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Resident Evil: Outbreak

» Autor: Gerald Blauensteiner
» Datum: 22.09.2004
» Gesamtwertung:
/5
1/5: Kaufwarnung
hat zahlreiche Schwächen.
Wie wir bewerten
Online-Resident Evil, bei uns aber nur offline spielbar – übrig bleibt ein höchst durchschnittlicher Titel.

Als Capcom vor über zwei Jahren ein Online-Resident Evil für die PS2 ankündigte, war die Freude unter Fans groß – zurecht, da ein solcher Titel doch über gewaltiges Potential verfügt. In Europa währte diese Freude allerdings nicht lange, da bald darauf bestätigt wurde, dass Resident Evil: Outbreak hierzulande ohne Online-Modus veröffentlicht werden würde. Im September 2004 wird dies nun zur traurigen Realität: Die Pal-Version von Outbreak ist tatsächlich nur offline spielbar und verfügt noch nicht einmal über einen Multiplayer-Modus. Kann der neue Teil der Serie trotzdem an frühere Erfolge anschließen?

Multiplayer – allein?
Nachdem ihr im Hauptmenü mit dem typischen RESIDENT EVIL begrüßt worden seid, zeigen sich schon die ersten Unterschiede zu früheren Serien-Ablegern: Outbreak ist in fünf Szenarien unterteilt, die ihr nacheinander absolvieren müsst, wobei die bereits erledigten zwecks besserem Rating beliebig oft wiederholt werden können. Nach der Szenario-Auswahl dürft ihr unter acht spielbaren Charakteren wählen, die sich durch bestimmte Spezialfähigkeiten voneinander unterscheiden. Die Charakterwahl beeinflusst außerdem Zwischensequenzen und gefundene Items, was aber nur von Bedeutung ist, wenn ihr wirklich alles im Spiel freischalten wollt – und ob ihr dazu die Geduld haben werdet, ist eher fraglich.

Habt ihr euch für eine Spielfigur entschieden, kommt ihr auch schon in den Genuss der größten Stärke von Outbreak: einer gerenderten Zwischensequenz. Das Intro kann nicht nur technisch voll überzeugen, sondern weist auch hervorragende Musikuntermalung auf. Leider geht’s ab diesem Zeitpunkt nur mehr bergab. Die folgende Sequenz in Spielgrafik kann vor allem durch eines überzeugen – nämlich durch das unglaublich schlechte (englische) Voice-Acting. Die Tatsache, dass die deutschen Untertitel oft gar nicht zum gesprochenen Text passen, verwundert da nicht mehr weiter. Aber über solche Kleinigkeiten kann der geneigte Spieler ja hinwegsehen, wenn das Gameplay dafür überzeugt (oder besser, überzeugen würde).

Im Spiel werden euch bald die Multiplayer-Wurzeln von Outbreak auffallen. Ihr müsst euch nicht allein durch die Zombiehorden kämpfen, sondern werdet dabei von drei CPU-gesteuerten Mitspielern unterstützt – wobei „unterstützt“ hier nicht das richtige Wort ist, aber der Gedanke zählt, nicht wahr? Mit dem rechten Analogstick könnt ihr euren Mitstreitern verschiedene Befehle geben, die aber oft mehr schlecht als recht umgesetzt werden.

Respawn-Zombies!
Neben den mehr oder weniger hilfreichen CPU-Kameraden verdeutlichen noch einige andere Punkte die Multiplayer-Herkunft von Resident Evil: Outbreak. So kann das Spiel zu keinem Zeitpunkt pausiert werden; selbst wenn ihr euch im Menü befindet, läuft das Spiel im Hintergrund weiter und ihr könnt nach wie vor von Untoten angefallen werden.

Apropos Untote: Wie es sich für ein Pseudo-Onlinespiel gehört, ist für Zombie-Nachschub jederzeit mehr als gesorgt – eure Gegner respawnen wo und wie es ihnen gefällt. Durchatmen gibt’s nur in speziellen Kästen, in denen ihr euch verstecken könnt (Metal Gear Solid lässt grüßen), was aber meistens den Aufwand nicht wert ist.

