Hervorragendes Science Fiction-RPG mit exzellentem Kampfsystem und hohem Schwierigkeitsgrad.Der Name
Tri-Ace ist RPG-Zockern sicherlich kein fremder Begriff, da sich das japanische Entwicklerteam in der Vergangenheit bereits mit Perlen wie
Star Ocean (SNES),
Star Ocean: Second Story (PS1) und dem unter Fans besonders beliebten
Valkyrie Profile (PS1) auszeichnen konnte.
Tri-Ace-Titel standen bis jetzt immer für besonders innovative und actionreiche Kampfsysteme, die sich wohltuend vom RPG-Einerlei abhoben. Auch der dritte Teil der
Star Ocean-Serie,
Till the End of Time, bildet hier keine Ausnahme. Glücklicherweise hat sich Ubisoft dazu entschlossen, den RPG-Hit auch in Europa zu veröffentlichen – zwar nur die englische Version, aber das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein. Wieso für RPG-Fans kein Weg an
Star Ocean 3 vorbeiführt, erfahrt ihr im folgenden Master-Review.
Mars Attacks Fayt Leingod, seines Zeichens 19-jähriger Student mit einer Vorliebe für virtuelle Welten, verbringt gerade einen Urlaub mit seiner Freundin Sophia auf dem Ferienplaneten Hyda V, wobei ihm die Dame ständig in den Ohren liegt, dass er doch weniger spielen solle (kommt euch bekannt vor?). Die traute Zweisamkeit hat allerdings ein jähes Ende, als besagter Planet aus heiterem Himmel von einer unbekannten Macht angegriffen wird. Dumme Sache. Es kommt allerdings noch schlimmer, als die beiden auf der Flucht von ihren Eltern getrennt werden und in Folge eine kleine Odyssee starten, an derem Ende sich Fayt allein und mit demoliertem Raumgleiter auf einem unterentwickelten Planeten wieder findet.
Der Beginn von
Star Ocean: Till the End of Time erinnert nicht nur aufgrund des Settings stark an Namcos
Xenosaga, sondern auch die Präsentation der Story weist mehrere Ähnlichkeiten auf. In den ersten fünf Spielstunden macht ihr
nicht viel mehr als zusehen; eure einzigen Aktionen beschränken sich darauf, von einem Ort zum nächsten zu laufen. Für Story-Liebhaber ein Genuss, für andere Spieler eher eine Abschreckung – hate it or love it. Nach diesen erwähnten fünf Stunden bremst sich das Spiel aber etwas ein und die Zwischensequenzen bewegen sich fortan auf normalem Niveau, eine Tatsache aber bleibt bestehen:
Star Ocean lebt vom interessanten Setting (technisch weit Fortgeschrittene sitzen auf unterentwickeltem Planeten fest) und dem „Was zur Hölle geht ab?“-Gefühl. Einige Storywendungen gleich zu Beginn tun ihr übriges, um die Motivation hochzuhalten.
Leider baut die Handlung im Verlauf des Spiels etwas ab und kann das hohe Niveau nicht ganz halten, was zum Großteil an einigen unglaubwürdigen Storyelementen liegt – typisch japanisch eben. Der ultimative Storytwist (vermutlich eine DER Wendungen in RPGs überhaupt) wird viele Spieler eher vor den Kopf stoßen und die Fangemeinde mit Sicherheit spalten.
Star Ocean verlässt sich allerdings nicht auf die Handlung, sondern punktet vielmehr durch den zweiten wichtigen Faktor von Rollenspielen: dem Kampfsystem.
I’m a WinnerGleich zu Beginn wird euch angenehm auffallen, dass es
keine Random Encounters gibt, alle Gegner sind sichtbar und können demzufolge umgangen werden; besiegte Kontrahenten respawnen, sobald ihr den aktuellen Raum verlasst.
Der Kampfmodus selbst läuft
in Echtzeit ab. Ihr übernehmt einen der drei Charaktere direkt, die anderen beiden werden von der CPU gesteuert. Das Verhalten eurer Kameraden könnt ihr durch voreinstellbare Befehle beeinflussen; bei Bedarf ist es auch möglich, im Kampf durch Druck auf die Schultertasten zu einer anderen Figur weiterzuschalten. Um euch eurer Gegner zu entledigen, bedient ihr euch verschiedener Aktionen: Die Basisattacken beschränken sich auf einen schnellen, schwachen Schlag und einen langsameren Angriff, der allerdings den Block eines Kontrahenten durchbrechen kann. Interessant wird es erst bei den Charakter-spezifischen Spezialskills. Diese erlernt ihr wie üblich durch Aufleveln. Nachdem ihr einen neuen Move erhalten habt, könnt ihr ihn auf eine der beiden Angriffstasten legen. Hierbei wird aber auch noch zwischen langer und kurzer Distanz unterschieden, was euch letztendlich die Möglichkeit gibt, vier verschiedene Skills für den Kampf vorzubereiten. Natürlich macht es dabei auch einen Unterschied, ob ein Special Move als schneller oder langsamer Angriff konfiguriert wurde. Die Kombinationsmöglichkeiten sind überaus zahlreich; einige Skills könnten im Alleingang vielleicht schwächer sein, aber in Kombination mit anderen umso effektiver. Darüber hinaus werden eure Moves durch Anwendung stärker, ständiges Wechseln ist nicht recht effizient. Es gibt also einiges zu experimentieren.
