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Master-Review:   » drucken    » versenden

Gran Turismo 4 Prologue

» Autor: Björn Sturm
» Datum: 15.07.2004
» Gesamtwertung:
/5
1/5: Kaufwarnung
hat zahlreiche Schwächen.
Wie wir bewerten
Schlichte Demo-Version mit fraglichem Umfang und unzumutbarem Verkaufspreis.

Die Rennspiel-Serie Gran Turismo wurde seit dem Urvater im Jahre 1998 immer exklusiv auf einer von Sonys Konsolen (PlayStation, PlayStation 2) veröffentlicht und ließ seit jeher die Herzen vieler Rennsportfanatiker durch eine exklusive Anzahl an voll lizenzierten Automobilen, variierenden Rennstrecken und motivierenden Spielmodi höher schlagen. Dem spektakulären ersten Teil folgte im Jahre 2000 die Fortsetzung mit dem Namen Gran Turismo 2, das ebenfalls auf Sonys erstem Konsolenstreich großen Erfolg einfahren konnte. Mit den nicht minder exzellenten Nachfolgern GT Concept 2002 : Tokyo – Geneva und Gran Turismo 3: A-spec konnte die bis dato herausragende Rennspiel-Reihe nicht nur um zwei weitere Titel komplettiert werden, in punkto Realismus, Grafik, Langzeitmotivation und Spielspaß wurde die Messlatte sogar ein beachtliches Stück nach oben gesetzt.

Nach über drei Jahren Entwicklungszeit brachten die renommierten Entwickler von Polyphony Digital nun Gran Turismo 4: Prologue, das eine Art „Schnupperversion“ der heiß ersehnten offiziellen Fortsetzung Gran Turismo 4 darstellt, hierzulande auf den Markt. Schon vor dem japanischen Release geriet die selbst ernannte „Fahrschule zu Testzwecken“ durch den mäßigen Umfang und die Preispolitik Sonys in leise Kritik. Das im Vorfeld fragwürdige Rennspiel versteht sich laut Produktbeschreibung offiziell als „Vorbereitung auf das bislang fordernste Gran Turismo“ und „dürfte in keiner Sammlung fehlen“. Wir bringen Licht ins Dunkel und verraten euch in den nachfolgenden Zeilen des Master-Reviews, ob sich die knapp 40 Euro für Fans der beliebten Rennspiel-Serie tatsächlich lohnen oder ob besser von einer Anschaffung abgesehen werden sollte.

Sportlicher Doppelauspuff oder Standardqualmer?
Das bei Rennsportlern beliebte Gran Turismo 3: A-spec brillierte vor allem durch attraktive Spielmodi, nicht weniger als 150 verschiedene Boliden und hoch motivierende Etappen. Gran Turismo 4: Prologue kann an die spielerische Vielfalt des direkten Vorgängers zu keinem Zeitpunkt anknüpfen und angesichts der Demo-typischen Gesichtspunkte ist ein Vergleich auch völlig absurd. Dem Spieler stehen in Sachen Spielmodi nämlich nur ein simpler Arcade-Modus sowie das Herzstück des Spiels, die Fahrschule, zur Auswahl. Im Fahrschul-Modus, der bereits in GT3 in ähnlicher Form zum Einsatz kam, nimmt der heimische Fahrschüler an 46 Lehrfahrten teil, wobei fünf dieser Einzelprüfungen als reine „Kaffeefahrten“ zu bezeichnen sind und aus diesem Grund nicht ins Gewicht fallen. Bevor der Hobbyrennfahrer eine dieser Herausforderungen absolviert, kann er sich durch eine Präsentation in vorbildlicher Ausführlichkeit mit der Aufgabe vertraut machen. Besonders für Neulinge des Genres ist dieses verbesserte Feature äußerst sinnvoll, da die deutschsprachige Fahrlehrerin hochgradige Professionalität an den Tag legt. Nach dem Beenden einer der vorgeschriebenen Lizenzprüfungen werden die gezeigten Streckenleistungen gemäß der olympischen Vergabe mit Bronze-, Silber- und Goldmedaillen bewertet. In den anfänglichen Phasen des Spielverlaufs werden engagierte und erfahrene Spielernaturen durch den wenig fordernden Schwierigkeitsgrad sicherlich schneller vorankommen, doch sei an dieser Stelle gesagt, dass sich dieser später gehörig weiter oben ansiedeln wird.

