Legend of Kay ist ein ungeschliffener Rohdiamant - mit Betonung auf ungeschliffen.Releases von deutschsprachigen Firmen gehören (noch) nicht zum Alltag auf Konsolen.
NEON Studios und
JoWooD wollen mit
Legend of Kay beweisen, dass auch hierzulande tolle PS2-Spiele entwickelt werden. Wie gut der Genre-Mix aus Action und Jump'n'Run wirklich ist, erfahrt ihr in unserem Master-Review.
Rasanter Karate-Kampfkater Jeder kennt die 1970er-Hymne von Carl Douglas "Everybody was Kung-Fu fighting" und auf
Legend of Kay trifft die Passage "those cats were fast as lightning" besonders zu. Moment: ein Kater als Hauptcharakter? Mit Karate-Power?
» Kay lehrt Ratten das Fürchten. |
Da kann es sich nur um ein spritziges Action-Adventure mit zahlreichen Jump'n'Run-Einlagen handeln. Genau so haben sich das die Entwickler wohl auch vorgestellt. Doch zuerst etwas zur Hintergrundgeschichte, die episodenhaft als Comic-Strip erzählt wird. Kay ist ein angehender Martial-Arts-Schüler, der seine Ausbildung bei einem alten und sehr seltsamen Lehrmeister abschließen will, als sein Dorf von fiesen Gorillas überfallen und von widerwärtigen Ratten terrorisiert wird. Das lässt Kay nicht auf sich sitzen, schwört Blutrache und beginnt den
persönlichen Kreuzzug zur Befreiung seiner Freunde. Dabei trifft er auf zahlreiche andere Tiere wie kunterbunte Disney-like Hasen, Frösche, Schildkröten und asiatische Fabelwesen wie Feuer speiende Drachen. Als
Bad Guys müssen die deutlich gefährlicher aussehenden Gorillas, Ratten und später auch Alligatoren herhalten. Leider ist der Handlungsstrang konfus und teilweise recht verwirrend. Die Geschichte wird nett präsentiert, aber wirkt wie ein Mix aus zusammengewürfelten Elementen, die einen nie richtig warm und mitfühlend (wie etwa bei
Zelda) werden lassen.
Genre Overkill Legend of Kay überhäuft den Spieler mit einem Einheitsbrei aus
"alles schon mal dagewesen", wie es kaum ärger sein könnte. Da soll nicht heißen, dass die einzelnen Gameplay-Elemente technisch schlecht realisiert sind
» Warzenschweinreiten ist luuustig! |
- genau das Gegenteil trifft zu! Aber die Umsetzung ist jedoch zu überladen. Münzen sammeln? Haben wir. Schatztruhen knacken für Boni? Abgehakt. Warzenschweinreiten à la
Crash Bandicoot? Yep. Fleischfressende Pflanzen? Sowieso. Ein fahrender Händler mit Zaubertränken? Haben wir. Frecher kindischer Kater wird zum Über-Held? Doppelt unterstrichen. Rette das Mädchen/die Prinzessin? Fettes Kreuz. Karate-Meister bringt euch neue Moves bei? Yep. Frustrierende Trial and Error Geschicklichkeitseinlagen? Juchhu. Bomben und sprengbare Felsen? Alles da. Die Liste wäre hier noch endlos fortsetzbar…
Legend of Kay ist
kein schlechtes Spiel, jedoch fehlt die Originalität, die wirklich herausragende Spiele auszeichnet.
Technisch perfekte Umsetzung Grafisch beeindruckt
Kay über weite Strecken dank bunter farbenfroher Texturen.
NEON Studios sich ordentlich ins Zeug gelegt und aus der RenderWare Grafikengine einiges herausgekitzelt.
» Explosive Präsentation. |
Die Animation der Charaktere ist ausgezeichnet und äußerst flüssig. Das Spielgeschehen schnurrt angenehm vor sich hin und wird kaum von Slowdowns (60 Hz Modus vorausgesetzt) oder unschönen Popups getrübt. Bei der PAL-Umsetzung mit 50 Hz hat
Kay allerdings öfters gehörigen
Framerate-Schluckauf. Musikalisch gibt es solide Kost, die wunderbar per Orchester eingespielt wurde. Allerdings kommt die Abwechslung etwas zu kurz. Kampfgeräusche und Sprachausgabe sind überdurchschnittlich gut gemacht, und die deutsche Version wurde sehr gut umgesetzt und hat einen hohen Knuddelfaktor. Besonders witzig ist die Vertonung á la
Ein Schweinchen namens Babe. Jede Tiergattung hat einen eigenen Akzent bzw. spricht auf unverwechselbare Weise.
