"TimeSplitters 2" erschien Ende 2002 für Playstation 2, Gamecube und Xbox und ist der offizielle Nachfolger von "TimeSplitters", das zuvor nur auf der PS2 erschienen war.
Doch "TimeSplitters 2" (im folgenden nur noch TS2) ist nicht nur der offizielle Nachfolger dieses Spiels, nein, es ist auch der inoffizielle Nachfolger der beiden N64-Ego-Shooter-Hits "Goldeneye 007" und "Perfect Dark". Ein Grund für mich, das Spiel für den Cube damals vorzubestellen und hiermit auch ausgiebig zu testen.
Erneut bedrohen die bösartigen TimeSplitters die Erde. Sie wollen die Menscheit zerstören, indem sie deren Geschichte mit Hilfe ihrer Fähigkeit, durch die Zeit zu reisen, verändern.
In der Rolle von verschiedenen Personen müsst ihr nun versuchen, den TimeSplitters in verschiedenen Epochen den Schneid abzukaufen.
Wie es sich für einen modernen Ego-Shooter gehört, glänzt TS2 nicht nur mit der obligatorischen 3D-Engine, sondern auch mit insgesamt scharfer, flüssiger Optik und einigen Effektspielereien.
Die Grafik an sich sieht von ihrer Art her der von Goldeneye sehr ähnlich, natürlich der besseren Hardware angepasst und mit detaillierteren Objekten und Personen - letztere sind comicartig dargestellt und unterstreichen den unblutigen und eher lustigen Charakter des Spiels.
Weiterhin wartet die Grafikengine mit starken Effekten wie splitterndem Glas, Flammen, Regentropfen oder Schneeflocken auf - die Wassereffekte sind ebenfalls nicht zu verachten. Die Waffen sind auch - sofern es sie überhaupt gibt - sehr realistisch modelliert, speziell bei einigen älteren Waffen haben die Entwickler in Sachen Authentizität ganze Arbeit geleistet.
Auf grobe PopUps, Clipping-Fehler oder eine schlechte Weitsicht "muss" der Spieler übrigens auch verzichten - dementsprechend gibt es an der Grafik absolut nichts zu bemängeln.
Nicht nur im Menü erwartet den Spieler eine stimmungsvolle Musikuntermalung, auch die Hintergrundmusik in den Leveln weiß zu gefallen und erinnert erneut ein wenig an Goldeneye auf dem Nintendo 64.
Die Musik klingt in der Regel eher düster, geheimnisvoll und unbehaglich, allerdings sind alle Stücke abwechslungsreich und werden für's erste nicht so schnell langweilig.
Die übrigen Effekte - von der Sprachausgabe über diverse "Naturgeräusche" (Wasserfall, usw.) bis zu den Waffengeräuschen - sind ebenfalls gut gelungen und lassen eine ordentliche Atmosphäre aufkommen; leider gibt's die Sprachausgabe aber fast ausschließlich in den Zwischensequenzen in den In-Game-Grafik, die meist eine neue Mission im Story-Mode einleiten.
Nachdem man sich im Menü für Story-Modus, Arcade, Herausforderung, Optionen oder Karten-Editor entschieden hat, darf man in einer dieser Abteilungen sein Unwesen treiben.
Im Story-Modus begibt man sich in der Rolle verschiedener Personen auf eine Zeitreise, angefangen im kalten Sibirien von 1990 über den Wilden Westen des 19. Jahrhunderts bis hin zur ultimativen Raumstation im 25. Jahrhundert.
In den Leveln muss man Zeitkristalle einsammeln und diverse Aufgaben lösen, um am Ende durch ein Zeittor zu verschwinden.
Für den Story-Modus gibt es natürlich immer passende, authentische Waffen und drei Schwierigkeitsgrade, wobei es schon der Leichteste in sich hat.
Der Arcade-Modus bietet ebenfalls drei Schwierigkeitsgrade, allerdings muss man hier voneinander unabhängige Aufgaben oftmals innerhalb eines Zeit- oder Lebenslimits erfüllen - oder man misst sich ganz einfach in einem Deatchmatch gegen Computer- und/oder drei weitere menschliche Gegner.
