Konsequente Fortsetzung der überdurchschnittlichen Conflict-Reihe - Highlights sucht man dennoch vergebens.Vietnam-Spiele erleben zur Zeit ein Hoch: Neben
Vietcong:Purple Haze,
Men of Valor und
Shellshock NAM `67 buhlt nun auch der indirekte Nachfolger von
Conflict: Desert Storm 2,
Conflict: Vietnam, um die Gunst des zahlenden Käufers. Warum das Spiel aber mit vergleichbaren Team-Taktik-Shootern nicht mithalten kann, erfahrt ihr im folgenden Master-Review.
Vier Mann hochKlarer Fall:
Conflict: Vietnam ist anders als andere Vietnam-Shooter. Denn anstatt sich Rambo-mäßig alleine durch den vietnamesischen Dschungel zu ballern, unterstehen
» Das riecht nach Hinterhalt! |
eurem Alter Ego gleich drei weitere US-Boys, die ihr auf Knopfdruck,
wahlweise in 1st-Person- oder 3rd-Person-Ansicht, auch selbst spielen könnt.
Jeder eurer Mannen erfüllt dabei gänzlich unterschiedliche Aufgaben:
Ragman, seines Zeichens Squad-Leader der Sorte
Hitzkopf, führt die Truppe an,
Junior knipst dem Gegner als Scharfschütze schon auf große Entfernungen das Lebenslicht aus,
Hoss, die
Kampfsau, bedient sich eines schweren Maschinengewehres um unterstützendes Feuer zu legen und
Cherry, frisch eingezogen und ohne Kampferfahrung, bemüht sich als Sanitäter um das gesundheitliche Wohl der Truppe. Zusammen ergeben sie die nötige explosive Mischung, um den Vietcong das Fürchten zu lehren - euren Beistand vorausgesetzt.
Good Morning VietnamNachdem mit Cherry Intro und Tutorial, in dem grundlegende Fertigkeiten wie Schießen und Team-Management aufgefrischt werden, abgewickelt sind, geht’s auch schon an die Front.
» Im Schnellboot reist es sich gleich viel zivilisierter. |
Optisch macht das Spiel dabei einen eher
durchwachsenen Eindruck: Stimmige Atmosphäre (quatschende Soldaten, Rauchfahnen und die generelle Detailverliebtheit) und nette Texturen versüßen das Leben, Animationen der NPCs und das störende Aliasing versalzen einem aber gehörig die Suppe. Die Steuerung geht dabei hingegen locker-flockig von der Hand. Charakterwechsel, Schießen, Verwenden von Items - man hat nie das Gefühl, keine richtige Kontrolle über den eigenen Charakter zu haben. Weniger behaupten kann man dies allerdings von den KI-gesteuerten Kameraden: Sie blockieren enge Wege (was immer zur Folge hat, mühsam zum
blockierenden Charakter zu wechseln und sich selbst den Weg frei zu geben), hechten todesmutig ins eigene Sperrfeuer und werfen des Öfteren sogar ungezielte Granaten… wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde. Abgesehen davon lassen sie sich jedoch mithilfe des Befehlmenüs recht einfach dirigieren: Fire at will, Stop, Ausschwärmen, Benutzen/Aufsammeln von Items und andere Befehle sind schnell getätigt und werden größtenteils auch im Sinne des Spielers umgesetzt. Ausnahmen bilden von Zeit zu Zeit (wieder einmal) Wegfindungsrouten und die zuvor erwähnten KI-Mängel.
Booby TrapsDie Missionen in
Conflict: Vietnam gestalten sich, man möchte es in diesem Dschungelsetting eigentlich gar nicht annehmen,
grundsätzlich recht abwechslungsreich.
