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Im noch jungen Survival Horror-Genre scheint es einigen Spielraum für Verbesserungen und Innovationen zu geben. Während sich Titel wie Silent Hill, Forbidden Siren und Project Zero äußerlich zwar nicht sonderlich unterscheiden, liegen im Gameplay doch größere Unterschiede begraben, als man zunächst annehmen möchte. Capcom könnte sich hiervon eine Scheibe abschneiden, jedoch muss man den Resident Evil-Machern zugute halten, dass für den nächsten Teil der inzwischen ausgelutschten Serie ebenfalls einige Neuerungen angekündigt wurden. Um den Spieler (und Tester) zu überzeugen, sollte hinter solchen Innovationen aber auch ein gutes Spiel stehen. Kann Project Zero 2 diese Hürde besser überwinden als Forbidden Siren? So beginnt die spannende Story von Project Zero 2. Ihr befindet euch also in dem kleinen japanischen Dorf, übernehmt die Kontrolle von Mio (ihre Schwester Mayu begleitet euch über weite Strecken des Spiels), und müsst nun herausfinden, was genau euch hierher gebracht hat und wie zum Teufel ihr wieder rauskommt. Diese Aufgabe wird allerdings von den ständig auftauchenden, missgelaunten Geistern erschwert. Aber, unter uns gesagt, wenn ich dazu verflucht wäre, bis in alle Ewigkeit den Ort meines Todes heimzusuchen, wäre ich vermutlich auch nicht so gut drauf. Springt also nicht zu hart mit den armen Seelen um! Wie dem auch sei, Project Zero 2 versteht sich als reinrassiger Survival Horror und gleicht in vielerlei Hinsicht Konamis Silent Hill. Ihr bewegt euch durch das Dorf, beseitigt Geister und löst Rätsel. Auch in atmosphärischer Hinsicht muss der Vergleich zum Konami-Titel gezogen werden. Spannung wird hier nicht durch Schockeffekte Marke Resident Evil erzeugt, sondern durch den subtilen Einsatz von Soundeffekten, das Design der Geister und der Umgebung, und die spannende Handlung, die auf japanischen Mythen basiert. Trotzdem schafft es Project Zero 2, sich durch einige Innovationen von einem 08/15-Titel abzuheben. Ihr fragt euch sicherlich schon: Wie genau kann ich Geister ins Jenseits befördern? Die grusligen Gesellen bewegen sich natürlich nicht in geraden Linien, um euch das Leben zu erleichtern, sondern besitzen bestimmte Angriffsmuster und Verhaltensweisen. Die einen versuchen euch so schnell wie möglich den Garaus zu machen (und sind dadurch berechenbarer), während sich andere teleportieren, um euch von hinten zu überraschen. Grundsätzlich aber befindet sich der Schwierigkeitsgrad von Project Zero 2 im unteren Bereich, da sich die meisten Geister relativ langsam bewegen und generell auch nicht viel Schaden anrichten. Eine wirkliche Herausforderung stellen nur die Gegner dar, die erst zu treffen sind, wenn sie sich genau vor euch befinden. Neben den vielfältigen Möglichkeiten im Kampf selbst dürft ihr die Kamera auch upgraden. Während des Abenteuers stoßt ihr des Öfteren auf Module, die eurer „Waffe“ Zusatzfunktionen verleihen, welche entweder konstant aktiv sind, oder von euch im Kampf eingesetzt werden können. So z.B. zeigt euch die Messen-Funktion die Lebenspunkte des Geists an, während ihr durch das Langsam-Modul in der Lage seid, euren Kontrahenten durch einen Treffer zu verlangsamen. Hier hören die Upgrademöglichkeiten allerdings noch nicht auf. Ihr könnt außerdem im Verlauf des Spiels alle aktiven Zusatzfunktionen und bestimmte Attribute eurer Kamera (Reichweite, Aufladung und Sensitivität) verbessern. Hierzu werden zwei Dinge benötigt: Geisterkugeln und Punkte. Erstere finden sich über das ganze Dorf verstreut oder nach dem Beseitigen von Geistern, zweitere erhaltet ihr für jedes erfolgreich geschossene Foto. Das Ganze läuft nun folgendermaßen ab: Mit den Geisterkugeln erhöht ihr das maximal mögliche Level des ausgewählten Attributs. Danach erst könnt ihr die gewünschte Funktion verbessern, was eine bestimmte Anzahl von Punkten erfordert. So steigt während des Spiels nicht nur die Stärke eurer Gegner, sondern gleichzeitig auch die eurer Kamera, und das bedeutet wiederum, dass sich der Schwierigkeitsgrad nur unwesentlich steigert. Last but not least sollte noch erwähnt werden, dass ihr die Kamera mit verschiedenen Filmen ausstatten könnt, die nichts anderes als Munition darstellen. Der zu Beginn verfügbare Film verursacht nur wenig Schaden und lädt lange auf, besitzt dafür aber kein Limit. Im Laufe des Spiels findet ihr natürlich noch andere Typen von Filmen, die alle über unterschiedliche Eigenschaften verfügen. In dieselbe Kerbe schlagen die versteckten Geister, die euch durch Aufleuchten des Geist-Indikators am unteren Bildschirmrand angezeigt werden, wenn ihr in ihre Nähe kommt. Sobald dieser