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Master-Review:   » drucken    » versenden

Cold Fear

» Autor: Björn Sturm
» Datum: 28.03.2005
» Gesamtwertung:
/5
2/5: Für Fans des Genres
bietet nichts Besonderes.
Wie wir bewerten
Cold Fear verpasst sich angesichts grober Schnitzer im Design und Gameplay selbst die Kugel.

Nach einer mehr als untröstlichen Ruhephase feiern Survival Horror-Games wieder Hochkonjunktur. Vorzüglichstes Beispiel dafür stellt Capcoms gegenwärtige Resident Evil-Fortsetzung dar, die auf Nintendos Gamecube exzellente Zombie-Metzeleien nicht nur verspricht, sondern verbindlich garantiert. Gänzlich unbeeindruckt davon, setzt nun auch Ubisoft auf dieses schaurige Genre und tafelt euch mit Cold Fear einen vermeintlich ebenbürtigen Fieberschauer auf. In unserem umfassenden Master-Review verraten wir euch, ob das ozeanische Grusel-Abenteuer tatsächlich eine gelungene Alternative verkörpert oder doch nur müde zu belächeln ist.

Brenzliges Stelldichein
Eingängiger aber unorigineller Auftakt: Kurz nachdem Tom Hansen, seines Zeichens Mitarbeiter der US-Küstenwache, den Notruf eines Walfängers erhalten hat, macht sich das Einsatzteam auf den Weg. Kaum an Bord angekommen, offenbart sich
» Heute schon gegruselt?
jedoch ein Bild des Schreckens. Ein Großteil der russischen Schiffsbesatzung wurde von einem Parasiten grausam ausradiert und obendrein versucht der verschonte Rest mittels Waffengewalt gegen euch aufzumucken. Folglich ist klar, dass es sich nur um einen unglücklichen Irrtum handeln kann. Eure Aufgabe besteht nun darin, die feindliche Brut - die diese Blutbad angerichtet hat - ausfindig zu machen und ein für allemal auszulöschen. Doch mal ehrlich: Cold Fear fehlt es an vorgeschichtlichen Innovationen, denn NextGen-Spieler erkennen schnurstracks diverse Parallelen zu Metal Gear Solid 2 oder Carrier, die seiner Zeit sehr ähnliche Hochsee-Begebenheiten auftischten. Nichtsdestotrotz hat das Team von Darkworks ein überaus atmosphärisches Szenario kreiert, das die heimische Mattscheibe mit imposanten Wellenschlägen sowie stimmigen Wettereffekten füllt.

Mühsames Zombie-Abmurksen
Generell wird euch der Zombie-Cocktail aus der 3rd-Person oder Schulterperspektive aufgefahren, wobei sich das Entwicklerstudio in beiden Fällen keineswegs mit Ruhm bekleckert hat. Anstatt euch das Spielgeschehen
» Guten Appetit!
übersichtlich zu präsentieren, leidet die Standardansicht vehement unter einer fehlenden Justierung. Dieser Umstand hat zur Folge, dass ihr ständig nur Auszüge der Umgebung wahrnehmt und gegnerischen Angriffen somit schutzlos ausgeliefert seid. Auch die Schulterperspektive scheint eher von begriffsstutzigen Zombies entwickelt: Obwohl man sich geschickt bei Resident Evil 4 bedient hat, ist das Zielsystem nur dürftig umgesetzt und hinterlässt bereits nach wenigen Spielminuten missmutiges Zähneknirschen. Zwar gehören die lästigen Kameraprobleme nun der Vergangenheit an, bedauerlicherweise lässt jetzt allerdings die Zielgenauigkeit gehörig zu Wünschen übrig. Die absolute Krönung: Steht ihr nahe genug vor Schränken, Tischen oder anderen Objekten streckt euer Spielheld völlig grundlos seine Waffe nach oben - feindliche Attacken treffen folgerichtig auf keine Gegenwehr. Mit einem Wort: Armselig!

