Neue Helden braucht das Land ... NICHT, denn Ratchet und sein Roboter-Freund Clank zeigen sich auch in ihrem dritten Abenteuer von ihrer Schokoladenseite.Undank ist der Welten Lohn. Dieses Sprichwort muss Nager Ratchet, der gemeinsam mit Kollege Clank bereits zweimal die Galaxie gerettet hat, am eigenen Leib erfahren. Während Clank die Meriten der beiden Heldentaten einheimst und als Filmstar mit der Serie
Geheimagent Clank Weltruhm erlangt, wird Ratchet selbst nur als dessen Chauffeur und Bediensteter angesehen.
Wolf im Schafspelz?Als jedoch der hinterlistige Dr. Nefarious mit einem besonders gemeinen Plan die Weltherrschaft ergreifen möchte, rücken diese Details schnell in den Hintergrund. Der Präsident der Galaxie wendet sich in dieser Stunde der Verzweiflung an das Helden-Duo. Deren Auftrag ist es nun, Captain Qwark – den Superhelden vergangener Tage, der in der Versenkung verschwunden ist - ausfindig zu machen, da er als einziger Dr. Nefarious schon einmal bezwungen hat und darum als alleinige Hoffnung im Kampf gegen den Superschurken gilt. Im weiteren Verlauf des Spiels arbeitet ihr dann unter Qwarks Führung mit anderen Protagonisten, die aus den Vorgängern bekannt sind, im Team zusammen, um die Galaxie vor der imminenten Bedrohung zu retten.
Die grundsätzliche Spielmechanik der sehr erfolgreichen Vorläufer wurde von Entwicklerteam
Insomniac nicht angetastet. Getreu dem Motto
Never change a winning team scheint dies auch gerechtfertigt. Ihr hüpft und ballert
» Nein, das ist kein Endgegner. |
euch also vornehmlich mit dem Nagetier Ratchet durch die unzähligen Levels, die zumeist in keiner bestimmten Reihenfolge absolviert werden müssen –
nichtlineares Spieldesign ist hier Trumpf. Serienveteranen erkennen sicher gleich zu Beginn den
deutlich erhöhten Actionanteil und den damit
gestiegenen Schwierigkeitsgrad.
Bereits zu Beginn der ersten Mission findet ihr euch ohne großartige Erklärungen mitten im Schusswechsel wieder. Ständig liegt euer Daumen auf dem Schussknopf und die vielen Waffensysteme laufen permanent Gefahr zu verglühen, nur damit ihr den immensen Gegnerhorden Herr werdet. Viele Feindkontakte ermöglichen allerdings
unterschiedliche Vorgehensweisen. Es bleibt euch oft überlassen, ob ihr die Gegnerschar mit dem Scharfschützengewehr aus dem Hinterhalt aufs Korn nehmt, mit nahkampfstarken Waffen in den Infight zieht oder mit herkömmlichen Schießprügeln auf alles zielt, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Durch regen Gebrauch könnt ihr die
Waffen aufleveln und somit ihre Durchschlagskraft und die Magazingröße erhöhen. So harmlos und kinderzimmertauglich die Protagonisten auch erscheinen mögen, kann
Ratchet & Clank 3: Up your Arsenal eines mit Sicherheit nicht verbergen: es handelt sich bei Teil 3 der Erfolgsserie um einen knallharten Action-Titel, der im Lager der Shooter-Fans um zusätzliche Gunst buhlt. Besonders deutlich wird das durch die neu hinzugekommene optionale
Egoperspektive.
Mini-ManiaDamit die Dauerballerei dennoch nicht langweilig wird, wurde das Spiel mit einer Vielzahl an abwechslungsreichen Elementen aufgewertet. In bestimmten Abschnitten übernehmt ihr wie gehabt die
Kontrolle über Clank. » Captain Qwarks Abenteuer versprühen Retro-Charme. |
Dieser kann kleine Roboter und – mithilfe einer Bananenpistole – einen einäugigen Affen kommandieren (das Brainstorming zu
Ratchet & Clank 3 dürfte äußerst beschwingt vor sich gegangen sein), um Gegner zu bekämpfen, Überwachungssysteme abzulenken oder Schalter auszulösen. Damit nicht das ganze Abenteuer per Pedes absolviert werden muss, dürft ihr zudem
kanonenbestückte Buggys oder Raumgleiter steuern.
Doch auch in punkto
Minispiele kommt das ungleiche Heldenduo nicht zu kurz. So verständigt ihr euch zum Beispiel als Monster verkleidet mit anderen Ungeheuern in Form eines Bemani-Spiels. Wer da die vorgegebenen Tastenkombinationen nicht im richtigen Rhythmus eingibt, plappert schon mal einen gehörigen Unsinn auf „monsterisch“ daher und lässt damit seine Tarnung auffliegen. Ein anderes interessantes Minigame sind
die gesammelten Abenteuer des Captain Qwark, die ihr als mehrteilige Videospielreihe im Spiel bestreiten dürft. In bester Jump'n'Shoot-Manier (mit leichten Anleihen an alte Megaman-Titel) erlebt ihr so die ruhmreiche Vergangenheit des intergalaktischen Superhelden. Eine erschöpfende Aufzählung aller Minispiele und Sidequests würde gar den Rahmen dieses Reviews sprengen. Das Erfüllen von Missionen wird in der Regel mit
Zwischensequenzen belohnt, die die Handlung mit einer Fülle an
schwarzem Humor und witzigen Seitenhieben vorantreiben. Abseits der Hauptquests könnt ihr
unzählige Geheimnisse erkunden, was für eine gehörige Portion Langzeitmotivation sorgt. Besonders gelungen ist die Einbindung von
Savegames der Vorgängerspiele. Wer einen Spielstand besagter Titel auf seiner Memory Card gespeichert hat, darf sich bei bestimmten Waffenhändlern über Rabatte freuen.
