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Harvest Moon: A Wonderful Life

» Autor: Georg Gruber
» Datum: 24.04.2004
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
SimBauernhof für den GameCube - Harvest Moon: A Wonderful Life setzt dank außergewöhnlichem Japano-Gameplay bemerkenswerte Akzente.

Die Simulation des Lebens auf einem Bauernhof ist die Grundidee hinter Harvest Moon: AWL. Hört sich zwar seltsam an, wird den Durchschnittseuropäer aber sicher nicht veranlassen, sofort in den Laden um die Ecke zu laufen und sich dieses Spiel zu kaufen. Auf den zweiten Blick ist AWL allerdings eines jener Spiele, mit denen Nintendo Anfang der 90er-Jahre noch die Werbetrommel rührte. Big N hätte dieses ungewöhnliche, aber durchaus Suchtgefahr-auslösende Videospiel als Paradebeispiel für die viel gerühmte "Nintendo Difference" hingestellt. Harvest Moon hat seit dem Erscheinen auf dem legendären SuperNES eine loyale Gefolgschaft unter Gamern errungen. Nach zahlreichen Fortsetzungen für N64, PlayStation und Handhelds erscheint mit A Wonderful Life das erste Harvest Moon auf dem Nintendo GameCube. Doch kann dieses stark auf den japanischen Geschmack zugeschnittene Spielformat auch heute noch überzeugen?

Features
- Aufbausimulation mit RPG-Elementen
- Familienleben inkl. Heirat und Kindererziehung
- Sechs Kapitel, die eine Lebenszeit von 30 Jahren abdecken
- 40 neue Charaktere
- GBA Connectivity für Harvest Moon: Friends of Mineral Town

Die Grundlagen des glücklichen Landlebens
A Wonderful Life versetzt euch in die Situation eines jungen Mannes, der den Lebenstraum seines verstorbenen Vaters - den Aufbau eines erfolgreichen Bauernhofs - verwirklichen will. Dieser hat zusammen mit dem treuherzigen, aber liebenswerten Freund Takakura Geld auf die hohe Kante gelegt, damit es der Sohn einmal besser hat. Da der Vater verschieden ist, seid ihr aus der fernen Großstadt zurückgekehrt und wollt den letzten Willen eures Vaters ehren.
Ihr habt euch noch gar nicht richtig an die beschauliche Provinzatmosphäre des Vergiss-mich-nicht-Tals akklimatisieren können, da führt euch Takakura auch schon auf dem kleinen aber feinen Bauernhof herum. Die Farm, die ihr übernehmen sollt, besteht im Wesentlichen aus eurem Bauernhaus sowie einer kleineren Unterkunft, die der gute Takakura bewohnt. An landwirtschaftlichen Nutzflächen stehen euch drei Felder mit unterschiedlichen Eigenschaften sowie eine große Futterwiese zur Verfügung. Für die Aufzucht von Tieren könnt ihr darüber hinaus zwei Ställe benutzen, die gleichzeitig die Tiere vor schlechter Witterung schützen sollen. Neben einem Brunnen zur Bewässerung gibt es auch noch eine Wasserstelle, wo ihr Tiere waschen und pflegen könnt. Darüber hinaus sind auch Lager- und Werkzeugräume sowie ein geheimnisvoller versperrter Schuppen Bestandteil eures Landguts. Um Eigenerzeugnisse in der fernen Großstadt zu verkaufen, gibt es schließlich eine Versandstelle, wo ihr auch Bestellungen für Saatgut und Nutztiere aufgeben könnt.
Takakura, die gute Seele, drückt euch noch 3000 Geldeinheiten in die Hand und schon steht ihr mit einem trolligen Hund und einer einzigen Milchkuh am Beginn einer hoffentlich erfolgreichen Lebenskarriere.

Zuerst die Arbeit...
Morgenstund' hat Gold im Mund: ein typischer Tag auf eurer Farm beginnt um 5 Uhr Früh mit einem zünftigen Frühstück. Zu Beginn des Spiels müsst ihr euch zwar noch mit eigener Milch oder gefundenen Kräutern über Wasser halten, aber später könnt ihr auch leckere Gerichte in der eigenen Single-Küche zubereiten. Habt ihr erst einmal richtig Kraft für euer Tageswerk geschöpft, stehen euch vielfältige Möglichkeiten offen, um den Tag zu verbringen. Äußerst ratsam ist es, den Wetterbericht für den anbrechenden Tag zu beachten, denn bei Schönwetter könnt ihr die Tiere ins Freie bringen. Das ist nicht nur eine Arbeitsersparnis (z.B. Kühe müssen nicht gefüttert werden und suchen sich selber saftige Gräser), sondern macht die Tiere auch gesünder und glücklicher. Bei schlechter Wetterprognose ist es aber höchste Zeit, die Tiere wieder in die Ställe zurück zu bringen, denn ansonsten droht euren Tieren Krankheit.