Hier kommen auch die sogenannten
Cancel-Kombos ins Spiel. Wenn ihr eure Aktionen mit dem richtigen Timing aneinanderreiht, löst ihr eine solche Kombo aus, was einen Schadensbonus für die nächste Attacke zur Folge hat. Ihr könnt bis zu vier Angriffe für einen Gesamtbonus von 300% nacheinander auslösen - Gefühl und Übung vorausgesetzt. Bei einigen der schwereren Bossgegner ist die Beherrschung dieses Systems allerdings schon Pflicht.
Interessant auch die Tatsache, dass viele eurer Skills
zur Benutzung HP erfordern und nicht, wie sonst in RPGs so üblich, MP (Magie, hier
Symbology, gibt es aber selbstverständlich auch). Hier kommt ein weiteres innovatives Feature von
Star Ocean ins Spiel: der MP-Kill. Ihr könnt eure Gegner nämlich nicht nur durch HP-Abzug über den Jordan schicken, sondern genauso einfach über die Magiepunkte – was natürlich auch für euch selbst gilt.
MP = 0, Game Over. Konsequenterweise existieren auch Skills, die nur die MP eurer Gegner negativ beeinflussen. Dieses System eröffnet ganz neue taktische Möglichkeiten, da einige Kontrahenten überirdisch hohe HP-Daten haben, aber vergleichsweise niedrige MP-Werte. Ihr selbst dagegen müsst ebenfalls auf beides achten, vor allem eure Nahkämpfer laufen oft Gefahr, schnell einen MP-K.O. zu erleiden.
Ein weiteres innovatives und wichtiges Feature ist die
Fury-Anzeige. Diese steht zu Beginn des Kampfes auf 100%. Jeder eurer Schläge verbraucht Fury, die Spezialattacken natürlich mehr als normale Angriffe. Ist euer Fury aufgebraucht, könnt ihr nicht mehr angreifen. Um die Leiste wieder zu füllen, braucht ihr allerdings nicht mehr zu tun als kurz stehen zu bleiben; innerhalb weniger Sekunden befindet sich die Anzeige wieder auf 100%. Was erreicht dieses System? Es macht
Buttonmashing auf einfache Art und Weise unmöglich; ihr müsst eure Aktionen vorher planen, sonst steht ihr im ungünstigsten Moment ohne Fury da. Das ganze ist natürlich gewöhnungsbedürftig und einer der Gründe, weshalb
Star Ocean zu den herausfordernsten Rollenspielen am Markt zählt; nichtsdestotrotz ein exzellentes und überaus durchdachtes Feature, da Kampfsysteme dieser Art sonst immer von Buttonmashing-Taktiken geplagt werden.
Fury weist noch ein weiteres taktisches Element auf. Befindet sich die Anzeige auf 100%, wenn ihr also stillsteht, habt ihr die Möglichkeit, schwache gegnerische Angriffe zu blocken und unter Umständen auch auf den Gegner zurückzuwerfen. Dasselbe gilt wiederum auch für euch: Attackiert ihr einen Bösewicht, dessen Fury sich auf maximalem Wert befindet, mit einem unbedachten schwachen Angriff, kann dies böse Konsequenzen haben – von einer kurzen Betäubung bis hin zur Schadensreflektion. Buttonmashing wird von den Entwicklern scheinbar wirklich nicht gern gesehen.
Where do you want to go today?Neben dem intensiven Auseinandersetzen mit dem komplexen Kampfsystem gibt’s noch einiges mehr zu tun im
Star Ocean-Universum. Zunächst werden euch die
Battle-Trophys ins Auge fallen. Diese sind, wie der Name schon sagt, Trophäen, die ihr durch besondere Leistungen im Kampf sammeln könnt – einen bestimmten Gegner in einer bestimmen Zeit besiegen, einen Kampf ohne HP-Verlust gewinnen etc. Ingesamt existieren 300 Battle-Trophys, einige davon überirdisch schwer und nur mit besonderer Geduld zu schaffen.
