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Akte X: Resist or Serve

» Autor: Gerald Blauensteiner
» Datum: 12.06.2004
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Resident Evil-Klon inklusive altbekannter Schwächen, dafür aber mit Akte X-Bonus.

Neben der Versoftung des Kinofilms Van Helsing veröffentlichte Vivendi vor kurzem auch das offizielle Spiel zur beliebten Fernsehserie Akte X, Resist or Serve. Ob der reinrassige Survival Horror-Titel das übliche Schicksal von Lizenzspielen teilt oder doch mit innovativen Gameplayelementen aufwarten kann, versuchen wir im folgenden Review zu klären.

I want to believe
Wie es sich für eine Umsetzung der Serie gehört, könnt ihr zu Beginn von Resist or Serve zwischen den beiden FBI-Agenten Mulder und Scully wählen. Ihr habt die Aufgabe, einen mysteriösen Mordfall in einer amerikanischen Kleinstadt zu untersuchen. Dabei bleibt es natürlich nicht lange, und die Story weitet sich bald zu einer umfassenden Verschwörung aus, die selbstverständlich auch Aliens beinhaltet.
Der Spielablauf präsentiert sich dabei an die Persönlichkeit des jeweiligen Agenten angepasst: Während Mulders Part eher auf Action ausgelegt ist und teilweise ins Surreale abgleitet, gehorcht Scully der Logik, muss öfters Rätsel lösen und sogar Autopsien durchführen. Einige Abschnitte des Spiels bestreitet ihr im Duo, wobei euch der CPU-gesteuerte Agent Feuerschutz gibt, andere Teile dagegen müsst ihr alleine absolvieren. Dieses System erinnert in vielerlei Hinsicht an Capcoms Resident Evil 2.
Auch in spielerischer Hinsicht hält sich Resist or Serve eng an das offensichtliche Vorbild. Das Kontrollschema wurde beinahe 1:1 übernommen, was leider auch die klassischen Schwächen inkludiert. So könnt ihr euch auch hier nicht bewegen, solange ihr mit R1 eure Waffe gezogen habt. Eine Möglichkeit zum Sidestep existiert ebenfalls nicht. Auch das Inventar erinnert frappant an Resident Evil. Sogar die Examine- und Combine-Funktionen des Capcom-Klassikers wurden übernommen und müssen ebenso eingesetzt werden, um diverse Rätsel zu lösen. Die Entwickler von Black Ops hielten sich hier eng an das Motto Besser gut geklaut als schlecht selbst erfunden. Gameplaytechnisch bieten sich keine Überraschungen: Ihr bewegt euch durch die Stadt (und andere Örtlichkeiten), untersucht jede Ecke um nur ja keine Items zu übersehen und knallt dabei die immer wieder auftauchenden Zombies ab. Zombies? Ja, offenbar kommt auch ein Akte X-Spiel nicht ohne untote Gesellen aus.

