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Master-Review:   » drucken    » versenden

Project Zero 2: Crimson Butterfly

» Autor: Georg Gruber
» Datum: 17.06.2005
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Freunde atmosphärischen Gruselns dürfen sich mit Project Zero 2 über einen erstklassigen Vertreter des Genres freuen.

Abseits des scheinbar omnipräsenten Resident Evil haben sich nur wenige Publisher erfolgreich ins Survival Horror Genre gewagt. Neben Tecmo hat auch Konami mit der Silent Hill Serie die Lizenz zum Gruseln beantragt. 2003 erschien das erste Project Zero (außerhalb Europas besser als Fatal Frame bekannt) und rechtfertigte, dank guter Grafik und überzeugende Atmosphäre, den im Frühjahr veröffentlichten Nachfolger. Ob Project Zero 2: Crimson Butterfly Director's Cut neben einem langen Namen auch gutes Gameplay und viel Gruselvergnügen bietet, klärt unser Master-Review.

Hier werden Sie gegruselt
Andere Spiele arbeiten oft mit Schockerlebnissen und haufenweise roten Pixeln. Crimson Butterfly verfolgt hier eine radikal andere Philosophie. Stimmungsvoller Soundtrack, dunkle Räume und eine beklemmende Atmosphäre
» Knirsch. Knarr. Knirsch.
erwarten den Spieler von der ersten Spielsekunde an. Durch die intensive Handlung wird man förmlich in die Geschichte von Mio und Mayu hineingesaugt und legt den Controller nur äußerst ungern zur Seite. Eine wundervoll gestaltete Cut-Scene bereitet den unerschrockenen Spieler auf die Dinge, die im Dunkeln lauern, vor. Nach langem Irrlauf durch verstörende Wälder finden sich zwei Mädchen am Rande eines düsteren Dorfes wieder. Eine Legende besagt, dass ein schreckliches und traumatisches Ereignis die kleine Siedlung vom Angesicht der Erde verschwinden ließ. Doch von Zeit zu Zeit berichten verirrte Seelen von einem erneuten Erscheinen. Die Schwestern befinden sich nun in der misslichen Lage, das verwünschte Dorf nur mehr verlassen zu können, wenn sie Licht in die mysteriösen Geschehnisse einer schrecklichen Vergangenheit bringen.

Survival Pulp Fiction
Project Zero 2 erinnert eher an die gepflegte Gruselatmosphäre eines Edgar Alan Poe denn an traditionelle Horror-Games. Die künstlerisch wertvolle Ästhetik mag dem klassischen japanischen Klischee entspringen
» Mio und Mayu und die Angst.
(Mädchen am Rande der Panik...), steht jedoch in Intensität und Qualität einem hochwertigen Kinofilm in nichts nach. Eine ganz besondere Stimmung macht auch das gemeinsame Auftreten der Protagonisten aus. Ständig schaut man sich über die Schulter, wo denn die andere Schwester ist und erschrickt furchtbar, wenn sie abhanden kommt. Dies kommt häufig vor, da Mayu oft wichtige Dinge anzeigt oder auf eigene Faust Expeditionen unternimmt. Vor jeder ungeöffneten Tür kriecht einem das unbestimmte Gefühl in die Glieder, dass sich dahinter ein dunkles Geheimnis befindet, das man besser in Ruhe lassen sollte. Die Entwickler haben diese passive Angst so gut aufgegriffen und verstärken die klaustrophobischen Momente noch durch den exzellenten Soundtrack. Dieser drängt sich nie in den Vordergrund, sondern erzeugt stets genau die richtige Dosis an Angst, Unsicherheit und Nervosität. Auch die sehr guten Cut-Scenes werden euch oft die Haare im Nacken zu Berge stehen lassen.

