In allen Belangen besser als der Vorgänger: SOCOM 2 als neuer Platzhirsch im Taktik-Shooter Bereich auf der PS2.Das eher unbekannte Studio
Zipper Interactive zeichnete sich noch vor kurzem nur durch eines aus: Es war niemandem ein Begriff. Doch dann kam SOCOM: US Navy Seals, für viele der Hauptbeweggrund zum Kauf eines PS2-Breitbandadapters und das bis dato meistgespielte Networking Game auf Sony’s Plattform. Mit
SOCOM: US Navy Seals II steht nun schon relativ schnell ein Nachfolger in den Händlerregalen, der, wie schon sein Vorgänger, sowohl alleine als auch im Bundle mit einem Logitech-Headset über den Ladentisch wandert.
SpectreIhr spielt Spectre, den Kommandanten einer kleinen Navy Seals Einheit, die rund um den Globus Aufträge im Dienste des Weltfriedens ausführt (…). Mit euch an vorderster Linie stehen eure Compagneros, welche in einigen Missionen durch Spezialeinheiten anderer Nationen ausgetauscht werden (z.B.: brit. SAS). Wie aus den unterschiedlichsten Taktik-FPS bereits bekannt, könnt ihr euch und euer Team
vor jedem Einsatz komplett ausstatten. Die Palette an zugänglichen Waffen variiert dabei, denn viele davon wollen erst einmal frei geschalten werden. Größtes Hauptaugenmerk sollte dabei allerdings auf die Lautstärke der Waffen gelegt werden: Könnt ihr euch im Genrekollegen
Ghost Recon z.B. relativ problemlos den feindlichen Heerscharen mit schweren Maschinengewehren wie M60 oder MG3 erwehren, so wäre diese Strategie in
SOCOM II fehl am Platz. Hier lautet die Devise viel mehr…
Lautlos rein und wieder raus…… denn eure Feinde haben dazugelernt und dienen nicht mehr nur als Futter für eure Waffen.
In allen Missionen ist es grundsätzlich möglich Alarm auszulösen. Dabei braucht ihr weder durch eine Laserschranke zu laufen noch zu lange im Rampenlicht mit eingeschaltener Überwachungskamera zu stehen (die es aber natürlich dennoch gibt). Es genügt oft ein einzelner Schuss mit einer lautstarken Waffe um einen anvisierten Bösewicht dazu zu bringen, Alarm zu schlagen und seine Kumpels aus der Dorfkneipe zur Unterstützung zu holen. Aus diesem Grund empfehlen sich generell schallgedämpfte Sub-Machine Guns und Rifles wie die HK5SD oder die M4A1SD für eine positive Auftragserfüllung. Apropos Auftragserfüllung: Nach jedem Einsatz wird der Erfolg eures Teams gemessen. Eine große Rolle spielt dabei, ob und wie sehr ihr euch lautlos verhalten habt, ob ihr die gestellten Aufgaben lösen konntet, ob Kameraden verwundet wurden usw. Diese Bewertungen werden alle in Prozentpunkten nach Erfolgsfaktor angegeben und kumulieren dann in einer
Missions-Bewertung, die von
A absteigend vergeben wird. Daneben wartet auch noch der Einsatzleiter mit einem persönlichen Kommentar auf, der sich natürlich je nach Erfolg der Unternehmung unterschiedlich gibt (von „Gute Arbeit, Leute“ bis „Mir war klar, dass ihr versagt“ ist die gesamte Bandbreite abgedeckt).