Ihr habt auch die Möglichkeit, Items mit euren Mitstreitern auszutauschen, falls sich diese gerade in der Nähe befinden. Dieses Feature ist aber definitiv nichts, worauf ihr euch verlassen solltet, da eure Kameraden sich ähnlich wie die Zombies verhalten und kommen und gehen, wie es ihnen gerade so gefällt. Also keinen wichtigen Schlüssel oder ähnliches an eure CPU-Freunde weitergeben – ihr könntet sie nie mehr wieder sehen.

Der Spielaufbau zeigt sich ziemlich statisch: Ihr kommt in einen neuen Bereich, wo euer Weiterkommen durch ein bestimmtes Hindernis (meistens eine verschlossene Tür) unmöglich gemacht wird. Somit wird es euch zur Aufgabe gemacht, eine Lösung für dieses Rätsel zu finden. Resident Evil Standardkost eben, diesmal garniert mit respawnenden Zombies und konfus herumlaufenden CPU-Kollegen. Erschwert wird eure Aufgabe durch das auf vier Items beschränkte Inventar; nur die Schülerin Yoko kann bis zu acht aufnehmen (und bietet sich damit als Hauptcharakter quasi an). Ein In-Game-Inventar, wie in den meisten aktuellen Survival Horror-Titeln, gibt’s bei Capcom natürlich nicht. Auch die Steuerung ist umständlich wie eh und je. Resident Evil 4, erlöse uns!

Durch die Horden von Respawn-Zombies, die euch am Erforschen der diversen Räume hindern, kann Outbreak zeitweilig eine ziemlich frustrierende Erfahrung werden. Im Endeffekt läuft das Spiel so ab: Ihr erforscht so viele Räume und Gegenstände wie möglich, bis euch das nächste Game Over ereilt. Diesen Vorgang wiederholt ihr so lange, bis die Lösung des aktuellen Rätsels offensichtlich wird, was ihr daraufhin nach dem nächsten Neustart in die Tat umsetzt. Trial&Error at its best.

Ein Thema für sich sind die unglaublichen Ladezeiten des Titels. Zwischen den einzelnen Räumen müsst ihr teilweise bis zu 20 (!!!) Sekunden warten. Der Grund hierfür ist nicht klar ersichtlich, die Grafik kann zwar technisch überzeugen, rechtfertig aber keinesfalls diese langen Wartezeiten. Etwaig aufkommender Spielspaß wird dadurch gleich wieder im Keim erstickt. Interessanterweise bietet Outbreak nicht einmal die klassischen Tür-Animationen, um die Loading-Screens abwechslungsreicher zu gestalten – ihr müsst mit einem weißen Schriftzug Vorlieb nehmen.
Nach dem Motto „Tretet sie, wenn sie am Boden liegen“ gibt’s für uns Europäer noch einen Schlag ins Gesicht: Die Ladezeiten konnten bei den NTSC-Versionen noch durch Einsatz der PS2-Festplatte reduziert werden.

Stärken Fehlanzeige
Eines war schon bei der Ankündigung von Outbreak klar und wird durch viele andere Onlinespiele verdeutlicht: Mit dem Singleplayer-Part vergleichbare Story und Atmosphäre kann im Multiplayer-Modus aufgrund bestimmter Einschränkungen nie geboten werden. Nun beschränkt sich Outbreak zwar traurigerweise auf den Singleplayer-Modus, kann aber trotzdem in diesen zwei wichtigen Punkten bei weitem nicht an die Vorgänger anschließen, zu offensichtlich ist die Multiplayer-Herkunft des Titels.

Die Handlung beschränkt sich auf ein Minimum. An bestimmten Stellen dürft ihr euch Zwischensequenzen ansehen (teils gerendert, teils in Spielgrafik), die aber wie bereits erwähnt eher durch das lächerliche Voice-Acting auffallen als durch interessante Story-Wendungen.
Auch hinsichtlich der Atmosphäre gibt es nichts Positives zu berichten. Tatsächlich wäre es passender, wenn man Resident Evil: Outbreak als reinen Survival-Titel bezeichnen würde, denn der Horror-Part ist praktisch nicht existent und beschränkt sich auf vereinzelte „Booh“-Schockeffekte. Für den Multiplayer-Modus wäre das natürlich vollkommen akzeptabel, im Singleplayer-Part muss aber deutlich mehr geboten werden.

