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WWE SmackDown! vs. RAW

» Autor: Wolfgang Radax
» Datum: 10.01.2005
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Auch der sechste Teil der Smackdown!-Reihe verweist die Konkurrenz mühelos auf die Plätze.

Hulk Hogan nähert sich dem Greisenalter, The Rock widmet sich viel lieber seiner Hollywood-Karriere, der Undertaker wird aufgrund seiner kaputten Gelenke bald vom aktiven Geschehen zurücktreten. Keine Frage: Wrestling hat personell schon bessere Zeiten durchlebt und die WWE (World Wrestling Entertainment, vormals WWF) kämpft hart damit, neue Namen zu etablieren. Ob auch der sechste Teil von THQs Smackdown!-Serie besser in Ruhestand geht oder ähnlich den Jungstars Randy Orton und John Cena einem aufgehenden Stern am Firmament gleicht, bringt euch das folgende Master-Review näher.

Möglichkeiten über Möglichkeiten
Es gehört seit jeher zur Tradition der Smackdown!-Serie, den Spieler mit seiner Optionsvielfalt zu erschlagen. WWE Smackdown! vs. RAW steht dem in Nichts nach. Alleine im Exhibition-Modus
» Wo die Evolution auftaucht, ist Unruhe vorprogrammiert.
gibt es dermaßen viele verschiedene Lokalitäten, Kampfregeln, Möglichkeiten zur Teambildung, etc., dass Otto Normalspieler kaum je alle anspielen wird. So darf man im aktuellen Smackdown! erstmals einen Parking Lot Brawl bestreiten, bei dem am Stadionparkplatz sämtliche herumstehenden Vehikel zum Malträtieren des Gegners herangezogen werden können. Wem diese Einzelmatches zuwenig Unterhaltung bieten, der darf den Season-Modus bestreiten, welcher den Spieler ein Jahr im Leben des Wrestlers mit all den banalen aber dennoch unterhaltsamen Storylines nachempfinden lässt. So erarbeitet ihr euch eure Titelchancen durch Siege, nehmt an epischen Fehden teil oder unterhaltet euch Backstage mit eure Kollegen (was im neuesten Smackdown! leider nicht mehr interaktiv möglich ist, sondern linear innerhalb der verschiedenen Geschichten abläuft).

Für jeden Sieg bekommt ihr Geld, Erfahrungspunkte und Superstarpunkte gutgeschrieben. Die Superstarpunkte stellen euren Status innerhalb der Liga dar und je mehr ihr davon habt, umso eher dürft ihr um einen Titel kämpfen. Mit den Erfahrungspunkten hingegen levelt ihr euren Recken auf, um vor den kommenden Herausforderungen gefeit zu sein. Für die hart verdienten Moneten könnt ihr in der so genannten Shopzone nach Herzenslust Geheimnisse frei schalten. Dazu zählen neben bestimmten Arenen und neuen Ladebildschirmen vor allem die Legenden. So könnt ihr große Namen wie Bret Hart, Mankind oder Andre the Giant für den Exhibition-Modus nützen. Im Gegensatz zum Vorgänger kann der Season-Modus nicht mit den Legenden bestritten werden, dafür wurde diesen jedoch ein originalgetreuer Einzug in den Ring inklusive richtiger Entrance-Melodie und passender Lichtshow spendiert.

Schlagkräftige Argumente
Das Kampfsystem ist gegenüber WWE Smackdown! Here Comes The Pain unverändert geblieben. So lässt man durch Knopfdruck in Kombination mit dem Steuerkreuz verschiedene
» J.R. und Jerry Lawler analysieren das Geschehen.
Schläge, Würfe und Aufgabegriffe los oder kontert die Attacken des Gegners. Die Steuerung ist einerseits für Einsteiger leicht zugänglich und ermöglicht schnelle Erfolgserlebnisse, andererseits bietet sie auch Wrestlingspiel-Veteranen genügend Spieltiefe. Die Spielbalance wurde ein klein wenig adjustiert. So kann der illegale Einsatz von Gegenständen wie Stühlen hinter dem Rücken des Ringrichters schon eine frühe Entscheidung herbeiführen, da die Waffen diesmal viel mehr Schaden anrichten. Wer einen Manager mit zum Ring bringt, genießt dadurch Vorteile. Auf Tastendruck befehlt ihr eurem Kumpanen, euch eine Waffe zuzuschieben oder den Ringrichter abzulenken. Mit dieser neuen Möglichkeit sind skandalöse Matchausgänge ganz nach TV-Vorbild möglich.