Besteht der Fuhrpark anfangs noch aus zwölf Vehikeln, so reiht sich mit jeder bestandenen Prüfung ein weiterer von insgesamt 52 Boliden in die breite Fahrzeugpalette ein. Doch nicht nur die Wagenvielfalt, die insgesamt 64 Automobile zählt, lässt kaum Wünsche offen, auch die Liste internationaler Hersteller kann auf der ganzen Linie überzeugen. Diese reicht von asiatischen Marken wie Nissan, Honda und Subaru über etablierte deutsche Firmen wie z.B. Mercedes oder Volkswagen bis hin zu Sportwagenhersteller wie Dodge und Lotus. In Anbetracht der fünf verschiedenen Kurse, die bereits von Beginn an im Arcade-Modus allesamt befahrbar sind, bekleckern sich die japanischen Entwickler sicherlich nicht gerade mit Ruhm. Zwar legte das Team von Polyphony Digital viel Wert auf verschiedenartige Routen, dennoch kann das Streckenpaket, das den Spieler in den Locations New York, Grand Canyon, Tsukuba Circuit, Fuji Speedway und Citta di Aria Runde für Runde drehen lässt, im Umfang nicht überzeugen. Es fällt schwer, positive Gesichtspunkte im Gesamten zu finden, denn einzig und alleine die sehenswerte Fahrzeugauswahl sorgt für zufriedene Gesichter. Der ausschließlich für Schnellspieler geeignete Arcade-Modus und der rasch durchgespielte Fahrschul-Modus können weder für durchdringende Motivation sorgen noch den immens hohen Kaufpreis von etwa 40 Euro rechtfertigen.

GT - altbewährt oder auf Abwegen?
Den repräsentativen Daumen nach oben konnte sich die Serie seit dem ersten Titel vor allen Dingen in punkto Fahrverhalten sichern und auch Gran Turismo 4: Prologue kann dort wieder anknüpfen. So wird abermals eine hohe Authentizität geboten und der Spieler kann sich von einer permanent realistischen Fahrphysik begeistern lassen, die in dieser Art und Weise auf der PlayStation 2 wohl einzigartig sein dürfte. Je nachdem, ob auf asphaltiertem oder nicht befestigtem Straßenuntergrund gefahren wird, reagiert das gelenkte Fahrzeug feinfühliger und sorgt für ordentlich Schwung im heimischen Fahrerlager. Auf ein überzeugendes Schadensmodell wurde hingegen völlig verzichtet, stattdessen integrierte das Studio eine Art Zeitstrafe, die bei härteren Begegnungen mit einer Absperrung das eigene Gefährt für einen Moment auf eine deutlich langsamere Geschwindigkeit abbremst. Trotzdem kann diese Neuerung nicht mit einem vollwertigen Schadensmodell mithalten, warum sich die Entwickler hier nicht ein Beispiel an Bizarre Creations - Entwicklerteam von MSR, Project Gotham Racing 1 und 2 - genommen haben, ist absolut unverständlich.

In einigen Belangen zeigt der Titel jedoch auch ungeheure Qualitäten und löst große Vorfreude auf das diesjährige Weihnachtsfest und die damit verbundene Veröffentlichung von Gran Turismo 4 aus. Große Stärken weist die Edition nämlich in der fulminanten Geschwindigkeitswahrnehmung auf, die nicht nur einen Tick besser als noch im Vorgänger ausgefallen ist, sondern alle anderen auf der PlayStation 2 erhältlichen Rennspiele alt aussehen lässt. Ebenfalls auf mehr als überzeugendem Niveau befindet sich die gut inszenierte Spielsteuerung, die sich bei jeder der vierrädrigen Blechkutschen auf realistische Art und Weise verändert und jederzeit reibungslos von der Hand geht.

Für den nötigen Überblick sorgen bei Gran Turismo 4: Prologue drei fest integrierte Kameraansichten. Neben einer höheren und niedrigeren Verfolgerkamera kann das Spielgeschehen auch direkt von der Motorhaube aus erlebt werden. Für Geschwindigkeitsfanatiker empfiehlt sich die rasante Ego-Perspektive, die vor allem durch den bahnbrechenden Speedfaktor bei schnelleren Fahrzeugen offene Münder vor dem flimmernden Bildschirm bewirkt. Weniger gefällig ist die niedrigere der beiden Third-Perspektiven, denn durch die fehlende Übersicht können der sehr kurvenreiche Streckenverlauf und die einzuholenden Kontrahenten nur schwer ausgemacht werden.


Grafik
Der angebliche grafische Maßstab des Titels wurde durch großartige Screenshots und imposante Trailer von Sony bereits lange vor der Veröffentlichung der Öffentlichkeit von der besten Seite präsentiert. Doch was hat die spielerisch mehr als mäßige Demo nun wirklich technisch unter der Haube? Im direkten Vergleich mit Gran Turismo 3: A-spec und bei der Auswertung aller relevanten Punkte die bei der Grafikwertung berücksichtigt werden, zieht das Spiel, das jedoch auf dem Entwicklungsstand von 2003 steht, eindeutig den Kürzeren. Einziger nennenswerter Lichtblick sind die atemberaubenden Fahrzeugmodelle, die einen Vergleich mit ihren realen Vorbildern zu keinem Zeitpunkt scheuen müssen. Ein Indiz für die grafischen Defizite sind aber unzumutbare Popups beim Befahren der Strecken, starkes Flimmern und ein komplett fehlender 60 Hz-Modus. Ebenfalls wenig zufriedenstellend sind die Zuschauer am Streckenrand ausgefallen - zwar können die unterschiedlichen Animationen bei einer gewissen Distanz überzeugen, bei näherer Begutachtung fällt jedoch auf, dass es sich leider nur um qualitativ minderwertige 2D-Modelle handelt. In Anbetracht dieser größtenteils nicht akzeptablen Bewertungspunkte kann zu keinem Zeitpunkt von einem grafisch zufriedenstellenden Produkt gesprochen werden. Bleibt nur zu hoffen, dass die fest eingeplanten 3D-Zuschauermodelle in der fertigen Fassung auch von den Entwicklern berücksichtigt werden.

