Cold Fear verpasst sich angesichts grober Schnitzer im Design und Gameplay selbst die Kugel.Nach einer mehr als untröstlichen Ruhephase feiern Survival Horror-Games wieder Hochkonjunktur. Vorzüglichstes Beispiel dafür stellt
Capcoms gegenwärtige
Resident Evil-Fortsetzung dar, die auf
Nintendos Gamecube exzellente Zombie-Metzeleien nicht nur verspricht, sondern verbindlich garantiert. Gänzlich unbeeindruckt davon, setzt nun auch
Ubisoft auf dieses schaurige Genre und tafelt euch mit
Cold Fear einen vermeintlich ebenbürtigen Fieberschauer auf. In unserem umfassenden Master-Review verraten wir euch, ob das ozeanische Grusel-Abenteuer tatsächlich eine gelungene Alternative verkörpert oder doch nur müde zu belächeln ist.
Brenzliges Stelldichein Eingängiger aber unorigineller Auftakt: Kurz nachdem
Tom Hansen, seines Zeichens Mitarbeiter der US-Küstenwache, den Notruf eines Walfängers erhalten hat, macht sich das Einsatzteam auf den Weg. Kaum an Bord angekommen, offenbart sich
jedoch ein Bild des Schreckens. Ein Großteil der russischen Schiffsbesatzung wurde von einem Parasiten grausam ausradiert und obendrein versucht der verschonte Rest mittels Waffengewalt gegen euch aufzumucken. Folglich ist klar, dass es sich nur um einen unglücklichen Irrtum handeln kann. Eure Aufgabe besteht nun darin, die feindliche Brut - die diese Blutbad angerichtet hat - ausfindig zu machen und ein für allemal auszulöschen. Doch mal ehrlich:
Cold Fear fehlt es an vorgeschichtlichen Innovationen, denn NextGen-Spieler erkennen schnurstracks diverse Parallelen zu
Metal Gear Solid 2 oder
Carrier, die seiner Zeit sehr ähnliche Hochsee-Begebenheiten auftischten. Nichtsdestotrotz hat das Team von
Darkworks ein überaus
atmosphärisches Szenario kreiert, das die heimische Mattscheibe mit imposanten Wellenschlägen sowie stimmigen Wettereffekten füllt.
Mühsames Zombie-Abmurksen Generell wird euch der Zombie-Cocktail aus der
3rd-Person oder Schulterperspektive aufgefahren, wobei sich das Entwicklerstudio in beiden Fällen keineswegs mit Ruhm bekleckert hat. Anstatt euch das Spielgeschehen
übersichtlich zu präsentieren, leidet die
Standardansicht vehement unter einer
fehlenden Justierung. Dieser Umstand hat zur Folge, dass ihr ständig nur Auszüge der Umgebung wahrnehmt und gegnerischen Angriffen somit schutzlos ausgeliefert seid. Auch die
Schulterperspektive scheint eher von begriffsstutzigen Zombies entwickelt: Obwohl man sich geschickt bei
Resident Evil 4 bedient hat, ist das
Zielsystem nur dürftig umgesetzt und hinterlässt bereits nach wenigen Spielminuten missmutiges Zähneknirschen. Zwar gehören die lästigen Kameraprobleme nun der Vergangenheit an, bedauerlicherweise lässt jetzt allerdings die Zielgenauigkeit gehörig zu Wünschen übrig. Die absolute Krönung: Steht ihr nahe genug vor Schränken, Tischen oder anderen Objekten streckt euer Spielheld völlig grundlos seine Waffe nach oben - feindliche Attacken treffen folgerichtig auf keine Gegenwehr. Mit einem Wort: Armselig!
Teuflische Laborbrut Statt im essentiellen Gameplay zu punkten, glänzt
Cold Fear durch ein
vielseitiges Instrumentarium an Waffen. Serviert werden euch neben eher gängigen Schießeisen wie z.B. Revolver, Gewehr und Schrotflinte auch exquisite Kampfgeräte
» Gleich geht es zur Sache. |
wie etwa Flammen- oder Granatwerfer. Den absoluten Höhepunkt charakterisiert jedoch die ominöse Enzymharpune, die das feindliche Gesindel zeitweise von euch ablenkt und dadurch zum finalen Abschuss freigibt. Apropos Abmurksen: Da sich die scharfsinnigen Parasiten vorwiegend in Schädeln liquidierter Söldner einnisten, ist ein konsequenter Kopfschuss das Mittel zum Erfolg. Dennoch geben sich die kleinen Biester, die oft an Wänden und Decken entlang krabbeln, nur anfangs mit herkömmlichen Menschenfleisch zufrieden. Im zweiten Abschnitt - der euch auf eine rostige Bohrinsel entsendet - trefft ihr auch auf bestialische Vierbeiner, getarnte Mutanten und stämmige Ungetüme, die allesamt jedoch genauso wenig an einem lustigen Kaffeekränzchen interessiert sind. Zweifellos: Die Gegnerpalette wartet mit
ausgefeilten Animationen und teils spektakulären Angriffsmustern auf, trotzdem schlägt das
eintönige Monsterkabinett schnell auf den Spielermagen. Zudem gehen Fans mit Vorliebe für motivierende Bossduelle komplett leer aus, denn - abgesehen von der finalen Entscheidungsschlacht - sucht ihr packende Endgegnerkämpfe vergeblich.
Von Designmängeln und brauchbarer Technik Die Palette an Ungereimtheiten nimmt einfach kein Ende: Einerseits schicken euch die Herren von
Darkworks gänzlich
ohne Inventar auf die Reise, was in vielen Fällen in einer nervtötenden Sucherei nach Medizin und Munition ausartet. Andererseits
» Mit Feuerkraft gegen das Böse. |
verfügt
Cold Fear über
kein variables Speichersystem, statt dessen lässt sich euer Spielstand nur in ziemlich uneinsichtigen Passagen sichern. Ebenso wenig Mühe haben sich die Entwickler im Leveldesign gegeben, das vorwiegend durch stupides Gerenne von einem Fleck zum anderen auffällt. Am Rande sei noch erwähnt, dass ihr für die spielerisch unzulängliche Gruselkost - je nach Schwierigkeitsgrad - etwa sieben bis neun Spielstunden benötigt.
In punkto Optik und Soundtechnik beweist das Team von
Darkworks jedoch eindrucksvoll, dass sie ihr Handwerk nicht völlig verlernt haben. Neben hervorragenden Lichteffekten und authentischen Umgebungen bekommt ihr auch literweise virtuelles Blut zu Gesicht. Apropos Lebenssaft: Zartbesaitete Spielernaturen sollten den Titel in Anbetracht der exzessiven Gewaltdarstellung mit äußerster Vorsicht genießen. Sind herumliegende Leichen noch relativ harmlos, geben euch ausgeschlachtete Kadaver sowie völlig zerschnittene Menschenleiber den Rest.
Cold Fear darf somit keinesfalls in Kinderhände geraten. Den Schlußpunkt setzt eine
bemerkenswerte Akustik, die mit deutscher Synchronisation und schaurig schönen Hintergrundmelodien aufwartet.