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Sam Fisher in Silent Hill? Forbidden Siren bedient sich bei beiden Titeln und kann so mit einigen Innovationen gegenüber herkömmlichen Vertretern des Survival Horror-Genres aufwarten. Verbirgt sich hinter den Neuerungen aber auch ein gutes Spiel? Interessant auch das Detail, dass Forbidden Siren in Europa früher als in Amerika veröffentlicht wurde – dort erscheint der Titel erst im April unter dem verkürzten Namen Siren. Seltsamerweise traf genau dies auch auf Silent Hill 3 zu, das in Europa einige Monate vor Amerika released wurde. Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Titel? Im Normalfall sind wir Europäer ja eigentlich die letzten in der Warteschlange. Zehn? Richtig gelesen. In Forbidden Siren übernimmt der Spieler nicht die Rolle eines fixen Hauptcharakters, sondern muss abwechselnd einen der zehn Überlebenden steuern. Die Charaktere könnten dabei unterschiedlicher nicht sein: Vom Priester über einen alten Jäger bis hin zum wehrlosen Mädchen ist alles dabei. Der Spieler hat allerdings keinen Einfluss darauf, welchen der Charaktere er übernimmt. Das Spiel schaltet nach Absolvierung einer Mission automatisch zu einer anderen Figur weiter. Hier kommt die eigentliche Innovation im Gameplay von Forbidden Siren zur Geltung: die sogenannte Gegnersicht. Wie der Name bereits andeutet, bietet sie die Möglichkeit, durch einfachen Druck auf die L2-Taste mit den Augen der Gegner zu sehen. Der Spieler kann nun durch die verschiedenen Zombies im Umkreis durchschalten und so herausfinden, wo sich diese gerade befinden bzw. in welche Richtung sie blicken (wichtig bei Scharfschützen). So ist es möglich, sich durch die Abschnitte zu schleichen und möglichst wenig Untote auf sich aufmerksam zu machen. Um Irrtümer gleich zu vermeiden: Die Gegnersicht ist kein Feature oder Anhängsel, sondern eine absolute Notwendigkeit, um Forbidden Siren erfolgreich zu spielen. Bereits im dritten Level wird man mit einem Scharfschützen-Zombie konfrontiert, der es sich auf dem Dach eines Hauses bequem gemacht hat und so fast den ganzen Abschnitt überblicken kann. Zusätzlich verfügt der gespielte Charakter über keinerlei Bewaffnung, was bedeutet, dass sich der Spieler vollkommen auf die Gegnersicht verlassen muss, um zu überleben. Aber selbst mit bewaffneten Spielfiguren ist es nicht ratsam, den Actionhelden raushängen zu lassen – das führt nur zu einem schnellen Tod, und sicher nicht zu dem der Zombies. Die Gegnersicht sorgt aber auch gelegentlich für Lacher, denn der Spieler sieht nicht nur durch die Augen seiner Gegner, sondern kann sie auch hören. Die untoten Gesellen stöhnen und seufzen vor sich hin, geben undefinierbare Laute von sich, und verfallen teilweise in regelrechte Wutausbrüche. Das ist zwar der Survival-Horror-Atmosphäre nicht unbedingt zuträglich, sorgt dafür aber für humorvolle Auflockerung des Geschehens (ob nun beabsichtigt oder nicht). Dieses Menü hat noch eine zweite Funktion: Manche Missionen absolviert man nicht allein, sondern wird von anderen Charakteren (NPCs) begleitet, die meist komplett hilflos sind. In einem Fall muss man z.B. ein kleines Mädchen sicher zum Ausgang führen. Diese NPCs werden über das In-Game-Menü mit Befehlen wie Warten oder Herkommen kontrolliert. Eine nette Idee, die zusätzlich für Abwechslung im Spielablauf sorgt. Wie bereits erwähnt, kann ein Kontakt mit der untoten Schar nur schwer überlebt werden. An sich wäre das kein Problem, nur führt ein Ableben dazu, dass die ganze Mission von vorne begonnen werden muss! Nur in längeren Levels gibt es Rücksetzpunkte, die das Problem aber kaum mindern. Speichern kann man nur zwischen den einzelnen Missionen. Der Leser mag sich nun denken: Nun, dann darf man eben einfach nicht sterben! Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Der Tod ist in Forbidden Siren allgegenwärtig und unvermeidbar. Man kann die Missionen nicht schaffen, ohne vorher das Layout und die Positionen der Zombies genau zu kennen. Das bedeutet, dass man die Mission so oft spielen muss, bis eine bestimmte Vorgehensweise entwickelt ist. Simpel gesagt: Forbidden Siren basiert auf dem nicht gern gesehenen Trial&Error-Prinzip. So kann ein Level, der eigentlich in fünf Minuten zu schaffen ist, gut und gern eine Stunde frustrierende Arbeit bedeuten. Das senkt natürlich die Motivation ganz gewaltig, und steigert dafür den Haarausfall des Spielers ins Unermessliche. Leider ist Trial&Error nicht das einzige Problem im Gameplay von Forbidden Siren. Einige Stellen basieren schlicht und einfach auf Glück, und das sollte eigentlich vermieden werden. So z.B. gibt es eine Szene, in der der Spieler aus einem Tunnel kommt, und in einiger Entfernung ein Scharfschütze wartet. Dieser Kollege wird mindestens einen Schuss auf den Spieler abgeben; manchmal trifft er, manchmal nicht. Solche Situationen kommen leider häufiger vor, und wenn man eine Mission nur deshalb nicht schafft, steigt natürlich die Versuchung, den Controller an die Wand bzw. das Spiel aus dem Fenster zu werfen. Ein Glück, dass die Sterbeanimationen der Charaktere gut gelungen sind, denn diese sieht man sehr, sehr oft. Leider gibt es auch einige Negativpunkte zu vermelden, die verhindern, dass Forbidden Siren an das Vorbild herankommt. So wirken die Geräusche der Zombies mehr lächerlich als furchteinflößend. Weiters kommt beim zwanzigsten Versuch, eine Mission schaffen zu wollen, keine Atmosphäre mehr auf, sondern eher Langeweile. Außerdem sollte noch erwähnt werden, dass Forbidden Siren über keinerlei gescriptete Schockeffekte verfügt; auch hier lehnt sich der Titel eher an Silent Hill als an Resident Evil an. Trotz der Negativpunkte sorgt Siren für gepflegtes Gruseln, vor allem in den weniger frustigen Missionen. An Silent Hill kommt das Spiel zwar nicht heran, aber mit der Atmosphäre eines Resident Evil kann es durchaus mithalten. Auf der positiven Seite: exzellentes Design von Umgebung und Untoten, sehr gut animierte Charaktere (via Motion-Capturing) und stilistisch hervorragend gelungene Rendervideos, die sich deutlich an The Ring anlehnen. Eher negativ dagegen die technische Seite der Grafik. Farbarme und nicht sehr detaillierte Texturen, deutliches Aliasing und kein 60hz-Modus. Mit einem Silent Hill 3 kann Forbidden Siren hier keinesfalls mithalten. Beide Titel sind sich vom Stil her sehr ähnlich (viel Dunkelheit und Nebel), aber die Grafik von Siren ist bei weitem nicht so detailreich. Auch hier jedoch ein Negativpunkt: Die deutsche Synchronisation ist eine mittlere Katastrophe. Lieblos herunter gesprochen, zum Teil Sätze, die absolut nicht zu den (sehr guten) Animationen der Charaktere passen, und seltsame Übersetzungen wie z.B. „Geistlicher Leiter“ statt einfach Priester oder Pfarrer. Die schlechte Synchro führt dazu, dass die Videos, obwohl stilistisch hervorragend, teilweise wie lächerlich schlecht übersetzte B-Movies wirken.
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