Als äußerst zweischneidiges Schwert entpuppt sich
leider die Kamera. Einerseits ist sie angenehm aber manchmal bockt sie herum – das hat die Welt noch nicht gesehen. Etwas mehr Freiheit bei der Gestaltung der Übersicht hätte sicherlich gut getan.
Legend of Kay ist aber deswegen trotzdem recht überschaubar. Das umfangreiche Optionen-Menü, welches auch im Spiel alle Änderungen zu Kamera, Speichern und zahlreichen weiteren Einstellungen (sogar Sprache ingame) ermöglicht, wünscht man sich auch in anderen Spielen. Ladezeiten kennt
Kay kaum und selbst zwischen den Levels gibt es nur angenehm kurze Pausen. Sehr angenehm wurde das
Speichersystem gelöst. Es gibt Savepoints die durch Vorbeilaufen aktiviert werden. Egal wo man sich gerade im Level befindet, kann jederzeit an dieser zuletzt gewählten Location gesichert werden. Ist AutoSave aktiviert, dann schreibt
Kay den aktuellen Spielstand sogar automatisch und komfortabel
on the fly ohne Spielunterbrechung auf die Memorykarte.
Applaus! Hier können andere Entwickler noch was lernen!
Anspruchsvolle Geschicklichkeitseinlagen Das Leveldesign überzeugt großteils – vor allem gibt es auch zahlreiche Geheimnisse wie versteckte Höhleneingänge, Dimensionstore und Extras zu entdecken. Einige Passagen sind aber unnötig schwierig und auch Back-Tracking
» Kay auf Entdeckungsreise. |
steht auf der Tagesordnung. Das Spiel bleibt aber fast immer fair. Eine zoombare Karte hilft bei der Orientierung weiter. Es gibt auch ein
Quest-Informationssystem, in dem anstehende Aufträge und Ziele vermerkt sind, damit man nicht den Überblick verliert, was aber leider trotzdem des Öfteren passiert. Die wenigen vorkommenden Rätsel beschränken sich auf einfaches "Finde Schlüssel A für Tor B" und diverse "Sammle Gegenstände A bis D damit Ereignis E passiert". Dazu gesellen sich noch dumpfe Action-Mini-Levels wie Reiten von diversen Tieren und ein paar noch dumpfere Jump'n'Run-Geschicklichkeitseinlagen (Stichwort:
Trial and Error).
Apropos Schwierigkeitsgrad:
Legend of Kay ist eher im
anspruchsvollen Bereich anzusiedeln. Zahlreiche erlernbare Kampf-Combos, Special-Moves und drei auflevelbare Waffen mit verschiedenen Eigenschaften machen das Gameplay komplexer als es den Anschein hat.
Kombinationskater Außergewöhnlich viel Aufmerksamkeit wurde den Combos geschenkt. Es gibt eine große Anzahl von verschiedenen Attacken - alle Buttons am Controller sind belegt. Combos sind nicht nur ein
integraler Bestandteil des Kampfsystems,
sondern müssen auch eingesetzt werden, um unzugängliche Level-Abschnitte zu erreichen. Besonders weite oder hohe Sprünge zu unerreichbar scheinenden Plattformen werden erst mit Combos möglich. Im Prinzip funktioniert das mit einer Kettenreaktion. Es gibt im Level verteilte "Glocken" die per Schlag aktiviert werden. Solange man sich innerhalb einer Combo befindet, kann man sich flink von Glocke zu Glocke teleportieren und so vorher unüberwindbare Barrieren meistern. Auch lassen sich z.B. Schatztruhen nur ab einer gewissen Anzahl von vorangegangenen Combos öffnen. Die Steuerung ist dabei erfreulich gut umgesetzt und geht bestens von der Hand.