Teuflische Laborbrut
Statt im essentiellen Gameplay zu punkten, glänzt Cold Fear durch ein vielseitiges Instrumentarium an Waffen. Serviert werden euch neben eher gängigen Schießeisen wie z.B. Revolver, Gewehr und Schrotflinte auch exquisite Kampfgeräte
» Gleich geht es zur Sache.
wie etwa Flammen- oder Granatwerfer. Den absoluten Höhepunkt charakterisiert jedoch die ominöse Enzymharpune, die das feindliche Gesindel zeitweise von euch ablenkt und dadurch zum finalen Abschuss freigibt. Apropos Abmurksen: Da sich die scharfsinnigen Parasiten vorwiegend in Schädeln liquidierter Söldner einnisten, ist ein konsequenter Kopfschuss das Mittel zum Erfolg. Dennoch geben sich die kleinen Biester, die oft an Wänden und Decken entlang krabbeln, nur anfangs mit herkömmlichen Menschenfleisch zufrieden. Im zweiten Abschnitt - der euch auf eine rostige Bohrinsel entsendet - trefft ihr auch auf bestialische Vierbeiner, getarnte Mutanten und stämmige Ungetüme, die allesamt jedoch genauso wenig an einem lustigen Kaffeekränzchen interessiert sind. Zweifellos: Die Gegnerpalette wartet mit ausgefeilten Animationen und teils spektakulären Angriffsmustern auf, trotzdem schlägt das eintönige Monsterkabinett schnell auf den Spielermagen. Zudem gehen Fans mit Vorliebe für motivierende Bossduelle komplett leer aus, denn - abgesehen von der finalen Entscheidungsschlacht - sucht ihr packende Endgegnerkämpfe vergeblich.

Von Designmängeln und brauchbarer Technik
Die Palette an Ungereimtheiten nimmt einfach kein Ende: Einerseits schicken euch die Herren von Darkworks gänzlich ohne Inventar auf die Reise, was in vielen Fällen in einer nervtötenden Sucherei nach Medizin und Munition ausartet. Andererseits
» Mit Feuerkraft gegen das Böse.
verfügt Cold Fear über kein variables Speichersystem, statt dessen lässt sich euer Spielstand nur in ziemlich uneinsichtigen Passagen sichern. Ebenso wenig Mühe haben sich die Entwickler im Leveldesign gegeben, das vorwiegend durch stupides Gerenne von einem Fleck zum anderen auffällt. Am Rande sei noch erwähnt, dass ihr für die spielerisch unzulängliche Gruselkost - je nach Schwierigkeitsgrad - etwa sieben bis neun Spielstunden benötigt.
In punkto Optik und Soundtechnik beweist das Team von Darkworks jedoch eindrucksvoll, dass sie ihr Handwerk nicht völlig verlernt haben. Neben hervorragenden Lichteffekten und authentischen Umgebungen bekommt ihr auch literweise virtuelles Blut zu Gesicht. Apropos Lebenssaft: Zartbesaitete Spielernaturen sollten den Titel in Anbetracht der exzessiven Gewaltdarstellung mit äußerster Vorsicht genießen. Sind herumliegende Leichen noch relativ harmlos, geben euch ausgeschlachtete Kadaver sowie völlig zerschnittene Menschenleiber den Rest. Cold Fear darf somit keinesfalls in Kinderhände geraten. Den Schlußpunkt setzt eine bemerkenswerte Akustik, die mit deutscher Synchronisation und schaurig schönen Hintergrundmelodien aufwartet.
Pro
Sehenswerte Optik
Feine Akustik
Packende Atmosphäre
Große Waffenvielfalt
Contra
Kümmerliches Ziel- und Kamerasystem
Monotones Leveldesign
Kopiertes Hochsee-Szenario
Fehlende Gegnervielfalt
Stumpfsinnige Speicherpunkte
Geringer Umfang
Fazit
Es ist nicht alles Gold was glänzt: Obwohl Cold Fear mit einer rundum gelungenen Technik aufwartet, bescherte mir das unzureichende Gameplay bereits nach wenigen Spielstunden ausgiebige Kopfschmerzen. Einen nicht unwesentlichen Anteil daran hat die inkonsequente Kameraführung, die in meinen Augen weder richtigen Spielspaß noch ausgeprägte Motivation aufkommen lässt. Vor allem im Hinblick auf das Zielsystem müssen sich die Herren von Darkworks herbe Kritik gefallen lassen, denn hier wird euch offenkundig nur eine halbherzig umgesetzte Resident Evil 4-Kopie aufgetischt. Keine Frage: Der Survival Horror-Titel versetzt euch in ein herausforderndes Szenario, das neben einer dichten Atmosphäre auch prickelnde Schockmomente bietet. Dennoch überwiegen die spielerischen Defizite so stark, dass Genre-Liebhaber dankend abwinken und sich statt dessen Capcoms aktuellem Grusel-Highlight widmen sollten.
Infos
Erhältlich für
Genre
Adventure
   Survival Horror
Publisher
Ubisoft
Entwickler
Darkworks
Website
www.coldfeargam...
Release
04. März 2005
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