Bin ich in Raccoon City?
Die Rätsel präsentieren sich nicht sonderlich anspruchsvoll (keineswegs auf Silent Hill-Niveau) und die Lösungen sind meist gleich auf den ersten Blick offensichtlich. Was vielen Spielern allerdings Probleme bereiten könnte ist die Tatsache, dass viele Gegenstände leicht übersehen werden. In Resist or Serve will wirklich jede dunkle Ecke und jede Leiche untersucht werden, andernfalls vergesst ihr garantiert ein notwendiges Item. Das führt natürlich teilweise zu Frustration und zeitraubender Herumlauferei. Vor allem zu Beginn des Spiels, wo ihr euch noch in der Stadt befindet, sind Frustanfälle vorprogrammiert, was hauptsächlich an den ständigen Ladezeiten zwischen den einzelnen Abschnitten liegt (keine Türanimationen!). Der Grund für diese Ladezeiten ist für mich nicht klar ersichtlich, da der Akte X-Titel anders als die Resident Evil-Serie Echtzeitgrafik bietet, die aber keinesfalls mit Silent Hill 3 oder auch Project Zero 2 mithalten kann, und die beiden erwähnten Spiele verfügen nur über sporadische, kurze Ladezeiten. Da man zu Beginn relativ oft hin- und herlaufen muss, strapazieren diese Loading Screens bald die Geduld des Spielers. Glücklicherweise tritt dieses Problem in späteren, kleineren Abschnitten eher in den Hintergrund.
Auch die Action-Parts von Resist or Serve verlangen euch nicht das Letzte ab. Eure Kontrahenten bewegen sich langsam und verhalten sich nicht sonderlich intelligent, außerdem wird die Munition ebenfalls nur selten knapp. Euer Waffenarsenal bietet den typischen Survival Horror-Standard: Pistole, Shotgun, AK47, M4 und Flammenwerfer warten darauf, von euch bedient zu werden.
Seltsamerweise tauchen im Verlauf des Spiels einige Stellen auf, an denen die Gegner konstant respawnen. Hier ist Vorsicht geboten, da man in solchen Situationen einiges an Munition vollkommen sinnlos vergeuden kann. Eigentlich unverständlich und komplett unnötig, da der Fokus des Spiels definitiv nicht auf Action liegt.
Lediglich die unvermeidlichen Bosskämpfe zeigen sich anspruchsvoller, wobei einige davon ungeübte Spieler durchaus vor Probleme stellen können. Vor allem der finale Endgegner zieht im Schwierigkeitsgrad deutlich an. Auch hier muss Kritik angebracht werden: Da der Schwierigkeitsgrad nicht frei wählbar ist, sollte er sich im Spiel auf einem konstanten Niveau befinden oder sich zumindest gleichmäßig nach oben bewegen. Diese sprunghaften Anstiege sorgen nur für unnötige Frustration beim Spieler.
Apropos Frustration: Reden wir kurz über die Kameraführung. Wie bereits erwähnt, bietet Resist or Serve anders als das Vorbild Echtzeitgrafik. Dennoch verfügt der Titel über keinerlei Möglichkeit, die Kameraperspektive zu verändern, sondern beschränkt sich auf fixe Ansichten. Man muss wohl kein Genie sein, um daraus zu schließen, dass dies nicht ohne Probleme abläuft. So müsst ihr des Öfteren auf Gegner schießen, die sich außerhalb eurer Sicht befinden. Außerdem schaltet die Kamera häufig so abrupt um, dass ihr prompt wieder in die Gegenrichtung lauft bevor ihr reagieren könnt. Selbstverständlich kommt es auch vor, dass ihr in die Kamera hineinlaufen müsst und so nicht seht, was sich vor euch befindet. Manchmal möchte man den Bildschirm förmlich anschreien, „Dürfte ich jetzt BITTE die Perspektive ändern??“ Fairerweise sei gesagt, dass die Kamera von Resist or Serve nicht schlechter ist als die von anderen Survival Horror-Titeln; jedoch muss ein solches Spiel einfach die Möglichkeit bieten, die Ansicht zu verändern.

The Truth is out there
Die Qualität der Präsentation stellt bei einem Lizenzspiel immer einen sehr wichtigen Faktor dar. Der Akte X-Titel ist hier eine zwiespältige Angelegenheit.
Jede der drei Episoden wird mit dem Original-Intro der Fernsehserie eingeleitet. Hierfür gibt es ganz klar Style-Bonuspunkte, das Theme von Marc Snow ist schlicht und einfach genial. Die Menüs wurden ebenfalls mit einer Variation dieses Tracks versehen. Neben Mulder und Scully begegnet ihr allen relevanten Charakteren der Serie: Skinner, Krycek, der Zigaretten-Typ und die Lone Gunmen spielen alle größere und kleinere Rollen. Akte X-Fans wird es besonders freuen, dass im Verlauf des Spiels immer wieder Anspielungen und Hinweise auf diverse Folgen der Serie gemacht werden. Besonders die Ereignisse der Tunguska-Episode spielen in Resist or Serve eine wichtige Rolle. Kenntnisse sind zwar empfehlenswert, aber nicht unbedingt notwendig. Zusätzlich werden die Charaktere von der Originaldarstellern der Serie gesprochen, die ihren Job wie nicht anders zu erwarten exzellent absolvieren.
Neben den positiven Punkten müssen jedoch auch einige negative erwähnt werden. Zum einen kann die Grafik nicht mit dem Sound mithalten. Die Charaktere sind zwar recht detailliert und besitzen einen hohen Erkennungswert, aber die Umgebungsgrafik zeigt sich eher trist und texturarm. Wie bei vielen PS2-Titeln üblich, können vor allem die Außenareale nicht überzeugen. Wirklich schwach sind aber die Animationen der Spielfiguren. Die Charaktere bewegen sich abgehackt und mit teilweise seltsam wirkenden Bewegungsabläufen. In den diversen Zwischensequenzen stehen die sprechenden Personen oft nur bewegungslos da und verfügen über keinerlei Gestik, was dem Movie-Flair des Titels einen gehörigen Dämpfer versetzt. Wenn Mulder schreit „It’s a trap! Get out of here!“ und sein Alter Ego im Spiel währenddessen nur seelenruhig dasteht wirkt das eher lächerlich als bedrohlich.
Auch das Gegnerdesign kann nicht überzeugen. Ihr bekämpft fast ausschließlich Zombies. Zombies in Akte X…? Das Auftauchen der Untoten wird zwar plausibel erklärt, dennoch hätten die Entwickler hier tiefer in die Ideenkiste greifen sollen. Von der Versoftung einer Fernsehserie dieses Kalibers darf man wohl Anspruchsvolleres erwarten als simple Zombies.
Unverständlich auch die Entscheidung des Herstellers, keine FMV-Sequenzen zu inkludieren, denn gerade bei einem solchen Titel würde sich das förmlich anbieten. Die schwachen Rendervideos sind keine wirkliche Entschädigung. Zumindest gibt es diverse Extras wie Storyboards, Artworks und Trailer freizuschalten, die vor allem für Fans interessant sind.

