Von Pilzen und Schildkröten, von Karts und Bomben… die Legende lebt.Preisfrage Was ist das: 8 Bitmaps fahren in Pseudo-3D und 256 Farben im Kreis und bewerfen sich mit psychoaktiven Pilzen? Richtig:
Super Mario Kart auf dem Super Nintendo, eine Revolution im Spielesektor, (Mit-)Begründer des Genres
Fun-Racer und Nachahmungsobjekt für tausende andere Spiele. Nach
Mario Kart 64 für das glücklose Nintendo64 und
Mario Kart Super Circuit für den GBA steht nun der vierte Teil der Erfolgsserie in den Startlöchern:
Mario Kart Double Dash!! verspricht Spaß und Unterhaltung für viele... aber für den einzelnen?
SentimentalitätenEin, zwei emotionale Tränen werden wohl zerdrückt, wenn das erste Mal die kleine Mario Kart-Disc in den Cube eingelegt wird. Bange Hoffnung macht sich breit: Wird es so spaßig wie seine Vorgänger? Ist das 2-Mann-pro-Kart-System nicht zuviel des guten? Im Menü kommt auch gleich wieder altbewährtes zum Einsatz: Die Navigation gestaltet sich für alte Mario Kart Hasen simpel, die Menüpunkte wurden beinahe 1:1 von den Vorgängern übernommen, selbst die Hintergrundmusik verliert sich, ebenso wie früher, in einem Gedudel, welches wohl auch ein MIDI-Sampler zusammengebracht hätte. Die Gedanken schweifen herum: Hat man nicht vielleicht doch versehentlich ein verstecktes Mario Kart 64 gestartet?
Grand Prix²Spätestens beim Fahrerauswahlmenü sind diese Zweifel allerdings weggeblasen, schließlich wird beim GC-Ableger mit
2 Fahrern pro Kart gespielt. Glück gehabt. Zur Auswahl stehen altbekannte Gesichter wie Mario, Wario, Luigi, die Prinzessin, Koopa und Yoshi. Einige Charaktere sind neu hinzugekommen, Toad wohl der Schere zum Opfer gefallen *sniff* (wird aber später im Spiel dazu stoßen ;) ). Allen Charakteren ist gemeinsam, dass sie verschiedene Fähigkeiten ins Spiel mit einbringen: So gestaltet sich das Wegfahren mit dem dicken, fetten Donkey Kong bedeutend schwerer als mit Baby Mario, bei der Höchstgeschwindigkeit hat dann allerdings wieder der Affe einen Vorteil. Als dritte Eigenschaft eures Teams zählt das Gewicht, welches in der Praxis eigentlich nur darüber entscheidet, welches von 2 Karts beim Crash in die Pampa abfliegt. Habt ihr auch noch einen passenden fahrbaren Untersatz ausgewählt, geht’s auch schon los: Im
Pilz-, Blumen- und Sternencup (später wird auch noch ein vierter Cup freigeschalten, der „Spezial-Cup“) in den drei Schwierigkeitsgraden 50, 100 und 150ccm.
On TrackAuf der Strecke selbst macht sich zuerst Ernüchterung breit. Also
doch Mario Kart 64!!!! Von den Fähigkeiten des Gamecubes wird hier keine einzige ausgereizt, Spiele wie Metroid Prime oder die Rogue Squadron – Reihe zeigen wies grafisch besser geht. Spätestens nach den ersten paar Runden habt ihr euch jedoch damit abgefunden und freut euch lieber über satte (und gelockte!)
60 fps und einen flüssigen, niemals ruckelnden Spielablauf. Auch die meisten Items werden euch bekannt vorkommen, neu hinzugekommen sind aber die sogenannten „Spezial-Items“, welche einem bestimmten Charakter bzw. Charakterduo vorbehalten sind: So werden Baby Mario und Baby Luigi bei Einsatz ihres Spezial-Items von einer riesigen Kettenkugel an die Spitze des Feldes katapultiert, ohne Rücksicht auf Verluste im gegnerischen Fahrerfeld. Mario darf Feuerbälle schießen, Valuigi Bomben legen und Donkey wirft eine riesige Bananenschale auf die Fahrbahn, freaky!
