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Master-Review:   » drucken    » versenden

Drakengard

» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 01.06.2004
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Feurige Hack'n'Slay-Action mit großem Umfang und RPG-Elementen.

Die Kultspieleschmiede Square Enix ist vor allem für ihre großartigen Rollenspiele, wie zum Beispiel die Final Fantasy-Serie, bekannt. Jetzt wagten die Japaner mit Drakengard einen Abstecher ins Actiongenre, allerdings ohne dabei viele Rollenspielelemente zu vergessen. Square Enix übernahm die Programmierung des Titels allerdings nicht selbst, sondern überließ die Arbeit dem eher unbekannten Entwicklerstudio Cavia und produzierte den Titel lediglich.
Dabei hat man es sich nicht nehmen lassen, ordentlich bei der Konkurrenz abzuschauen und so entpuppt sich der Titel als atemberaubender Mix aus Dynasty Warriors, Drakan und Panzer Dragoon inklusive hochwertiger Zwischensequenzen und einer packenden Storyline. Warum Drakengard von keinem Actionfan verpasst werden sollte, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Master-Review.

Blinde Wut
Nachdem seine Eltern von einem schwarzen Drachen des bösen Imperiums getötet wurden, gibt es für Caim nur noch zwei Dinge, die zählen: Rache für seine geliebte Familie und das Beschützen seiner Schwester. So
» Auch solche Situationen sind kein Problem.
schließt er sich als Soldat der Konföderation an und lichtet fortan die Reihen der imperialen Truppen. Angetrieben von purem Hass und dem Wunsch nach Vergeltung macht er vor keiner noch so großen Feindansammlung halt und stürzt sich rücksichtslos in jede Schlacht.
Der Spieler schlüpft, wie sollte es auch anders sein, in die Rolle Caims und nimmt fortan an riesigen Schlachten, in denen tausende Feindeinheiten seiner Klinge zum Opfer fallen, teil. Eine lange Einleitungssequenz gibt es in Drakengard nicht. Nach einem hervorragenden Rendervideo findet sich der Spieler mitten in einer Belagerung wieder und muss sich zur angegriffenen Burg durchschlagen, um seine Schwester vor den anrückenden imperialen Truppen zu beschützen. Während des ersten Levels werden immer wieder Tipps zur Steuerung in Form von Textfeldern eingeblendet, womit die erste Mission gleichzeitig als Tutorial dient. Wie in den meisten Aufträgen befindet sich der Held auf einer riesigen Ebene, umgeben von hunderten Feindeinheiten. Fast immer ist das Auftragsziel die Eliminierung bestimmter Hauptziele. Die jederzeit einblendbare Übersichtskarte zeigt dabei die Position aller Gegner an. Rote Punkte symbolisieren Gegnerpulks, während gelbe Punkte die Hauptziele markieren. Planloses Herumirren wird man in Drakengard nicht erleben und so kann man sich stets voll und ganz auf die Action konzentrieren.
Die Steuerung ist dabei denkbar einfach. Mit dem linken Analogstick wird der Protagonist bewegt. Die R1 und L1-Schulterknöpfe dienen zum Ausweichen, während der X-Button zum Springen benutzt wird. Mit dem R2-Button kann durch die mitgeführte Bewaffnung geblättert werden.
Ein Druck auf den Square-Button führt einen normalen Hieb aus, mehrmaliges Schlagen führt zu Komboattacken. In Kombination mit der Triangle-Taste wird eine besonders starke Spezialattacke ausgeführt, welche alle Gegner in einem bestimmten Wirkungsradius beschädigt und fortwirbelt. Zudem dient der Triangle-Button zum Beschwören verheerender Zaubersprüche. Die dafür benötigten Magiepunkte laden sich automatisch durch das Niedermetzeln feindlicher Soldaten auf. Insgesamt gibt es im ganzen Spiel 65 Waffen, die teilweise sehr gut versteckt wurden und nur schwer zu finden sind. Neben verschiedenen Eigenschaften in den Bereichen Reichweite, Angriffsgeschwindigkeit und Schaden, beherbergt jedes Kriegsgerät einen einzigartigen Zauberspruch. Die Waffe selbst kann durch das Niederstrecken einer bestimmten Feindanzahl in vier Stufen ausgebaut werden, was auch den ihr innewohnenden Zauberspruch einen Level steigen lässt. So mausert sich beispielsweise der popelige Feuerball des Flamberge-Schwertes im Verlauf des Spiels zu einem mächtigen Feuersturm, der auch größere Feindansammlungen mit einem Schlag vernichtet. Während beim Aufrüsten der Waffen lediglich die Anzahl der getöteten Feinde eine Rolle spielt, gilt beim Protagonisten die Anzahl gesammelter Erfahrungspunkte. Stärkere Gegner geben hierbei logischerweise mehr als schwache Standartgegner.
Wem die voreingestellte Bedienung nicht passt, darf diese im Menü übrigens selbst frei konfigurieren.

