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Master-Review:   » drucken    » versenden

Asterix & Obelix XXL

» Autor: Björn Sturm
» Datum: 27.08.2004
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Technisch top, spielerisch absolut flop - Asterix wird nun auch auf Nintendos Zauberwürfel wiederbelebt.

Wer kennt sie nicht, die Verfilmungen von Asterix und Obelix den Galliern inmitten einer winzigen französischen Siedlung, die es stets verstanden, sich mit Hilfe des ominösen Zaubertranks gegen die erbarmungslosen Römer zur Wehr zu setzen. Wer saß damals nicht vor dem Fernseher, als die spannenden Zeichentrickfilme über den Bildschirm flimmerten und kaum jemand konnte sich der Atmosphäre entziehen ...


Mit Asterix & Obelix XXL schickt sich Atari nun an, den Bann um Zaubertrank, Gallien und Römer in einem zeitgemäßen Videospiel wieder zu vereinen. Dabei strotzt der Publisher in der offiziellen Beschreibung mit erwartungsvollen Aussagen wie etwa einer revolutionären „DUO“-Steuerung, die das Kontrollieren von Asterix und Obelix erstmalig in der Geschichte gleichzeitig ermöglichen soll, sage und schreibe 50 verschiedenen Kampfaktionen sowie einer bahnbrechenden Programmierung, die Massengefechte mit bis zu 70 feindlichen Römern gleichzeitig fabrizieren soll. Angesichts dessen haben wir es uns nicht nehmen lassen, das römische Reich auszukundschaften und im Zuge unseres Master-Reviews das wahre Potenzial auszuleuchten.

Wir schreiben das Jahr 50 vor Christus
Wer sich in Anbetracht dieser Überschrift in ein sehr bekanntes Szenario zurückversetzt fühlt, braucht sich nicht zu wundern, denn auch die neueste Versoftung orientiert sich an
» Die Idylle täuscht gewaltig.
den Vorgeschichten allseits bekannter Leinwandabenteuer. Ein kurzes Intro führt den Spieler ins Geschehen ein: Auch diesmal ist Gallien von Römern besetzt ... ganz Gallien? Natürlich nicht, denn ein kleines Dorf unbeugsamer Einwohner wehrt sich vehement gegen die römischen Truppen, die das letzte freie Stück gallischen Bodens immer dichter einkesseln. Doch als Asterix und Obelix eines Tages ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Wildschweinjagen in freier Natur nachgingen, ergriff Oberbösewicht Caesar in einem heftig wehenden Sturm aus erhellenden Blitzen die Gunst der Stunde und ließ sämtliche Einwohner entführen. Auch ein Kessel des Sagen umwobenen Zaubertranks wurde entwendet, was unter Galliern bekanntermaßen als Höchststrafe gilt. Nach Ankunft in der brennenden Siedlung ist den Spielhelden sofort bewusst, dass sie sich umgehend auf die Suche nach ihren Freunden begeben müssen. Soviel zum vorgeschichtlichen Teil, der unter anderem in einem sehr unauffälligen Stil vermittelt wird.

Bekannte Reiseziele und lachhafte Kontrahenten
Ähnlich wie bei vielen anderen Kollegen des Genres spielt sich auch Asterix & Obelix XXL jederzeit aus der Third-Perspektive. Mit bloßen Fäusten bewaffnet, bahnt sich der
» Den Römern geht es tierisch an den Kragen.
Spieler in einem simplen und leicht verständlichen Gameplay seinen Weg durch insgesamt sechs verschiedene Locations. Seine Reise bestreitet der bereitwillige Hobbyabenteurer in unterteilten Passagen, die ihn durch die Normandie, Griechenland, Helvetien, Ägypten und Rom ziehen lassen. Durch das schnell Routine werdende Beseitigen riesiger Römerscharen muss viel Köpfchen allerdings nicht an den Tag gelegt werden. So gilt es stets nur ein halbwegs wachsames Auge für das Geschehene zu haben und einen auftauchenden Fiesling nach dem anderen in bekannter „Hau drauf und mach ihn mausetot“-Manier aus dem Weg zu räumen. Angesichts der mangelhaften gegnerischen Intelligenz fällt dies zugegebenermaßen auch nicht sonderlich schwer und somit ist ein Vorankommen jederzeit ohne nennenswerten Lebensverlust möglich.

Von Römern, Helmen und fliegenden Kugeln

Das Kampfsystem innerhalb der Fights ist mindestens genauso „spektakulär“ wie die Präsentation der kurzatmigen Vorgeschichte. Dabei ist es völlig irrelevant, ob via einfacher Schlagbetätigung oder ausführlicher Comboausführung zu
» Das Piratengesindel bettelt schon um eine Abreibung.
Werke gegangen wird. Letztere Angriffsmöglichkeit ist in der Ausführung obendrein sogar deutlich komplizierter gestaltet und somit reicht ein beherztes Betätigen der normalen Schlagtaste aus, um die zahlreichen Stages erfolgreich zu meistern. Zusätzlich kann sich Asterix im Kampfgeschehen auch auf einige Bekannte verlassen, die unter anderem in Form von Obelix und Idefix ihren ganz speziellen Teil in den zahlreichen Auseinandersetzungen beitragen. Das bis dahin durchschnittliche Kampfsystem erhält durch diesen Zusatz allerdings nur eine kleine Brise erquickenden Windes und selbst die zahlreichen Combos wie unter anderem der heftige Fallhammer oder elektrisierende Tornado können an dieser ernüchternden Tatsache nichts ändern.

