Killer7 bietet interessante Optik und dieEs war im Frühjahr 2002, als
Capcom die mittlerweile legendären
Capcom Five ankündigte. Fünf kreative Projekte sollten zu exklusiven Titeln für den
Nintendo Gamecube führen. Neben dem genialen
Resident Evil 4 und dem von Kritikern hochgelobten (aber finanziell eher durchschnittlich erfolgreichen)
Viewtiful Joe blieb nur das bescheiden lukrative
P.N.03 Gamecube-exklusiv.
Dead Phoenix verschwand in der Versenkung und
Killer7 soll nun das Quintett abschließen. Die Entwickler haben sich aber viel Zeit gelassen - ob sich das Warten gelohnt hat, erfahrt ihr in unserem Master-Review.
Lost in Story Killer7 versetzt euch in ein alternatives Universum des Jahres 2003. Der Weltfrieden ist zum Greifen nahe und alles schaut nach Friede, Freude, Eierkuchen aus - als sich völlig überraschend Terroristen zu Wort melden.
Eine okkulte Truppe names
Heaven Smiles attackiert ein UN-Meeting und schon steht die Welt am Rande des
apokalyptischen Abgrunds.
Nur der Profi-Attentäter
Harman Smith - aufgrund seiner gespaltenen Persönlichkeiten als
Killer7 bekannt - kann es mit dieser Art von Bedrohung aufnehmen. Im Laufe der Story übernimmt der Spieler die Aufgabe, das Mastermind hinter den
Heaven Smiles, einen gewissen
Kun Lan, zu assassinieren. Die Handlung ist dabei jedoch fast nebensächlich, dreht sich doch fast alles um mehrdeutige Anspielungen auf Politik, Religion und schwer verdauchliche Abstecher in Schwarzmarktaffairen rund um
Organhandel, Pädophilie und Mord. Alleine aus dieser kurzen Beschreibung lässt sich erahnen, warum es sich bei
Killer7 um ein
Spiel für Erwachsene handelt.
Lost in Gameplay Im Wesentlichen bedient sich
Killer7 bei drei verschiedenen Genres:
Adventure-ähnliches Erforschen und Lösen von simplen Rätseln in Third-Person-Ansicht,
RPG-Elemente zum Aufleveln der Charakterfähigkeiten sowie
FPS-Aspekte. Außerdem setzt das Spiel eine höchst bemerkenswerte Retro-Steuerung ein.
Charaktere können sich nur auf
vorgegebenen Bahnen vor- und zurückbewegen. An bestimmten Weggabelungen wird einfach eine Richtung vorgegeben und die Spielfigur schlägt dann den entsprechenden Weg ein. Diese recht simple Methode ermöglicht einerseits
spektakuläre Kamerafahrten, andererseits bietet diese Ansicht weniger Übersicht. Die meiste Zeit aber geht man dem eigentlichen Geschäft eines Attentäters nach. Per Ego-Sicht und Fadenkreuz werden
in bester Shooter-Manier Terroristen unschädlich gemacht.
Ganz so einfach gestaltet sich die Sache aber nicht: die Heaven Smiles sind "umgewandelte" Menschen, die zu wandelnden Bomben mutiert sind. Sie gehorchen nur Kun Lans göttlichen Befehlen und stürzen sich auf jeden, der ihnen in die Quere kommt. Dabei verfügen sie über keinerlei Waffen - ihre Körper explodieren aber bei Kontakt mit Personen und reißen sich so selbst und alle in ihrer Nähe in den Tod. Hinzu kommt, dass sie unsichtbar sind und erst
per Scan zur Zielscheibe mutieren. Hat man einen Terroristen erledigt, so hinterlässt dieser Blut, das eingesammelt und später als Serum zur Heilung oder zum Aufbessern der Charaktereigenschaften Verwendung findet.
7 Killers insane in the mainframe Harman Smith verfügt über multiple Persönlichkeiten, die sich im Spielgeschehen als
verschiedene Charaktere manifestieren. Jeder hat seine eigene Waffen und spezielle Fähigkeiten:
» Minimalistische beeindruckende Bildsprache. |
Kaede Smith, Femme Fatale mit einem Sniper-Gewehr und einem feinen Gespür für Verborgenes.
Con Smith, ein Techno hörender Junge mit flinker Sohle und Doppelautomatik im Anschlag.
Dan Smith sorgt mit der Magnum nicht nur für Frieden, sondern auch coole Sprüche.
Coyote Smith feuert mit seinem Spezial-Revolver sechs Freunde, die alle schneller laufen können als die Heaven Smiles, verfügt über einen Dietrich und macht
His Airness Jordan mit mächtigen Sprüngen Konkurrenz.
Kevin Smith (nicht verwandt mit
Silent Bob), ein Albino und Wurfmesserakrobat, kann sich sogar quasi unsichtbar machen, um z.B. Laserschranken zu umgehen.
Mask de Smith sieht wie ein Wrestler mit Maske (nomen est omen) im weißen Anzug aus, hat einen verheerenden Finishing-Move und sorgt mit zwei Granatwerfern für einstürzende Wände.
Bis auf den Spezialcharakter
Garcian Smith sind
alle Charaktere per Menü jederzeit und überall frei wählbar, um deren Spezialeigenschaften zu nutzen. Garcian fungiert
als Continue-Funktion und bringt tote Charaktere zurück ins Leben, indem er ihre Köpfe in blutigen Papiertüten einsammelt. Schließlich ist auch der an den Rollstuhl gefesselte
Harman Smith - meist in Schlüsselszenen - spielbar.
Lost in Translation Neben der psychodelischen Story sorgt
Killer7 hauptsächlich wegen der
extrem stylischen Optik für Aufsehen. Die stark überzeichnete Cel-Shading-Grafik verleiht dem Spiel eine ganz besondere Note.
» Sprechen Sie Japanisch? |
Gepaart mit den inszenierten Kamerafahrten bleibt einem mehr als einmal der Mund offen stehen. Allerdings leidet darunter die Übersicht und mehr als einmal läuft man unabsichtlich in explodierende Heaven Smiles hinein. Hinzu kommen
horrende Ladezeiten, die das Gameplay total zerhacken und für viel Frust auf der PS2 sorgen. De facto wird bei jedem kleinsten Wechsel des Raums oder Weggabelung ein Ladebildschirm eingeblendet.
Hinzu gesellen sich auch unverständlicherweise nicht selten Slowdowns, die erheblich stören. Musikalisch bietet das Spiel eine sehr interessante und abwechslungsreiche Palette an Tracks, die
kultiger kaum sein könnten. Negativ fällt die Sprachausgabe auf. Sie ist zwar gut, aber großteils
komplett unverständlich, da die Stimmen extrem verzerrt sind. Ohne Untertitel wäre man völlig aufgeschmissen.