Guerillas FPS-Erstling überzeugt in vielen, aber leider nicht allen Bereichen. Zurück bleibt ein guter Shooter mit diversen Macken.Das nennt man einen erfolgreichen Marketing-Launch: Kaum waren die ersten Screenshots von
Killzone im Netz zugänglich, wurde in PS2-Kreisen schon vom ultimativen Shootererlebnis geträumt. Zugegeben: Das veröffentlichte Material wirkte stimmungsvoll, düster, bedrohlich - vom tatsächlichen Gameplay in der Einzelspielerkampagne wusste man bis heute allerdings wenig. Wie sich Sonys FPS-Neuling nun im Praxistest schlägt, soll das folgende Master-Review zeigen.
Die Menschheit……ist wieder mal in Gefahr. Die Rasse der
Helghast greift den menschlichen Außenposten auf dem Planeten Vekta an und lässt keinen Stein auf dem anderen. Grund genug für die
» Die Helghast als Invasoren. |
ISA Eingreiftruppe, den Schergen des Bösen in bester Ego-Shooter Manier Saures zu geben und sie dorthin zu jagen, wo der Pfeffer wächst - in Wort und Bild: auf ihren toxischen Heimatstern
Helghan. In
Killzone stellen nämlich nicht Aliens im ursprünglichen Sinne des Wortes (stereotypisch inklusive Tentakel, Klauen und massig Schleim) die Bedrohung für die Menschheit dar, sondern vielmehr die Heerscharen an, ehemals menschlichen, mutierten Helghast-Klonen. An der Hauptfigur Captain Templar und seinen Mitstreitern liegt es nun, eben diese Armada zu stoppen.
Würde man die Jungs von Guerilla nach ihrer größten Inspirationsquelle für das Spiel fragen, wird höchstwahrscheinlich der Name
Jin-Roh fallen - ein famoser japanischer Anime, der bezeichnend für das Design des Spieles ist. Sowohl die martialischen Uniformen der Helghast als auch die Waffenmodelle sowie die Rahmenhandlung könnten 1:1 aus dem Film stammen. Die konsequente Schlussfolgerung lautet: Mit Killzone erwartet den Spieler ein von vorne bis hinten
durchgestyltes Produkt, welches sich im Gegensatz zu seinen Genrekollegen allerdings eher im düsteren, post-nuklearen Look präsentiert. Im Laufe des Spiels erforscht ihr unter anderem zerstörte Stadtruinen, Schlachtfelder und weitläufiges Sumpfland - immer im Zusammenspiel mit dem Nebel des Krieges, einer authentischen Soundkulisse und realistischen Texturen; sozusagen ein
Medal of Honor der Zukunft. Nicht unerwähnt bleiben dürfen jedoch auch hier die teils nervigen
Pop-Ups, die sich insbesondere in der Nahansicht bei Personen bemerkbar machen: So
ploppten im In-Game Gespräch mit einem Kameraden plötzlich sämtliche Textur- und Modell-Details im zuvor blassrosa Gesichts-Mischmasch auf - und das nicht nur einmal.
50 ways to leave your loverIn insgesamt
elf Missionen, unterteilt in drei bis vier voneinander getrennten Subquests, tretet ihr im Team den Helghast auf die Zehen. Habt ihr zu Beginn noch keinerlei Wahlmöglichkeit
» Das Design des Spiels ist schlicht und einfach großartig. |
bezüglich des gespielten Charakters, so kommen von Zeit zu Zeit insgesamt
drei Figuren hinzu, die ihre jeweiligen Spezialtalente sinnvoll einsetzen wollen. Mit
Templar steuert ihr ein Allround-Genie: Hart im Nehmen, feuerstark und ohne spezielle Kenntnisse.
Luger hingegen versteht sich eher auf hinterlistige Manöver und vertraut auf ihre Wärmebildkamera. Der Mann fürs Grobe ist
Rico: Ausgestattet mit einer Minigun mäht er komplette Feindreihen auf einmal um. Zu guter Letzt bleibt noch
Hakha: Als Technik-Freak kann er komplette Sicherheitssysteme der Helghast umgehen und seinen Kollegen einen nicht zu verachtenden Vorteil verschaffen. Allen gemeinsam ist die Tatsache, dass sich
Missionen durch die Charakterwahl minimal unterscheiden; wählt ihr zum Beispiel Luger, so wird sie des Öfteren einen anderen Weg einschlagen, um dem Gegner in den Rücken zu fallen - ganz anders als zum Beispiel Rico, der nicht einmal richtig laufen kann. Was zuerst wie ein motivationsförderndes Feature klingt, erweist sich im Spielalltag aber dann doch nur als
nett. So bleiben tatsächliche Parallelhandlungen komplett außen vor, die Missionen unterscheiden sich nur im Detail.
Nun steht ihr also an vorderster Front, eine der drei tragbaren Waffen im Anschlag. Die Steuerung erweist sich dabei als recht eingängig: Mit Ausnahme der hohen Sensibilität, was sich besonders beim Snipen bemerkbar macht und einige Fehlschüsse garantiert, wird der Spieler vor keine großen Knobelaufgaben gestellt; Primär- und Sekundärfeuer, Waffenwechsel sowie Nachladen geht schnell in Fleisch und Blut über. Ganz besonders heben sich die
hervorragenden Waffen- und Charaktermodelle und deren blitzsaubere Animationen vom Rest der Umgebung hervor. Eure Gegner ducken sich bei Granateneinschlägen, verlangen lautstark nach Unterstützung in Form neuer Truppen und versuchen auch schon einmal euch einzukreisen und den Fluchtweg abzuschneiden. Generell kann man der spendierten KI nur großes Lob aussprechen. Von einigen Ausnahmen abgesehen (wenn etwa feindliche Einheiten von eurem plötzlichen Auftreten überrascht sind) habt ihr ganz schön am intelligenten Vorgehen der Helghast zu knabbern.
