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Master-Review:   » drucken    » versenden

Enthusia Professional Racing

» Autor: Giancarlo Wenske
» Datum: 30.05.2005
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Beinharte Rennsimulation für Profis.

Konami schickt mit Enthusia Professional Racing einen potenziellen Gran Turismo Killer ins Rennen. Mit noch realistischerem Fahrverhalten und dem hoch angepriesenen Visual Gravity System soll der Polyphony Konkurrent auf die Plätze verwiesen werden. Ob dies gelingt, erfahrt ihr in unserem Master-Review.

Das Intro nach dem Intro
Dass Enthusia sämtliche Realismusansprüche hegt, wird euch schon vor dem Titelbildschirm klar. Kurz nach dem Einlegen der DVD fragt euch das Spiel welche Fahrhilfen - Elektronisches Stabilitätsprogramm und/oder Traktionskontrolle - ihr
» Normale Straßenwagen sind ebenso vorhanden...
benutzen wollt, oder ob alle deaktiviert werden sollen. Natürlich könnt ihr eure Wahl jederzeit im Optionsmenü widerrufen. Nachdem ihr eure Entscheidung gefällt habt, kann es aber auch schon losgehen. Das rasante Renderintro stimmt euch auf die kommende Asphaltschlacht ein. Übrigens: Wenn ihr euch nach dem Vorspann nicht gleich für einen der Modi entscheidet, erklärt euch eine nette Herrenstimme, warum Enthusia so besonders sei. In einem Splitscreen seht ihr einen Vergleich vom Fahrverhalten eines realen Autos und des entsprechenden Enthusia-Modells. Darauf wird im Laufe des Tests noch ausführlich eingegangen, nun aber zurück zum Startbildschirm, wo euch allerlei Spielmodi entgegenwinken. Mit dabei ist natürlich das obligatorische Rennen auf Zeit und das freie Rennen. In beiden Spielarten macht ihr euch in aller Ruhe mit der Steuerung und den ergatterten Autos vertraut, bevor ihr euch an das Herzstück, den Enthusia Life Modus, wagt.

RPG meets Racing
Ziel des Enthusia Life Modus ist es, die Spitze der Fahrerwertung zu erklimmen. Wie so oft startet ihr am Ende der Rangliste, von Platz 1000. Anders als in Gran Turismo verdient ihr euch keine Moneten, sondern allerlei Erfahrungspunkte. Ja, ihr lest
» ...wie aufgemotzte Touring Cars.
richtig: ähnlich eines Rollenspiels motzt ihr eure Boliden damit auf. Im Klartext bedeutet dies, dass sich euer Wagen in den gängigen Kategorien verbessert, je länger ihr ihn fahrt und dabei ordentliche Platzierungen belegt. Euer Können beweist ihr in sechs verschiedenen Rennklassen mit jeweils sechs Rennen. Insgesamt werden dabei 27 Kurse befahren, wobei nur zwei davon realen Vorbildern, wie zum Beispiel der Nordschleife, nachempfunden wurden. Nach jeder Rennwoche besteht die Möglichkeit, das Auto zu wechseln. Ein Anzeige präsentiert euch vor jedem Rennen den Schwierigkeitsgrad mit dem gewählten Wagen in Bezug zur Konkurrenz an. Meistert ihr den Parcours trotz hoher Herausforderung, belohnt euch das Programm mit entsprechend mehr Punkten.

