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WRC 4  
» Autor: Christian Kellner
» Datum: 11.11.2004
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Sonys neuester Rally-Streich überzeugt durch Präsentation, Umfang und Langzeitmotivation - an der Spielbarkeit und dem Schwierigkeitsgrad gilt es jedoch noch zu feilen.

Sony als big player im Rennsportbereich: Neben der Formel 1 Lizenz (letzter erschienener Titel: Formel Eins 04) verleibte man sich vor einigen Jahren auch die Rechte zur Versoftung der FIA World Rally Championship ein. Mit WRC 4 steht nun mittlerweile der vierte Titel der Reihe in den Startlöchern und bietet neben sämtlichen offiziellen Kursen auch alle originalen Fahrerdaten und Rally-Cars. Ob das jedoch reicht, dem Genrekönig Colin McRae Rally 2005 das Wasser abzugraben, erfahrt ihr in folgendem Master-Review.

Volle Packung: WRC Lizenz
Alle Fahrerdaten und -namen; alle Teams; alle offiziellen Kurse. WRC 4 ist ein Rundum-Glücklich-Paket für Liebhaber der adrenalingeladenen Rennsportserie. Kernstück des Spiels ist selbstverständlich
» Über Stock und über Stein.
der Karrieremodus, bei dem ihr im Gegensatz zum Mitbewerber aus dem Hause Codemasters nicht mit eurem fiktiven Selbst antretet, sondern euch ganz einem bestimmten Fahrer inklusive zugehörigem Team verschreibt. Ihr wollt also zum Beispiel als Carlos Sainz für Citroën den Titel holen? Kein Problem, die umfangreiche Lizenz macht es möglich. Insgesamt stehen beim erstmaligen Start des Spiels vier unterschiedliche Schwierigkeitsgrade bereit, wovon die höheren jedoch erst einmal frei geschaltet werden wollen. Leichter gesagt als getan: Während ihr in der Einstiegs-Klasse mit den Super 1600 Autos noch wenig bis gar nicht gefordert werdet, beißt sich der Gelegenheitsspieler spätestens im WRC Professional Modus, in dem die normale WRC inklusive aller Strecken und Autos durchlaufen wird, die Zähne aus. Mal völlig abgesehen davon, dass mit WRC Expert und WRC Extreme zwei noch größere Hürden auf den motivierten Rally-Zocker warten.

On the road again
Wie im Rallysport üblich tretet ihr in WRC 4 nicht gegen sichtbare Konkurrenten an - eure einzigen Feinde sind die unermüdlich tickende Uhr und die Bestzeiten der Kontrahenten, welche euch
» Der Impreza auf Talfahrt.
schon von Beginn an ans Limit treiben werden. Ebenso fordernd und nervenaufreibend sind auch das Streckendesign sowie das Manövrierverhalten des eigenen Wagens. Während ersteres noch als authentisch durchgeht und durchwegs spannende und abwechslungsreiche Etappen bereit hält - zwei Meter breite Schotterpisten an Abhängen inklusive - bietet das Handling leider einige Angriffspunkte für den Rennsportliebhaber: Als Lenker des Fahrzeugs hat man ständig das Gefühl, in einem übermotorisierten Kleinwagen zu sitzen, der eine entsprechend hohe Leistung durch zu geringes Gewicht nicht auf die Straße bringen kann. Es bleibt der Eindruck, der Wagen habe weder auf Schotter noch auf Asphalt wirklich Bodenhaftung, was insbesondere in Kurven fatale Konsequenzen für die Etappenzeit hat.

Die Optik präsentiert sich dabei jedoch recht ordentlich: Super detaillierte Wagenmodelle, angenehme Weitsicht sowie ruckelfreies Gameplay auf der Positiv- und verwaschene Texturen und ein eher unterdurchschnittliches Schadensmodell auf der Negativseite. Hier hätte man vielleicht ein wenig mehr aus der Hardware rausholen können. Ebenso wie der Motor-Sound, der vor allem in der Cockpit-Perspektive ein perfektes Rally-Feeling auf den Fernseher zaubert, in den Außenansichten jedoch ein wenig an Biss verliert - trotz dicker Endrohre.

Hard Stop, Full Throttle
Habt ihr trotz aller Strecken- und Gegner-Widrigkeiten eine Etappe erfolgreich überstanden, besteht nicht nur die Möglichkeit, euren Wagen durch Reparatur wieder auf Vordermann zu bringen,
» Hier gibt’s keine Kudos für Drifts!
sondern auch gleich die Chance, sich ein bisschen zurückzulehnen (ihr werdet es nötig haben) und die besten Rally-Replays der Videospielgeschichte zu genießen: Zig Kameras lassen dabei keine Wünsche offen - von einer Bumper-Cam bis hin zur DSF-like Cockpitübertragung oder Streckenkameras ist alles vertreten was Spaß macht und gut aussieht. Ganz besonders gelungen sind die fixen Kameras, welche die Spielgrafik durch optische Spielereien wie Hitzeflimmern oder Unschärfe aufwerten und einen beinahe vergessen lassen, dass man hier eben selbst eine Runde in Griechenland gefahren ist - und nicht Carlos Sainz in der TV-Übertragung.