Auch die aus den Vorgängern bekannte
Item Creation taucht in
Till the End of Time wieder auf. Die unzähligen Nuancen davon zu beschreiben würde allerdings den Rahmen dieses Reviews sprengen. Mithilfe sogenannter
Inventors, die ihr an verschiedensten Orten rekrutieren könnt, dürft ihr tonnenweise Items erschaffen, vorhandene Items verbessern und sogar verschiedene Gegenstände kombinieren – viel Zeit und vor allem Geld vorausgesetzt. Dadurch habt ihr die Möglichkeit, extrem starke Waffen zu erzeugen, was für die Hauptstory aber nicht zwingend erforderlich ist. Tatsächlich könnt ihr das Spiel durchzocken, ohne euch mit der Item Creation auseinanderzusetzen. Wollt ihr euch allerdings an die brachial schweren Bonusdungeons wagen, wird das Kreieren von stärkeren Gegenständen zur Voraussetzung.
Das führt uns schon zum nächsten Punkt: den
Bonusdungeons.
Star Ocean bietet insgesamt drei davon, die alle erst nach Beendigung des Spiels freigeschaltet werden und einen ungemein hohen Schwierigkeitsgrad aufweisen (wofür
Tri-Ace-Titel allerdings bekannt sind). Intensive Auseinandersetzung mit dem Kampfsystem und der Item Creation sind hier auf jeden Fall erforderlich. RPG-Fans werden dafür aber mit Auftritten von Charakteren aus anderen
Tri-Ace-Spielen, unter anderem
Valkyrie Profile, belohnt. Um einen kleinen Einblick in den Schwierigkeitsgrad zu geben: Der finale optionale Bossgegner erfordert praktisch Charaktere auf dem maximalen Level (255!) und voll aufgerüstete ultimative Waffen. That’s a long way to go…
Grafik Star Ocean kann mit aktuellen Square-Titeln nicht ganz mithalten, liegt aber auch nicht weit zurück. Im direkten Vergleich mit
Xenosaga, das einen sehr ähnlichen Stil aufweist, schneidet der
Tri-Ace-Titel deutlich besser ab. Die Grafik ist sehr sauber und flüssig, leidet aber an einigen Stellen unter Texturarmut. Dafür wurde das ärgerliche Aliasing auf ein angenehmes Minimum beschränkt. Die diversen Spezialeffekte im Kampf können auf ganzer Linie überzeugen. Sehr gut gelungen auch die Charaktermodelle, vor allem einige der überdimensionalen Bossgegner sind beeindruckend ausgefallen.
Besonders hervorzuheben ist aber das Design des Spiels. Die Welt macht einen sehr lebendigen und glaubwürdigen Eindruck, insbesondere die Städte im Stil des Mittelalters sind den Designern hervorragend gelungen.
SoundKenner der Vorgänger wissen, was sie erwartet. Der
Tri-Ace-Komponist Motoi Sakuraba bevorzugt einen ganz eigenen Stil und setzt Variationen von Rockmusik in den Dungeons ein. Zu Beginn sicher etwas gewöhnungsbedürftig, gewöhnt man sich allerdings schnell daran und weiß den Tempowechsel auch durchaus zu schätzen. Die Musikstücke in den Städten halten sich an RPG-Standards, wobei auch hier einige erstklassige Kompositionen dabei sind, die die Atmosphäre perfekt einfangen.
Bemängelt werden muss allerdings die Sprachausgabe. Qualitativ zwar nicht schlecht, aber offenbar gab es bei der Aufnahme Probleme, da die Sprecher teilweise förmlich in der Hintergrundmusik untergehen und nicht mehr zu hören sind, was leider auch nicht einstellbar ist.
Spielspaß SoloDie Hauptstory von
Star Ocean kann in etwa 40 Stunden beendet werden. Dabei macht das Spiel durchgehend Spaß, die Story bleibt bis auf die Endphase interessant und das Kampfsystem sucht seinesgleichen. Im Gegensatz zu vielen anderen Rollenspielen sind die Kämpfe hier kein notwendiges Ärgernis, sondern können tatsächlich motivieren. Lediglich RPG-Neueinsteiger werden zwischendurch auf Hürden stoßen, da das Spiel an einigen Stellen (storybedingt) im Schwierigkeitsgrad gehörig anzieht. Unfair wird’s allerdings nie, alle Kämpfe sind mit der richtigen Taktik zu schaffen.
Für RPG-Puristen bietet
Star Ocean massenweise Content abseits der Hauptstory. Item Creation, Bonusdungeons, Battle Trophys, zehn verschiedene Endings und freischaltbare Extras – bis all das gemeistert wurde, geht viel Zeit ins Land.
Spielspaß MultiFalls ihr während des Spiels eine bestimmte Sidequest absolviert, wird ein witziger Versus-Mode freigeschalten, in dem ihr mit den Storycharakteren gegeneinander antreten könnt. Als ernsthafter Multiplayer-Titel kann das natürlich nicht angesehen werden, ein nettes Feature ist es aber allemal.