MultiplayerkawummHabt ihr den Singleplayer-Karriere-Modus durch (ich veranschlage mal etwa 2 Stunden bis zum Abschluss des 150ccm-Spezial-Cups und eine weitere Stunde für die „Grand-Prix-Meisterschaft“) werden neben diversen fahrbaren Untersätzen auch neue Charaktere (
Toad & Toadine, seine putzige Freundin) und Vs.-Strecken freigeschalten. Womit wir auch schon beim Kernstück des Spiels wären: dem Multiplayer. Dieser stellt euch die Möglichkeit zur Verfügung
kooperativ den Grand Prix zu meistern (2-4 Spieler, zu zweit auf einem Kart), den Grand Prix gegeneinander zu zocken (2 Spieler) oder gleich in eine der
Battle-Arenas Stoff zu geben. Stehen zu Beginn nur 4 Battle-Maps zur Verfügung, so lassen sich zum Glück noch zwei weitere Kampfplätze durch erfolgreiche Absolvierung des Grand Prix Modus freischalten. Absolutes Sahnestück ist natürlich der altbekannte „Ur-Battle-Modus“, bei dem die Spieler jeweils 3 Luftballons aufs Kart geschnallt bekommen und die Aufgabe eines jeden einzelnen einzig und alleine darin besteht, dem Gegner ebendiese kaputt bzw. abspenstig zu machen. In den andere Modi dürft ihr euch unter Zeitdruck um eine „Insignie“ balgen (wer das Teil bei 00:00 im Besitz hat, gewinnt) oder euch gegenseitig Bomben um die Ohren knallen. Obwohl der Multipayermodus die Spielspaßgranate schlechthin ist, offenbaren sich hier die 2 größten Mängel des neuen Mario Kart: Ihr dürft
nicht mehr hopsen, die zielsuchenden roten Panzer treffen euch also zu einhundert Prozent, so ihr keine entsprechende Verteidigungswaffe habt und/oder nicht rechtzeitig ausweichen könnt. Zweiteres ginge ja vielleicht noch einfacher, aber da ihr euch im Vergleich zu den Vorgängern
nicht umschauen könnt, ist auch hier die Chance minimal, dem Gegenüber mit einem dreckigen Grinsen auf dem Gesicht den Stinkefinger zu zeigen.
NetzwerkactionMario Kart Double Dash bietet erstmals auch eine durchdachte Unterstützung des sonst eher vernachlässigten
Breitbandadapters, der aufgrund diverser außer acht gelassener Sicherheitsaspekte derzeit nicht erhältlich und deswegen nur schwer zu bekommen ist. Anyway: Ihr dürft bis zu 8 Cubes miteinander verbinden um euch gegenseitig die Hucke voll zu hauen, 8 Spieler, 8 TVs, 8 Gamecubes inkl. BBA und 8 Mario Kart Discs vorausgesetzt. Solltet ihr diese Voraussetzungen nicht erfüllen ( ??? ) dürft ihr euch auch der Variante mit 2 Cubes und Splitscreen den Vorzug geben. An eine Online-Unterstützung wurde natürlich wieder einmal nicht gedacht, aber das verwundert bei Big N mittlerweile kaum noch.
GrafikZweckmäßig, quietschbunt und furchtbar flüssig. Grafikbäume werden sicherlich keine ausgerissen, aber das Spiel bleibt auch zu viert im Splitscreen gut spielbar, von Rucklern weit und breit keine Spur.
Sound08/15-Gedudel so weit das Auge reicht. Witzige Sprachsamples peppen das Spielgeschehen ein wenig auf, was bleibt ist allerdings nur knapp überdurchschnittlich.
Spielspaß SoloLeider bietet das Programm keinerlei Motivation für Solospieler, einzig und allein der Wille wirklich
alles zu sehen, kann den einen oder anderen dazu veranlassen, den eher langweiligen Grand Prix Modus durchzuspielen. Story gibt’s im Gegensatz zum hauseigenen High-Speed-Kontrahenten F-Zero GX auch keine. Pustekuchen.
Spielspaß MultiMario Kart = Multiplayer. Wer sich als aufgeschlossener Gesellschaftszocker dieses Spiel nicht zulegt ist selber schuld. Gerade hier wirken sich allerdings die beiden Gameplay-Änderungen (keine Hopser und kein Umsehen) am stärksten aus, im negativen Sinn. Tut dem (extrem) hohen Funfaktor des Spiels zwar keinen Abbruch, stören tut es trotzdem, gerade
weil diese beiden Elemente ein wenig Taktik und „Gespür“ fürs Spielen eingebracht hätten.