Animal Farm
Auf eurem Bauernhof leben Haus- sowie Nutztiere. Einen trolligen Hund erhaltet ihr gleich zu Beginn des Spiels. Jedem Tier könnt ihr einen eigenen Namen geben, was zur persönlichen Bindung zwischen Mensch und Tier beitragen soll. Später kommen noch ein weiterer Hund, eine Katze sowie ein prächtiges Pferd hinzu. Die Haustiere sind aber nur zur Unterhaltung und zum Spielen gedacht. Sie müssen weder gefüttert noch gepflegt werden. Interessanterweise können sie auch nicht krank werden. Einzig das Pferd hat einen größeren Nutzen für euch, denn sobald ihr es von Takakura bekommt, müsst ihr euch nicht mehr per pedes durch das Vergiss-mich-nicht-Tal bewegen. Allerdings hat es kräftigen Appetit und will auch von Zeit zu Zeit gestreichelt werden.
An Nutztieren gibt es Kühe, Schafe, Ziegen, Hühner und Enten. Kühe sind besonders interessant, da sie sich ausgezeichnet zur Aufzucht der eigenen Herde eignen. Darüber hinaus geben Kühe leckere Milch, die später um gutes Geld verkauft werden kann. Schafe produzieren, ordentliche Pflege durch Waschen und Bürsten vorausgesetzt, flauschige Wolle. Hühner und Enten legen Eier, die bestens zur Bereicherung des eigenen Ernährungsplans oder für den Vertrieb verwendet werden können. Schließlich könnt ihr auch eine Ziege halten. Allerdings gibt sie nur das erste Jahr Milch und kann nicht mehr verkauft werden - komplettiert dafür aber den Tierbestand.
Es gibt bei der Pflege und Aufzucht von Nutztieren sehr viele Details zu beachten. So geben Kühe nur im ersten Jahr nach der Geburt eines Kalbes Milch. Danach können sie verkauft werden oder ihr sorgt dafür, dass ein Bulle seine Pflicht tut und für weiteren Nachwuchs sorgt. Kälber bedürfen natürlich einer besonders intensiven Umsorge in der ersten Zeit nach der Geburt. Die meisten Tiere lieben es, gewaschen und gebürstet zu werden. Schafe danken euch die Luxusbehandlung an der Wasserstelle mit besonders hochwertiger Wolle. Fast alle Erzeugnisse der Tiere können durch gute Behandlung aufgewertet werden. Typisch japanisch könnt ihr auch mittels Tastendruck mit euren Tieren "sprechen" oder diese liebevoll streicheln. Das ist nicht nur niedlich, sondern sorgt auch dafür, dass sich eure Tiere wohl und geborgen fühlen. Fühlt sich ein Tier besonders wohl, dann erscheint eine kleine Sprechblase mit einem niedlichen Herz darin. Als angenehmer Nebeneffekt wird auch z.B. die Milch von Kühen höherwertig oder eine Kuh produziert anstatt der üblichen zwei Kännchen bis zu vier Kännchen von dem weißen Gold. Seid ihr aber zu sorglos im Umgang mit den Tieren, z.B. ihr vergesst auf's Füttern oder Waschen, dann werden die Tiere, langsam aber sicher, unglücklich und in Fällen von schlimmer Vernachlässigung sogar todkrank. Dann müsst ihr schnell teure Medizin beim Händler kaufen und die kranken Tiere wieder aufpäppeln.