Camera Obscura
Von den schriftlichen Aufzeichnungen eines Wissenschaftler lernen die Schwestern erste wichtige Hinweise zum Gameplay. Im Gegensatz zu anderen Titeln kommt als "Waffe" ein spezieller "Fotoapparat" namens Camera Obscura zum Einsatz.
» Say cheese a last time.
Bei dem als harmlose Kamera getarnten Apparatus handelt es sich in Wahrheit um einen Protonenbeschleuniger, der auf rätselhafte Weise die Seelen von Toten sichtbar macht. In Ego-Sicht kann man sich hinter den Sucher der Kamera klemmen und Ausschau nach Wesen der Unterwelt halten, um diese auf Fotos zu bannen. Angenehmer Nebeneffekt: feindlich gesinnte Geister werden, sobald sie vor die Linse geraten, harmlos und können den Mädchen kein Haar mehr krümmen. Stärkere Wesen verlangen natürlich nach größeren Strahlungsdosen und so wird es notwendig, die Kamera im Laufe des Spiels ständig mit Upgrades aufzurüsten. Genre-typisch spielen auch bei Project Zero 2 Rätsel eine wichtige Rolle. Tecmo hat das Rad sicherlich nicht neu erfunden und setzt auf bewährte Kost. Die Puzzles sind daher auch in Project Zero 2 eher simpel gehalten. Der (wählbare) Schwierigkeitsgrad fällt ebenfalls eher leicht aus, dafür wird aber unnötiges Trial and Error vermieden.

Technik, die Angst macht
Die Steuerung ist denkbar einfach gestaltet. Die Charaktere werden per L-Stick durch die Gegend gelotst und mittels weniger Buttons kann eine Aktion ausgeführt, das Inventar oder die Übersichtskarte aufgerufen werden.
» Ungesunde Körperhaltung.
Einzig die sehr langsame Laufgeschwindigkeit sorgt für Verdruss. Selbst wenn Mio und Mayu "laufen", dauert es einfach zu lange, um von A nach B zu kommen. Die Animationen sind erstklassig und die Bewegungen der Spielfiguren wirken sehr lebensecht. Die großartigen Cut-Scenes belegen eindrucksvoll die sorgfältige und detaillierte Arbeit der Grafik-Künstler. Der bereits angesprochene Soundtrack gehört zum stimmungsvollsten der letzten Jahre und vermittelt allen, die 5.1 Surround ihr eigen nennen, ein zusätzliches Raumklangvergnügen. Die Tecmo-Designer beweisen einmal mehr, dass sie unabhängig vom Genre qualitativ und technisch anspruchsvolle Spiele abliefern.

Director's Cut
Auf der PS2 kamen Freunde des gepflegten Horrorspektakels zwar früher auf ihre Kosten, doch hat sich der Entwickler für die Xbox-Version ein paar Extras einfallen lassen. Bei den obligatorischen neuen Kostümen (natürlich mit dem "Weniger ist mehr" Augenzwinkern von Tecmo) für die Girls hat man sich nicht lumpen lassen. Sogar ein alternatives Ende und bisher unveröffentlichtes Artwork wurde spendiert. Darüber hinaus sollen auch einige neue Geister ihr Unwesen im Dorf treiben. Audiovisuell unterscheidet sich der Titel von der PS2-Fassung wenig - die Grafik wirkt aber wie bei fast allen guten Umsetzungen um einen Tick schärfer - aber das unterstreicht die bereits hohe Qualität von Project Zero 2.
Pro
Ausgezeichnete Grafik
Stimmungsvoller Soundtrack
Dichte Atmosphäre
Sehr schöne Cut-Scenes
Extras für die Xbox
Contra
Zu geringe Laufgeschwindigkeit
Leider viel zu schnell vorbei…
Fazit
Nach den ersten Minuten ist man bereits so tief in die phantastische Atmosphäre des Spiels eingetaucht, dass man erkennt, um welches Gruselmeisterwerk es sich hier handelt. Die schrecklich schöne Grafik und dichte Stimmung - übertroffen nur vom hervorragenden Soundtrack - machen dabei nicht einmal den größten Reiz aus. Sowohl Gameplay als auch Rätsel nehmen es locker mit den besten Spielen des Genres auf. Es gibt nur wenige Kritikpunkte, die sich im Wesentlichen auf den etwas zu einfachen Schwierigkeitsgrad und die kurze Spieldauer von knapp zehn Stunden beschränken. Übel stößt auch die furchtbar langsame Laufgeschwindigkeit auf, die für unnötige Längen sorgt. Den spielerischen Höhepunkt stellt aber klar die exzellente Regie und das tolle Artwork von Crimson Butterfly dar: Auf der Xbox findet sich derzeit kein schöneres Schauder-Abenteuer. Wer auf der Suche nach intelligenter Gruselunterhaltung abseits von Zombie-Gemetzel ist, dem sei Project Zero 2 wärmstens empfohlen.
Infos
Erhältlich für
Genre
Adventure
   Survival Horror
Publisher
Microsoft Game ...
Entwickler
Tecmo
Website
www.tecmogames....
Release
28. Jänner 2005
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User-Bewertung
87
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