Einmal muss man eine Panzerkolonne begleiten (welche selbstverständlich angegriffen wird) und die Tet-Offensive wird ebenso nachgespielt wie die Möglichkeit, Fahrzeuge und Stand-MGs zu benutzen, ein Dorf zu säubern oder eine feindliche Dschungelstellung zu überrennen. Weniger gut gelungen ist jedoch das sehr lineare und trockene Leveldesign: Alle Wege führen nach Saigon, in
Conflict: Vietnam ist es oft nur ein einziger, der den Recken den Weg durch den Dschungel zeigt. So werden Zangengriffe oder Attacken in den Rücken der Feinde beinahe unmöglich – eigentlich eine Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen und guten Taktiker. Ebenso fehl am Platz sind die vielen abzuklappernden Waypoints, um beim Erreichen des Ziels (zum Beispiel einen Informanten zu treffen und/oder eine Durchsage per Funk) feststellen zu müssen, dass sich das eigentliche Missionsziel auf dem Rückweg befindet. Kehrt, Marsch! (
Die Gegend kommt mir bekannt vor.) Dennoch gilt es auch abseits diverser Scharmützel und Feuergefechte die Äuglein weit aufzusperren. Die Vietcong waren nämlich so clever, die Trampelpfade mit allerlei tödlichem Schnick-Schnack auszurüsten: So genannte
Booby-Traps sind beinahe nicht erkennbar, es sei denn, einer eurer Kameraden warnt euch vor einer herannahenden Gefahrenquelle – was so gut wie immer passiert. Solltet ihr wider Erwarten dennoch einmal munter durch eine gut versteckte Sprengfalle marschieren, ist schnelles Handeln gefragt: Dem Verwundeten muss so schnell wie möglich medizinische Versorgung gewährt werden, da dieser ansonsten das Zeitliche segnet. Die dazu benötigten Medi-Packs finden sich jedoch Gott sei Dank recht großzügig in Hütten und Lagern verteilt.
Mission accomplishedGegner vernichtet, Geiseln befreit, Fallen entschärft? Willkommen zuhause! Nach jeder Mission werden je nach Anzahl der persönlichen Abschüsse und dem Erreichen von Primär- und Sekundärzielen
Skill-Points an die eigenen Mannen verteilt. Diese kann man entweder selbst in Kategorien wie
Scharfschütze oder
Granate stecken oder lieber das Programm per
Automatisch verteilen entscheiden lassen.
GrafikDie Optik ist ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite bietet das Programm eine (technisch) sauberes und atmosphärisches Kriegsambiente, während auf der anderen Seite vor allem die Animationen und das störende Aliasing das Aufgebaute wieder zunichte machen. Grundsätzlich überwiegt jedoch der positive Eindruck: Gute Spezialeffekte und nette Details runden das Gesehene ab und reihen das Spiel in die grafische obere Mittelklasse.
SoundLizenzierter Vietnam-Soundtrack (einschlägige Songlisten sind auf diversen Samplern zu finden), überdurchschnittliche Synchronisation und krachende Schussgeräusche bilden ein einheitliches Ganzes – hier haben sich die Sounddesigner nicht lumpen lassen. Sehr gut gefallen hat vor allem die stimmige Präsentation eines eigenen
Front-Radios inklusive DJ im eigenen Camp. So etwas will man öfter hören!
Spielspaß SoloDer Singleplayer-Modus bietet insgesamt 14 (+Tutorial) Missionen, die eigentlich lang anhaltenden Spielspaß garantieren sollten. Leider raubten die Entwickler dem Spieler aber beinahe jede Freiheit: Der Weg durch die (überwiegend Dschungel-)Levels ist immer vorgegeben, Abzweigungen und –kürzungen sucht man ebenso vergeblich wie eine Möglichkeit, einmal feindliche Stellungen umgehen zu können. Es fehlt also einer der elementaren Bestandteile eines Taktik-Shooters, auch wenn Team-Management und Steuerung ansonsten recht gut gelungen sind und nur die KI der Mitstreiter von Zeit und Zeit heftige Aussetzer hat.
Spielspaß MultiDa sich der Multiplayer-Part leider nur darauf beschränkt, die Missionen kooperativ durchzuspielen, gilt hier selbiges wie oben. Einziger Unterschied: Die realen Spielkameraden weisen (im Durchschnitt) ein wenig mehr Grips auf wie die KI-Kollegen, was zur Reduzierung der oben angeführten Mängel führt. Das Leveldesign bleibt dabei jedoch (leider) unverändert. Wermutstropfen: Es wurde an keine Online-Anbindung gedacht,
Splitscreen ist the way to go.