![]() |
![]() |
|
|
|
Als Capcom vor über zwei Jahren ein Online-Resident Evil für die PS2 ankündigte, war die Freude unter Fans groß – zurecht, da ein solcher Titel doch über gewaltiges Potential verfügt. In Europa währte diese Freude allerdings nicht lange, da bald darauf bestätigt wurde, dass Resident Evil: Outbreak hierzulande ohne Online-Modus veröffentlicht werden würde. Im September 2004 wird dies nun zur traurigen Realität: Die Pal-Version von Outbreak ist tatsächlich nur offline spielbar und verfügt noch nicht einmal über einen Multiplayer-Modus. Kann der neue Teil der Serie trotzdem an frühere Erfolge anschließen? Habt ihr euch für eine Spielfigur entschieden, kommt ihr auch schon in den Genuss der größten Stärke von Outbreak: einer gerenderten Zwischensequenz. Das Intro kann nicht nur technisch voll überzeugen, sondern weist auch hervorragende Musikuntermalung auf. Leider geht’s ab diesem Zeitpunkt nur mehr bergab. Die folgende Sequenz in Spielgrafik kann vor allem durch eines überzeugen – nämlich durch das unglaublich schlechte (englische) Voice-Acting. Die Tatsache, dass die deutschen Untertitel oft gar nicht zum gesprochenen Text passen, verwundert da nicht mehr weiter. Aber über solche Kleinigkeiten kann der geneigte Spieler ja hinwegsehen, wenn das Gameplay dafür überzeugt (oder besser, überzeugen würde). Im Spiel werden euch bald die Multiplayer-Wurzeln von Outbreak auffallen. Ihr müsst euch nicht allein durch die Zombiehorden kämpfen, sondern werdet dabei von drei CPU-gesteuerten Mitspielern unterstützt – wobei „unterstützt“ hier nicht das richtige Wort ist, aber der Gedanke zählt, nicht wahr? Mit dem rechten Analogstick könnt ihr euren Mitstreitern verschiedene Befehle geben, die aber oft mehr schlecht als recht umgesetzt werden. Apropos Untote: Wie es sich für ein Pseudo-Onlinespiel gehört, ist für Zombie-Nachschub jederzeit mehr als gesorgt – eure Gegner respawnen wo und wie es ihnen gefällt. Durchatmen gibt’s nur in speziellen Kästen, in denen ihr euch verstecken könnt (Metal Gear Solid lässt grüßen), was aber meistens den Aufwand nicht wert ist. Ihr habt auch die Möglichkeit, Items mit euren Mitstreitern auszutauschen, falls sich diese gerade in der Nähe befinden. Dieses Feature ist aber definitiv nichts, worauf ihr euch verlassen solltet, da eure Kameraden sich ähnlich wie die Zombies verhalten und kommen und gehen, wie es ihnen gerade so gefällt. Also keinen wichtigen Schlüssel oder ähnliches an eure CPU-Freunde weitergeben – ihr könntet sie nie mehr wieder sehen. Der Spielaufbau zeigt sich ziemlich statisch: Ihr kommt in einen neuen Bereich, wo euer Weiterkommen durch ein bestimmtes Hindernis (meistens eine verschlossene Tür) unmöglich gemacht wird. Somit wird es euch zur Aufgabe gemacht, eine Lösung für dieses Rätsel zu finden. Resident Evil Standardkost eben, diesmal garniert mit respawnenden Zombies und konfus herumlaufenden CPU-Kollegen. Erschwert wird eure Aufgabe durch das auf vier Items beschränkte Inventar; nur die Schülerin Yoko kann bis zu acht aufnehmen (und bietet sich damit als Hauptcharakter quasi an). Ein In-Game-Inventar, wie in den meisten aktuellen Survival Horror-Titeln, gibt’s bei Capcom natürlich nicht. Auch die Steuerung ist umständlich wie eh und je. Resident Evil 4, erlöse uns! Durch die Horden von Respawn-Zombies, die euch am Erforschen der diversen Räume hindern, kann Outbreak zeitweilig eine ziemlich frustrierende Erfahrung werden. Im Endeffekt läuft das Spiel so ab: Ihr erforscht so viele Räume und Gegenstände wie möglich, bis euch das nächste Game Over ereilt. Diesen Vorgang wiederholt ihr so lange, bis die Lösung des aktuellen Rätsels offensichtlich wird, was ihr daraufhin nach dem nächsten Neustart in die Tat umsetzt. Trial&Error at its best. Ein Thema für sich sind die unglaublichen Ladezeiten des Titels. Zwischen den einzelnen Räumen müsst ihr teilweise bis zu 20 (!!!) Sekunden warten. Der Grund hierfür ist nicht klar ersichtlich, die Grafik kann zwar technisch überzeugen, rechtfertig aber keinesfalls diese langen Wartezeiten. Etwaig aufkommender Spielspaß wird dadurch gleich wieder im Keim erstickt. Interessanterweise bietet Outbreak nicht einmal die klassischen Tür-Animationen, um die Loading-Screens abwechslungsreicher zu gestalten – ihr müsst mit einem weißen Schriftzug Vorlieb nehmen. Nach dem Motto „Tretet sie, wenn sie am Boden liegen“ gibt’s für uns Europäer noch einen Schlag ins Gesicht: Die Ladezeiten konnten bei den NTSC-Versionen noch durch Einsatz der PS2-Festplatte reduziert werden. Die Handlung beschränkt sich auf ein Minimum. An bestimmten Stellen dürft ihr euch Zwischensequenzen ansehen (teils gerendert, teils in Spielgrafik), die aber wie bereits erwähnt eher durch das lächerliche Voice-Acting auffallen als durch interessante Story-Wendungen. Auch hinsichtlich der Atmosphäre gibt es nichts Positives zu berichten. Tatsächlich wäre es passender, wenn man Resident Evil: Outbreak als reinen Survival-Titel bezeichnen würde, denn der Horror-Part ist praktisch nicht existent und beschränkt sich auf vereinzelte „Booh“-Schockeffekte. Für den Multiplayer-Modus wäre das natürlich vollkommen akzeptabel, im Singleplayer-Part muss aber deutlich mehr geboten werden. Im Endeffekt sind es diese beiden Kritikpunkte, die Outbreak das Spielspaß-Genick brechen. Man nehme als Beispiel Silent Hill 4, wo Story und Atmosphäre die Kritikpunkte zum Teil aufwiegen konnten. Auch bei der Resident Evil-Serie war die Handlung bisher immer DER treibende Motivationsfaktor. Der neueste Spross hat aber leider nichts von alledem. Zusätzlich fällt negativ auf, dass viele aufnehmbare Gegenstände im Hintergrund verschwinden und deshalb ziemlich leicht zu übersehen sind. Auch die, wie üblich fixierte, Kamera hat teilweise mit Problemen zu kämpfen. Eins steht allerdings definitiv fest: Die gebotene Grafikqualität rechtfertigt in keinster Weise die schrecklichen Ladezeiten. Positiv: Die exzellente Musik im Intro. Die Gretchen-Frage: WIESO solltet ihr euch das antun? Abgesehen von den Extras bietet euch Outbreak keinerlei Motivation zum Weiterspielen. Story und Atmosphäre sind nicht vorhanden; veralterte Steuerung, beschränktes Inventar, respawnende Zombies und dümmliche Rätsel sorgen eher für Frustration.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|||||||||