Solide Filmumsetzung, die sich fleißig an den Ideen der Konkurrenz bedient, ohne jedoch deren Qualitäten zu erreichen.Kaum ein Superheld bekam im Verlauf der letzen 50 Jahre so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie
Batman. Der Rächer von
Gotham City bringt es mittlerweile auf satte fünf Kinofilme, eine TV-Serie, zig Comicbände, einige Zeichentrickserien und natürlich jede Menge Videospiele. Passend zum Kinostart seines neuesten Streifens
Batman Begins ist nun das gleichnamige Spiel erschienen. Wie fast jede Filmumsetzung ist dieses an die Ereignisse der Leinwandvorlage angelehnt und lockt vor allem durch eine starke Lizenz. Ob der Titel auch spielerisch überzeugen kann, erfahrt ihr im
Master-Review.
Wirre AdaptionIn
Gotham City sind dunkle Zeiten angebrochen. Verbrechen und Korruption beherrschen die Straßen. Die Menschen leben in Angst und Armut. Doch auch die Reichen und Schönen Gothams bleiben
vom verbrecherischen Treiben nicht verschont. Milliardärssohn
Bruce Wayne muss nach einer abendlichen Theatervorstellung mit ansehen wie seine Eltern von einem Räuber ermordet werden. Fortan lebt der junge
Bruce nur noch für eines: Rache. Nach einem Selbstfindungstrip im Himalaja beginnt er als
Batman seinen persönlichen Feldzug gegen das Verbrechen, um Angst und Schrecken in den Herzen seiner Feinde zu verbreiten. Wer den Kinoblockbuster kennt, dem dürfte diese
Story nicht fremd sein. Das Game fasst die Ereignisse der Vorlage relativ lose auf. In superschnell zusammengeschnittenen
Zwischensequenzen lässt der Titel wild aneinander gereihte
Filmausschnitte auf den Spieler niederprasseln. Dies ist nicht gerade eine geschickte Art, die komplexe Storyvorlage ins Spiel zu transportieren. Wer
Batman Begins nicht auf der Leinwand bestaunen konnte, wird von dem Bilderregen regelrecht erschlagen, ohne echte Zusammenhänge zu verstehen.
Schleichen, Schlagen, SpringenEin bisschen
Nahkampf hier, ein paar
Jump'n'Run-Elemente dort plus viele
Stealth-Einlagen - so präsentiert sich das Gameplay des Titels. In zwei Missionen geht es sogar hinter das Steuer des
» Der Gegner ist Batman hilflos ausgeliefert. |
Batmobils, um böse Buben von der Straße zu drängeln und mit Raketen zu malträtieren. Das Hauptaugenmerk liegt allerdings auf den Missionen, in denen sich Batman selbst durch die
strikt linearen Aufträge kämpft und schleicht. Die Vorbilder der einzelnen Gameplay-Elemente werden beim Spielen schnell offensichtlich: Wenn sich der maskierte Held an Rohren und Wänden entlang hangelt, Gegner aus dem Schatten heraus überrascht oder mittels Hacking-Tool Computer lahm legt, erinnert dies sofort an
Sam Fisher aus
Splinter Cell. Die Nahkämpfe ähneln denen aus
James Bonds jüngstem Abenteuer in
Alles oder Nichts. Hier steht dem Spieler neben einer Tritt- und Schlagtaste noch ein kontextsensitiver Button zur Verfügung. Letzterer löst, je nach Situation, eine andere Attacke aus. Stehen beispielsweise mehrere Feinde um den heldenhaften Flattermann herum, führt dieser einen Rundumschlag aus. Einige Gegner können - nachdem sie besiegt wurden -
verhört werden, um beispielsweise Passwörter oder andere wertvolle Informationen aus ihnen herauszuquetschen. Hierbei hält
Batman seine Opfer fest und prügelt die Informationen nach und nach aus den armen Kerlen heraus.
