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Conker: Live and Reloaded

» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 12.07.2005
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Wiederbelebter Klassiker mit top Grafik, angestaubtem Gameplay und umfangreichem Mehrspielermodus.

Als vor vier Jahren ein kleines Eichhörnchen namens Conker den Nintendo 64 eroberte, war die Freude unter Besitzern dieser Konsole groß. Das Spiel vereinte Knuddeloptik mit tiefschwarzem Fäkalhumor, derber Brutalität, modernem Gameplay und top Grafik. Mittlerweile ist das Originalmodul zu einer Rarität geworden. Wer in den Genuss des Klassikers kommen will, muss bei ebay und Konsorten 50 Euro und mehr berappen. Glücklicherweise wurde nun das Remake für Microsofts Xbox fertig gestellt, welches neben einer stark aufgemotzten Grafik auch einen umfangreichen Mehrspielermodus bietet. Was wir von Conker: Live & Reloaded halten, erfahrt ihr wie immer in unserem Master-Review.

King Conker
Bereits der Vorspann zeigt, was den Spieler in der rund zehn Stunden langen Solo-Kampagne erwartet: Tiefschwarzer Humor in einer brillanten Knuddeloptik, gewürzt mit zahlreichen
» Conker trifft auf seltsame Zeitgenossen.
Seitenhieben auf bekannte Kultfilme. Schon die ersten Sekunden strapazieren die Lachmuskeln: Die morbide Eingangssequenz ist an Stanley Kubricks Meisterwerk Clockwork Orange angelehnt und zeigt einen absolut geschafft dreinblickenden König Conker inmitten seiner nicht weniger seltsamen Gefolgsleute. Nach ein paar einleitenden Worten springt der Titel einen Tag zurück, um die Geschichte von vorne zu erzählen. Conker’s Bad Fur Day - so der Name des fast 1:1 aus dem Original übernommenen Solo-Parts des Titels - beginnt mit einem Saufgelage in einer billigen Spelunke, wo der Protagonist zusammen mit ein paar Kumpels ein alkoholhaltiges Fest feiert. Anschließend schleppt sich das vollkommen betrunkene Eichhörnchen kotzend und lallend in Richtung Heimat. Hier übernimmt der Spieler die Kontrolle über den besoffenen Conker und wagt die ersten Schritte in der knallbunten Comicwelt. Bereits in diesen Sequenzen ist die Grafik eine einzige Augenweide. Lediglich seltene Ruckler schmälern den ansonsten überragenden Eindruck, welcher dank hochauflösenden Texturen, einer gigantischen Weitsicht und detaillierten Spielfiguren zustande kommt.

Holy Sh…
Gezeichnet vom übermäßigen Alkoholgenuss folgt die Hauptfigur wankend den Controllereingaben des Spielers. Nach einigen Metern trifft man auf eine versoffene Vogelscheuche, die dem Protagonisten ebenfalls lallend und Alkohol
» Nix wie weg!
nachfüllend einige grundlegende Bewegungsmanöver näher bringt. Wer sich bei solch stark dialektlastigen und undeutlich ausgesprochenen Dialogen vollkommen auf sein Gehör und Sprachverständnis verlassen möchte, der sollte über sehr gute Englischkenntnisse verfügen. Kann man der professionellen Synchronisation nicht folgen, darf alternativ auf deutsche Bildschirmtexte zurückgegriffen werden. So entgehen niemandem die aberwitzigen Dialoge voller – teilweise gepiepter – Schimpfworte und jeder Menge Wortwitz. Leider hat man bei der deutschen Übersetzung nicht immer gute Arbeit geleistet, so dass es von leichtem Vorteil ist, das Gesprochene zu verstehen. Die gelungene Einleitungssequenz ist allerdings erst ein kleiner Vorgeschmack auf noch wesentlich deftigere Gags im späteren Game. Im Verlauf des Programms muss der Spieler unter anderem gegen Nazi-Teddybären antreten, aus Kuhexkrementen Kugeln rollen oder auf den übergroßen Brüsten einer Sonnenblume Trampolin springen. Besonders abgefahren wird es bei den einfallsreichen Endgegnern: So muss sich der Protagonist beispielsweise gegen einen Dampfroboter mit riesigen Hoden oder einen überdimensionierten, singenden Kothaufen zur Wehr setzen. Diese Art von derbem Humor zieht sich konstant durch den gesamten Titel und strapaziert durchgehend die Lachmuskeln des Spielers – vorausgesetzt man steht auf diese Art von Witzen.