Durchaus positiv hingegen fällt das „DUO“-Feature auf, das zwar nicht revolutionäre Wege geht, nichtsdestotrotz dem ansonsten stark standardisierten Titel aber etwas Frisches einflössen kann. Ein Beispiel für einen solchen Mechanismus gefällig? Im Falle eines weit oben liegenden Lifts klettert Asterix in einen kleinen Korb - die Steuerung wechselt daraufhin zu Obelix -, um sich von seinem pfundigen Freund bis zum Ziel ziehen zu lassen. Das Zusammenspiel beider Charaktere, das am Rande zugegebenermaßen deutlich an Sonic Heroes - ebenfalls Atari - erinnert, präsentiert sich zu jedem Zeitpunkt flüssig und erfreulich unkompliziert. Doch auch ansonsten kann die einfach gehaltene aber effektive Spielsteuerung überzeugen und lässt bis auf die sehr unbeholfene Comboausführung kaum Defizite erkennen.

Grafik
Insbesondere Filmfans werden vom kunterbunten und typischen Comicstil begeistert sein. Die verschiedenen Figuren sind mit viel Liebe zum Detail umgesetzt worden und können durch ihre butterweichen Animationen auch das kritischste Spielerauge überzeugen. Obwohl die Umgebungsgrafiken mit den feinen Charakterdarstellungen im direkten Vergleich nicht Schritt halten können, hinterlässt vor allem die zugrunde liegende Objektvielfalt einen sehr ansprechenden Eindruck. Die knallbunten und variantenreichen Texturen verpassen der Umsetzung den nötigen Feinschliff und runden das bis dahin überzeugende Grafikpaket ab.

Sound
Akustisch gibt es bis auf vereinzelte Punkte ebenfalls keinen Grund zur großen Kritik. Die musikalische Untermalung, die sich je nach Situation stilgerecht anpasst, hält viele Stücke aus bekannten Genres bereit und unterstreicht abermals das zufriedenstellende technische Niveau des Titels. Ausschließlich in punkto Synchronisation lässt das Abenteuer einige Federn, denn neben dem Fehlen der original Sprachausgabe aus Film und Fernsehen können die improvisierten soundtechnischen Dialoge nicht ganz an die Klasse des Soundtracks reichen.

Spielspaß Solo
Der Titel versteht es, verschiedene Genre-Elemente leider nicht ganz überzeugend zu kombinieren, ob Action-, Adventure- oder Rätsel-Passagen, alles wirkt durch die Bank bekannt und streng genommen altbacken. Asterix & Obelix XXL kann zwar anfangs die Motivationskurve über die ersten Spielstunden aufrecht erhalten, dennoch reicht es nicht völlig, um für lang anhaltenden Spielspaß zu sorgen. Das überraschend gut gelungene „DUO“-Feature lockert den Spielverlauf allerdings stellenweise gut auf und macht den oft anzutreffenden Mangel an Einfallsreichtum streckenweise wieder wett. Trotz fehlender Einstellung des Schwierigkeitsgrades werden sich auch unerfahrene Spielernaturen ohne größere Eingewöhnung bestens zurechtfinden, da sich weder Stages noch Endgegner an irgendeiner Stelle anspruchsvoll präsentieren. Genre-erfahrene Gamecube-Spieler werden nach etwa 8 Spielstunden ohne größere Schwierigkeiten Level für Level erfolgreich absolviert haben und sich im Endeffekt über die etwas kurze Spielzeit sicher berechtigten Gedanken machen.

Spielspaß Multi
Im Spiel ist kein Multiplayer-Modus enthalten.
Pro
Feine grafische Umsetzung
Hohe soundtechnische Qualität
Auflockerndes „DUO“-Feature
Contra
Mittelmäßiges Gameplay
Durchschnittliche Genre-Kombination
Keine original Sprachausgabe
Große Defizite im Kampfsystem
Vergeudete Lizenz
Fazit
Leider hat es Atari mit Asterix & Obelix XXL nicht geschafft, aus dieser großartigen Comic- und Filmlizenz ein überzeugendes Videospiel aus dem Ärmel zu zaubern. Zu stark fallen die spielerischen Ungereimtheiten ins Gewicht und lassen den oftmals einfallslosen Genre-Mix aus Action, Adventure und Rätsel unauffällig im Mittelmaß absinken. Der extrem lineare Spielverlauf, der kaum einen Hauch an spielerischer Freiheit zulässt und das erschreckend monotone Kampfsystem lassen bei Filmfans und Videospielern der alten 16 Bit-Schule viele Fragezeichen für alle Ewigkeit unbeantwortet. Einzig und alleine die technische Seite strotzt dem abhanden gekommenen Spielspaß und verdeutlicht, dass leider einiges an wertvollem Potenzial bedenkenlos verschenkt wurde. Bleibt nur noch zu sagen: Alle Asterix-Fans sollten sich besser weiterhin einen der zahlreichen Videofilme ansehen, bevor sie diesen hilfsbedürftigen Polygon-Gallier am heimischen Bildschirm begleiten.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
Publisher
Atari
Entwickler
Atari
Website
www.atari.de/pr...
Release
18. Juni 2004
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User-Bewertung
66
2 Bewertungen
0 Reviews
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