Erstmals in der Smackdown!-Reihe spielt eure Gesinnung innerhalb der Matches eine Rolle. Verkörpert ihr einen Bösen (auch Heel genannt), könnt ihr durch unfaire Tricks wie Waffeneinsatz oder ständiges Lamentieren über die Entscheidungen des Ringrichters den Dirty-Balken aufladen. Ist dieser völlig aufgefüllt, dürft ihr durch Betätigen von R3 in eine Art Superböse-Modus wechseln, in dem ihr euren Gegner mit unfairen Attacken wie Würgeangriffen oder Tiefschlägen an den Rande einer Niederlage zwingt. Für die Guten (auch Face genannt) gilt es analog dazu, mit Manövern vom obersten Seil und ähnlich spektakulären Aktionen den Clean-Balken zu füllen, um in Folge im Stile eines Hulk Hogan für einige Momente de facto unverwundbar zu sein und die Durchschlagskraft des Finishing Moves zu verdoppeln – insgesamt ein nettes Feature, aber bei weitem kein tragendes Spielelement. Außerdem neu an Bord sind diverse Minispielchen, die das übliche Kampfgeschehen auflockern sollen. So betreibt ihr bereits vor dem eigentlichen Kampf durch rechtzeitiges Drücken von vorgegebenen Tastenkombinationen eure Spielchen mit dem Gegner in einem Staredown oder einem Kräftemessen.

Herausforderungen soweit das Auge reicht
Ein völlig neuer Spielmodus ist der sogenannte Challenge-Modus. Hier müsst ihr in insgesamt 60 Missionen (vier Schwierigkeitsgrade zu je 15 Aufgaben) bestimmte Ziele
» Y2J verhöhnt seinen Gegner Shawn Michaels.
innerhalb eines Matches erfüllen. Das beginnt bei einfachen Angelegenheiten wie dem Gegner zwei Finishing Moves zu verpassen und reicht bis zu etwas diffizileren Herausforderungen wie den Royal Rumble (30 Mann, jeder gegen jeden) mit der Startnummer eins zu gewinnen. Für das Durchspielen jeweils eines Schwierigkeitsgrades werdet ihr mit alternativen Kleidungen für die Wrestler oder neuen Arenen belohnt.

Wenn wir gerade vom Royal Rumble sprechen: neu dabei ist der sogenannte Ring-Out-Meter – im Prinzip ein zusätzlicher Energiebalken eigens für diese besondere Matchart. Im Gegensatz zu den Vorgängerspielen kann man jetzt nicht mehr einfach so aus dem Ring geworfen werden. Solange der Ring-Out-Meter nicht leer ist, klammert man sich nämlich im Fall des Falles am Seil fest, um so dem Ausscheiden zu entrinnen. Dieser Balken verringert sich, wenn man von den Gegnern am Seil hängend attackiert wird und er füllt sich wieder, wenn man selbst Kontrahenten eliminiert. Insgesamt trägt dies viel zu einem realitätsnäheren Ablauf bei und man läuft auch nicht wie bei Here Comes The Pain Gefahr, durch eine einzige Unachtsamkeit zu verlieren.

Grafik
Die Charakter-Modelle haben seit dem direkten Vorläufer noch mal kräftig zugelegt. Ob Mimik, Gestik oder die Ausführung von Moves, noch nie sind die Wrestler der WWE so detailliert nachempfunden worden. Zudem gestaltet sich auch die Kameraführung um einiges dynamischer und gibt einem oft das Gefühl, an einer TV-Übertragung teilzuhaben. Die geschickten Wechsel der Kameraeinstellungen in besonderen Momenten rauben dem Spiel jedoch nichts an Übersicht. Erkauft wurde diese aufwändigere Inszenierung durch das Herunterrechnen des Publikums, das in so mancher Situation schon mal sehr stark aufpixelt. Auch die serientypischen Clipping-Fehler sind erneut mit an Bord. Diese Mankos sind jedoch aufgrund der sonst hoch stehenden Grafikqualität zu verschmerzen und trüben den Spielspaß keineswegs, vielmehr noch fallen sie in der Hitze des Gefechts meist gar nicht erst auf.