Widersacher und andere SchönheitsfehlerDoch leider machen euch nicht nur die Gegner das Spielerleben schwer: So gestaltet sich das Spiel wie aus einem Guss - mit dem Manko der fehlenden Abwechslung. Unterschiedliche Schauplätze
» Im Scharfschützenmodus. |
und Waffen können nicht darüber hinweg täuschen, dass ihr es
bis zum bitteren Ende mit ein- und demselben Gegnertyp aufnehmen müsst; gegnerische Fahrzeuge mal außen vor gelassen. Auch das auf den ersten Blick durch seine Vielfalt bestechende Leveldesign beschränkt sich im Endeffekt auf das typische
Laufe von A nach B. Erschwerend kommt hinzu, dass es den Levels zwar nicht an Abwechslung im optischen, aber sehr wohl im inhaltlichen beziehungsweise Gameplay-Design mangelt: Feuern, laufen, Deckung suchen - und dies elf Missionen lang, ohne jemals wirklich andere Kost oder außergewöhnliche Missionsziele zu bieten.
Schwarzmalerei ist dennoch fehl am Platz. Unterm Strich bietet
Killzone 10-15 Stunden spannende aber eben ein wenig einfärbige Unterhaltung im Einzelspielermodus. Besitzer des Netzwerkadapters haben es ohnehin noch besser: Mit bis zu
15 Mitspielern könnt ihr euch online in fünf verschiedenen Spielmodi austoben. Die Spiele bleiben dabei jederzeit angenehm flüssig und kommen ohne störende Lags aus - ganz abgesehen davon, dass die Spielbarkeit hervorragend und der Spaßfaktor extrem hoch ist und die Kampagne in allen Belangen toppt. Weiterer Positivpunkt: Auf den
Killzone Servern tummelten sich bereits vor dem offiziellen Release so viele Spielwütige, dass einem erfolgreichen und lang andauernden Online-Dasein nichts im Weg steht. Allerhöchstens der Release des Kassenschlagernachfolgers SOCOM 3 - doch der lässt ja bekanntlich noch auf sich warten.
GrafikEinmal mehr ist die Optik eine zwiespältige Angelegenheit.
Killzone trumpft mit tollen Texturen, genialen Waffen- und Charaktermodellen sowie dem typischen, bereits früh im Entwicklungsstadium erkennbaren
Dirty Look. Leider lässt sich das Spiel jedoch im Bereich Pop-Ups und Framerate ein wenig in die Karten schauen: Während die Bildwiederholrate üblicherweise stabil bleibt und nur in seltenen Fällen die Füße von sich streckt, nerven die Pop-Ups extrem. Es vergehen keine zwei Spielminuten ohne plötzliches Einblenden von Details, was vor allem in der Nähe äußerst unschön aussieht. Das Design ist jedoch großartig und von den wenigen technischen Unzulänglichkeiten abgesehen stellt
Killzone sicher einen der schöneren Vertreter der Shooter-Gattung auf Sonys PS2 dar.
SoundAuch im akustischen Bereich ist nicht alles Eitel, Wonne, Sonnenschein. Während der grandiose Score, die brachialen Soundeffekte und die überdurchschnittlich gute deutsche Synchronisation für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgen, leisten sich insbesondere die Ingame-Kommentare eurer Gegner den einen oder anderen Patzer. Gekonnt eingesetzt und gut platziert würden diese für eine astronomisch hohe Sound-Wertung gerade stehen. Allerdings werden bestimmte Soundsamples in typisch mechanischer Helghast-Stimme (
Ich steeeeehe unter schweeeeerem Beschuss!) derart inflationär verwendet, dass man wünschte, sie ausschalten zu können.
Spielspaß SoloDie Kampagne ist leider nicht das geworden, was es den Erwartungen entsprechend hätte sein sollen. Klarer Fall: Atomsphärisch punktet das Spiel in allen Belangen, ebenso wie das zugrunde liegende Design des Spiels. Dennoch wünschte man sich ab und zu ein wenig mehr Abwechslung. Schöne Umgebungen und tolles Leveldesign hin oder her: Irgendwann wird das ewig gleiche Rumgelaufe und das ewig gleiche Abknallen von Helghast-Soldaten langweilig. Hätte man dem Spiel ein paar Gegnertypen mehr spendiert und eventuell auch noch das eine oder andere Missionsziel ein wenig abwechslungsreicher gestaltet, wäre wahrscheinlich ein besseres Spiel ins Presswerk gegangen.
Spielspaß MultiAuch
Killzone lebt selbstverständlich nach dem Beenden der Kampagne im Multiplayer weiter. Selbst wenn in Online-Belangen nicht ganz die Klasse eines SOCOM erreicht wird, macht es trotzdem Spaß, gegen menschliche Gegner ins Feld zu ziehen. Die Maps sind angenehm proportioniert und die Spielmodi wurden zwar nicht neu erfunden, bieten aber dennoch genügend Sprengstoff für zahllose Multiplyersessions. Wer gerne online spielt und von SOCOM erstmal genug hat, kann getrost mit
Killzone liebäugeln.