SOCOM 3?Habt ihr genug vom einsamen Dasein im Einzelspielermodus, könnt ihr euch – ein Genre-Novum – in aktionsgeladenen Mehrspielerduellen die Hölle heiß machen. Neben einem
Splitscreen-Mehrspielermodus (bis zu vier Spieler an
» Im Mehrspielermodus gibt es keine Verschnaufpause. |
einer Konsole) haben die Entwickler von
Insomniac noch einen
Online-Modus inklusive Headset-Unterstützung draufgepackt, der bis zu acht Spielern gleichzeitig ermöglicht, sich in einer der Varianten
Deathmatch (jeder gegen jeden),
Erobere die Flagge oder
Belagerung (zwei Teams versuchen jeweils, die gegnerische Basis einzunehmen und die eigene zu verteidigen) zu vergnügen.
Was anfänglich nach einem bloßen Goodie klingt, erweist sich als hervorragend designte Zugabe. Ihr könnt euch
zu Clans formieren und in den
unzähligen Statistiken und Ranglisten nach oben arbeiten. Bis auf gelegentliche Lags, die darin resultieren, dass plötzlich ein Gegenspieler vor euch aus dem Nichts auftaucht und euch den Exitus beschert, funktionieren die Spiele übers Internet herrlich reibungslos und unkompliziert; sogar die Fahrzeuge aus dem Single Player-Modus kommen zum Einsatz. Einziger Wermutstropfen ist, dass die Multiplayer-Maps, die sich an den Welten des Einzelspielermodus orientieren,
kaum taktische Maßnahmen erlauben. Zumeist resultieren die Begegnungen in offenen Schlagabtauschen.
Grafik Ratchet & Clank 3: Up your Arsenal reizt die Playstation 2 in Sachen Rechenleistung bis an die Schmerzgrenze aus. Horden von Gegnern stürmen aus dem detailreichen Hintergrund der mit enormer Weitsicht geschmückten Levels auf euch zu. Ohne je Framerate-Einbussen zu verzeichnen, explodieren ständig Feind und Umwelt. Das verbleibende Quäntchen Leistung wird für zusätzliche Grafikeffekte verwendet. Auch die Zwischensequenzen befinden sich aus grafischer Sicht auf hohem Niveau. Vor allem die Schlachtpläne von Captain Qwark sind stilvoll in Szene gesetzt (und sorgen ganz nebenbei für jede Menge Lacher).
SoundDer Soundtrack geht in Ordnung, hat aber mit Ausnahme der Tracks aus den Captain Qwark-Minigames keinesfalls Ohrwurmqualität. Im Vergleich zum hohen Standard des restlichen Spiels hinken die Begleitsongs (auf hohem Niveau) etwas hinterher. Sämtliche Zwischensequenzen sind synchronisiert (wahlweise in Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch oder Italienisch) und die meisten Synchronstimmen füllen die jeweilige Rolle gut aus. Gerade die beiden Protagonisten wurden jedoch erneut etwas langweilig unterlegt und konnten erst nach der ersten halben Stunde das Eis brechen und Sympathiepunkte einheimsen.
Spielspaß SoloDas Erfolgsrezept der Vorgänger fruchtet auch im dritten Teil der Serie. Die ausgewogene Mischung aus Action- und Sprungpassagen wird durch nette Minigames ergänzt und sorgt so für Kurzweil. Der stark erhöhte Balleranteil macht jedoch die genretypischen Kameraprobleme auf eindrucksvolle Weise deutlich und so stellen sich im Verlaufe des Spiels leider des Öfteren frustgeladene Situationen ein, wenn die Kamera unter heftigem Feindbeschuss plötzlich ihr Eigenleben entwickelt und trotz manueller Nachjustierungsversuche lieber die Vorzüge der Landschaft einfängt. Der Spielumfang stimmt: Hardcore-Spieler sehen in 15 bis 20 Stunden den Abspann, haben in dieser Zeit aber kaum Sidequests absolviert. Wer sich mit dem Erkunden der unzähligen Geheimnisse und den Nebenmissionen auseinandersetzt, erreicht mit Leichtigkeit eine Spieldauer jenseits der 30 Stunden. Wer dann noch immer nicht genug von den beiden hat, darf das Spiel erneut im Challenge-Mode auf höherem Schwierigkeitsgrad durchspielen und seine Waffen weiter aufleveln.
Spielspaß MultiDie Mehrspielermodi stellen die eigentliche Überraschung des Spiels dar. Die verschiedenen Varianten sorgen für heiße Gefechte und das Clan-Feature und die ausgiebigen Ranglisten motivieren immer wieder auf ein Neues. Läge der Hauptaugenmerk nicht auf den ständigen Frontalangriffen, die kaum taktische Maßnahmen erlauben, so hätte der Titel auch das Zeug zu einem Online-Hit erster Güte. Die Multiplayer-Spiele sind zwar kein Kaufgrund, werten das Hauptspiel aber durchaus auf.