Habt ihr genug von eurer Karriere und wollt ein bisschen just for fun die Etappe eures Vertrauens in Angriff nehmen, sind Time Trial und Quick Race an Auswahl genug. In diesen Modi sucht ihr euch eine Sonderprüfung aus, die ihr dann in aller Ruhe erkunden und für spätere Einsätze trainieren könnt - was euch bei der Komplexität der Strecken und Zähigkeit der Kontrahenten von großem Nutzen sein kann. Neben dem Spiel alleine bietet das Programm aber auch noch weitreichende Multiplayermodi: Time Trial und Quick Race können zusammen gespielt werden wie auch bis zu vier Personen an einem TV gleichzeitig eine Meisterschaft in Angriff nehmen können. An eine Online-Anbindung wurde übrigens ebenso gedacht. Allerdings konnte diese aufgrund eines defekten Netzwerkadapters noch nicht ausreichend getestet werden konnte. Dies wird aber demnächst an dieser Stelle nachgereicht.


Grafik
Die Optik ist ein zweischneidiges Schwert. Der Großteil des Grafik-Budgets floss eindeutig in die Entwicklung und Perfektionierung der Wagenmodelle, die einfach nur umwerfend aussehen. Grandiose Arbeit! Auch die Rennen an sich laufen immer flüssig und ohne gröbere Ruckeleinlagen - und das trotz großer Weitsicht. Weniger gut gefallen haben allerdings die verwaschenen Texturen der Umgebung und das eher durchwachsene Schadensmodell. Gerade bei einem Rallyspiel dürfte so etwas nicht mehr vorkommen.

Sound
Knackiger Motorensound und straffe Kommentare des Co-Piloten machen ein adrettes Bild und wirken authentisch, thumbs up! Schade nur, dass man ersteres nur in der Cockpitperspektive wirklich genießen kann, da der Auspuff in WRC 4 soundtechnisch ein wenig stiefmütterlich behandelt wurde - in der Außenperspektive mag der Funke nicht so recht überspringen. Die Musikuntermalung besteht rallytypisch aus belanglosen Melodien, die sich zum Wohl des Spielers auch deaktivieren lassen.

Spielspaß Solo
Für WRC 4 braucht man Geduld, Zeit und Aufopferungsgabe. Wer alles sehen und die Meisterschaft auch im höchsten Schwierigkeitsgrad beenden will muss viel Schweiß investieren, um das Gebotene vollends ausschöpfen zu können. Das Spiel macht dennoch sehr viel Spaß, da vor allem das Streckendesign in allen Belangen überzeugen kann und dazu imstande ist, richtiges Rally-Feeling zu vermitteln. Wäre nicht das Handling-Handicap, würde WRC 4 glatt eine Konkurrenz zum derzeitigen Throninhaber Colin McRae Rally 2005 darstellen und wahrscheinlich auch eine größere Zielgruppe ansprechen.

Spielspaß Multi
Wird nachgereicht.
Pro
Komplette WRC-Lizenz
Tolles Streckendesign
Wagenmodelle sind State-of-the-Art
Die besten Replays auf dem Rennspielsektor
Contra
Hochgradig schwer und frustfördernd
Handling des Wagens unrealistisch
Durchschnittliches Schadensmodell
Fazit
Alle Rally-Fans, die eine PlayStation 2 ihr Eigen nennen dürfen, kommen nicht an WRC 4 vorbei. Punktum. Trotzdem trüben viele kleine Mängel den ansonsten sehr guten Gesamteindruck, weswegen es schwer war, eine faire Wertung für das Spiel zu vergeben. Auf der einen Seite locken die komplette WRC-Lizenz, fettes Streckendesign, tolle Automodelle und Replays, die ihresgleichen suchen. Auf der anderen Seite werden wohl viele durch den horrenden Schwierigkeitsgrad und das eher dürftige Wagen-Handling abgeschreckt. WRC 4 besticht durch Authentizität in vielen Bereichen, aber eben leider nicht in allen. Nichtsdestotrotz gibt es hier eine Kaufempfehlung für alle Jünger des Rennsports und natürlich insbesondere des Rally-Sports - entsprechend motiviertes Sitzfleisch vorausgesetzt. Spielern, die ansonsten weniger mit der Materie anfangen können, sei allerdings von einem Kauf abgeraten, da hier für Unbedarfte vor allem eines entsteht: Frust.