Doch es wird noch komplizierter: Neben den bereits genannten Erfahrungspunkten - im Spiel Rennpunkte genannt -, gibt es noch die so genannten Enthu-Punkte. Die Anzahl dieser schwindet mit jedem Crash und jeder noch so kleinen Berührung mit der Bande. Ist die Enthu-Leiste auf Null angekommen, müsst ihr eine Rennwoche aussetzen, was sich wiederum auf eure Gesamtplatzierung auswirkt. Nur durch absolute Fahrzeugbeherrschung manövriert ihr euren Boliden fehlerfrei über die Rennpisten. Glücklicherweise erholt sich die Leiste wenigstens stückweise nach jedem Rennen, darüber hinaus steigt der Maximalwert an Enthu-Punkten mit eurem Skill-Level, der sich wiederum durch genügend Rennpunkte verbessert. Alternativ frischt ihr eure Enthu-Punkte in Rennpausen auf. Gönnt ihr euch allerdings zu viele freie Tage sinkt eure Platzierung in der Gesamtwertung. Wenn ihr jetzt immer noch nicht durchblickt, lasst euch gesagt sein, dass sich alles komplizierter anhört, als es in Wirklichkeit ist. Man braucht zwar einige Rennwochen, um sich an das durchaus anspruchsvolle System zu gewöhnen, blickt man aber erstmal durch, entfaltet Enthusia sein Potenzial. Statistik- und Tabellenfanatiker kommen ebenfalls voll auf ihre Kosten: Sind nämlich erst einmal einige der rund 200 Wagen erspielt, können in aller Ruhe die Werte der Spritschleudern verglichen werden. Nun stellt sich allerdings die Frage, wie die ganzen Autos den Weg in eure Garage finden sollen, wenn es doch gar kein Geld gibt, mit welchem man die Schmuckstücke kaufen könnte? Ganz einfach! Nach jedem Rennen wird nach dem Zufallsprinzip ein Wägelchen an Mann oder Frau gebracht.

Driving Revolution
In den Rennen tretet ihr gegen fünf weitere CPU Fahrer an. Die Startplatzierungen richten sich immer nach der Stärke des gewählten Wagens. Starke Autos stehen hinten, schwache vorne. Im freien Rennen dürft ihr den Startplatz natürlich manuell
» Die Nachtrennen glänzen durch schöne Lichteffekte.
einstellen. Enthusia bietet aber mehr als nur den Karriere Modus. In Driving Revolution beweist ihr ebenfalls euer Geschick. Ziel des Modus ist es, auf einem vorgegebenen Streckenabschnitt alle Tore mit einer vorgegebenen Geschwindigkeit zu durchfahren. Für jedes passierte Tor werden Punkte gutgeschrieben, für ein verpasstes abgezogen. Überschreitet euer Punktezähler am Ende die vorgeschriebene Marke, erhaltet ihr eine Wertung. Ganz Eifrige üben solange, bis überall ein „S“ geschafft ist. Auch hier winken schicke Flitzer als Belohnung, die ihr dann im Enthusia Life und den restlichen Spielmodi benutzen dürft. Ein Tipp am Rande: Beginnt ihr mit der Driving Revolution, erhaltet ihr das perfekte Fahrtraining für Enthusia Life. Es gehört nämlich einiges an Fahrzeugbeherrschung dazu, alle Aufgaben im Driving Revolution zu meistern. An dieser Stelle seien noch ein paar Worte zum Multiplayer-Modus gesagt: dieser wurde leider von Konami vernachlässigt. So dürft ihr lediglich gegen einen Freund antreten. CPU Gegner sind ebenso wenig vorhanden, wie ein Onlinemodus.

The Real (!) Driving Simulator
Wie schon erwähnt soll Enthusia: Professional Racing alle anderen Rennspiele in Sachen Realismus übertreffen. Hierfür führt Konami das Visual Gravity System (VGS) ein. Es dient zur Anzeige der auf den Wagen einwirkenden Fliehkräfte und
» Das VGS in Aktion...
Belastung der Achsen. Die kleine Grafik - ein vereinfacht dargestelltes Auto - wird während der Rennen am unteren Bildschirmrand eingeblendet. Ein sich bewegender Punkt zeigt euch an, in welche Richtung die Fliehkräfte drücken. Doch die Sache hat einen Haken: Erfahrene Piloten wissen schon im Vorneherein, wie ihr Gefährt auf kommende Lenkmanöver reagiert. Darüber hinaus werden Einsteiger wohl eher irritiert bis überfordert sein, denn wie sollen sie gleichzeitig den Blick auf die Strecke richten und dennoch das ständig rotierende VGS im Auge behalten und interpretieren? Somit stellt das hoch angepriesene Feature nicht mehr als ein nettes Gimmick am Rande dar, welches man ohne schlechtes Gewissen ausblenden darf.
Gesteuert wird per Analogstick oder Lenkrad, eine digitale Lenkung ist nicht vorhanden. Erfreulicherweise erweist sich die Analoglenkung als ungewöhnlich komfortabel. Die Wagen reagieren wunderbar auf eure Befehle, wobei es natürlich wie in der Realität von Auto zu Auto Unterschiede gibt. Hier zeigt Enthusia seine Muskeln und trumpft mit unerreichtem Realismus auf. Schaltet ihr nun noch die Fahrhilfen aus und spielt Enthusia so, wie es gespielt werden will, also möglichst komplett ohne Unfälle, offenbart es seinen ganzen Charme. Ärgerlich ist es aber, wenn euch im Enthusia Life ein CPU Fahrer rammt und das Programm dennoch Enthu-Punkte abzieht. Dies kommt aber nicht allzu oft vor und ist deshalb zu verkraften. Insgesamt ist die KI der CPU Gegner aber eher als durchschnittlich zu bezeichnen, denn das Fahrerfeld orientiert sich meist stur an der Ideallinie.