Tod in den Lüften, Chaos auf Erden
Nach Absolvieren der ersten Mission findet sich der Protagonist schwer verwundet im Burghof wieder, wo er einen vom Imperium schwer misshandelten Drachen findet. Beide dem Tode näher
» Burn baby, burn!
als dem Leben entschließen sie sich, trotz ihrer für einander empfundenen Abneigung einen Pakt einzugehen, welcher sie beide vor dem sicheren Tod bewahrt.
Von nun an kämpfen Caim und der Drache Seite an Seite gegen das Imperium und der Spieler kann während der riesigen Massenschlachten jederzeit auf den Drachen aufsteigen und die feindlichen Bodentruppen aus der Luft unter Beschuss nehmen, was natürlich besonders effektiv ist. Lediglich in manchen Missionen, zum Beispiel in einem dichten Wald oder im Inneren einer Burg, muss auf die Hilfe des Drachen verzichtet werden.
Zudem gibt es viele reine Luftmissionen, in denen es gilt, feindliche Flugeinheiten vom Himmel zu holen und ihrem Beschuss auszuweichen. Auch beim Drachen gestaltet sich die Bedienung sehr komfortabel und intuitiv. Das treue Fabelwesen fliegt stets mit gleich bleibender Geschwindigkeit automatisch geradeaus. In der Luft stehen bleiben wie ein Hubschrauber, wie beispielsweise sein Artgenosse aus den Drakan-Spielen, kann er nicht. Mit dem linken Analogstick wird die Flugrichtung bestimmt und gezielt. Die R1- und L1-Buttons dienen auch hier zum schnellen Ausweichen nach Rechts und Links, während der XButton einen schnellen Dash nach vorne einläutet. Der Angriffsbutton (Square) kann auf zwei Arten genutzt werden. Entweder man drückt ihn kurz um einen ungelenken, dafür aber sehr starken Feuerball abzuschießen, oder man hält ihn gedrückt, wodurch man wie in Panzer Dragoon mehrere Ziele markieren und anschließend mit kleineren, gelenkten, Feuerbällen beschießen kann. Zudem verfügt auch der Drache über besonders mächtige Zauberattacken, nachdem er seine Magiepunkte durch das Töten von Widersachern aufgeladen hat. Am Ende jedes Einsatzes erhält neben dem Helden auch der Drache Erfahrungspunkte, wodurch sich die Stärke seiner Angriffe erhöht und er in drei Stufen ausgebaut werden kann.
Zudem kann auch bei der Flugsteuerung die Bedienung mittels Menü den persönlichen Wünschen und Vorlieben angepasst werden.
Durch den geschickten Wechsel zwischen den verschiedenen Missionsarten - Luft-Luft , Luft-Boden, Boden-Boden - schafft es Cavia zumindest etwas über das sehr repetitive Gameplay hinwegzutäuschen, wodurch der Titel wesentlich mehr Abwechslung bietet als das Vorbild Dynasty Warriors. Auch die verschiedenen Gegnertypen sorgen für etwas mehr Abwechslung als in Koei's Schlachtenfest. So kämpft man einmal gegen große Ritterarmeen, ein anderes Mal gegen Untote und dann wieder gegen wilde Goblinhorden.
Vor allem der ständig mögliche Wechsel zwischen Drachen und Bodenkampf in den groß angelegten Schlachten ist ein tolles Feature, welches dem Spieler stets freie Hand in seiner Vorgehensweise gibt. Wer dem Gegner lieber von Angesicht zu Angesicht gegenüber steht, schwingt sich einfach mittels Druck auf Select von seiner Panzerechse und gibt dem Feind mit einer Waffe nach Wahl Saures.