Traumberuf Gurkerlfarmer
Neben der sehr lukrativen Aufzucht von Nutztieren könnt ihr euch auch auf die Feldarbeit stürzen. Allerdings ist die Pflanzenzucht ein eigenes und aufwendiges Gebiet, sodass die meisten Spieler nur eine Tätigkeit (entweder Tier- oder Pflanzenzucht) in den Vordergrund stellen werden. Habt ihr euch für die Züchtung von Gemüse entschieden, gilt es erst einmal, die Felder zu bestellen. Im Geräteschuppen findet ihr die wichtigsten Werkzeuge, um eure Karriere zu starten. Ausgerüstet mit Hacke und Gießkanne müsst ihr zuerst die Felder "umpflügen", die Saat ausbringen und dann die zarten Pflänzlein kräftig mit Wasser versorgen. Bei der Auswahl des Saatguts müsst ihr aufpassen, welche Pflanzen auf welchem Feld besonders gut gedeihen. Eure drei Felder haben nämlich unterschiedliche hohe Fruchtbarkeit und dementsprechend müsst ihr eine Entscheidung treffen, welche Pflanzen ihr bevorzugt ansetzen wollt. Die Auswahl an Samen ist umfangreich und reicht von Gemüse (Tomaten, Karotten, Kartoffeln, Rüben) über Obst (Äpfel, Orangen) bis zu fruchtigen Delikatessen wie Erdbeeren, Wassermelonen, Pfirsichen und Bananen. Die weniger fruchtbaren Felder bieten sich auch hervorragend zum Anpflanzen von Bäumen an. Darüber hinaus könnt ihr mittels Dünger die Güte der Pflanzen aufwerten. Wenn ihr offen für Experimente seid, könnt ihr sogar, durch Kreuzen von zwei bereits existierenden Sorten, neue Sorten wie etwa "Tomalonen" erschaffen.

...und dann das Vergnügen
Was wäre das Leben ohne die Gesellschaft von anderen Menschen? Habt ihr genug von der harten Feldarbeit, diverse Aufgaben delegiert oder eure Farm durch technische Maßnahmen automatisiert (z.B. müsst ihr nach dem Kauf einer Melkstation nicht mehr so viel Zeit für's Melken abzweigen), könnt ihr die gesamte Spielwelt erkunden. Takakura stellt euch zu Beginn des Spiels nur wenige Charaktere vor. Doch das Vergiss-mich-nicht-Tal ist mit vielen Persönlichkeiten bevölkert, die es noch wert sind, besucht zu werden. Einige Locations sind u.a. eine Nachbarfarm, wo ihr Saatgut erwerben könnt, das lokale Gasthaus, die "Blue Bar", das Labor eines experimentierwütigen Wissenschaftlers, eine Schmiede oder eine archäologische Ausgrabungsstätte. Neben dem offensichtlichen Zweck der Besuche bei Bewohnern (z.B. Saatgut-Kauf), lernt ihr auch viel Wissenswertes über eure Mitmenschen. Die Gespräche sind zwar meist sehr kurz und auch nicht selten völlig trivial, manchmal könnt ihr aber auch wertvolles Wissen in Erfahrung bringen. Das ganze Gameplay von Harvest Moon ist stark auf diese Interaktion ausgelegt und wenn ihr euch nicht eingehend mit euren Zeitgenossen beschäftigt, dann versäumt ihr ziemlich viel von der Action. Als Beispiel wären die Festivals (z.B. Erntedankfest) zu nennen, an denen ihr nur teilnehmt, wenn ihr die richtige Person zu einem günstigen Zeitpunkt ansprecht.
Zwischen den einzelnen Orten könnt ihr auch laufend auf mehr oder weniger merkwürdige Gestalten, die durch die Landschaft wandeln, treffen. So sorgen z.B. Kobold-ähnliche Gestalten für humorige Gespräche. Diese Figuren erfüllen später wichtige Aufgaben, daher ist es wichtig sich mit ihnen von Anfang an zu beschäftigen. Habt ihr euch durch Geschenken bei ihnen gut gestellt, kann können gewisse Arbeiten an sie delegiert werden. Aber auch ganz normale Leute wie z.B. Kinder, den Arzt oder den fahrenden Händler könnt ihr unterwegs antreffen. Vor allem der fahrende Händler ist recht wichtig, da er einige Waren verkauft, die ihr sonst nirgends erwerben könnt. Später, wenn ihr euch als Farmer etabliert habt, könnt ihr dem Händler natürlich auch kräftig Konkurrenz machen und einen eigenen Verkaufsstand eröffnen.
Eine weitere gute Gelegenheit, die Spielwelt kennen zu lernen, ist es, auf Angeltour zu gehen. Es ist sehr empfehlenswert, so rasch wie möglich eine Angelrute zu erwerben. Das hat den Vorteil, dass ein Fisch leckere Nahrung abgibt oder auch für gutes Geld verkauft werden kann. Darüber hinaus sind einige Fische unter den Talbewohnern heiß begehrt und geben auch sehr gute Geschenke ab.

