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Master-Review:   » drucken    » versenden

R-Type Final

» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 08.05.2004
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Sehr gelungener Abschluss der Sidescroller-Kultserie.

Ausgestattet mit einem Raumschiff, einem Joystick mit Feuerknopf, einer beachtlichen Menge todbringender Waffen und einer 2D-Scrollansicht geht es gegen eine schier unendlich wirkende Anzahl an Gegnern. Am Ende jeden Levels wartet ein besonders großer und starker Obermotz auf den Spieler. So sahen damals die meisten Ballerspiele aus. Seit der Einführung der 3D-Grafik hat sich das natürlich massiv geändert und das früher ach so beliebte Genre der Sidescroller hat mehr und mehr an Bedeutung verloren. Doch komplexere Grafiken, Bedienungen und mehr Möglichkeiten innerhalb der Spielwelt bedeuten nicht gleich mehr Spielspaß. So besinnen sich einige Entwickler immer hin und wieder auf das unverwüstliche Spielprinzip der guten alten Sidescrollers zurück und bringen einen Titel des Genres raus.
Jetzt ist es wieder soweit und Playstation 2-Besitzer dürfen sich über einen neuen Teil der bedeutendsten Sidescroller-Serie freuen: R-Type: Final.
Wie der Beiname schon verrät, handelt es sich dabei um den letzten Teil der seit 1987 fest im Genre etablierten Serie. Nach R-Type: Final soll laut Entwickler Irem kein weiterer Titel mehr erscheinen.
Ob den Entwicklern der Abschluss der Kultserie gelungen ist und sich der R-Type mit einem riesigen Knall oder leise und traurig von uns verabschiedet, deckt das folgende Review auf.

Rechts, links, oben, unten, Feuer
Zum Spielprinzip und zur Story gibt es genretypisch nicht all zu viel zu sagen. Die außerirdische Rasse der Bydo befindet sich im Krieg mit den Menschen. Dank ihrer überlegenen DNA und hochentwickelten biologischen und technischen Waffen ist sie den Menschen haushoch überlegen. Einziger Hoffnungsschimmer sind die sogenannten R-Type-Kampfschiffe. Dabei handelt es sich um hypermoderne Allzweckjäger, die es als einzige mit den bydonischen Streitkräften aufnehmen können. Der Spieler steuert solch einen Jäger um wieder einmal die Menschheit vor ihrer Vernichtung zu bewahren. Das Geschehen wird dabei von der Seite betrachtet und es gilt, die Feinde mittels Waffengewalt auszuschalten und darauf zu achten, nicht selbst getroffen zu werden. Dazu dient der linke Analogstick oder, je nach persönlicher Vorliebe, das Steuerkreuz sowie ein Feuerknopf. Kleinere Steuerungsfinessen verfeinern den Spielablauf. So kann mittels der L1+L2-Buttons der Schub erhöht beziehungsweise verringert werden um den Gleiter sicher durch Engstellen zu bugsieren oder schnell feindlichem Feuer auszuweichen. Wird der Feuerknopf gedrückt gehalten, lädt sich die Superkanone des Jägers auf, um anschließend einen besonders mächtigen Schuss auf die Gegner zu feuern. Je länger der Aufladeprozess dauert, desto verheerender der Angriff. Wahlweise kann aber auch der R1-Schulterknopf für Dauerfeuer gedrückt gehalten werden, ohne dass sich dabei die Waffe auflädt, um unnötiges Dauergedrücke zu vermeiden.