Undynamische Schlachten
Das größte Problem der vielen großen Schlachten ist das sehr undynamische Verhalten der Feindeinheiten. Diese sind in allen Missionen einfach als größere Pulks auf der Karte verteilt und warten
» Schatzkisten beherbergen wertvollen Inhalt.
regelrecht darauf, vom Spieler niedergemetzelt zu werden. Erst wenn man in Sichtweite der Feinde läuft, welche sehr gering ausgefallen ist, greifen diese an. Entfernt man sich, wird man nicht weiter verfolgt. Echte Truppenbewegungen wie in Dynasty Warriors gibt es keine. So läuft man quasi immer nur von Pulk zu Pulk und vernichtet alle Einheiten. Auch ist es sehr schade, dass in den großen Schlachten keinerlei verbündete Einheiten zu sehen sind, obwohl diese, schenkt man dem Storyverlauf Glauben, eigentlich fleißig mitkämpfen sollten. Auch hier bietet Dynasty Warriors eindeutig mehr Kampfatmosphäre und Dramatik.
So stellt sich, trotz der drei unterschiedlichen Einsatzarten und einigen Endgegnern, mit der Zeit etwas Monotonie bei den zahllosen Gefechten ein. Fans actionreicher Gemetzel sollte dies nicht weiter stören, vor allem weil das ständige Aufpowern der gefundenen Waffen, des Drachen und des eigenen Charakters sowie die tolle Story stets zum Weitermachen motivieren. Vor allem die Klasse inszenierten Rendersequenzen zwischen einigen Aufträgen schrauben die Motivation nochmals gehörig nach oben.
Lediglich Spieler, die auch von einem Hack'n'Slay-Spiel viel Abwechslung erwarten oder mit Action generell nichts anfangen können, könnten von dem Titel enttäuscht werden.

Langzeitmotivation
Neben den zahlreichen Waffen, welche darauf warten freigespielt zu werden, gibt es noch jede Menge anderer Features, die für eine ausgiebige Spielzeit sorgen. So können alle bereits erfüllten Missionen
» Superattacke!
jederzeit noch mal gespielt werden, um beispielsweise seinen Charakter oder Drachen aufzuleveln oder neue Waffen zu finden. Außerdem gibt es in vielen der insgesamt 13 Kapitel (+2 Bonuskapitel) Ereignisse und Missionen, die nur bei Erfüllung bestimmter Vorraussetzungen gespielt werden dürfen. So kann man verbündete Streiter finden, welche sich in kritischen Situationen als Hilfe herbeirufen lassen und für eine gewisse Zeit dem Helden Rückendeckung geben. Wie oft ein Verbündeter während einer Mission gerufen werden darf, kommt auf den Einsatz an. Außerdem schalten diese gefundenen Mitstreiter zusätzliche Bonusmissionen und Ereignisse frei, welche die Story vertiefen und für längeren Spielspaß sorgen.
Ein weiteres spielspaßverlängerndes Feature sind die fünf verschiedenen Enden. Besonders lobenswert ist die Tatsache, dass man das Spiel nicht fünf Mal durchspielen muss, um alle Endings zu sehen. Da man das erste Ende bereits im achten Kapitel zu Gesicht bekommt, reicht es, nach diesem abzuspeichern, um im Anschluss an dieser Stelle den anderen Abspännen entgegen zu spielen. Auch hier lohnt es sich dank der tollen Story und den vielen Rendersequenzen gleich doppelt.


Grafik
Grafisch macht der Titel auf den ersten Blick nicht all zu viel her. Die Einheitenmodelle sind recht polygonarm und eckig geraten und auch deren Texturierung hätte etwas detaillierter ausfallen können. Vor allem fallen aber die extrem kargen Umgebungsgrafiken und die geringe Sichtweite ins Auge. Auch ist es nicht schön, dass die Einheitenpulks einfach aus dem Nebel aufpoppen und nicht schon aus weiter Entfernung gesehen werden können. Allerdings muss man bedenken, dass es sich bei der zu Grunde liegenden Hardware immer noch um die viele Jahre alte Playstation 2 handelt und angesichts der vielen gleichzeitig dargestellten Einheiten und der stets konstanten Framerate geht die Grafik vollkommen in Ordnung. Ordentlich Pluspunkte gibt es auch für die vielen tollen Waffen- und Zaubereffekte. Vor allem die Spezialattacke des Drachen gegen Bodeneinheiten lässt die Kinnlade nach unten klappen.
Die zahlreichen gerenderten Zwischensequenzen sind natürlich über jeden Zweifel erhaben.

