Polyphony Digital schreibt Videogeschichte - GT4 präsentiert das Renngeschehen in einer nie dagewesenen Perfektion.Monatelang mussten unzählige Rennspielfreunde - meist verwundert durch kuriose Releaseverschiebungen - auf das Genre-Highlight schlechthin warten. Die Rede ist natürlich von
Gran Turismo 4, das endlich auch hierzulande den Weg in die Händlerregale gefunden hat. Keine Frage: Der erschienene vierte Teil der verblüffenden
GT-Reihe besitzt exzellente Voraussetzungen, die aktuelle Konkurrenz durchgängig in die Schranken zu weisen. Folglich ist
Sonys Vorhaben nicht von der Hand zu weisen: Es geht zweifellos um die vielversprechende Genre-Pole Position - womöglich sogar konsolenübergreifend? Die nachfolgenden Zeilen unseres fundierten Master-Reviews geben euch Aufschluss darüber, ob die prämierten Entwickler von
Polyphony Digital abermalig vortreffliche Arbeit geleistet haben oder nicht.
Betrachtung der Spielmodi Schon eingangs kündigt das Entwicklerteam in einem
fabelhaft inszenierten Intro die Marschroute von
Gran Turismo 4 an. Doch bevor ihr euch dem gigantischen
GT-Modus - der zugleich den Kernpunkt des Spiels darstellt - widmet, könnt ihr im
Arcade-Modus erste Rennluft schnuppern. Dieser verfügt über
200 lizenzierte Vehikel, die sich in den vier Renntypen
Original-Strecken,
Stadt-Parcour,
Matsch & Schnee sowie
Welt-Strecken auf Herz und Nieren testen lassen. Neben den
Einzel- und
Zeitrennen wird euch zudem ein
in Summe ausgewogener Multiplayer-Modus serviert. Wer auf kurzweilige Rennsessions im Kreise der Freunde steht, kann somit auf einen ausgefeilten
Splitscreen- und
LAN-Modus zurückgreifen.
Unser Augenmerk gilt nun jedoch dem
GT-Modus. Eines vorneweg: Verfügt ihr über einen Spielstand der beiden Vorgänger, wird euch im Gegenzug ein kleines Schmankerl geboten. Einerseits erhalten
GT3-Spieler bis zu 100.000 Credits, die sich prompt in einen konkurrenzfähigen Boliden investieren lassen.
GT4 Prologue-Fahrer brauchen statt dessen die Einsteiger-Fahrprüfungen nicht mehr zwingend zu absolvieren. Aber auch ohne diese Vorteile - es seien alle Neulinge angesprochen - gibt es keinen Grund zu verzagen, denn das
Spielprinzip ist durchgehend fair strukturiert. Wie in den Vorreitern bilden die Lizenzprüfungen - diesmal sind es fünf an der Zahl - abermals den Grundstein, um für einen Großteil der Meisterschaften zugelassen zu werden. Daneben präsentiert sich die Menüführung im bekannten
Look der Spielserie, wenngleich einige Debütanten durch den
riesigen Umfang erstmal gnadenlos überfordert sein werden.
Karriere in fulminanter GT-Manier Kaum im
GT-Modus angekommen, befindet ihr euch auf einer riesigen Spielkarte mit vielseitigen Rennmodi. Hier lassen sich die bereits genannten
Lizenzprüfungen absolvieren, um an die unumgänglichen A- und B-Papiere auf nationaler sowie
» Idylle auf der Nordschleife. |
internationaler Ebene zu gelangen. Die fünfte und zugleich letzte Fahrerlaubnis stellt die Special-Lizenz dar, die euch das Fahren von hochgezüchteten PS-Monstern in den dafür vorgesehenen Wettbewerben ermöglicht. Die Turniere werden auf
Rallye-,
Stadt- sowie
Rennstrecken ausgetragen und gliedern sich in
drei Schwierigkeitsstufen. Innerhalb der Wettkämpfe geht es in erster Linie um das
Einheimsen von Preisgeldern, die ja nach Anforderung in der Höhe variieren. Um das Portemonnaie entscheidend aufzubessern, könnt ihr euer Leistungsvermögen auch in den
Fahrmissionen,
Spezialbedingungen,
Herstellerevents und
Ausdauerrennen unter Beweis stellen. Wahrlich beeindruckend: Nie hatten PS2-Rennspieler eine größere Aussicht auf
monatelangen Spielspaß.
Fuhrpark und Tuning Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere liegt definitiv in der richtigen Wahl des Gefährts. Beim Autokauf werden zwei Möglichkeiten geboten: Einerseits könnt ihr in
Gebrauchtwagenläden diverse Angebote über relevante Fahrzeuge einholen.
» Grafisch schlichtweg brillant. |
Das Neuwagensortiment lässt sich statt dessen direkt bei den
Herstellerhäusern überprüfen, was sich bei einem üppig gefüllten Geldbeutel besonders empfiehlt. Schlussendlich bietet der Titel für jeden Geschmack den passenden Untersatz, denn aus der
schier unerschöpflichen Anzahl an Lizenzen resultieren
mehr als 700 Fahrzeuge. Somit steht fest: Angesichts der gewaltigen Auswahl an
Exoten,
Oldtimern,
Rallye- und
Serienfahrzeugen bleibt einem augenblicklich die Spucke weg. Trotz alledem haben es die meisten europäischen Spitzensportwagen wie
Lamborgini,
Ferrari und
Co nicht ins Spiel geschafft.