Sound
Wer der Ansicht ist, dass der Titel im soundtechnischen Bereich punkten kann, hat tatsächlich richtig geraten. Rissen die Entwickler in Hinblick auf das zugrunde liegende Gameplay und die grafische Präsentation nicht einmal den kleinsten Wüstenstrauch heraus, so offenbaren insbesondere die Sound-FX eine großartige Qualität. Jedes der einzelnen Fahrzeuge weist eigene Motorengeräusche auf und sorgt damit für den nötigen Realismus, was ein Spielerherz heutiger Zeit auch verlangen kann. Die voluminösen Sounduntermalungen beim Abdriften ins Kiesbett oder beim Überholen aus dem Windschatten sind ebenso passend wie das laute Quietschen der Reifen. Einige Schwachstellen gibt es dennoch und lassen durchaus des Öfteren die Hand zur Fernbedienung instinktiv gleiten, um das Hörbare etwas leiser zu drehen. Denn die Musikbegleitung im Menü sorgt für leichtes Kopfzerbrechen und schreit fast förmlich darum, im nächsten Moment ausgeschaltet zu werden. Die Sprachausgabe der Fahrlehrerin weiß in den ersten fünf Trainingseinheiten zwar zu gefallen, spätestens in der 20 Übungsstunde ist man jedoch gewillt, ihre gut gemeinten Ratschläge mit einem Druck auf das Joypad bewusst zu überspringen. Auch wenn sich der Titel wie so oft vereinzelte Kritiken anhören muss, ist dem bekannten Entwicklerteam eine durchaus gelungene Musikunterstützung geglückt.

Spielspaß Solo
Größter Schwachpunkt bei Gran Turismo 4: Prologue ist der mehr als fragliche Umfang, der weder großartigen Spielspaß noch irgendein Anzeichen an Motivation in den rund fünf bis sechs Stunden Spielzeit aufkommen lässt. Obwohl sich die Edition durch das Medaillenprinzip an keine fest fixierte Spielergruppe richtet und dadurch für sowohl sehr erfahrene als auch unerfahrene Hobbyrennfahrer spielbar ist, fehlt es der kurzen Demo auffallend an spielerischen Mitteln. Die fünf verschiedenen Kurse sind zwar in verschiedenen Erdteilen angesiedelt und erfreuen das Spielerauge durch den unterschiedlichen Streckenverlauf - die technischen Schwächen, die das Spiel ständig unter Beweis stellt, bewirken allerdings oftmals sehr unzufriedenes Zähneknirschen.

Spielspaß Multi
Im Spiel ist kein Multiplayer-Modus enthalten.
Pro
Beachtlicher Fuhrpark
Sehr detaillierte Fahrzeugmodelle
Hörenswerte Motorengeräusche
Contra
Sehr geringer Umfang
Ungerechtfertigter Preis
Riesige Grafikschwächen
Nerviger Menüsound
Mäßige Menüaufmachung
Fazit
Es ist schier unverständlich, was sich Sony mit der Veröffentlichung von Gran Turismo 4: Prologue in unseren Gefilden gedacht hat - grenzt es nämlich fast an eine Unverschämtheit. Denn zählt man „eins und eins“ zusammen, stellt das Gesamtergebnis leider nicht mehr als eine etwas größere Demo dar, die eher Platz auf einer Demo-DVD als in den Verkaufsregalen operierender Videospielhändler verdient hätte. Weder Spielernaturen, die seit dem ersten Teil große Fans der Serie geworden sind, noch Gamer mit Hang zum Rennspiel-Genre werden mit diesem dürftigen Produkt glücklich. Das Einzige was hier auffällt ist der horrende Preis von 40 Euro, den sich Liebhaber der Serie unbedingt bis zum Release von Gran Turismo 4 aufsparen sollten. Daraus resultierend bleibt nur noch zu sagen: Lasst die Hände besser weg und spielt bis zum Weihnachtsfest 2004 weiter GT3!
Infos
Erhältlich für
Genre
Racing
   Racing-Sim
Publisher
SCEE
Entwickler
Polyphony Digit...
Website
-
Release
28. Mai 2004
Spiel kaufen
»  Game World
»  game4game
User-Bewertung
68
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2 Reviews
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