Sound
Wuchtige Soundeffekte, welche die Bassboxen ordentlich zum Beben bringen und eine klasse Sprachausgabe stehen einem etwas durchwachsenem Soundtrack gegenüber. Während sich die Musikuntermalung in den Zwischensequenzen stets auf höchstem Niveau befindet, sorgt während der Missionen manchmal etwas zu wenig Abwechslung in den Soundtracks für zu monotone Hintergrundmusik. Bei einigen wenigen fragt man sich sogar, ob der Sound irgendwie hängen geblieben ist, da sich ständig zwei verschiedene Tonfolgen wiederholen. Einige andere Stücke können wiederum vollkommen überzeugen.

Spielspaß Solo
Für ein Actionspiel ist der Umfang von Drakengard wirklich groß. Obwohl man nur 10-14 Stunden braucht um das erste Ende zu sehen, bleibt danach die Motivation nicht auf der Strecke. Die zahlreichen freizuspielenden Waffen, Gefährten und Rendersequenzen sorgen auch nach dem Sehen des ersten Endings für ordentlich Motivation, das Spiel weiter zu zocken. Die Kämpfe sind, vorausgesetzt man steht auf Hack'n'Slays, trotz ihres etwas einseitigen Charakters immer wieder spaßig. Zudem freut man sich stets über frisch gewonnene Erfahrungspunkte und neue Charakterstufen. Wer wirklich alles frei spielen und auch das fünfte Perfect-Ending sehen will, ist locker 20-30 Stunden beschäftigt, was für einen Actiontitel sehr viel ist. Wer gar alle Waffen auf den höchsten Level bringen möchte, dürfte noch deutlich länger beschäftigt sein.
Es gibt zwei Schwierigkeitsgrade: leicht und normal.
Anfänger und Spieler, die sich einige schwierige Passagen und eventuelle Frustphasen gegen Ende des Spiels ersparen wollen, wählen den leichten Grad. Fortgeschrittene sollten auch mit der normalen Einstellung keine größeren Probleme haben. Sollte man partout nicht weiter kommen, hilft oft einfaches Aufleveln des Charakters in bereits abgeschlossenen Missionen.

Spielspaß Multi
Im Spiel ist kein Mehrspielermodus enthalten.
Pro
Sehr spaßiges Hack'n'Slay Spielprinzip
Drache
Tolle Story
Hervorragende Rendersequenzen
Haufenweise Waffen zum Freispielen
Motivierendes Aufleveln
Fünf Endings
Contra
Sehr triste Umgebungsgrafiken
Geringe Weitsicht
Für manche Spieler zu monoton
Fazit
Metzeln bis der Arzt kommt - zu Lande und aus der Luft. Square-Enix' Gleichung Dynasty Warriors+Drakan+Panzer Dragoon Orta=tolles Spiel geht voll auf. Die zahlreichen Extras, Endings und tollen Zwischensequenzen sorgen für etliche Stunden Spielspaß. Eine intuitive Steuerung, eine gute technische Umsetzung und eine tolle, düstere Story runden das Gesamtpaket ab und machen Drakengard zu einem Pflichtkauf für alle Hack'n'Slay-begeisterten Spieler mit einem Hang zu Fantasyszenarien. Lediglich Leute, die viel Abwechslung und sehr anspruchsvolle Spiele bevorzugen, sollten einen Bogen um das Game machen, sind in diesem Genre aber ohnehin nicht gut aufgehoben.
Dank der immer wieder eingestreuten Fluglevels wird das ansonsten recht monotone, aber sehr spaßige, Spielprinzip immer wieder aufgelockert. Durch das simple Erfahrungspunktesystem hat man nie das Gefühl, irgendeine Schlacht umsonst gespielt zu haben, sondern freut sich stattdessen darüber, dem nächsten Charakterlevel wieder ein Stück näher gekommen zu sein.
Auch das Drachenreiten in Bodenkämpfen macht jede Menge Spaß und es ist immer wieder eine Freude dabei zuzusehen, wie die treue Panzerechse mit einer einzigen mächtigen Magieattacke 20-30 Gegner auf einen Schlag vernichtet. Schade nur, das die riesigen Schlachten so steril wirken und keine Truppenbewegung stattfinden. Hier hätte man sich noch etwas mehr beim Vorbild Dynasty Warriors abschauen sollen um für echte Dramatik zu sorgen. Vielleicht wird es irgendwann ja einen Nachfolger geben, der auch diese letzten Kritikpunkte noch ausmerzt.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
Publisher
Take 2
Entwickler
Square Enix
Website
www.drakengard-...
Release
21. Mai 2004
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