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Master-Review:   » drucken    » versenden

Batman Begins

» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 26.07.2005
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Solide Filmumsetzung, die sich fleißig an den Ideen der Konkurrenz bedient, ohne jedoch deren Qualitäten zu erreichen.

Kaum ein Superheld bekam im Verlauf der letzen 50 Jahre so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie Batman. Der Rächer von Gotham City bringt es mittlerweile auf satte fünf Kinofilme, eine TV-Serie, zig Comicbände, einige Zeichentrickserien und natürlich jede Menge Videospiele. Passend zum Kinostart seines neuesten Streifens Batman Begins ist nun das gleichnamige Spiel erschienen. Wie fast jede Filmumsetzung ist dieses an die Ereignisse der Leinwandvorlage angelehnt und lockt vor allem durch eine starke Lizenz. Ob der Titel auch spielerisch überzeugen kann, erfahrt ihr im Master-Review.

Wirre Adaption
In Gotham City sind dunkle Zeiten angebrochen. Verbrechen und Korruption beherrschen die Straßen. Die Menschen leben in Angst und Armut. Doch auch die Reichen und Schönen Gothams bleiben
» Düsteres Gotham.
vom verbrecherischen Treiben nicht verschont. Milliardärssohn Bruce Wayne muss nach einer abendlichen Theatervorstellung mit ansehen wie seine Eltern von einem Räuber ermordet werden. Fortan lebt der junge Bruce nur noch für eines: Rache. Nach einem Selbstfindungstrip im Himalaja beginnt er als Batman seinen persönlichen Feldzug gegen das Verbrechen, um Angst und Schrecken in den Herzen seiner Feinde zu verbreiten. Wer den Kinoblockbuster kennt, dem dürfte diese Story nicht fremd sein. Das Game fasst die Ereignisse der Vorlage relativ lose auf. In superschnell zusammengeschnittenen Zwischensequenzen lässt der Titel wild aneinander gereihte Filmausschnitte auf den Spieler niederprasseln. Dies ist nicht gerade eine geschickte Art, die komplexe Storyvorlage ins Spiel zu transportieren. Wer Batman Begins nicht auf der Leinwand bestaunen konnte, wird von dem Bilderregen regelrecht erschlagen, ohne echte Zusammenhänge zu verstehen.

Schleichen, Schlagen, Springen
Ein bisschen Nahkampf hier, ein paar Jump'n'Run-Elemente dort plus viele Stealth-Einlagen - so präsentiert sich das Gameplay des Titels. In zwei Missionen geht es sogar hinter das Steuer des
» Der Gegner ist Batman hilflos ausgeliefert.
Batmobils, um böse Buben von der Straße zu drängeln und mit Raketen zu malträtieren. Das Hauptaugenmerk liegt allerdings auf den Missionen, in denen sich Batman selbst durch die strikt linearen Aufträge kämpft und schleicht. Die Vorbilder der einzelnen Gameplay-Elemente werden beim Spielen schnell offensichtlich: Wenn sich der maskierte Held an Rohren und Wänden entlang hangelt, Gegner aus dem Schatten heraus überrascht oder mittels Hacking-Tool Computer lahm legt, erinnert dies sofort an Sam Fisher aus Splinter Cell. Die Nahkämpfe ähneln denen aus James Bonds jüngstem Abenteuer in Alles oder Nichts. Hier steht dem Spieler neben einer Tritt- und Schlagtaste noch ein kontextsensitiver Button zur Verfügung. Letzterer löst, je nach Situation, eine andere Attacke aus. Stehen beispielsweise mehrere Feinde um den heldenhaften Flattermann herum, führt dieser einen Rundumschlag aus. Einige Gegner können - nachdem sie besiegt wurden - verhört werden, um beispielsweise Passwörter oder andere wertvolle Informationen aus ihnen herauszuquetschen. Hierbei hält Batman seine Opfer fest und prügelt die Informationen nach und nach aus den armen Kerlen heraus.

Gut geklaut...
Auch bei den halsbrecherischen Batmobil-Rasereien bedienten sich die Entwickler fleißig an den Ideen der Mitbewerber. Hier hat man eindeutig beim EA-eigenen Crashracer
» Der Held in voller Pracht.
Burnout 3 abgekupfert, um dem Spieler ordentliche Action auf der Straße zu bieten. Wie im Takedown-Modus des Vorbildes gilt es, feindliche Wagen von der Straße zu drängeln. Um höhere Geschwindigkeiten zu erreichen, muss man Booster-Symbole aufsammeln, die auf den Strecken verteilt sind. Neben diesen Anleihen bei der Konkurrenz kommt der Titel allerdings auch mit wenigen eigenen Ideen daher. Die hervorstechenste ist das Angst-Feature. Durch geschicktes Vorgehen ist es möglich, Gegner einzuschüchtern und ihnen Furcht einzuflößen. Bringt man beispielsweise aus der Entfernung mittels Wurfgeschoss ein Regal zum Einkrachen, lassen die Feinde vor Schreck ihre Waffen fallen, was sie zu leichter Beute macht.