30 Jahre Leben wollen geplant sein
Ein fester Bestandteil der vorangegangenen Harvest Moon Spiele war das Heiraten. A Wonderful Life setzt diese Tradition fort. Ihr könnt um die Gunst von drei Frauen werben, die durch kleine Aufmerksamkeiten und gehaltvolle Konversation von euren Qualitäten überzeugt werden wollen. Je nachdem wie beliebt ihr euch gemacht habt, besteht eine gute oder weniger gute Chance, dass euer Heiratsantrag angenommen wird. Als Belohnung winkt eine "cute" Cutscene der Hochzeit.
Nach den Flitterwochen geht das Leben am Bauernhof zwar wieder die gewohnten Wege (Feld bestellen, pflanzen, gießen, melken, mal ein gepflegtes Bier in der Bar trinken...), doch schon bald schenkt eure Ehefrau einem gesunden Sohn das Leben. Hier schlägt AWL eine neue Tonart an und erweitert das beschauliche Gameplay um die Erziehung eures Kinds. Je nachdem wie viel Zeit ihr euch um den Sohnemann kümmert, desto mehr könnt ihr abschätzen, welche Ausbildung ihr ihm angedeihen lassen wollt. Je mehr ihr euch um euren Sohn kümmert, desto mehr könnt ihr ihn z.B. musikalisch erziehen, indem ihr ihm ein Musikinstrument schon in der Jugendzeit schenkt. So wird er eher eine künstlerische Laufbahn einschlagen. Ihr könnt ihm aber z.B. auch euer wertvolles Wissen über die Landwirtschaft vermitteln, sodass er in eure Fußstapfen treten kann. Auch könnt ihr das Wohl eures Sohns damit etwas lenken, indem ihr dafür sorgt, dass er mit interessanten Menschen in Kontakt tritt. Bringt ihr ihn oft zum Archäologen, so ist es wahrscheinlich, dass er eine Karriere als Wissenschafter in Betracht zieht. Aber ihr müsst auch Rücksicht auf sein Gemüt nehmen, das interessanterweise vollständig von der Mutter übernommen wird. Habt ihr eine unternehmungslustige Frau, so wird der Sohn andere Charakterzüge aufweisen, als bei einer eher scheuen, häuslichen Frau.

(24 +6) * 2 / 3 * 40 * 10 / 60 = WOW !!
Die volle Wucht der bisher beschriebenen Art des langsamen, typisch japanisch geprägten Gameplays trifft den Spieler erst, wenn man sich folgende Zahlen vor Augen führt. Eine Stunde Spielzeit entspricht einer Minute in Echtzeit, d.h. jeder Tag dauert 24 Minuten. Da die Zeit aber bei Gesprächen oder in Räumen nicht vergeht, schlagen wir einfach ein Viertel (sechs Minuten) auf und erhalten somit eine Gesamtspielzeit von 30 Minuten je Tag. Ausgehend von einem gesunden Schlaf rechnen wir ein Drittel weg und erhalten eine Nettozeit von 20 Minuten je Spieltag. Da ein Jahr 40 Tage hat, spielt man also 800 Minuten an einem Jahr, das sind gut 13 Stunden. Da in Summe eine Lebensspanne von 30 Jahren in den sechs Kapiteln abdeckt wird, jedoch insgesamt nur 10 Jahre spielbar sind, ergibt das satte 130+ Stunden Gesamtspielzeit, und das selbst unter den angenommenen optimalen Spielbedingungen. WOW!!


Grafik
Das erste komplett in 3D gestaltete Abenteuer der Harvest Moon-Serie kann im besten Fall als ganz passabel bezeichnet werden. Etwas verwaschene Texturen sowie unschöne Clipping-Fehler können durch eine zwar liebevolle, aber wenig spektakuläre Gestaltung der Spielwelt, nicht aufgewogen werden. Wirklich gelungen ist aber die Darstellung der Jahreszeiten (Aufblühen von Bäumen im Frühling ...) und auch die Tageszeit ist anhand des Sonnenstands und der sichtbaren Schatten durchaus gut gelöst worden. Leider sorgt die Kamera manchmal für unnötige Troubles, die leicht hätten vermieden werden könnten. So kommt es immer wieder vor, dass euer Charakter mitten im Bild steht und ihr euer Gegenüber gar nicht richtig sehen könnt, während ihr mit einer Person sprecht. Allerdings sind die Charaktere grobschlächtig und mit wenig Polygonen ausgestattet, daher versäumt ihr nur wenig.

Sound
A Wonderful Life hat einen ausgesprochen uninteressanten Soundtrack, der oft einfach nur monoton vor sich hinplätschert. Völlig ohne Highlights werden hier beliebig austauschbare Japano-Rhythmen gedudelt. Es tut manchmal schon weh. Zum Glück kann im Verlauf des Spiels die Schallplatte im Bauernhof gewechselt werden, doch wird nur eine fade Melodie durch eine andere ersetzt. Auch bei den Effekten gibt es wenig Positives zu vermerken, sind sie doch auch sehr selten anzutreffen. Die komplett fehlende Sprachausgabe ist ein weiterer Minuspunkt.