Fight!Doch um überhaupt einmal so weit zu kommen, einer Einsatz-Nachbesprechung beizuwohnen, müsst ihr zuerst einmal aufs Schlachtfeld: Euer Alter Ego wird grundsätzlich aus der
3rd-Person-Perspektive gesteuert. Mithilfe des vertikalen Digikreuzes könnt ihr jedoch jederzeit in eine Ego-Perspektive mit ausgeblendetem Waffenmodell (ähnlich Ghost Recon), einer Nachtsicht mit eingeschränktem Field of View und dem Sniper-Modus wechseln. Bei Waffen ohne Sniperfunktion findet ihr an dieser Stelle das Fernglas. Gefeuert wird mit R1, bei Waffen, die mehrere Feuermodi bieten, wird zwischen Single, Burst und Auto mithilfe von L3 umgeschaltet. Um von den Gegnern nicht gesehen zu werden helfen euch neben Tarnkleidung und Schminke natürlich auch Büsche und hohes Gras, welches euch im Liegen oder Hocken zu beinahe 100% Tarnung verhilft. Im Häuserkampf werdet ihr solcherart Gestrüpp natürlich weniger finden, weswegen auch das altbekannte und bewährte „Um-die-Ecke-lehnen“ wieder mit von der Partie ist, um nicht in eine gegnerische Falle zu laufen. Dieses wird ganz einfach mit den beiden horizontalen Digitaltasten ermöglicht. Sollte die ganze Tarnung einmal auffliegen, ist selbstverständlich gekonnter Waffeneinsatz vonnöten: L1 und L2 dienen dabei als schneller Umschalter zwischen Primär- und Sekundärwaffe, mit R2 wird das komplette Waffenmenü geladen, wo dann auch u.a. Granaten anwählbar sind.
Auch mit der Umgebung könnt ihr interagieren: So bieten Leitern, niedrige Hecken und Zäune Möglichkeiten zum Hinauf- bzw. Hinabklettern, Schalter können umgelegt werden und selbst Waffen von gefallenen Gegnern können aufgesammelt und gegen eure eigene ausgetauscht werden. Dies bietet sich z.B. an, wenn ihr eine Waffe für größere Entfernungen benötigt, selbst aber nur eine MP5 im Gepäck habt. Ebenso können Leichen aufgehoben und im Schatten abgelegt werden, um nicht die Aufmerksamkeit von patrouillierenden Wachen zu erregen. Solid Snake lässt grüßen. Ganz essenziell für einen guten Taktikshooter ist freilich ein gutes…
Team ManagementDas Team-Befehls-Menü ist jederzeit mit der Kreis-Taste abrufbar und stufenweise aufgebaut. Das heißt, dass ihr zuerst festlegt,
wem der Befehl gilt (Ganzes Team, Alpha, Bravo) und erst danach
was zu tun ist. Alternativ steht es euch auch frei, die Befehle per Headset einzugeben, was erstaunlich gut funktioniert. Das Programm bietet hier
vielfältige Möglichkeiten zum taktischen und lautlosen Vorgehen: So ist es unter anderem möglich, die eigenen Truppen auf drei verschiedene Arten zu einem Waypoint zu schicken (Gehen, Laufen, Robben), man kann sie Räume öffnen und räumen, Geiseln befreien und Gegner fesseln lassen. Solltet ihr eure Männer zusammenrufen wollen, da sie in alle Windesrichtungen verstreut postiert sind, genügt der Befehl „Sammeln“ und schon stehen sie befehlsbereit vor dem Leader. Eines sei gleich gesagt: Die KI der Mitstreiter (und auch die der Feinde) befindet sich auf einem hohen Niveau: Wegfindung, Deckung und Feuer funktionieren problemlos bzw. werden tadellos umgesetzt. Auch die Gegner wissen sich gegen die Seals zu helfen und verschanzen sich des Öfteren geschickt, um euren wachsamen Augen zu entgehen. Um Waypoints zu kontrollieren und ein koordiniertes Vorgehen zu ermöglichen steht euch zusätzlich zur schon vorhandenen Mini-Map im normalen Spielbildschirm noch die so genannte Tactical Map, kurz
TacMap zur Verfügung. Diese zeigt jedes Auftragsgebiet als zoombares Satellitenbild (inkl. allen Waypoints, der Extraction Zone und allen geographisch lokalisierbaren Einsatzzielen) und bietet einen Überblick über alle Primär- und Sekundärziele. Bereits erledigte Missionsziele werden hier mit einem grünen Häkchen gekennzeichnet.