Sound
Im Gegensatz zum völlig belanglosen Hintergrundgedudel der Vorgänger schlägt WWE Smackdown! vs. RAW mit einem knackigen, stark rocklastigen Soundtrack (u.a. mit Anthrax und Powerman 5000) zu Buche und so manche Melodie geht einem auch noch nach Feierabend nicht aus dem Kopf. Die Wiedereinführung der Kommentatoren und Ringsprecher trägt ebenso enorm zur Stimmung bei und rückt das Geschehen näher ans TV-Pendant. Die Idee, die Texte im Season Modus erstmals auch mit Sprachausgabe zu unterlegen, ist zwar prinzipiell begrüßenswert, geht jedoch durch die teils bescheidene Qualität und die mangelnde Motivation so manches Wrestlers beim Einspielen der Textzeilen nach hinten los. Viele Samples klingen einfach so, als wären sie mal schnell im Hobbykeller aufgenommen worden und des Öfteren wird man das Gefühl nicht los, dass einige der Athleten bei den Aufnahmen eine Überdosis Valium konsumiert haben. Seltsame Momente ergeben sich auch, wenn ein synchronisierter Wrestler mit einem nicht synchronisierten plaudert. Dies geschieht nicht selten, da der eigene Kämpfer im Season-Modus nie über Sprachausgabe verfügt. Warum man hier nicht alle Charaktere vertont hat, bleibt ein Rätsel.

Spielspaß Solo
Den Season-Modus spielt ihr innerhalb einiger weniger Stunden durch. Das war jedoch auch schon beim Vorgänger so. Aufgrund wechselnder Storylines bleibt die Motivation auch bei mehrmaligem Durchspielen aufrecht. In Summe zeigt sich der Season-Modus jedoch wesentlich linearer als bei Here Comes The Pain und gewährt nicht so viele Handlungsoptionen. Das Fehlen der ausführlichen Statistiken ist für Vielspieler auch schwer zu verschmerzen. Für frischen Wind sorgt jedoch der Challenge-Modus mit seinen abwechslungsreichen Aufgaben. Wer zudem noch alle Geheimnisse in der Shopzone freikaufen möchte, wird für einige Zeit vor der PS2 verweilen müssen.

Spielspaß Multi
Hier trumpft der sechste Teil der Smackdown!-Reihe kräftig auf. Wenn sich bis zu sechs Spieler (mittels Multitap) gleichzeitig beharken, bleibt kein Auge trocken und so mancher Fluch wird gen Himmel gestoßen. Den Online-Modus sehe ich persönlich allerhöchstens als Marketing-Gag an. THQ bietet weder eine Online-Liga noch Statistiken an und muss sich außerdem den Vorwurf gefallen lassen, von den vielen vielen Match-Arten, die Smackdown! zu bieten hat, lediglich zwei (und eine davon ist noch das spielerisch schwachbrüstige Bra and Panties-Match) fürs Spiel übers Internet anzubieten. Der gesamte Testzeitraum war durch Verbindungsabbrüche und stark ruckelnde Matches, die die Spielbarkeit gegen null sinken ließen, gekennzeichnet, weswegen ich über die Online-Komponente nun einfach den Mantel des Schweigens hülle und um das große Potenzial dieser vergebenen Chance trauere.
Pro
TV-reife Präsentation
Toller Rock-Soundtrack
Kommentatoren und Ringsprecher
Hochkarätige Legenden
Ausbalancierter als der Vorgänger
Contra
Linearer Season-Modus
Online-Modus nicht brauchbar
Synchronisation der Wrestler
Mangelhafte K.I.
Kaum neue Features
Fazit
Der König ist tot, es lebe der König! WWE Smackdown! vs. RAW verteidigt den Genrethron souverän und verweist die hauseigene Gamecube-Konkurrenz WWE Day of Reckoning sowie den dritten Teil der Legends of Wrestling-Reihe locker auf die Plätze. Der sechste Teil der Wrestling-Saga ist durch eine Handvoll sinnvoller neuer Features gekennzeichnet, gleichzeitig wurden einige ebenso sinnvolle Features aus dem Vorgänger im aktuellen Smackdown nicht aufgegriffen. So fällt der Qualitätssprung unterm Strich deutlich kleiner aus als jener von WWE Smackdown! Shut Your Mouth zu WWE Smackdown! Here Comes The Pain. WWE-Fanatiker müssen dieses Spiel ohnehin allein schon wegen des Roster-Updates besitzen. Für alle anderen eröffnet sich die Frage, ob die wenigen neuen Möglichkeiten den Vollpreis rechtfertigen oder der zum Budget-Preis erhältliche (insgesamt etwas steriler präsentierte) Vorgänger nicht ebenso eine zu erwägende Alternative bildet.
Infos
Erhältlich für
Genre
Fighting
Publisher
THQ
Entwickler
Yuke's
Website
www.thq.de/html...
Release
12. November 2004
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