Durchschnittlicher Lizenzprügler, der mit der Vorlage nicht viel gemein hat.Vor fünf Jahren begeisterte
David Finchers Anarcho-Thriller
Fight Club Millionen von Kinobesuchern mit abgedrehten Bildern, sarkastischem Humor und einer grandiosen Storyline. Vier Jahre nach dem Kinoerfolg des Kultfilms wurde, passend zur Materie des Films ein Prügelspiel zur Thematik angekündigt. Mittlerweile erschienen, lockt der Titel vor allem Fans des Films mit den Charakteren und Settings der Vorlage. Ob sich ein Kauf lohnt, erfahrt ihr in unserem
Master-Review.
Ich bin Jacks misslungene AdaptionIm Anschluss an die übliche Logoflut nach dem Einschalten der Konsole findet man sich im Hauptmenü wieder. Neben dem
Storymodus sind hier vor allem die klassischen
Überlebens-, Arcade- und Trainingsmodi für Solisten interessant.
» Harte Treffer hinterlassen ihre Spuren. |
Mehrspielerfreunde haben die Möglichkeit, entweder vor einer Konsole gegeneinander anzutreten oder sich via Netzwerkadapter in einen
Online- oder LAN-Kampf zu stürzen. Echte
Fight Club Fans sind natürlich besonders auf den Storymodus gespannt, vermutet man hinter diesem doch eine Adaption der Filmstory, die geschickt mit dem Beat'em Up-Gameplay verbunden wurde. Leider wird man hier schnell aus seinen Illusionen gerissen. Statt die komplette Filmgeschichte nachzuspielen bekommt man einen neuen Charakter vorgesetzt, der auf seiner Suche nach
Tyler Durden von einem Schauplatz zum anderen gehetzt wird, um dort blutige Kämpfe gegen bekannte Charaktere aus dem Film zu bestreiten. Dabei wird eine neue Storyline mit der bekannten des Films verbunden. Erzählt wird diese zum größten Teil in langweiligen, nicht animierten Bildern, die mit mäßigen Sprechern unterlegt wurden. Wer den Film nicht kennt, wird mit dem schnellen Bilderrausch absolut gar nichts anfangen können, da wichtige Kernelemente der Story nicht erklärt werden. Außerdem steht die Gewaltdarstellung hier eindeutig im Vordergrund. Zwar ist der Film selbst auch alles andere als harmlos, allerdings geht er im Kern weit über die brutalen Fights hinaus, was im Spiel nicht rüber kommt. Alles in allem also eine wirklich miese Umsetzung des tollen Filmstoffs.
ArmbreakerDas eigentliche Spiel hingegen präsentiert sich glücklicherweise als nicht so misslungen wie die Umsetzung der Lizenz. Zwar reißt die Fighting-Engine keine Bäume aus und kann gegen hochwertige Konkurrenten
» Jack geht als Sieger aus einem Kampf hervor. |
wie
Virtua Fighter,
Mortal Kombat und
Soul Calibur nicht im Ansatz bestehen, ist aber immerhin solide umgesetzt und bietet vor allem im Mehrspielermodus einige spaßige Stunden. Auch
optisch kann der Titel durch schicke Grafiken und einen
düsteren Look überzeugen, was man von den
lahmen Soundeffekten und der
immer gleichen Hintergrundmusik allerdings nicht behaupten kann. Das größte Problem ist allerdings, dass es streng gesehen
gerade einmal drei (!) verschiedene Kampfstile gibt. Zwar stehen insgesamt
zehn Charaktere (plus vier freispielbare, darunter
Fred Durst, seines Zeichens Frontman der Rockband
Limp Bizkit), zur Auswahl, allerdings
spielen sich jene mit dem selben Kampfstil fast identisch. Logisch, dass dies auf Dauer nicht begeistern kann.
Im Kampf selbst hat man vier Angriffbuttons: Jeweils zwei zum Treten und zwei zum Schlagen, wobei ein Knopf langsame, harte Attacken ausführt, während der andere für schnelle, schwächere Angriffe reserviert ist. Natürlich gibt es wie in jedem Beat'em Up auch eine ganze Liste an Kombos sowie einige Würfe. Leider darf man eine Übersicht zu diesen nur im Pausemenü des Trainingsmodus ansehen. Heißt im Klartext: Wer neue Moves erlernen will, muss entweder so lange probieren bis er die Kombinationen rausgefunden hat oder immer wieder im Trainingsmodus nachsehen.
Für viel Schadenfreude sorgen
Knochenbrecherattacken, die dem Gegner beispielsweise einen Arm brechen. Fortan kann dieser das lädierte Körperteil nicht mehr im Kampf benutzen und muss ohne dieses auskommen. Coole Zeitlupen und Röntgeneffekte à la
Romeo Must Die verleihen den Moves den entsprechenden optischen Reiz.
Charakterbaukasten und OnlinegamingNeben den vorgefertigten Charakteren darf man sich in einem
Baukasten eigene Kämpfer zusammenstellen. Neben dem Kampfstil wird hier auch die Statur, Hautfarbe, Frisur und Kleidung des Charakters festgelegt.
» Die Röntgeneffekte sind gut in Szene gesetzt. |
Außerdem dürfen Punkte auf verschiedene Attribute wie Schnelligkeit, Stärke und Ausdauer verteilt werden. In Onlinegefechten können diese Attribute sogar trainiert werden, was dem Spielen im Internet einen deutlichen Motivationsschub verleiht. Profis können darüber hinaus zu
Hardcore-Charakteren greifen, die sich endgültig zur Ruhe setzten müssen, wenn sie zu viele Knochenbrüche in Kämpfen davon getragen haben. Leider kommt wegen der sehr beschränkten Stilauswahl auch hier
kein Langzeitspaß auf, da prinzipiell immer nur noch drei Charaktere zur Auswahl stehen, die sich lediglich im Aussehen unterscheiden. Eine zusätzliche unnötige Hürde ist die Tatsache, dass man sich zum Onlinespielen erst einen Gamespy-Account anlegen muss.
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