...ist nur halb gewonnen
Dank dem Mix verschiedener Genres präsentiert sich Batman Begins als abwechslungsreiches Crossover verschiedener Spieltypen mit solidem Gameplay. Leider erreicht der Titel zu
» Erwischt!
keinem Zeitpunkt die Qualitäten der vermeintlichen Ideenlieferanten. Im Stealth-Bereich herrscht sture Linearität und gelegentliches Trial & Error. Es gibt meistens nur einen Weg zum Ziel. Spielerische Freiheiten, wie sie beispielsweise Splinter Cell: Chaos Theory zu bieten hat, werden schmerzlichst vermisst. Darunter leidet wiederum das Angst-Feature. Durch feste Scriptereignisse, wie der oben beschriebene Einsturz eines Gerüsts, verliert das interessante Konzept an Flexibilität. Wirklich profitieren kann der Spieler von den Angstattacken nämlich nur an fest vorgegebenen Stellen innerhalb der Levels. Auch den Kämpfen fehlt es an Tiefgang. Meistens reicht simples Buttonsmashing auf X und Y sowie das rechtzeitige Ausführen der kontextsensitiven Aktionen. Die gut gestreuten Auseinandersetzungen machen zwar durchaus Spaß, sind aber nicht mehr als netter Standard. Die Verhöre hingegen beschränken sich lediglich darauf, nach jedem Teilgeständnis des Opfers die X-Taste zu drücken, um weitere Infos aus ihm herauszuprügeln. Dies hat mit interaktiv natürlich nicht mehr viel gemeinsam und verbannt den Spieler auf die Zuschauerränge. Die Renneinlagen hingegen zählen zu den Highlights. Doch auch hier gilt: Spaßig sind sie allemal, wer jedoch Burnout 3 kennt, wird sie lediglich als ganz gute Kopie empfinden.

Schickes Gotham
Keine Blöße gibt sich der Titel bei der technischen Umsetzung. Hier werden, wie von EA-Titeln gewohnt, gute bis sehr gute Ansichten geboten. Sowohl die Umgebungstexturen als auch die der
» Die Verhöre sind äußerst langweilig.
Spielfiguren können überzeugen und hinterlassen einen durchwegs positiven Eindruck. Auch bei der Gestaltung der Areale hat man sich Mühe gegeben und die Atmosphäre des düsteren Gotham City gut eingefangen. Soundeffekte, Musik sowie die deutsche Sprachausgabe können sich ebenfalls hören lassen und bieten keinen Anlass zur Kritik. Neben den recht knappen 8-10 Stunden Spielzeit sowie drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden bietet Batman Begins noch sehr viel Bonusmaterial. Darunter fallen Interviews mit den Entwicklern und Schauspielern, Trailer zum Film und die Galerie der Angst, in der alle Gegnermodelle genauer unter die Lupe genommen werden können. Ferner ist es möglich, die absolvierten Batmobil-Missionen nochmals anzugehen, um bessere Rennzeiten zu erzielen.
Pro
Düstere Atmosphäre
Solides Gameplay
Coole Batmobil-Rasereien
Gute Grafik
Gelungene Sounduntermalung
Interessantes Bonusmaterial
Contra
Schlecht präsentierte Story
Wenig Wiederspielwert und knapper Umfang
Mageres Kampfsystem
Extrem linear
Quasi keine Handlungsfreiheit
Fazit
Batman Begins will viel, schafft aber nicht alles. Obwohl sich der Mix der verschiedenen Genres ordentlich spielt, trumpft der Titel in keinem der vielen angeschnittenen Bereiche so richtig auf. Gerade Zocker, welche die offensichtlichen Vorlagen der einzelnen Spielelemente kennen, haben ständig das Gefühl, alles schon einmal besser umgesetzt erlebt zu haben. Auch aus dem Konzept mit der Angst hätte man weitaus mehr machen können. Der Ansatz ist gut, bei der Umsetzung hapert es leider. Dennoch: Batman Begins ist eine durchaus solide Umsetzung der Vorlage, die vor allem die Atmosphäre und das Feeling des realistischeren, böseren Batmans dank bodenständigen Fights und Verhörszenen gut einfängt. Fans des Flattermanns dürfen also zugreifen. Alle anderen überlegen sich, welches Genre sie bevorzugen und greifen zu einer besseren Alternative wie Splinter Cell, Burnout 3 oder James Bond: Alles oder Nichts.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
Publisher
Electronic Arts
Entwickler
Eurocom Enterta...
Website
www.electronic-...
Release
17. Juni 2005
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User-Bewertung
75
2 Bewertungen
1 Review
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