Spielspaß Solo
Harvest Moon setzt ganz bewusst auf das sehr einfach gehaltene Gameplay, das durchaus einen gewissen Reiz besitzt. Vor allem der völlig gewaltfreie Ansatz einer Leben-am-Bauernhof-Simulation findet sicher großen Anklang beim Zielpublikum. Die extrem lange Spieldauer sorgt für großen Spielspaß - allerdings muss auch eine große Portion an Motivation mitgebracht werden. Wirklich überzeugen kann A Wonderful Life eigentlich erst auf den zweiten Blick. Die wahre Klasse des Spiels offenbart sich nur jenen Spielern unter euch, die einen langen Atem und wirklich viel Zeit haben, um all die kleinen Schätze, die im Spiel versteckt sind, zu heben. Vor allem die Fremdartigkeit des Gameplays macht neugierig auf den nächsten Tag, an dem ihr neue Früchte züchten, Tiere pflegen und eurem Familienleben nachgehen könnt. Erwähnt werden muss auch noch die GBA Connectivity: wer Harvest Moon: Friends of Mineral Town besitzt, kann mittels Link-Kabel gewisse Inhalte der Spiele austauschen. Dadurch eröffnen sich euch allerdings in beiden Spielen keine großen Neuerungen. Vor allem das einzigartige Konzept über einen so langen Zeitraum zu spielen, dass man seine eigenen und die Nachbarskinder aufwachsen sieht, übt eine große Faszination auf Spieler aus. Wer andere Aufbausimulationen oder Spiele wie "Die Sims" mag, wird wohl auch mit Harvest Moon viel Spaß haben.

Spielspaß Multi
Im Spiel ist kein Multiplayer-Modus enthalten.
Pro
Absolut gewaltfreie und positive Aufbausimulation
Sehr offen gestaltetes Gameplay
Satte 130+ (hundertdreißig!) Stunden Gesamtspielzeit
Japanischer Knuddelbonus
Contra
Phasenweise monotoner Spielablauf
Bestenfalls passable Grafik
Schwacher Soundtrack und keinerlei Sprachausgabe
Sporadisch mangelhafte Übersetzung
Fazit
Ich bin sehr froh, dass UBISOFT sich entschlossen hat, mit A Wonderful Life das GameCube-Debüt der Harvest Moon-Spielserie zu wagen. Dieses Spiel zeigt, wie Gameplay völlig ohne Gewalt und mit einfachsten Mitteln über einen sehr langen Zeitraum zu fesseln vermag. Persönlich bin ich aber nicht sonderlich von AWL beeindruckt. Vor allem die schlechte Präsentation lässt mich darüber spekulieren, ob das Spiel nicht ursprünglich für die Nintendo64-Konsole entwickelt wurde. Ein weiterer Kritikpunkt ist die phasenweise mangelhafte Übersetzung. Teilweise kommen zwar witzige Sätze dabei heraus, ein anderes Mal wirkt es allerdings nur schlampig. So sehr ich ausgefallene japanische Spiele mag, so sehr muss ich mich über die monotonen Spielphasen ärgern.
A Wonderful Life setzt aber genau dort kreative Akzente, wo man es nicht erwartet. Es stellt in mutiger Weise Inhalte über die Verpackung.
Allerdings können eher ungeduldige Spielernaturen (zu denen auch ich mich zähle) wohl nur wenig mit diesem Spiel anfangen. Um Harvest Moon genießen zu können, muss ein Spieler über sehr viel Geduld und große Experimentierfreudigkeit verfügen - oder aber sie oder er kennt bereits die Vorgänger auf diversen Spielkonsolen und will eine Version den GameCube. Dies sind genau jene Eigenschaften, die Anfang der 90er-Jahre ganz groß angesagt waren. Insofern kann ich die oben gestellte Frage beantworten: Entwickler Natsume hat es noch einmal geschafft, die sprichwörtliche "Nintendo Difference" umzusetzen. Harvest Moon: A Wonderful Life wäre in seiner Form derzeit wohl auf keiner anderen Konsole (bzw. für ein Nicht-Nintendo-Publikum) umgesetzt worden. Eigentlich eine traurige Tatsache.
Infos
Erhältlich für
Genre
Strategie
   Aufbaustrategie
Publisher
Ubisoft
Entwickler
Natsume
Website
www.ubi.com/DE/...
Release
26. März 2004
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User-Bewertung
80
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