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Firefighter F.D. 18

» Autor: Gerald Blauensteiner
» Datum: 10.05.2004
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Konamis Feuerlösch-Abenteuer bietet ein interessantes Spielkonzept, versinkt aufgrund von fehlender Abwechslung aber im Durchschnitt.

Wolltet ihr nicht schon immer einmal Feuerwehrmann werden? Firefighter F.D.18 gibt euch die Gelegenheit dazu. Anders als in typischen Actionspielen bekämpft ihr im Konami-Titel keine physischen Feinde, sondern setzt euch mit Naturgewalten auseinander. Ob es die Programmierer geschafft haben, die an sich interessante Idee in ein gutes Spiel zu verpacken, lest ihr im folgenden Review.

Vorsicht, Kitsch
In Firefighter übernehmt ihr die Rolle des Feuerwehrmanns Dean McGregor, der über einen tragischen Unfall in seiner Vergangenheit nicht hinwegkommt und es sich deshalb zur Aufgabe gemacht hat, keine Menschen mehr in einem Feuer umkommen zu lassen. Er muss sich mit einer Serie von Bränden auseinandersetzen, hinter denen ein verrückter Brandstifter steckt. Die ganze Sache wird zusätzlich noch von einer jungen Reporterin verkompliziert, die ein Auge auf den guten Dean geworfen hat.
Hört sich nach einer typischen Story Marke Hollywood an und präsentiert sich auch in der Ausführung so. Die Dialoge zeigen sich teilweise dermaßen übertrieben heroisch und dramatisch, dass es dem Spieler schon fast peinlich wird. Die ganze Handlung ist mit Kitsch und Klischees nur so überladen. Andererseits sollte aber positiv beurteilt werden, dass Firefighter überhaupt eine relativ ausführliche Story besitzt, was ja nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit für Actionspiele ist. Nach jedem Spielabschnitt gibt es – teilweise verhältnismäßig lange – Zwischensequenzen zu betrachten, die die Handlung weiterführen. Wenn man über die Schwächen hinwegsehen kann, wird also durchaus Motivation geboten, das Spiel auch zu Ende zu bringen – vorausgesetzt, ihr seid bei einem Actiontitel überhaupt an der Story interessiert.

Fire in the hole
Eure Aufgabe als Dean McGregor ist es, euch durch diverse brennende Abschnitte zu kämpfen, um die eingesperrten Überlebenden zu bergen. Hierzu steht euch eine relativ beschränkte Ausrüstung zur Verfügung: Der Feuerwehrschlauch, der zum Löschen dient, und die Axt, die euch bei Hindernissen wie Kisten etc. behilflich ist, stellen euer Standardinventar dar. Zusätzlich stolpert ihr im Verlauf des Spiels des Öfteren über Medikits, die dann ebenfalls im Inventar verwendet werden können. Löschen und Hindernisse umgehen/beseitigen – mehr müsst ihr nicht beherrschen, um Firefighter zu spielen. Durch Druck auf die Kreis-Taste benutzt Dean den Schlauch, um Brände zu beseitigen – allerdings nicht dauerhaft. Ihr könnt euch so nur kurzzeitig einen Weg zu den Eingeschlossenen bahnen. Diese stellen auch eure Hauptaufgabe dar: Ihr müsst in jedem der (kurzen) Abschnitte eine bestimmte Anzahl von Überlebenden finden, die dann durch einfaches Berühren befreit werden. Das Hinausbringen übernimmt offenbar ein imaginärer Helfer…
Nun stellt das Feuer selbst keine allzu große Bedrohung dar, auch wenn es sich ständig weiter ausbreitet. Die wirkliche Herausforderung von Firefighter sind die häufigen Fallen und gescripteten Ereignisse, wie z.B. Explosionen, einstürzende Decken/Böden, Funkenflug, Gaslecks, Backfires etc. Die gescriptete Natur dieser Hindernisse sorgt, vor allem in den späteren Missionen, für viel Trial&Error. Ihr werdet einen Abschnitt mehrmals wiederholen müssen, um genau zu wissen, was wo passiert. Glücklicherweise hält sich die Frustration in Grenzen, da die meisten Levels relativ kurz sind und euch unbegrenzte Continues zur Verfügung stehen. Sterbt ihr, müsst ihr nur den betreffenden Abschnitt wiederholen. Frust kommt hier maximal in den komplexeren Missionen am Ende des Spiels auf.
In regelmäßigen Abständen trefft ihr in Firefighter auf Boss-Fires. Kein Scherz. Diese sind nichts anderes als Endgegner mit allem, was so dazugehört: Energiebalken, Spezialattacken, bestimmte Angriffsmuster etc. Jedes dieser Spezialfeuer benötigt eine bestimmte Strategie, um „besiegt“ zu werden. Wirkt zwar irgendwie lächerlich, sorgt aber auch für willkommene Abwechslung im sonst monotonen Spielablauf. Bei einigen dieser Bossfeuer haben die Designer tief in die Trickkiste gegriffen: So z.B. werdet ihr von einem dieser „Brände“ in bester Donkey Kong-Manier mit Fässern beworfen, während ihr euch bei einem anderen auf einem Fließband befindet und gleichzeitig Feuern und Geschossen ausweichen müsst. Mit mehreren dieser Ideen hätte aus Firefighter durchaus ein Hitkandidat werden können.