Die Herausforderungen sind ähnlich aufgebaut wie der Arcade-Modus und werden bei erfolgreichem Bestehen ebenfalls mit goldenen, silbernen oder bronzenen Pokalen sowie diversen neuen Charakteren und Szenarien belohnt.
Die Aufgaben reichen hier von plump (Scheiben mit Ziegelstein zerschlagen oder Zombies mit der Schrotflinte "köpfen") bis knackig (zu weit feindliche Basis gegen eine gigantische Übermacht infiltrieren).
In den Optionen werden Dinge wie Lautstärke und Steuerung eingestellt, zudem darf man erfolgreichem Freispielen auch einige Cheats aktivieren.
Der Karten-Editor ist sicherlich das Sahnestück von "TimeSplitters 2" - hier dürft ihr innerhalb einer begrenzten Karte Räume, Gänge und Türen mit diversen Gegenständen, Waffen und Lichtquellen anlegen, wobei allerdings der leider eher geringe Speicherplatz für die Karte beachtet werden muss, so dass man dummerweise nur eher kleine Karten anlegen kann, es sei denn, man verzichtet gänzlich auf Waffen und Gegner.
Abschließend kann man die Karte speichern und allein Probe spielen. Wenn man die Karte abgeschlossen hat, ist es natürlich auch möglich, diese im Multiplayer-Modus zu bespielen.
Nachdem nun Aufgaben und Spielablauf geklärt wären, möchte ich noch ein wenig auf die Steuerung eingehen: Diese erinnert frappierend an Goldeneye, allerdings mit der "Einschränkung", dass die X- und die Y-Achse des linken Analog-Sticks - mit dem man die Spielfigur steuert - nicht automatisch umgekehrt werden. Glücklicherweise kann man die Y-Achse aber immerhin in den Optionen "reverse", also umgekehrt einstellen, so dass man sich etwas leichter an die Steuerung gewöhnen kann.
Die übrige Steuerung ist äußerst gut und einfach gelungen (und im übrigen frei konfigurierbar), einzig das Scrollen durch die Waffenliste stört beim Spielen ein wenig, da man immer komplett durchscrollen muss, um die gewünschte Waffe auszuwählen.
Die Gegner in TS2 gehören glücklicherweise(?) zu der intelligenteren Sorte und sind oftmals beim Schießen schneller als die eigene Figur, dementsprechend oft segnet man zumindest im Arcade-Modus auch das Zeitliche.
Auch die knappen Zeitlimits in den Arcade- und Herausforderuns-Leveln sind nicht immer gleich auf Anhieb zu bezwingen - zwar motivieren alle Aufgaben immer wieder auf's Neue, wenn ein Level (auch im Story-Modus) aber auch beim zehnten Versuch nicht klappt, kommt doch ein wenig Frust auf.
Abschließend noch ein Wort zu den Waffen: Selten hat man so viele fette Wummen auf einem Haufen gesehen:
Neben Standard-Waffen wie Magnum, MP oder Laser-Gewehr warten u.a. auch eine Armbrust, ein Feuerlöscher(!), eine Ultra-Schnellfeuer-Pistole, ein Flammenwerfer oder eine lebensechte Minigun auf den bereits vor lauter Freude vollgesabberten Spieler.
Das Zielen gestaltet sich leider nicht immer ganz so einfach, denn auch mit den besten Waffen ist die Trefferquote recht gering - die Zielautomatik des Spiels ist kaum spürbar und das manuell zuschaltbare Steuerkreuz ist durch den rechten Analog-Stick für meine Begriffe nur schwer kontrollierbar.
"TimeSplitters 2" ist einer der besten Ego-Shooter, den ich kenne, an "Goldeneye" für das Nintendo 64 kommt es aber nicht ganz ran, da es nicht so viel Atmosphäre wie der Bond-Shooter vermittelt.
Dafür ist TS2 vielleicht einen Tick besser als das ebenfalls starke "Perfect Dark", wobei ich einen der Hauptfaktoren des Spiels, den Multiplayer-Modus, mangels menschlicher Ego-Interessenten leider nur alleine gegen den Computer spielen konnte.
Der Story-Modus ist aber ohne Zweifel absolut gelungen und die übrigen Aufgaben motivieren ebenfalls einige Wochen lang.