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Ikaruga  
» Autor: Christian Kellner
» Datum: 25.06.2003
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Motivierender Old-School-Sidescroller… sauschwerer Schwierigkeitsgrad inlusive!

„Old School Shooter, das vergessene Land“… oder besser „Old School Shooter – Wayne interessiert’s?“. So oder ähnlich könnte die Einstellung der derzeitigen Publisher und Entwickler in Sachen 2D-Scroll-Ballerei lauten (Ich höre es geradezu in den Köpfen der Entwickler).

Das vergessene Genre…
Viel hat sich nicht getan seit den gloriosen Tagen der Automaten- und Konsolen-Shooter: Aleste, Gradius, Parodius, R-Type, Thunderstorm und die vielen unzähligen Vertreter, die ich in der kurzen Aufzählung jetzt vergaß. Ein letztes Aufbäumen gegen das sterbende Genre gab es mit „Radiant Silvergun“ exklusiv für Sega’s Saturn. Das Spiel ist heute noch ein Klassiker und wechselt nur zu absoluten Horrorpreisen den Besitzer (ähnlich Panzer Dragoon Saga, welches meist nicht unter 200 Euro zu haben ist).

Für das erfolglose Dreamcast erschien dazumal ein Nachfolger zu eben diesem Radiant Silvergun: Es ward Ikaruga geheißen, und sollte das süchtig machende Gameplay vom Vorgänger sogar noch toppen. Nun steht Ikaruga auch allen Nintendo-Zockern in einer leicht überarbeiteten Fassung zur Verfügung:

…belebt sich wieder mit innovativem Gameplay
Was ist nun das besondere an diesem Shooter? Nun zuerst einmal sei gesagt, dass das Spiel mit 2D nichts mehr zu tun hat: Alle Objekte, Gleiter und sogar der Hintergrund sind 3D-Objekte und keinesfalls mehr mit der Bitmap-Grafik vergangener Tage vergleichbar. Die Grafik ist hübsch anzusehen und lässt mitsamt der klassisch orchestralen Musik und den fantastisch animierten Explosionen das Shooter-Herz höher schlagen.

Das zweite Detail, dass Ikaruga von anderen Scroll-Shootern unterscheidet ist das Fehlen von Power-Ups: Ihr dürft keine Items aufsammeln, die euch zum Beispiel ein Schild über das Raumschiff zaubert. Ebenso wenig dürft ihr mit aufgepowerten Lasern, Raketen und Wings auf die Unzahl der heran fliegenden Gegner losgehen. Was bleibt ist ein innovatives 2-Farben-System: Ihr dürft die „Energie-Pole“ eures Schiffs ändern, d.h., lapidar gesagt, die Farbe des Schiffs, der Laser und der es umgebenden „Aura“ von schwarz auf weiß wechseln. Das hat folgenden Sinn: Mit aktivierter weißer Farbe dürft ihr getrost durch feindlichen, „weißen Beschuss“ hindurch fliegen, ohne Schaden zu nehmen: Im Gegenteil: Wenn ihr den weißen Beschuss eurer Gegner mit eurem Schild absorbiert erhaltet ihr sogar Energie… Energie für die altbekannte Smart-Bomb, die alles wegfegt, was so über den Bildschirm kreucht und fleucht. Je nach Menge der absorbierten Energie, fällt dieser Angriff stärker oder schwächer aus.

Eure Gegner verfügen indes über dasselbe System. Ihr habt also so zusagen 2 Gegner-Klassen: „Schwarze“ und “Weiße“, die euch auch in ihrer jeweiligen Farbe ins Fadenkreuz nehmen. Ständiges Wechseln der Schiffsaura ist hiermit gefragt, da nur durch ständiges Polarisieren das Überleben im Kugelhagel gesichert ist. Des Weiteren könnt ihr eurem Gegenüber mit der jeweils entgegen gesetzten Farbe ordentlich einheizen: Hier zählen alle Treffer doppelt!

Gelinde gesagt ist dieses System mehr als motivierend: Ständig müsst ihr auf die Farbe des Beschusses achten, um optimal und ohne Lebensverlust das Level zu meistern. Die Bildschirm füllenden Explosionen tragen ihr übriges zum perfekten Gesamteindruck bei. Zu zweit simultan zu spielen bringt natürlich auch doppelt so viel Spaß, und so steht einer perfekten Spielenacht durch die 6 abwechslungsreichen Level nichts mehr im Weg.