Power Up!
Obwohl das zu Grunde liegende Spielprinzip sehr einfach gestrickt ist, gibt es natürlich viele Faktoren und Features, die dem Shooter einen gewissen Tiefgang verpassen. So ist es möglich, seinen Raumgleiter durch das Aufsammeln von Powerups vielfältig aufzurüsten. Das wichtigste Teil hierbei ist ein Powerup, welches einfach als Kraft bezeichnet wird. Dieses fliegende Zusatzteil kann an der Hinter- oder Vorderseite am Schiff angedockt werden und ermöglicht es ein weiteres Powerup, die Laserkristalle, zu nutzen. Insgesamt gibt es drei verschiedene Arten von Laserkristallen - Rote, Blaue und Gelbe - welche jeweils individuelle Schüsse formen. Diese können allerdings nicht aufgerüstet werden. Sammelt man einen Laserkristall ein, ersetzt dieser automatisch den vorher aktiven. Allerdings ist das Leveldesgin stets so gestaltet, dass regelmäßig alle Kristalle erscheinen, so dass man sich stets aussuchen kann, mit welcher Waffe man den nächsten Levelabschnitt bestreiten will.
Die roten Kristalle sorgen für einen gebündelten Laserstrahl, während der Blaue einen Streuschuss ermöglicht. Gelbe Kristalle haben eine kurze Reichweite, erreichen allerdings auch Ziele über und unter dem eigenen Gleiter. Zudem beschädigt die gekoppelte Kraft Feinde, die mit ihr in Berührung kommen, absorbiert Feindfeuer und es ist möglich, diese wieder abzudocken. Bei einem Druck auf den X-Button wird die Kugel weggeschossen und beschädigt Gegner, auf die sie trifft. Mit einem weiteren Knopfdruck wird die Kugel wieder zum Schiff zurückgerufen. Während die Kraft abgekoppelt ist, können allerdings keine Laserkristalle benutzt werden und die Schusskraft des Schiffes beschränkt sich auf den recht schwachen Standartlaser. So ist es aber auch möglich, die Position der Kraft zu wechseln um diese beispielsweise hinten statt vorne anzubringen, was neben einer guten Deckung am Heck des Schiffes zudem dazu führt, dass die eingesammelten Laserkristalle nicht mehr nach vorne, sondern nach hinten schießen. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn feindliche Einheiten von hinten angreifen oder man einen Endgegner umfliegt um ihn von der anderen Seite zu attackieren. Außerdem bündelt die Kraft durch das Berühren von Gegnern und Absorbieren von Feindfeuer Energie. Wird ein bestimmtes Limit erreicht, ist es möglich, mittels Triangle-Button eine bildschirmfüllende, mehrere Sekunden anhaltende, Megaattacke auszulösen, die fast jeden Gegner mit einem Schlag vernichtet.
Neben der Kraft und den Laserkristallen gibt es noch zwei weitere Updates: Bits und Raketen/Bomben. Bits sind kleine Zusatzmodule, welche oben und unten am Raumschiff angebracht werden können. Diese absorbieren, ähnlich wie die Kraft, gegnerisches Feuer und beschädigen Feinde durch Berührung. Außerdem haben sie, je nach Typ, unterschiedliche Spezialeigenschaften. So hinterlassen die einen eine kleine Laserspur, welche Gegner schädigt, während andere schießen können. Als Sekundärwaffen bietet das Spiel verschiedene Formen von Bomben und Raketen. So gibt es unter anderem einfache Zielsuchraketen, die den Feind verfolgen oder Streubomben, welche besonders gegen Bodenziele sehr effektiv sind.

Die Qual der Wahl
Der besondere Clou des Spiels, welcher es deutlich von den Vorgängern und der Konkurrenz unterscheidet, ist die Möglichkeit, sich vor Missionsbeginn einen von 100 Jägern aussuchen zu dürfen, wovon ein Großteil allerdings erst freigespielt werden muss.
Jedes der 100 Schiffe hat eine andere Ausstattung, ein eigenes Design und unterscheidet sich in der Zusammensetzung seiner Teile und Krafteigenschaften, sowie Superschüssen von den anderen. So bekommt der Jäger Tears Shower beim Einsammeln eines roten Kristalls einen Doppellaser, während der Albatross-Gleiter einen starken Permanentlaserstrahl erhält. Der Shooting Star hingegen kann vor allem durch seine gigantische Superstrahlenkanone überzeugen. Im Hanger darf jeder Schifftyp zudem noch individuell angepasst werden. So kann dem Jäger neben der Bitform und Sekundärwaffe auch ein individueller Anstrich verpasst werden. Jeder Spieler wird also ziemlich schnell seinen eigenen Favoriten mit individueller Konfiguration finden, mit dem er gegen die bösen Bydos in den Kampf zieht. Ob man nun den streubombenwerfenden Allround-Gleiter mit Photonenkanone und Standartlasern oder doch lieber einen auf Luftkampf spezialisierten Killer-Jäger nimmt, ist jedem Spieler selbst überlassen.

