung das Fürchten. Alle Schusswaffen verfügen über unendlich viel Munition. Beim Ballern sollte man lediglich die Hitzeentwicklung seiner Kampfmaschine im Auge behalten. Erreicht diese einen kritischen Wert, darf solange nicht mehr geschossen werden, bis der Mech wieder abgekühlt ist. Durch einsammelbare Powerups können die Waffen in bis zu drei Stufen ausgebaut werden. Auf den höheren Stufen ist die Munition allerdings begrenzt. Wurde das Repertoire verschossen, fällt der Ballermann automatisch eine Stufe zurück und schießt fortan wieder mit weniger Durchschlagskraft. Leider ist es nicht möglich, seinen Mech vor einer Mission frei zu wählen oder gar selbst zu konfigurieren. Lediglich in einigen Missionen kann man sich aussuchen, welchen Roboter man kapert, was aber nur für minimale Entscheidungsfreiheit in der Waffenwahl sorgt.


Grafik
Betrachtet man das Spiel in den ruhigen Phasen, kann man die Grafik als durchaus gut bezeichnen. Ordentliche Landschaftsgrafiken, eine, zwar durch Nebel beschränkte, aber durchaus akzeptable Sichtweite und sehr detaillierte Mechmodelle hinterlassen einen soliden Eindruck. Seinen vollen optischen Reiz entfaltet das Spiel allerdings erst in den zahllosen Schlachten. Gleißende, meterhohe Explosionen erhellen die Kampfgebiete, Energiekanonen tauchen die abwechslungsreichen Umgebungen in leuchtende Farben, Raketen und brennende Flugzeuge ziehen lange Rauchschwaden hinter sich her und riesige Patronenhülsen fallen in cooler Gelassenheit aus den ballernden Mechs zu Boden. Auch die Animationen der Kampfkolosse sind hervorragend gelungen. Leichtere Mechs bewegen sich flott und grazil über die Schlachtfelder, während schwerere, waffenstarrende Varianten merklich unter ihrem Gewicht zu leiden haben. Wird ein Roboter von schweren Kalibern getroffen zuckt er merklich zurück oder fällt gleich ganz zu Boden, was den Gefechten zusätzliche Dramatik verleiht. Angeschlagene Metallkameraden sprühen Funken, ziehen ein Bein nach oder drohen durch einen gefährlich glühenden Fusionskern zu zerbersten. In Sachen Effektdichte kann hier kaum ein anderes XBox-Spiel mithalten. Da stören auch minimale Slowdowns kaum. Ein echter Hingucker!

Sound
Während sanfte Klänge in den wenigen ruhigen Phasen des Spiels die Soundkulisse bestimmten, pumpen in den zahllosen Gefechten treibende Metal-Klänge das Adrenalin in die Venen und lassen auch den friedfertigsten Spieler zur zerstörungswütigen Kampfsau mutieren. Übertroffen wird das Ganze noch von den perfekt gewählten Soundeffekten, die mit kreischenden Explosionen, donnerden Waffensounds und wuchtigen Stampfgeräuschen die Erde zum Zittern bringen. Abgerundet wird die tolle Akustik durch ständigen Funkverkehr mit dem Hauptquartier, welcher ein ordentliches Atmosphäreplus mit sich bringt. Die deutsche Synchronisation des Titels ist solide. Vor grausamen Amateursprechern bleibt das Ohr verschont. Natürlich kommt die Soundkulisse inklusive feinster 5.1-Surround-Sound-Unterstützung daher, was vor allem Spieler mit entsprechenden Anlagen erfreuen wird und maßgeblich zum Ballerspaß beiträgt.

Spielspaß Solo
Für geübte Spieler sollte es kein Problem sein, dass Spiel in sechs bis acht Stunden durchzuspielen. Reine Solisten sehen also einem sehr kurzen Abenteuer entgegen. Allerdings siegt hier die Qualität eindeutig über die Quantität des Titels. Die Action befindet sich stets auf höchstem Niveau, das abwechslungsreiche Missionsdesign sorgt dafür, dass trotz Dauerballerns keine Monotonie aufkommt und das audiovisuelle Design des Titels bläst einen förmlich aus dem Sessel. Grafisch hervorragende Zwischensequenzen treiben die leider recht rudimentäre Story zwischen den Aufträgen voran. Fair gesetzte Checkpoints vermeiden Frust in den Missionen, während vier anwählbare Schwierigkeitsgrade sowohl beinharten Profis als auch blutigen Einsteigern ein angemessenes Spielerlebnis bieten. Wer nach der Kampagne nach zusätzlichem Ballerfutter sucht, wird im Mehrspielermodus fündig. Der Spielmodus Fleischwolf, in dem man gegen unendlich viele Wellen Feindmechs antreten muss, kann nämlich auch alleine gespielt werden.

Spielspaß Multi
Die wahre Langzeitmotivation des Titels liegt wie beim Vorgänger im grandiosen Mehrspielermodus. Vor allem für XBox Live-Besitzer ist MechAssault 2: Lone Wolf ein echter Pflichtkauf. Bis zu zwölf Spieler messen sich in zehn verschiedenen Spielmodi. Vom einfachen Deathmatch über Capture the Flag und Letzter Mann bis hin zu größeren Schlachten in denen der Generator der Feindbasis zerstört werden muss, ist alles dabei. Zusätzlicher downloadbarer Content wie neue Mechs und Karten dürfte wie beim Vorgänger bald bereit stehen. Natürlich können sämtliche Modi auch im lokalen Netzwerk und/oder per Splitscreen (maximal vier Spieler pro XBox) gezockt werden. Exklusiv für XBox-Live-User liegt noch der Conquest-Modus vor, der vor allem für Clans von hohem Interesse sein dürfte. Hier wartet nämlich gleich ein ganzes Sternensystem darauf, von verschiedenen Teams besetzt und gehalten zu werden. Ein integriertes Clansystem sowie eine Lobby vereinfachen das Erstellen und Verwalten neuer Spielergemeinschaften ungemein und helfen beim Finden neuer Verbündeter und Gegner.
Pro
Überragender Mehrspielermodus
Effektgeladene Grafik
Bombastischer Sound
Abwechslungsreiche Missionen
Non-Stop-Action
Zahlreiche Mechs und Waffen
Cooles Hacking-Feature
Contra
Viel zu kurze Kampagne
Leichte Slowdowns
Keine freie Mechwahl in der Kampagne
Keine Bots für den Mehrspielermodus
Fazit
Bereits der erste Teil der MechAssault-Reihe hat mich vor gut zwei Jahren aus den Socken gehauen. Bei der Fortsetzung haben die Entwickler ebenfalls fast alles richtig gemacht. Wenn schwer angeschlagene Mechs nach dem Gnadenschuss brennend zu Boden gehen und mit der anschließenden Explosion ganze Häuserblocks mit ins Verderben ziehen, kommt bei jedem Actionfan Freude auf. Leider konnte man beim zweiten Teil den größten Kritikpunkt, die Länge der Kampagne, nicht beheben. Wahrscheinlich war angesichts des sehr umfangreichen Mehrspielerparts einfach keine Zeit mehr übrig, um den Solomodus auszubauen. Freunde actiongeladener Multiplayerschlachten mit XBox-Live-Anschluss oder Hang zu XBox-LAN-Partys greifen somit umgehend zu, während Solisten sich überlegen müssen, ob ihnen rund sechs bis acht Stunden perfekte Unterhaltung 60 Euro wert sind.