Fehlender Spielspaß sowie monotones Gameplay trüben die technisch hochwertige Dummy-Fahrt über Stock und Stein.Dass man im Rennspiel-Genre bisweilen nicht nur mit teuren Edelkarossen großen Erfolg verbuchen kann, hat
Psygnosis bereits vor etlichen Jahren mit dem allseits bekannten Crash-Racer
Destruction Derby unter Beweis gestellt.
Bugbear Entertainment, ein Entwicklerstudio inmitten finnischer Gefilde, kündigte vor knapp zwei Jahren mit ihrer neuesten Racing-Kreation
FlatOut einen ähnlichen Ableger an und rief sowohl bei Kennern des einstigen Vorreiters als auch bei Spielern mit Hang zu virtuellen Massenkarambolagen freudige Gesichter hervor. Wir haben das mit Spannung erwartete Rennspiel aus dem Hause
Empire Interactive auf Herz und Nieren geprüft und geben euch im Zuge des nun folgenden Master-Reviews fundierte Auskunft darüber, ob es sich tatsächlich um überzeugende oder womöglich doch eher rostige Rennspielkost handelt.
Right from the start Wie schon in der Einleitung erwähnt, handelt es sich bei
FlatOut um ein Rennspiel der ganz speziellen Sorte. Während es in diesem Genre oftmals darum geht, das eigene
» Unfälle soweit das Auge reicht. |
Vehikel weitgehend unbeschadet über breite Straßenabschnitte und an hübschen Plantagen entlang zu lenken, legt der Titel sein
Hauptaugenmerk auf zerstörerische Crashs, hindernisreiche Rundpisten sowie morastige Locations. Außerdem werden funkelnde Prachtboliden vergebens gesucht und ihr dürft euch stattdessen mit
insgesamt 16 demolierten Rallykarossen aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten vergnügen. Im Grunde genommen lässt sich der Arcade-Racer angesichts der verfügbaren Spielmodi jedoch zweifelsohne mit anderen Rennspielen vergleichen und bietet bei genauerer Betrachtung obendrein auch nur
altbackene Spielelemente.
Simpler Standard soweit das Auge reicht: Auf Solo-Pfaden wird euch neben dem
Karrieremodus, der zugleich das Herzstück des Spiels darstellt und dem Spieltyp
Schnelles Rennen auch das obligatorische
Zeitrennen aufgetischt. Nach Beginn der Fahrerlaufbahn gilt es die drei Meisterschaftsklassen
Bronze,
Silber und
Gold erfolgreich zu absolvieren, um je nach erzieltem Ergebnis mehr oder minder lukrative Preisgelder abzukassieren. Damit ihr stets konkurrenzfähig von dannen ziehen könnt, haben die Entwickler die Option integriert, eure erworbenen Moneten sinnvoll in
diverse Tuningteile zu investieren. Hier könnt ihr Veränderungen an Reifen, Motor, Getriebe, Auspuff, Aufhängung, Bremsen und Chassis vornehmen und euren Boliden sukzessive zu einem PS-strotzenden Ungetüm hochzüchten.
Thought-provoking Im Rennverlauf selbst kämpft ihr gegen ein aus sieben weiteren Vehikeln bestehendes Fahrerfeld an. Vor Beginn des Rennens lässt sich der
Schwierigkeitsgrad variieren und
» Die Optik kann begeistern. |
die computergesteuerte Konkurrenz daher an die eigenen Fähigkeiten anpassen. Nichtsdestotrotz gehen die gegnerischen Fahrzeuge mit euch alles andere als behutsam um und legen jederzeit einen durchwegs aggressiven Fahrstil an den Tag. In punkto Gegner-KI kann man sich aber zufrieden geben, denn die Entwickler haben sich Mühe gegeben und nur in Einzelfällen geht es unfair zur Sache. Apropos Mühe geben: Einer der größten Pluspunkte liegt im hervorragenden Schadensmodell, das euch ein physikalisches Gesamtkunstwerk mit
nie dagewesenen Karosseriedeformierungen auf den Bildschirm zaubert. Gepaart mit der nicht minder
gelungenen Ragdoll-Mechanik, die eure Insassen bei Kollisionen spektakulär aus dem Gefährt schleudert, kommt zumindest in den ersten Spielstunden etwas Spaß auf - wenn auch mit einem recht makaberen Beigeschmack.
Hochgradige Innovationsarmut: Habt ihr euch einige Zeit mit dem
Karrieremodus beschäftigt, folgt erstaunlich schnell Ernüchterung. Zwar beinhalten die drei verfügbaren Klassen
summa summarum 36 Pisten und pendeln zumindest anfänglich das eigene Stimmungsbarometer auf ein gutes Niveau ein, dennoch fehlt es
auf lange Sicht gesehen deutlich an Abwechslung. So genügt in jedem Rennen lediglich das Erreichen des dritten Platzes, um die ausgesetzten Siegprämien einzuheimsen, nach und nach neue Pisten freizuschalten und in Folge dessen einen weiteren Rang in der Medaillenleiter empor zu steigen. Wer möchte, kann sich aber auch abseits der schnell monoton werdenden Karriere zusätzliche Dollarnoten verdienen. In diesem Fall gilt es in recht abstrusen Wettkämpfen wie z.B. Dummy-Dart, -Sprung oder -Kegeln zu bestehen - doch auch hier fehlen dem Titel zu Lasten des Spielspaßes viele wertvolle Pferdestärken.