Gut geklaut...Auch bei den halsbrecherischen
Batmobil-Rasereien bedienten sich die Entwickler fleißig an den Ideen der Mitbewerber. Hier hat man eindeutig beim EA-eigenen Crashracer
» Der Held in voller Pracht. |
Burnout 3 abgekupfert, um dem Spieler ordentliche Action auf der Straße zu bieten. Wie im Takedown-Modus des Vorbildes gilt es, feindliche Wagen von der Straße zu drängeln. Um höhere Geschwindigkeiten zu erreichen, muss man Booster-Symbole aufsammeln, die auf den Strecken verteilt sind. Neben diesen Anleihen bei der Konkurrenz kommt der Titel allerdings auch mit wenigen eigenen Ideen daher. Die hervorstechenste ist das
Angst-Feature. Durch geschicktes Vorgehen ist es möglich, Gegner einzuschüchtern und ihnen Furcht einzuflößen. Bringt man beispielsweise aus der Entfernung mittels Wurfgeschoss ein Regal zum Einkrachen, lassen die Feinde vor Schreck ihre Waffen fallen, was sie zu leichter Beute macht.
...ist nur halb gewonnenDank dem Mix verschiedener Genres präsentiert sich
Batman Begins als abwechslungsreiches Crossover verschiedener Spieltypen mit solidem Gameplay. Leider erreicht der Titel zu
keinem Zeitpunkt die Qualitäten der vermeintlichen Ideenlieferanten. Im Stealth-Bereich herrscht
sture Linearität und
gelegentliches Trial & Error. Es gibt meistens nur einen Weg zum Ziel. Spielerische Freiheiten, wie sie beispielsweise
Splinter Cell: Chaos Theory zu bieten hat, werden schmerzlichst vermisst. Darunter leidet wiederum das Angst-Feature. Durch feste Scriptereignisse, wie der oben beschriebene Einsturz eines Gerüsts, verliert das interessante Konzept an Flexibilität. Wirklich profitieren kann der Spieler von den Angstattacken nämlich nur an fest vorgegebenen Stellen innerhalb der Levels. Auch den Kämpfen fehlt es an Tiefgang. Meistens reicht
simples Buttonsmashing auf X und Y sowie das rechtzeitige Ausführen der kontextsensitiven Aktionen. Die gut gestreuten Auseinandersetzungen machen zwar durchaus Spaß, sind aber nicht mehr als netter Standard. Die Verhöre hingegen beschränken sich lediglich darauf, nach jedem Teilgeständnis des Opfers die X-Taste zu drücken, um weitere Infos aus ihm herauszuprügeln. Dies hat mit
interaktiv natürlich nicht mehr viel gemeinsam und verbannt den Spieler auf die Zuschauerränge. Die Renneinlagen hingegen zählen zu den Highlights. Doch auch hier gilt: Spaßig sind sie allemal, wer jedoch
Burnout 3 kennt, wird sie lediglich als
ganz gute Kopie empfinden.
Schickes GothamKeine Blöße gibt sich der Titel bei der technischen Umsetzung. Hier werden, wie von
EA-Titeln gewohnt,
gute bis sehr gute Ansichten geboten. Sowohl die Umgebungstexturen als auch die der
» Die Verhöre sind äußerst langweilig. |
Spielfiguren können überzeugen und hinterlassen einen durchwegs positiven Eindruck. Auch bei der Gestaltung der Areale hat man sich Mühe gegeben und die
Atmosphäre des düsteren
Gotham City gut eingefangen. Soundeffekte, Musik sowie die deutsche Sprachausgabe können sich ebenfalls hören lassen und bieten keinen Anlass zur Kritik. Neben den recht knappen
8-10 Stunden Spielzeit sowie
drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden bietet
Batman Begins noch sehr
viel Bonusmaterial. Darunter fallen Interviews mit den Entwicklern und Schauspielern, Trailer zum Film und die Galerie der Angst, in der alle Gegnermodelle genauer unter die Lupe genommen werden können. Ferner ist es möglich, die absolvierten Batmobil-Missionen nochmals anzugehen, um bessere Rennzeiten zu erzielen.