Guter Ego-Shooter mit solider Technik und toller Präsentation, der unter seinem geringen Umfang leidet.Entwickler
Crystal Dynamics schickt uns mit
Project Snowblind in eine hochtechnisierte, düstere Zukunftsvision, in der wir die Rolle eines durch Biotech-Implantate verstärkten Soldaten schlüpfen, um den Weltfrieden zu bewahren. Wie sich der actiongeladene Ego-Shooter auf unserem Prüfstand geschlagen hat, erfahrt ihr im
Master-Review.
Urban AssaultNach einem schick inszenierten Renderintro, in dem fiktive politische Machtverschiebungen und deren negative Konsquenzen für den Weltfrieden erläutert werden, findet man sich augenblicklich auf dem Schlachtfeld wieder. Hier
» Bereits die erste Mission bietet reichlich Action. |
übernimmt der Spieler die Kontrolle über den Anti-Terror-Soldaten
Nathan Frost, der zusammen mit seinen Kameraden gegen ein gefährliches Regime zu Felde zieht. Weder Protagonist noch Spieler werden hier behutsam mit der harten Realität des Krieges konfrontiert. Lautes Geschrei der Kameraden, einschlagende Geschosse und Granaten sowie das Grollen von Hubschraubern und Kampfjets machen klar:
Project Snowblind katapultiert den Spieler und sein virtuelles Ich direkt in die Action. Glücklicherweise geht die
Steuerung leicht und intuitiv von der Hand, so dass man bereits nach wenigen Minuten wie ein alter Profi über das Schlachtfeld huscht und einen Feind nach dem anderen ins Jenseits schickt. Spezialfunktionen, die nicht auf Anhieb klar sind, werden durch eingeblendete Textfenster erklärt. Nachdem man sich in einer rund zehnminütigen
Ballerorgie durch die feindverseuchten Straßen gekämpft hat, ist man auch schon am Ende der ersten Mission angelangt und...stirbt.
Der Tod ist nicht das EndeNatürlich ist dieses unabwendbare Schicksal des Protagonisten nicht das Ende, sondern erst der Beginn von noch mehr Action und einer Menge cooler Fähigkeiten. So wird
Frost nach seinem heldenhaften Ableben in eine Militärklinik
» Der Nachtsichtmodus ist sehr hilfreich. |
verfrachtet und als Supersoldat mit
biotechnischen Implantaten wieder zum Leben erweckt. Diese erlauben es unserem Protagonisten beispielsweise, sich
unsichtbar zu machen oder mit einem
Energieschild Projektile abzuwehren. Auch ist es möglich, in einen
Bullet-Time-Modus umzuschalten oder per
Röntgenblick Feinde durch Wände zu erspähen. Natürlich braucht man trotz dieser übermenschnlichen Kräfte immer noch ein gutes Sortiment an durchschlagskräftigen Waffen, um sich gegen die verschiedenen Feinde wie Soldaten, Kampfroboter oder Metallspinnen durchsetzen zu können. Dieses Arsenal an Ballermännern beinhaltet unter anderem Sturmgewehr, EMP-Kanone, Schrotflinte, verschiedene Handgranatentypen, Pistole, Raketenwerfer, ein Scharfschützengewehr sowie einige Energiewaffen. Zudem gibt es eine Gravitationswumme, mit der sich Gegenstände anziehen und wegschleudern lassen.
Geradlinige ActionMit diesem Sortiment schießt man sich durch insgesamt
18 lineare Missionen, in denen die Action klar im Vordergrund steht. Das nächste Ziel wird stets auf einer Minimap eingeblendet oder kann per Knopfdruck auch direkt in
» Wir haben die größere Wumme! |
Übergröße aufs HUD gebracht werden. Wer nach alternativen Lösungswegen oder abwechslungsreichem Leveldesign wie beispielsweise in
Deus ExDeus Ex sucht, wird enttäuscht:
Project Snowblind richtet sich eindeutig an Fans
unkomplizierter Ego-Shooter, was nicht unbedingt ein Nachteil sein muss. An einigen Stellen gibt es die Möglichkeit, sich in Systeme zu hacken, um so Wachroboter, Geschütztürme oder Kameras umzuprogrammieren oder gar selbst zu steuern. Leider wurde dieses Feature nur halbherzig umgesetzt. So gestaltet sich das Hacken an sich lediglich als Betätigen diverser Kommandos auf einem Auswahlbildschirm und unterscheidet sich somit kaum von
normalen Schaltern.
Zusätzliche Abwechslung ins Geschehen bringen Fahrzeuge, die an wenigen Stellen des Titels benutzt werden können. An einigen Passagen vereinfacht Schleichen das Fortkommen, allerdings ist dies nicht zwingend nötig, so dass man je nach Lust auch auf die harte Tour an sein Ziel kommt. Leider hat man den Titel vor allem mit der Brachialtaktik
viel zu schnell durchgezockt. Gerade einmal
sechs bis acht Stunden dauert
Frosts Feldzug gegen das böse Regime, dann flimmert der Abspann über den Fernseher. Wiederspielwert bietet der Titel keinen, dafür jedoch einen LAN- und Onlinemehrspielermodus, in dem bis zu 16 Spieler in verschiedenen Spielmodi wie
Deathmatch und teambasierten Spieltypen gegeneinander antreten dürfen. Leider sind die Onlineserver alles andere als gut besucht und so sucht man oft vergebens nach genug Mitspielern. Alternativ steht noch ein
LAN-Modus zur Verfügung – eine Splitscreen-Option bietet das Game leider nicht.
Gute Inszenierung, gute TechnikBei der Inszenierung gibt sich der Titel keine Blöße. Die an
Red Faction erinnernde Grafik ist für
Playstation 2-Verhältnisse ordentlich gelungen und weiß vor allem durch coole
» Für Härtefälle gibt es die Bazooka. |
Sichteffeckte wie den
Schneeblindheitseffekt nach einem Treffer durch eine EMP-Granate zu überzeugen. Auch bei größeren Gefechten bleibt das Geschehen ohne Ruckler, die Weitsicht ist in eingen Levels sehr hoch ausgefallen. Weniger beeindruckend sind die relativ polygonarmen Gegnermodelle. Der Sound bewegt sich auf gehobenem Niveau, hätte aber vor allem bei einigen Waffen wesentlich brachialer ausfallen dürfen. So klingt das Sturmgewehr eher wie ein tuckernder Traktor und auch die Explosionen hätten mehr Bums vertragen. Dafür wird man mit einer
sehr guten deutschen Lokalisierung entschädigt. Ebensfalls zu erwähnen sind die
zahlreichen Ingame-Zwischensequenzen, welche gut in Szene gesetzt wurden und dem Game eine ansprechende Gesamtpräsentation verschaffen.