Gameplaymängel
Die nicht vorhandene Abwechslung im Gameplay ist die größte Schwäche von Firefighter. Feuer löschen, Überlebende befreien, Feuer löschen, Überlebende befreien… Ihr versteht, was ich meine. Erschwerend kommt dazu, dass das Spiel nur vier verschiedene Locations bietet (eigentlich drei, da die erste nur eine kurze Trainingsmission ist). Mehrere Missionen lang immer dasselbe Gameplay in immer gleichbleibenden Gegenden sorgt nicht unbedingt für Motivation beim Spieler. Auch eure Vorgehensweise bleibt durch die limitierte Ausrüstung dieselbe; erst gegen Ende des Spiels bekommt ihr eine sogenannte Löschkanone zur Verfügung gestellt, die aber über begrenzte Munition verfügt und deshalb nur in bestimmten Situationen angewendet werden will.
Steuerungstechnisch gibt es ebenfalls einige Kritikpunkte. So könnt ihr die Kameraperspektive nicht verändern, während ihr euch bewegt, was in einigen Situationen sehr ärgerlich sein kann. Es passiert vor allem bei Bosskämpfen des Öfteren, dass ihr euch vom Feuer wegbewegen müsst. Dabei folgt euch auch die Kamera, wodurch ihr den Blick auf den Brand verliert. Dreht ihr euch nun um, um zu löschen, müsst ihr entweder warten, bis euch die Kamera folgt, oder sie selbst justieren – was beides wertvolle Sekunden kostet und immer nervig ist. Die Kameraführung hätte sicherlich besser gelöst werden können.
Darüber hinaus wird die Steuerung von den langsamen Bewegungen des Protagonisten geplagt. Mag zwar realistisch sein, aber Firefighter ist im Prinzip nichts anderes als ein Arcade-Actiontitel, weshalb das langsame Spieltempo nicht wirklich dazu passt. Die Steuerung vermittelt dadurch ein Gefühl der Trägheit, wodurch es in vielen Situationen unmöglich wird, rechtzeitig zu reagieren, was wiederum den Trial&Error-Faktor erhöht.
Negativ erwähnt werden müssen auch noch die ständigen Kommentare eures Vorgesetzten. Ihr seid mit diesem Herrn über Funk verbunden, und er erteilt euch ständig „hilfreiche“ Ratschläge. Das sind so Sachen wie z.B. Watch out for Explosions!, nachdem ihr in eine ebensolche gerannt seid, Help him! oder Why don’t you help him!, während ihr euch mühsam zu einem Überlebenden vorkämpft, oder das immer beliebte Not good, wenn ihr kurz vor eurem Ende steht. Kurz gesagt: Der Typ ist einfach nur unnötig. Immerhin sorgt er ab und zu auch (unfreiwillig) für Lacher. Sein Watch out! im Angesicht eines Bossfeuers erinnert mich jedes Mal wieder an das kultige Watch out! It’s a Monster! aus Resident Evil 1.

Die technische Seite
Die Technik von Firefighter ist für einen eher durchschnittlichen Titel relativ gut gelungen. Die Umgebungsgrafik kann zwar durch langweilige und wenig detaillierte Texturen nicht wirklich überzeugen, das allzeit gegenwärtige Feuer schafft es aber, diese Tatsache meistens zu verbergen. Das Feuer selbst stellt auch gleichzeitig das technische Highlight von Firefighter dar. Es sieht durchaus überzeugend aus, bewegt sich und breitet sich aus, und erzeugt in Verbindung mit den engen Räumen eine klaustrophobische Mittendrin statt nur dabei-Atmosphäre.
Dean McGregor selbst ist ansprechend animiert und gestaltet, während die anderen In-Game-Charaktere qualitativ eher abfallen. Dafür aber können die Zwischensequenzen durch detailliertere Figuren überzeugen.
Soundtechnisch gibt es an dem Titel nichts zu bemängeln. Die Soundeffekte (vor allem die des Feuers) kommen durchaus realistisch rüber, und der Soundtrack ist eine spezielle Erwähnung wert: Anders als typische Vertreter des Actiongenres setzt Firefighter hier auf eher orchestrale Melodien, die zusammen mit der Story das Movie-Flair des Spiels noch verstärken.
Pro
unkompliziert
interessante Spielidee
für einen Actiontitel gute Story
gelungene Atmosphäre
netter Soundtrack
Contra
monotoner Spielablauf
kurz
Wiederspielwert nicht vorhanden
Trial&Error
Kameraschwächen
Fazit
Trotz der angeführten Kritikpunkte ist Firefighter prinzipiell kein schlechtes Spiel. Die interessante Spielidee, gut umgesetzte Atmosphäre und durchaus unterhaltsame – wenn auch kitschige – Story sorgen für Motivation. Die solide Technik kann ebenfalls überzeugen. Leider haben es die Designer nicht geschafft, den Spielablauf in irgendeiner Form abwechslungsreich zu gestalten. Dazu kommen die kurze Spieldauer (unter 10 Stunden) und der praktisch nicht vorhandene Wiederspielwert, da man nach dem ersten Durchzocken bereits alles gesehen hat. Daran können auch freispielbare Extras wie die Levelanwahl nichts ändern. Die extrem limitierte Ausrüstung und die geringe Anzahl von verschiedenen Locations drücken die Motivation weiter nach unten.
Mit mehreren innovativen Gameplayelementen im Stil der Bossfeuer hätte Firefighter ohne weiteres in höhere Wertungsregionen vordringen können. Durch die Kritikpunkte aber wird Konamis Actionabenteuer zu einem typischen Verleihtitel. Ausleihen, ein Wochenende damit verbringen, zurückgeben – die perfekte Beschreibung für Firefighter. Den Vollpreis ist der Titel nicht wert. Maximal Actionfans, die auf der Suche nach neuem Stoff sind, und verhinderte Feuerwehrmänner sollten sich die dauerhafte Anschaffung überlegen.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
   Action-Adventure
Publisher
Konami
Entwickler
Konami
Website
de.konami-europ...
Release
23. April 2004
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