Sie sind unter uns
Während der Soundtrack die passende Atmosphäre verbreitet, ist es die Handlung, die den Spieler zum Weiterzocken motiviert. Verschwörung über Verschwörung, Aliens, Experimente und übersinnliche Fähigkeiten – hier gibt es alles, was das Herz eines Akte X-Fans begehrt. Die Verknüpfung von Resist or Serve mit bereits bekannten Folgen stellt einen zusätzlichen Kaufgrund für Interessierte dar. Eines wird im Verlauf des Spiels deutlich: Die Entwickler haben sich intensiv mit der Materie beschäftigt und eine Handlung geschaffen, die problemlos als Fernsehepisode durchgehen könnte. Umso bedauernswerter ist es, dass keine eigenen FMVs für den Titel kreiert wurden.
Pro
Genialer Original-Soundtrack
Akte X-Flair
Spannende Story
Originalsprecher
Contra
Innovationslos
Kameraprobleme
Schwache Grafik
Ideenloses Gegnerdesign
Schlecht balancierter Schwierigkeitsgrad
Fazit
In spielerischer Hinsicht ist Resist or Serve beileibe kein Meisterwerk. Die Entwickler bedienten sich schamlos bei Resident Evil und übernahmen dabei nicht nur dessen Stärken, sondern auch die Schwächen, die in modernen Spielen eigentlich nichts mehr zu suchen haben. Über die veralterte Steuerung kann man ja noch hinwegsehen, aber bei Kamera, Ladezeiten und Grafik wäre definitiv noch mehr Feintuning notwendig gewesen. Was das Spiel schlussendlich rettet, ist die perfekt eingefangene Akte X-Atmosphäre. Der Originalsoundtrack kommt genial rüber, und die Sprecher tragen das ihre zum Flair bei. Die Story kann vor allem Fans – aber nicht nur die! – fesseln und bietet darüber hinaus einige Aha-Erlebnisse für Kenner. Resist or Serve ist außerdem für zwei Durchgänge gut, da sich Mulders und Scullys Parts doch deutlich unterscheiden. Die unzähligen freischaltbaren Extras werden aber nur Fans wirklich interessieren. Insgesamt werdet ihr mit dem Titel ca. 15 Stunden beschäftigt sein.
Im Endeffekt kann Resist or Serve allen Akte X-Fans unter euch vorbehaltlos empfohlen werden. Das Spiel weist keine wirklich gravierenden Schwächen auf, und Fans der Serie können über die Kritikpunkte hinwegsehen. Mit der Survival Horror-Referenzklasse kann der Titel allerdings nicht mithalten. Wenn euch Akte X nicht interessiert, ist das erst kürzlich erschienene Project Zero 2 deutlich vorzuziehen. Solltet ihr Tecmos Werk schon durchgespielt haben, könnt ihr den Kauf von Resist or Serve in Betracht ziehen; erwartet aber nichts anderes als einen durchschnittlichen Resident Evil-Klon.
Infos
Erhältlich für
Genre
Adventure
   Survival Horror
Publisher
Vivendi Univers...
Entwickler
Black Ops
Website
www.vugames.de/...
Release
21. Mai 2004
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