Stage 2 – 0 Lives left?!?
Was den eindeutig positiven Gesamteindruck etwas trübt, ist der extrem hoch angesetzte Schwierigkeitsgrad: Selbst auf „easy“ ist es oft schwer eine Struktur im Angriffsmuster der Gegner zu erkennen und dementsprechend auch richtig darauf zu reagieren. Vor allem in späteren Levels (4+) kann man sich beinahe gar nicht mehr auf den gezielten Beschuss eines Objektes konzentrieren: Ständiges Ausweichen und Polarisieren des Schiffes fordern euch alles ab, hier kann/muss man also einfach „nur mehr draufhalten“. Schade, ein bisschen Balancing hätte dem Spiel sicher nicht geschadet.

An weiteren Modi abseits des Arcade-Modus mangelt es auch nicht: So dürft ihr bereits durchgespielte Missionen nach Schwierigkeitsgrad sortiert noch einmal im Practice Modus durchspielen um z.B. euren Highscore zu verbessern oder neue Taktiken für den Arcade-Modus entwickeln. Hier dürft ihr auch die Spielgeschwindigkeit anpassen, um euch so das Zockerleben etwas einfach zu gestalten. Weiters ist es möglich eure jeweiligen Highscores per Weblink (so ein Breitbandadapter und Onlineanbindung vorhanden) auf den Ikaruga-Server hochladen, um euch an internationalen Maßstäben messen zu können. Als witziges Extra kann man auch die Anzeige von horizontal auf vertikal ändern, d.h., dass ihr nur mehr euren 30kg-100cm-Fernseher aufstellen müsst um vollständiges Arcade-Feeling beim Spielen zu haben (bitte nicht ernst nehmen: Besitzer von Flatscreens oder Plasmabildschirmen können das durchaus in Erwägung ziehen… die „Röhren-Fraktion“ unter uns sollte auf solche Experimente zwecks Fernseher-Verschleiss-Verminderung aber dankend verzichten ;) )


Grafik
Sieht verdammt gut aus… für einen Sidescroller. Bildschirmfüllende Explosionen, tausende Objekte gleichzeitig am Bildschirm und ein gut animierter Background sorgen für Verzückung, Ruckler haben Sendepause (einzig und allein bei der Vernichtung der Bosse lahmt das Spiel für 1, 2 Sekunden. Die Präsentation des Spiels kann sich auch sehen lassen: Selten wurden Bestätigungsklicks so cool per Roboterstimme bestätigt und ein schöner designtes Menü habe ich auch noch nie gesehen (man erinnere nur z.B. an das Menü von Panzer Dragoon Orta für die Xbox… iiiirgs).

Sound
Unterstützend kommt hier natürlich der Sound zum Einsatz… die bereits angesprochenen Explosionen sind mit ziemlich eindrucksvollen Geräuschen hinterlegt, die Menüstimme rult sowieso und auch die Musik kann sich sehen (hören) lassen: Die sehr klassisch angehauchte Musik verleiht dem Spiel einen coolen Flair. Leider tritt nach einiger Zeit das so genannte „Morrowind-Syndrom“ ein: Durch fehlende Abwechslung geht einem die Kennmelodie schon bald auf die Nerven. Nichtsdestotrotz ist der Sound famos.

Spielspaß Solo
Macht Fun… wie schon oben beschrieben ist allerdings der Schwierigkeitsgrad so hoch angesetzt, dass wohl die wenigsten Spieler selbst mit einem Maximum an Leben mehr als den 4. Level zu sehen bekommen. Mir ist es auch nur durch perfekte Beherrschung der ersten 2 Missionen gelungen, die massiven Verluste in Level 3 und 4 zu kompensieren und daraus resultierend EINMAL in Stage 5 zu gelangen ;) Liebe Programmierer: Langzeitmotivation schafft man nicht durch unfaires Gegnerverhalten und 10,000,000,000 zielsuchende Laser gleichzeitig! Trotzdem: Das Spiel ist einfach gut… kA warum, aber es motiviert immer noch!

Spielspaß Multi
Siehe oben. Zu zweit macht es natürlich noch mehr Spaß, der vorausgesetzte Skill mindert sich dadurch aber nicht… hier dürfen nur Profis ans Werk ;)
Pro
Es lebe Retro!
Coole Präsentation
Innovatives Spielsystem
Vor allem zu zweit ein echter Zeitkiller :)
Contra
Fast schon übermenschlich schwer
49,90 für eine Dreamcast-Umsetzung?
Vor allem alleine ein echter Nervenkiller ;)
Fazit
Wer sich nicht scheut, in den sauren Schwierigkeitsapfel zu beißen, dem sei das Spiel herzlich empfohlen. Alle Old-School-Shooter-Fans haben das Spiel sowieso schon seit Release, und dem Rest kann ich nur die Empfehlung geben: Zumindest einmal anspielen! Sollte euch das Spielprinzip gefallen, habt ihr einen neuen Liebling im (sterbenden) Sidescroll-Genre… vor allem da es ja so gut wie keine Konkurrenz gibt!