Hardcore
Die R-Type-Serie war schon immer für ihren extrem hohen Schwierigkeitsgrad bekannt und berüchtigt. Auch R-Type-Final geizt nicht mit riesigen Massen von Gegnern, bildschirmfüllenden, knüppelharten Endgegnern und frustigen Ausweichstellen. Allerdings darf man dieses Mal aus fünf Schwierigkeitsgraden wählen, was die Situation teilweise extrem entschärft. Wer sich den Spott der Entwickler gefallen lässt und erst einmal auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad namens Baby anfängt, dürfte keine größeren Probleme haben und auch Anfänger werden hier vor keine unlösbaren Aufgaben gestellt. So schießen die Gegner nur sehr wenige und langsame Schüsse und nach dem Ableben respawnt man stets mit bereits gesammelter Bewaffnung. Auch sorgt hier eine immense Zahl an Credits dafür, dass auch nach dem zigsten verschrotteten High-Tech-Jäger kein Game Over-Bildschirm erscheint.
Auch der zweite Skilllevel namens Kids befindet sich im Erträglichen und ist für fortgeschrittene Spieler die erste Wahl, auch wenn es in den letzten beiden Levels hier bereits zu Problemen kommen kann. Auf diesem Schwierigkeitsgrad behält man ebenfalls nach dem Respawnen alle gesammelte Ausrüstung. Spieler, die mit dem Genre vertraut sind oder gerne vor schwere, oder gar fast unmögliche Aufgaben gestellt werden, wählen einen der drei weiteren Schwierigkeitsgrade: Human (mittel), Bydo (schwer) oder, für die absoluten Cracks unter den Sidescrollgamern, R-Type (Experte).
Positiv zu erwähnen sind noch die sehr fair gesetzten Wiederbelebungspunkte, an denen man nach dem Ableben wieder ins Spiel einsteigt. So muss man die insgesamt sieben Levels nie von ganz vorne beginnen - es sei denn es gehen einem alle Leben und Credits aus. Gespeichert werden darf nämlich nicht. Ja, richtig gelesen, es ist nicht möglich, zwischen den absolvierten Missionen, oder gar während der Aufträge zu speichern. Lediglich der Spielfortschritt und freigespielte Features werden auf der Memory-Card vermerkt. Heißt im Klartext: Wer Game Over geht, muss alles noch mal von vorne spielen. Das Game muss also, wie alle Spiele der "alten Schule", in einem Stück durchgespielt werden. Angesichts der gerade einmal sieben Levels, die alle nicht sonderlich lang sind, ist dies aber nicht all zu viel verlangt. Ein geübter Spieler, der für jeden Level und alle Endgegner die richtige Taktik hat und nicht viel rumprobieren muss, braucht nicht einmal zwei Stunden für das Spiel. Bleibt noch zu erwähnen, dass es von jedem Level ein paar leicht unterschiedliche Formen gibt, je nachdem mit welchem Jäger man das Spiel bestreitet. Allerdings halten sich die Änderrungen der einzelnen Versionen in Grenzen und fallen manchmal kaum auf.
Neben dem Hauptspiel gibt es noch einen Highscore-Modus, in dem bereits besuchte Levels nochmals gespielt werden können um neue Rekorde aufzustellen, oder einfach für den nächsten Durchgang zu üben. Zudem gibt es einen Versus-Mode, in dem man gegen die CPU oder einen menschlichen Kontrahenten antreten kann. Ein Tutorial erklärt Anfängern in kurzen Videos die Grundlagen des Spiels.


Grafik
Beim Design des gesamten Spiels hat man sich sichtlich Mühe gegeben. Die 100 Gleiter unterscheiden sich vom Aussehen alle voneinander und sehen teilweise wirklich extrem cool aus. Beim Level- und Gegnerdesign wechselt sich organisches mit metallenem Design ab und bringt teilweise wirklich sehr seltsame Kreaturen ans Tageslicht. Die technische Umsetzung der Grafik ist schick, aber nicht herausragend. Die Hintergründe sind komplett in 3D und bringen manchmal richtig tolle Kamerafahrten zu Tage. Vor allem die Waffeneffekte mit ihren vielen bunten Farben und Formen sind sehr gelungen und überzeugen auf ganzer Linie. Bei einigen Explosionen hätten sich die Programmierer allerdings etwas mehr ins Zeug legen können. Wirklich sehr negativ ins Gewicht fallen die teilweise ganz extremen Slowdowns, die sich leider durch das gesamte Spiel ziehen. Hin und wieder bricht die Framerate derart tief in den Keller, dass das Spiel in halber Geschwindigkeit über den Fernseher läuft. Hier hätte man mit etwas mehr Feintuning am Quellcode sicher für Abhilfe schaffen können.

Sound
Soundtechnisch wird leider nur gehobener Standart geboten. Der Soundtrack ist solide, sorgt aber nie für Begeisterung. Auch die Effekte passen zwar alle zum Spiel, hätten aber wesentlich wuchtiger und besser ausfallen können. Sprachausgabe gibt es keine. Spezielle Soundformate wie Dolby Prologic II werden ebenfalls nicht unterstützt.