Serious multiplayer-damage Was haben Einzelspieler- und Mehrspieler-Modus gemeinsam? Trocken ausgedrückt fehlt es beiden Modi glasklar an motivierenden Spielmöglichkeiten, um euch langfristig an das
» Einparken mal ganz anders. |
Gamepad der PlayStation 2 zu fesseln. Zwar lädt
FlatOut auf Mehrspieler-Ebene einerseits im
Splitscreen-Modus zu ausgiebigen Duellen und andererseits im
Hotseat-Modus zu rundenbasierten Dummy-Sport-Events mit bis zu vier Spielernaturen ein, doch für spaßige Mehrspieler-Sessions eignet sich das Gebotene leider keineswegs. Ein Ende der Fahnenstange ist nicht in Sicht: Darüber hinaus wurde nämlich weder ein Online-Modus noch die Option, zumindest mehrere Konsolen in einem LAN zusammenzuschließen, von den Entwicklern berücksichtigt. Weshalb man sich zu dieser Entscheidung durchgerungen hat, bleibt leider völlig ungeklärt.
Grafik Wenn schon auf gameplaytechnischer Seite kaum etwas zu holen ist, dann vielleicht durch die Grafik? In gewissen Aspekten sehr wohl, denn einige Pluspunkte kann sich der Racer durch die Wahl zwischen 50 Hertz- und 60 Hertz-Modus verdienen. Von guter Qualität sind zudem die variantenreichen Umgebungen, die vor allem durch ihre bemerkenswerte Detailflut positiv ins Auge fallen. Der Großteil des Fuhrparks steht den verschiedenen Locations in nichts nach und vermittelt in Verbindung mit der herausragenden Physikengine einen großartigen authentischen Gesamteindruck. Die streckenweise etwas unkonstante Framerate ist allerdings zu bemängeln und verhindert eine noch bessere Grafikwertung.
Sound Der zu Grunde liegende Soundtrack bietet euch einige Metal- sowie Rock-Tracks, doch bereits nach kurzer Zeit macht sich die stark begrenzte Auswahl an Musikstücken negativ bemerkbar. Besser hingegen sieht es bei den Sound-Effekten aus: Aus den Boxen prasseln voluminöse Motorensounds, die die Leistung eures Gefährts klangvoll unterstreichen. Auch ansonsten fügen sich die restlichen Elemente der Geräuschkulisse gut in den Spielverlauf ein und lassen kaum nennenswerten Raum zur Kritik.
Spielspaß Solo Auf den ersten Blick: Falls ihr euch auf der Suche nach einem unkonventionellen und rasch erlernbaren Rennspiel befindet, dann könnte der Titel möglicherweise das Richtige für euch sein. Auch der einstellbare Schwierigkeitsgrad, der sowohl Neulingen als auch alten Genre-Hasen gleiche Chancen gewährt, ist nicht zu verachten. Auf den zweiten Blick: Nach kurzer Zeit dominiert im Karriere-Modus jedoch vorwiegend die Langeweile und Langzeitmotivation vermag zu keinem Zeitpunkt aufzukommen. Wer nach alternativen Modi Ausschau hält, wird im gleichen Zuge auf den Boden der Tatsachen geholt, denn die anderen Spieltypen haben bei genauerer Betrachtung genauso wenig unter der Haube wie der aufgesetzt wirkende Tuning-Modus. Für Solisten, die für gewöhnlich etwas mehr als nur zwei kurze Nachmittage Spielzeit aufbringen, entpuppt sich
FlatOut zusammenfassend als wortwörtlich lahme Spielspaß-Ente.
Spielspaß Multi Der Mehrspieler-Modus grenzt ohne Übertreibung schon fast an eine Frechheit und fällt vorwiegend durch die Ideenlosigkeit der Entwickler auf. Dabei schreit der Titel förmlich nach einem brauchbaren Online-Support, aber statt dessen müsst ihr euch mit einem simplen Zwei-Spieler-Modus via geteiltem Bildschirm und einem langatmigen Dummy-Sportmodus, dem fast in Echtzeit die Luft ausgeht, zufrieden geben. Ebenso schmerzlich wird ein LAN-Modus vermisst - was sich das Entwicklerteam dabei gedacht hat, wird wohl bis in alle Ewigkeit verborgen bleiben. Fakt ist: Im Mehrspieler-Modus wird bei Betätigung der Rechteck-Taste neben dem eigenen Gefährt auch der Spielspaß gehörig abgebremst.