Indikator aufleuchtet, solltet ihr versuchen, mithilfe der Kamera die richtige Stelle zu finden und zu fotografieren, wodurch der versteckte Geist sichtbar und auf Zelluloid gebannt wird. Im Verlaufe eures Abenteuers stellen sich euch auch des Öfteren magisch verschlossene Türen und Blockaden in den Weg, welche ebenfalls durch Kameraeinsatz beseitigt werden – allerdings nicht notwendigerweise durch Fotografieren der betroffenen Stelle, oft muss der abzulichtende Ort erst ausfindig gemacht werden. Dies ist nichts anderes als die Project Zero 2-Interpretation von Schalterrätseln. Steuerungstechnisch spielt sich Project Zero 2 wie die anderen Vertreter des Genres; lobenswerterweise aber könnt ihr zwischen zwei verschiedenen Bewegungsschemata wählen. Mit der 3D-Variante steuert ihr euren Charakter wie in anderen 3rd-Person Titeln (das heißt: oben = Vorwärtsbewegung), bei der 2D-Variante jedoch ist die Kontrolle der Heldin von der Perspektive abhängig. Dieses Schema erfordert zwar zu Beginn etwas Umstellung, ist aber meiner Meinung nach zu bevorzugen, da hier direkte und schnellere Bewegungen möglich sind. Erwähnenswert auch die Kameraführung des Spiels. Diese ist ja bekanntermaßen die Krux von vielen 3rd-Person Titeln; Project Zero 2 jedoch schafft das Kunststück, die Kameraprobleme auf ein erträgliches Minimum zu reduzieren. Das Spiel wählt fast immer die ideale Perspektive. Fairerweise sollte aber auch berücksichtigt werden, dass die Kämpfe ja in Ego-Perspektive ablaufen, wodurch Kameraprobleme von Grund auf nicht existent sind. Die stimmige Sounduntermalung unterstützt die Atmosphäre perfekt. Plötzlich auftauchende Geister, die zudem von Soundeffekten begleitet werden, sorgen immer wieder für kurzes Gruseln beim Spieler, auch wenn sie zumeist keine Bedrohung darstellen. Der Garant schlechthin für Adrenalinstöße ist allerdings der Kampfmodus. Wie bereits erwähnt, solltet ihr die Geister so nahe wie möglich herankommen lassen, was euren Adrenalinspiegel mit Sicherheit in die Höhe treibt. Je näher euch ein Kontrahent kommt, desto stärker fängt auch euer Controller zu vibrieren an, was wohl Herzschlag simulieren soll – eine sehr nette Idee. Zusätzlich sind die verfluchten Seelen hervorragend designed. Viele von ihnen tragen noch die Merkmale ihres meist gewaltsamen Ablebens. So z.B. tritt euch eine Frau, die durch einen Sturz dahingeschieden ist, mit einem ziemlich verdrehten Kopf entgegen. Andere Geister wieder tragen am ganzen Körper Wunden. Einen der Bosskämpfe in Project Zero 2 kann man ohne Zögern als denkwürdig bezeichnen. Nicht nur, dass euch der fragliche Geist mit einem einzigen Treffer in die ewigen Jagdgründe befördert, ihr könnt ihn auch nur ganz kurz treffen, bevor er euch eins überzieht. Hier heißt es Nerven bewahren und den richtigen Moment abpassen – dieser Kampf ist ein Erlebnis für sich. Wie auch schon der erste Teil orientiert sich Project Zero 2 an japanischen Mythen und kann dadurch mit einem ziemlich japanisch angehauchten Flair aufwarten, was einen interessanten Kontrast zu den eher westlich orientierten Silent Hill und Resident Evil darstellt. Fans von japanischer Spielekunst sind hier definitiv an der richtigen Adresse. Ein überaus interessantes und effektives Element der Handlungspräsentation bietet Project Zero 2 mit dem sogenannten Kristallradio. Während des Spiels findet ihr immer wieder Kristalle – meist zurückgelassen von Geistern -, die angeblich die Gedanken ihrer ehemaligen Besitzer beinhalten. Diese Edelsteine könnt ihr mit dem Radio abspielen und euch so den Inhalt anhören. Einige davon bieten wichtige Einblicke in die Story und führen zu Aha-Erlebnissen beim Spieler, andere dagegen zeichnen sich nur durch ihren morbiden Inhalt aus (KillmeKillmeKillmeKillme). Klarerweise sind diese Kristalle der Spielatmosphäre überaus zuträglich. Nach dem ersten Durchspielen bekommt ihr übrigens nur das schlechtere der beiden Endings zu Gesicht. Um das bessere Ende zu erhalten, müsst ihr Project Zero 2 auf dem Schwierigkeitsgrad Schwer durchzocken, der aber erst nach dem ersten Durchgang anwählbar ist. Ja, das habt ihr schon richtig verstanden: Wollt ihr das bessere Ending sehen, ist es zwingend notwendig, den Titel zweimal durchzuspielen. Alles in allem verdient die Story nur ein Fazit: Daumen hoch! Eindeutig positiv zu beurteilen ist das Design der Geister, die punkto Angstfaktor durchaus mit ihren Gefährten aus Silent Hill mithalten können. Überaus gelungen sind auch die Rendervideos; Flashbacks werden zudem in stylischem Schwarz-Weiß präsentiert. Zusätzlich noch gern gesehen: der 60hz-Modus.
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