Spielspaß Solo
Angesichts des Alters des Genre Sidescroller stellt man sich doch die Frage, ob es im Jahre 2004 immer noch interessant ist? Diese Frage kann eindeutig mit einem dicken fetten JA beantwortet werden. Das unverwüstliche Spielprinzip macht auch in der zigsten Variation immer noch jede Menge Spaß und lockt immer wieder vor den Bildschirm. Zwar ist die Gesamtspielzeit recht kurz, allerdings dauert es doch seine Zeit bis man alle Levels richtig gut kennt und sich entsprechende Vorgehensweisen zurechtgelegt hat. Die zwei Stunden Spielzeit beziehen sich wirklich nur auf geübte Spieler, die alle Levels des Spiels bereits oft durchgespielt haben. Die fünf Schwierigkeitsgrade sorgen ebenfalls für weiteren Langzeitspaß.
Leider ist das Leveldesign hin und wieder zu sehr auf auswendig lernen ausgelegt. So hat man an manchen wenigen Stellen keine Überlebenschance, wenn man nicht weiß was als Nächstes von wo auf einen zukommt. Doch spätestens im zweiten Anlauf ist man besser vorbereitet und weiß was zu tun ist. Wirklich genial ist die große Schiffsauswahl, die nicht nur den Sammeltrieb im Spieler weckt, sondern auch dafür sorgt, dass man das Spiel mehrmals durchspielt, nur um alle Jäger freizuschalten. Auch das individuelle Tunen der unterschiedlichen Jäger macht eine Menge Spaß.

Spielspaß Multi
Zwar ist es möglich, das Spiel im Versus-Modus gegeneinander zu spielen, allerdings ist dies eher als Gimmick denn als wirklicher Spielmodus zu sehen. Hier treten zwei Spieler mit ihren Schiffen gegeneinander an und versuchen sich gegenseitig zu Sternenstaub zu verarbeiten. Allerdings steuert man dabei das Schiff nicht selbst, sondern gibt einer KI Befehle, die diese dann gegen den feindlichen Jäger umzusetzen versucht. Das Spiel macht für eine Runde zwischendurch mal Spaß, ist aber nichts, mit dem man sich normalerweise lange beschäftigt. Im Kern ist und bleibt R-Type: Final ein reiner Solotitel.
Pro
nach wie vor geniales Spielprinzip
100 verschiedene Raumschiffe
zig verschiedene Waffen und Konfigurationsmöglichkeiten
fünf Schwierigkeitsgrade
schickes Raumschiff-, Gegner- und Leveldesign
Contra
teils sehr derbe Slowdowns
kein Speichern zwischen den Levels möglich
nur sieben Level
einige unfaire Stellen, die nur durch Auswendiglernen zu meistern sind
etwas magerer Soundtrack
Fazit
Sieben Levels, 100 tunebare Schiffe, zig verschiedene Waffen, Superschüsse, Megaattacken, riesige Endgegner und erbarmungslose Highscorejagden mit den besten Freunden. So muss ein Sidescroller aussehen! Hinzu kommt der anpassbare Schwierigkeitsgrad, der jeden Spieler gut bedienen wird. Während Anfänger erst einmal den Baby-Modus in Angriff nehmen, wagen sich wahre Old-School-Veteranen direkt an die höheren Einstellungen. Jeder der ein bisschen was mit Arcade-Shootern anfangen kann, sollte sich R-Type: Final einmal näher ansehen. Fans des Genres und der alten Teile kommen um den Titel ohnehin nicht herum. Ärgerlich sind allerdings die teilweise extremen Slowdowns und das nicht vorhandene Speicherfeature. Einige Spieler werden es begrüßen, dass sie nicht speichern dürfen, da dies nun mal zu einem echten Old-School-Titel dazu gehört. Ich persönlich bin allerdings der Meinung, dass man zumindest zwischen den Levels die Möglichkeit zum Spielstandsichern haben sollte, um nicht immer wieder die bereits absolvierten Levels spielen zu müssen.
Viele Spieler werden das erneute Spielen bereits bekannter Level allerdings gleich ausnutzen um ein paar der vielen versteckten Jäger frei zu spielen oder einen neuen Highscore aufzustellen.
Auch der Sound hätte etwas mehr Wucht vertragen können um das Videospielerlebnis zu perfektionieren. Ebenfalls sehr schade für Fans: Nach R-Type: Final soll endgültig Schluss mit der Serie sein. Wollen wir hoffen, dass sich Entwickler Irem doch eines Besseren besinnt und irgendwann einmal einen weiteren Teil der Saga produziert. Es wäre nämlich äußerst schade, einen der wichtigsten Genrevertreter für immer in den Ruhestand zu schicken.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
Publisher
Bigben
Entwickler
Irem
Website
www.bigben-inte...
Release
26. März 2004
Spiel kaufen
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»  game4game
User-Bewertung
88
5 Bewertungen
1 Review
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