What to do?Was überhaupt zu tun ist unterscheidet sich je nach Mission, weswegen das
Briefing eine entscheidende Rolle spielt. Hier wird euch der nächste Einsatzort erklärt, ebenso wie die von euch zu verfolgenden Ziele. Meistens geht es jedoch nur darum bestimmte Personen zu eliminieren oder Informationen zu beschaffen. Um überhaupt im Spiel voranzukommen müssen Primärziele
immer erfüllt werden. Sekundärziele (z.B. die gesuchte Person für ein Verhör gefangen zu nehmen anstatt zu eliminieren) haben jedoch den Vorteil, dass durch deren Erfüllung zukünftige Einsatzziele durch mehr gewonnene Informationen häufig einfacher zu lösen sind. Darüber hinaus existieren auch noch Bonusziele, welche nicht im Briefing erwähnt werden, sondern von euch direkt im Spiel entdeckt werden wollen. Allen Nicht-Primärzielen ist gemeinsam, dass sie nicht nur euer Ranking in der Nachbesprechung verbessern sondern euch eventuell auch Zugang zu Bonuswaffen und anderen freischaltbaren Gimmicks ermöglichen, die ihr dann in zukünftigen Single- und Multiplayermissionen einsetzen dürft.
Befriedung auf 4 KontinentenAuch dem weltweiten Einsatzgebiet der Seals wird das Programm gerecht: In insgesamt
12 Missionen, aufgeteilt in jeweils 3 Levels pro Einsatzort, dürft ihr euch austoben: Albanien, Brasilien, Algerien und Russland werdet ihr im Lauf eurer Militärkarriere aufsuchen um für Recht und Ordnung zu sorgen. Eure Kontrahenten sind meistens Schmuggler, putschende Paramilitärs und abgedrehte Söldner. Richtig politisch (wie z.B. im Genrekollegen
Conflict Desert Storm) wird es eigentlich nie. Die Einsatzorte sind allesamt grafisch sehr detailverliebt in Szene gesetzt, wobei man jedoch vor allem gegen Ende des Spiels das Gefühl nicht mehr los wird, dass die Entwickler ein wenig unter Zeitdruck gestanden haben. Brasilien als Positivbeispiel zwängt den Spieler in ein beklemmendes Szenario in den Slums von Rio, wo hinter jeder Häuserwand und auf jedem Dach ein Heckenschütze lauern kann. Auch optisch macht das zweite Kapitel einiges her. Mit dieser Pracht kann insb. Russland aber einfach nicht mehr mithalten, hier wird dem Spieler ein bisschen zuviel „Instant-Umgebung“ vorgesetzt. Nichtsdestotrotz bleibt das Spiel bis zum Schluss spannend, womit die grafischen und spielerischen Defizite gegen Ende auch wieder relativiert werden. Ab und zu wird das Spiel auch von
kurzen Filmchen unterbrochen, die zwei feindliche Soldaten im Gespräch zeigen. Diese sind teilweise recht witzig und machen auf die kleinen Probleme und Wehwehchen der Pistoleros aufmerksam. Eventuell lässt sich durch aufmerksames Verfolgen der Gespräche auch die eine oder andere spielrelevante Information heraushören. Doch Vorsicht ist geboten! In den Genuss dieser kleinen Filmmitschnitte kommt man nur, wenn man besonnen und leise vorgeht: Wenn man wild trampelnd auf den Treffpunkt der Gesprächsführer zustürmt, wird man außer pfeifenden Geschoßen nichts vernehmen können. Einziger Wermutstropfen innerhalb der Missionen ist lediglich das
Fehlen von Checkpoints. Mag heißen, dass ihr die ganze Aktion abpfeifen müsst, sobald diverse Umstände eintreten (z.B. der Tod eines Zivilisten, der Tod aller Teammitglieder inkl. euch, das Verabsäumen einer Zielerfüllung usw.). Dies ist unter anderem deswegen ärgerlich, da die meisten Missionen meistens nicht unter 20-25 Minuten durchzuspielen sind.