Im Endeffekt sind es diese beiden Kritikpunkte, die Outbreak das Spielspaß-Genick brechen. Man nehme als Beispiel Silent Hill 4, wo Story und Atmosphäre die Kritikpunkte zum Teil aufwiegen konnten. Auch bei der Resident Evil-Serie war die Handlung bisher immer DER treibende Motivationsfaktor. Der neueste Spross hat aber leider nichts von alledem.


Grafik
Grafisch ist Outbreak eine zwiespältige Angelegenheit. Die Hintergrundgrafiken sind sehr sauber und wurden mit detaillierten Texturen versehen und auch das Aliasing beschränkt sich (vor allem im 60hz-Modus) auf ein Minimum. Die steifen Animationen der Figuren können allerdings nicht überzeugen und machen den Eindruck, als wären sie aus den PS1-Teilen der Serie übernommen worden. Darüber hinaus stehen die Charaktermodelle mindestens eine Stufe unter Silent Hill.
Zusätzlich fällt negativ auf, dass viele aufnehmbare Gegenstände im Hintergrund verschwinden und deshalb ziemlich leicht zu übersehen sind. Auch die, wie üblich fixierte, Kamera hat teilweise mit Problemen zu kämpfen.
Eins steht allerdings definitiv fest: Die gebotene Grafikqualität rechtfertigt in keinster Weise die schrecklichen Ladezeiten.

Sound
Auch soundtechnisch kommt Outbreak nicht an das Niveau der Vorgänger heran. Die Musikuntermalung ist zwar relativ atmosphärisch ausgefallen, aber da das Spiel praktisch keine Atmosphäre besitzt, kommt auch die Musik nicht zur Geltung. Das Voice-Acting kann nur als lachhaft bezeichnet werden und besitzt nicht einmal mehr B-Movie-Charme.
Positiv: Die exzellente Musik im Intro.

Spielspaß Solo
Theoretisch würde Resident Evil: Outbreak für über 20 Stunden Spielspaß bieten. Die Szenarien weisen von Charakter zu Charakter kleine Unterschiede auf, am Ende einer Mission erhaltet ihr ein verbesserbares Rating und es gibt unglaublich viele freischaltbare Extras: höhere Schwierigkeitsgrade, Spielmodi, Artworks, etc.
Die Gretchen-Frage: WIESO solltet ihr euch das antun? Abgesehen von den Extras bietet euch Outbreak keinerlei Motivation zum Weiterspielen. Story und Atmosphäre sind nicht vorhanden; veralterte Steuerung, beschränktes Inventar, respawnende Zombies und dümmliche Rätsel sorgen eher für Frustration.

Spielspaß Multi
Im Spiel ist kein Multiplayer-Modus enthalten. Nein, wirklich nicht!
Pro
8 spielbare Charaktere
Hoher Wiederspielwert
Schöne Render-Videos
Contra
Kein Multiplayer-Modus!
Unglaublich lange Ladezeiten
Beschränktes Inventar
Veralterte Steuerung
Keine nennenswerte Handlung
Schlechte KI der CPU-Mitspieler
Frustrierendes Trial&Error
Fazit
Im Endeffekt muss man sich eine Frage stellen: Wieso hat Capcom Resident Evil: Outbreak in Europa veröffentlicht? Einzige mögliche Antwort: In der Hoffnung, dass Nichtsahnende aufgrund des zugkräftigen Namens zugreifen. Die kontroverse Werbung zum Spiel bestätigt diesen Eindruck noch.
Outbreak wurde in jeder Hinsicht als Multiplayer-Titel konzipiert, im Singleplayer-Modus wird nichts geboten, was einen Kauf rechtfertigen würde. Kritikpunkte wie Steuerung, Inventar und Ladezeiten ist man von Capcom ja gewohnt, der wirkliche Nagel im Sarg sind die nicht existenten Handlung und Atmosphäre, die das Spiel vollends im Mittelmass versinken lassen. Eine Kaufempfehlung gibt es somit maximal für Hardcore-Resident Evil-Fans, die auch der unsäglichen Gun Survivor-Serie etwas Positives abgewinnen konnten. Für alle anderen gilt: Auf keinen Fall kaufen!
Infos
Erhältlich für
Genre
Adventure
   Survival Horror
Publisher
Capcom
Entwickler
Capcom
Website
www.residentevi...
Release
17. September 2004
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User-Bewertung
70
5 Bewertungen
1 Review
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