Wie es sich für ein Rennspiel allererster Güte gehört, hält
Gran Turismo 4 eine nicht minder
ansehnliche Tuningoption in der Hinterhand. Ähnlich wie beim Kauf eines Fahrzeugs lassen sich die gewünschten Upgrades entweder beim Hersteller oder bei einer Fremdfirma beziehen. Durch Verbesserungen in Bereichen wie z.B.
Reifen,
Motor,
Fahrwerk,
Bremsen oder
Turbo konstruiert ihr aus einem schleichenden Serienvehikel somit rasch einen wettbewerbsfähigen Boliden. Äußerliche Veränderungen wurden jedoch auf Sparflamme gehalten, was sicherlich auf die Herstellervorgaben zurückzuführen ist. In diesem Punkt hätte es zweifelsohne mehr Spielraum gegeben, denn einzig und allein Spoiler und Felgen laden zum modifizierbaren Tänzchen ein. Trotzdem ist die
Tuningoption vorbildlich umgesetzt - zu Gunsten der Langzeitmotivation versteht sich.
Neuerungen und Impressionen Obwohl sich das Spielprinzip deutlich an den Vorgängern orientiert, gibt es einige Neuerungen. Wie z.B. den
neuen B-Spec-Modus. Hier tauscht ihr den harten Schalensitz gegen einen komfortablen Managersessel. Dieser Rollenwechsel hat zur
» Heiße Duelle sind stets vorprogrammiert. |
Folge, dass ihr euren KI-gesteuerten Schützling das Rennen durch vorgegebene Fahrinstruktionen bestreiten lässt. Der Teamleiterspaß ist jedoch nur von kurzer Dauer, da die Anzahl an Befehlen sehr dürftig ausgefallen ist. Obendrein integrierten die Entwickler einen
praktikablen Fotomodus, in dem ihr euer Gefährt hochauflösend fotografieren und via USB-Stick am PC ausdrücken könnt. Letztlich wurde dem Titel eine
dritte Kameraperspektive spendiert, die das Renngeschehen nun übersichtlich auf
Höhe der Motorhaube präsentiert.
Glasklar: In punkto Fahrgefühl sowie Spielsteuerung ist
Gran Turismo 4 die unangefochtene Referenz und überrundet sogar den genialen Vorgänger. Allerdings offenbart sich schnell, dass das Entwicklerstudio etwas an der Schwierigkeitsschraube gedreht hat, so dass ihr nun weitaus konzentrierter Kurve um Kurve meistern müsst. Das Geschwindigkeitsgefühl ist für PS2-Verhältnisse exzellent umgesetzt und versetzt euch bei Tempo 300 in einen entflammenden Rausch. Dennoch stehen einige Ungereimtheiten zu Buche: Ein
Schadensmodell wird vergeblich gesucht und darüber hinaus müsst ihr euch mit einer fortwährend
mittelprächtigen Gegner-KI anfreunden. Der im Vorfeld versprochene, aber schlussendlich
gestrichene Online-Modus schlägt nach wie vor auf den Magen und hätte dem Titel gewiss eine brillante Mehrspieler-Wertung beschert. Infolgedessen richtet sich die Fortsetzung eindeutig an alle unermüdlichen Solospieler, da erstklassige Online-Rennen immer noch auf anderen Plattformen gefahren werden.
Technische Mammutleistung Die technische Seite demonstriert eindrucksvoll, wie die letzten Leistungsreserven der PlayStation 2 konsequent genutzt wurden. Vor allem die verschiedenen
Fahrzeugmodelle sprühen vor Perfektion und warten mit detailgetreuer
» Original Lizenzen soweit das Spielerauge reicht. |
Darstellung sowie hochglanzpoliertem Lack auf. Nicht minder beeindruckend offenbaren sich die variierenden Umgebungen, die im Rennspielsektor einzigartig sein dürften. Absolute Spitzenklasse sind auch die Licht- und Blendeffekte, die dem authentischen Fahrvergnügen das nötige Flair verleihen. Die Framerate zeigt sich stets von der Sonnenseite und bildet die perfekte Grundlage für ein ausgezeichnetes Geschwindigkeitsgefühl. Am Streckenrand fallen zeitweise einige ausgewaschene Texturen ins Auge, die bei der ansonsten
vortrefflichen Grafikwertung jedoch nicht ins Gewicht fallen. Auch die
akustische Untermalung hält das hohe Niveau und rundet das Gebotene fulminant ab. Dafür verantwortlich zeigt sich ein opulenter Soundtrack, der mit über 100 Musikstücken keine Langeweile aufkommen lässt. Letztendlich sind die Motorensounds überragend und laden buchstäblich zum Aufdrehen der Boxen ein.