Grafik“enthusia“smus?
Grafisch bietet Enthusia gehobene Kost. Die Strecken scheinen auf den ersten Blick nicht abwechslungsreich, teilweise wirken die Hintergründe sogar steril und uninspiriert. Allerdings erfreuen einige Kleinigkeiten wie Spiegelungen bei Nässe,
» ...man kann es aber auch abschalten.
die Scheinwerferkegel bei Nacht und aufgewirbeltes Laub im Herbst. Die Fahrzeugmodelle sind detailliert designt und ihnen wurde eine ordentliche Anzahl Polygone spendiert, jedoch verwöhnt arges Kantenflimmern nicht gerade eure Augen. Dafür läuft alles durchwegs flüssig. Unbedingt zu beanstanden ist, dass gerade einmal zwei Perspektiven den Weg ins Spiel gefunden haben. Eine Cockpitperspektive mit eingeblendetem Rückspiegel und eine Sicht von hinten, bei der man leider nicht den orientierenden Blick zurück werfen kann. Demzufolge stellt erstgenannter Blickwinkel die übersichtlichere Wahl dar. Betrachtet man den Sound, fällt das Urteil weitaus negativer aus. Die Motorengeräusche gehen sang und klanglos in Monotonie unter, auch Crashs mit der Bande und anderen Mitstreitern fand Konami nicht allzu wichtig, da sich auch ein schwerer Unfall ähnlich anhört, wie ein leichter. Die Musik, ein Mix aus Trance und Synthesizer, nervt nach wenigen Minuten schon in den Menüs, beim Fahren gerät sie zum Glück schnell in den Hintergrund, weil ihr euch zu sehr auf die Rennen konzentrieren müsst. Das ist wohl auch gut so, ansonsten wären Karambolagen wegen Schlaftrunkenheit am Steuer wohl keine Ausnahme.
Pro
Realistisches Fahrverhalten
Tadellose Steuerung
Ausbalancierte Lernkurve
Motivierende Spielmodi
Contra
Schwache Akustik
Autolotterie
Teils Nachteile durch Gegner KI
Fazit
Mir hat Enthusia: Professional Racing wirklich Spaß gemacht, wobei mich besonders der Driving Revolution Modus motivieren konnte. Ich gab mich nicht zufrieden, bis nicht auch das letzte Tor mit perfekter Wertung durchfahren wurde. Auch der Karriere-Modus von Enthusia stellte sich nach anfänglicher Skepsis als motivierend heraus. Schade nur, dass man sich die Belohnung in Form neuer fahrbarer Untersätze nicht selbst aussuchen darf. Für Simulationsfanatiker kann eine klare Kaufempfehlung ausgesprochen werden, alle anderen müssen genau abwägen, ob sie sich mit der Tatsache anfreunden können, dass jede Berührung mit der Bande oder einem Kontrahenten zu Minuspunkten führt. Loben möchte ich noch einmal die tadellose Steuerung, denn zu Punktabzügen kommt es in fast allen Fällen wirklich nur durch Fahrfehler des Spielers. Genre-Einsteiger und Tuningfreaks sollten aber ohne zu fragen bei Gran Turismo 4 zugreifen.
Infos
Erhältlich für
Genre
Racing
Publisher
Konami
Entwickler
Konami Computer...
Website
www.konami-euro...
Release
06. Mai 2005
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