Gameplay mit Macken
Gameplaytechnisch gibt sich Conker: Live & Reloaded viel weniger abgefahren als in der Inszenierung. Prinzipiell ist der Titel ein ganz normales Jump’n’Run mit Ballereinlagen. Genau wie seine Genre-Kollegen Mario oder
» Van Conker.
Rayman rennt und springt das süße Eichhörnchen durch die knallbunten Levels, löst kleinere Rätsel und weicht Hindernissen aus. Leider merkt man dem Titel hier an vielen Stellen sein eigentliches Alter an. Längen im Spieldesign, wie beispielsweise ein öder Unterwasserlevel oder die nervige Schlüsselsuche in einem zombieverseuchten Schloss sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Hinzu kommen einige frustrierende Stellen, die durch teils unfaires Design oder mangelnde Rücksetzpunkte unnötig die Nerven aller Jump’n’Run-Fans strapazieren. Aufgrund fehlender Schwierigkeitsgradanpassung dürften vor allem Anfänger an einigen Stellen schlichtweg überfordert sein und den Spaß am Spiel verlieren. Ein weiterer Kritikpunkt ist die schlechte Abmischung der Jump’n’Run- und Ballerelemente. Während man in den ersten zwei Dritteln des Spiels fast nur dem Springen und Laufen frönt, gestaltet sich der Rest als Ballerorgie. Hier hätte ein besserer Mix für wesentlich mehr Abwechslung während des Verlaufs gesorgt. Langweilige Nahkämpfe mit einem Baseballschläger, Kameraprobleme und eine teils schwammige Steuerung sprechen zudem nicht gerade für den Titel.
Das Level- und Rätseldesign dürfte ebenfalls sehr geschmacksabhängig sein. Aufgrund der großen, zusammenhängenden Spielwelt, welche den Spieler unter anderem Wälder, Seen, Lavahöhlen und einen Kotwelt entführt - sowie einiger abgefahrener Rätsel -, ist häufig explizites Erforschen der Areale von Nöten, um voran zu kommen. Während vor allem erkundungs- und experimentierfreudige Geister Spaß daran haben, werden Fans von flotteren Spielabläufen hier schnell mit ihrer Ungeduld zu kämpfen haben.

Live & Reloaded
Ausgewogener als der Solo-Modus präsentiert sich der Mehrspielerpart des Games. Extra für das Remake hat Rare einen Onlinemodus springen lassen, der auch alleine gegen Bots, per Splittscreen oder im Netzwerk gespielt werden darf.
» Im Mehrspielermodus lassen wir es so richtig krachen.
Insgesamt stehen acht Maps, die in Weltkriegs und Zukunftsszenarien angesiedelt sind, zum blutigen Kampf zwischen Squirrels und Tediz bereit. Neben verschiedenen Charakterklassen bietet der Titel auch einige Fahr- und Flugzeuge sowie stationäre Geschützstellungen, so dass ein wenig taktischer Tiefgang nicht fehlt. Sämtliche Modi sind auf Gruppenspiele ausgelegt und bieten Capture the Flag und diverse missionsbasierte Aufträge, in denen eine Gruppierung diverse Stellungen einnehmen, beziehungsweise halten muss. Der Spielablauf selbst präsentiert sich bei voller Besetzung von 16 Spielern als sehr hektisch, chaotisch und actionorientiert. Dank durchschlagenden Waffen wie Raketen-, Granatwerfern, Handgranaten und diversen Maschinen- und Scharfschützengewehren explodiert ständig der halbe Level und man muss stark aufpassen, nicht ins Kreuzfeuer der feindlichen Soldaten zu geraten. Leider sind die verschiedenen Maps und das Balancing zwischen den Truppentypen weniger gut gelungen. Erstere wirken zu simpel und wenig durchdacht, während bei den Einheiten vor allem die Bazookaträger viel zu stark geraten sind. Für professionelle oder ernsthafte Onlinegefechte eignet sich der Titel daher also nicht - für den effektgeladenen, actionreichen Multiplayerkick für Zwischendurch dafür aber umso mehr.
Pro
Geniale Grafik
Derbster Humor
Toller Sound
Einmaliger Hauptcharakter
Umfangreicher Mehrspielermodus
Contra
Veraltetes Gameplay
Viele Nerv-Passagen
Längen im Spielverlauf
Kameraprobleme
Vereinzelte Framerateeinbrüche
Schlechtes Multiplayer-Balancing
Wenige und zu simple Mehrspieler-Maps
Fazit
Mit Conker Live & Reloaded verbindet mich eine innige Hassliebe. Auf der einen Seite zählt der Titel zum Witzigsten und grafisch Schönsten, was ich je gespielt haben. Auf der anderen Seite nervt das Game durch frustrierende, langatmige oder schlichtweg nervige Passagen, die leider einen gar nicht mal so kleinen Teil des Gesamtspiels ausmachen. Der Rest ist ordentlicher Jump’n’Run-Standard, der es allerdings zu keiner Zeit mit Krachern wie Jak & Daxter, Super Mario Sunshine oder Ratchet & Clank aufnehmen kann. Somit lebt der Titel rein von seinem Holzhammer-Humor, der vor allem durch seine tollen Filmverschaukelungen, Nazi-Parodien sowie massig Fäkalien und Schimpfworte zu überzeugen weiß. Wer mit solcher Art von Humor nichts anfangen kann, sollte einen ganz großen Bogen um den Titel machen. Der Mehrspielermodus hingegen hat mir – auch offline gegen Bots – durch seinen chaotischen, actiongeladenen Ablauf eine Menge Spaß bereitet. Allerdings fehlt es dem Titel auch hier an essenziellen Grundeigenschaften wie einem ordentlichen Balancing sowie mehr und vor allem besseren Maps. Wer also nach einer Alternative zu Halo 2, Unreal Championship 2 oder Mechassault 2 sucht, ist hier an der falschen Adresse.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action • Action-Adventure
Publisher
Microsoft Game ...
Entwickler
Rare
Website
www.xbox.com/de...
Release
24. Juni 2005
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User-Bewertung
93
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6 Reviews
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