MultiplayerSOCOM II wartet natürlich mit einem
umfangreichen Multiplayerangebot auf. Neben der Vernetzung von mehreren PS2s ist, wie auch schon im Vorgänger, der Online-Modus eine Selbstverständlichkeit. Unter insgesamt 22 Multiplayermaps (10 aus dem Vorgänger und 12 neue, wobei erstere ein wenig modifiziert wurden) darf man wählen, ebenso wie unter verschiedenen Charaktermodellen und Waffenkombinationen. Zu beachten ist lediglich, dass einige Modelle und Waffen erst nach dem Durchspielen der Solo-Kampagne freigeschalten und für den Multiplayermodus zugänglich werden. Auch an Spielmodi mangelt es nicht: Neben den bekannten Modi aus SOCOM sind auch 2 neue hinzugekommen:
Escort und
Breach. Während es in Escort gilt, eine Person sicher von einem Ort zum anderen zu eskortieren, spielt in Breach eine Bombe die Hauptrolle: Entweder muss das jeweilig andere Hauptquartier gesprengt werden oder eine Partei verteidigt und die andere greift an und sprengt. Breach bietet beide Möglichkeiten.
Die deutsche VersionDas Spiel erscheint komplett lokalisiert und ungeschnitten. Die Synchronisation ist gut gelungen und darf auf Wunsch auch auf Englisch umgestellt werden (womit allerdings auch die Headset-Befehle auf Englisch eingegeben werden müssen).
GrafikSehr gut bis befriedigend. Viele Örtlichkeiten (Albanien und Brasilien) machen Lust auf mehr, während andere damit definitiv nicht konkurrieren können. Hübsche Texturwahl und Modelle runden den sehr positiven Gesamteindruck ab. Negativ aufgefallen ist lediglich die manchmal nicht ganz so stabile Framerate und die PS2-typische Treppchenbildung (Kantenflimmern) aufgrund von fehlendem Anti-Aliasing.
SoundGrößtenteils herrschen Pathos-geladene Hymnen vor, die die Stimmung aber dennoch gut transportieren. Ebenso ist die Musikuntermalung situationsabhängig: Wird man von einem Feind entdeckt, wird die Musik sofort schneller und Action-geladener. Gut untermalt wird auch das Snipen mit laut hörbarem (und bei eingeschaltener Vibration deutlich spürbarem) Herzpumpen. Ganz exzellent gelungen sind meiner Meinung nach die Schusswaffengeräusche, bei voll aufgedrehter Anlage ist man schnell mittendrin statt nur dabei.
Spielspaß SoloSOCOM II bietet Unterhaltung für etwa 10-15 Stunden, aber um offen zu sein: Deren Anzahl würde beträchtlich sinken, wenn man daran gedacht hätte, Check- bzw. Savepoints in das Spiel zu integrieren. Nichtsdestotrotz bietet das Spiel alles, was der FPS-Taktiker von heute so braucht: Durchdachtes Team-Management, clevere KI, gute Präsentation und Grafik, spannende Einsätze und Kämpfe. Es sei aber erwähnt, dass Serious Sam Spieler mit SOCOM II keine Freude haben werden. Das Spiel zielt viel mehr in die momentan recht populäre „Splinter Cell“ und „MGS“ Schneise, soviel „Hide&Seek“ gab es meiner Meinung nach in noch keinem einzigen Taktik-FPS der letzten Jahre, nicht einmal im doch recht nüchternen Taktiker „Ghost Recon“.
Spielspaß MultiAuch wenn der Online-Modus für viele den Kaufgrund Nummer 1 für SOCOM II darstellt… meiner ist es nicht. Keine Frage, mit bis zu 16 Spielern auf Sony’s Servern geht schon einigermaßen die Post ab. Doch kommt es bei diesem Spiel mehr denn je darauf an, die Maps in- und auswendig zu kennen. Ohne ausreichende Mapkenntnisse ist es beinahe unmöglich, auch nur ein einigermaßen akzeptables Ergebnis zu erzielen, was es besonders Einsteigern schwer macht. Dennoch ist das Spiel auch online beinahe konkurrenzlos (wenn man nicht an andere Plattformen denkt) und somit ohnehin erste Wahl für alle Freunde gepflegter Multiplayerrunden mit PS2 inkl. eingebautem Breitbandadapter.