Das witzigste Hack'n'Slay-Spiel aller Zeiten überzeugt durch lustige Dialoge und solides Gameplay, schwächelt allerdings bei der Charakterentwicklung und dem Itemsystem.Hack'n'Slay-Games gibt es auf der aktuellen Konsolengeneration mittlerweile etliche. Allerdings findet sich darunter kaum ein Titel, der mit liebenswürdigen Charakteren und witzigen Dialogen überzeugen kann. Die meisten Vertreter des Genres präsentieren sich als relativ trockenes Dauergemetzel ohne echte Seele, in denen Gespräche auf ein Minimum beschränkt werden und die Helden blass bleiben. Diese Lücke will nun
The Bard's Tale mit einem schlagfertigen Protagonisten und jeder Menge Humor füllen, ohne dabei auf das allseits beliebte Metzelgameplay zu verzichten. Ob der Plan der Entwickler aufgegangen ist, erfahrt ihr in unserem
Master-Review.
Rüpel mit LauteWer in (Action-)Rollenspielen gerne die Rolle des edelmütigen Helden übernimmt, der die Welt vor dem Bösen rettet und für den es keinen größeren Lohn als das Gefühl etwas Gutes getan zu haben gibt, ist bei
The Bard's Tale an der
falschen Adresse. Der Held unserer Geschichte ist nämlich das krasse Gegenteil des oben beschriebenen Heroen. Sp präsentiert sich der
Barde als
nichtsnutziger Vagabund, der sich vornehmlich für zwei Dinge interessiert: hübsche Mädels und prall gefüllte Schatztruhen. Auch seine magische Fähigkeit,
per Instrument Kreaturen beschwören zu können, setzt er primär dazu ein, seine Taschen auf Kosten Anderer zu füllen. So beginnt das Abenteuer in einer Schänke, in welcher der Protagonist mit Hilfe einer beschworenen Ratte die Barkeeperin rumzukriegen versucht - nichts ahnend, dass dies nur der Beginn eines weitaus größeren Abenteuers ist.
Loses Mundwerk...Wie beginnt ein klischehaftiges Action-RPG? Richtig, mit der obligatorischen
Töte das Ungeziefer im Keller-Aufgabe. Auch
The Bard’s Tale macht hier keine Ausnahme, allerdings nicht ohne sich dabei selbst auf die Schippe zu
» Auch im Schnee geht es auf Monsterhatz. |
nehmen. Bereits im ersten Dialog wird klar, wie viel Witz die Entwickler in die
herrlichen Gespräche gepackt haben. Dieser Humor zieht sich durch das gesamte Game und strapaziert die Lachmuskeln des Spielers. Der Barde hat einfach zu jeder Situation die passenden Worte und
veräppelt dabei das gesamte Rollenspielgenre. Ob dies nun beim Philosophieren über erschlagene Wölfe, welche gleich mehrere Haushaltsgegenstände und Werkzeuge bei ihrem Ableben verlieren, oder bei hitzigen Wortgefechten mit frechen Kobolden ist, spielt hier keine Rolle. Die
pointenreichen Dialoge treffen stets ins Schwarze und wirken nur in Ausnahmefällen aufgesetzt. Angesichts der schieren Menge an witzigen Einlagen zieht sich das Ganze wie ein roter Faden durch den gesamten Titel und macht
The Bard’s Tale zu
einem der lustigsten Spiele der aktuellen Konsolengeneration.
...und schnelle FingerWeniger einfallsreich präsentiert sich das Kampfsystem. Dieses folgt größtenteils bekannten Genre-Kollegen wie
Baldurs Gate: Dark Alliance, was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass auch bei
» Die Gespräche sind superwitzig. |
The Bard’s Tale die selbe Engine zum Einsatz kommt. Obwohl die technische Grundlage bereits einige Jahre auf dem Buckel hat, erfreut sie das Spielerauge mit
schönen Umgebungsgrafiken und detaillierten Charaktermodellen. Lediglich bei den Effekten und Animationen hätte der Titel etwas mehr Feintuning vertragen können.
Im Kampf steht dem Spieler der obligatorische Angriffsbutton hilfreich zur Seite, mit dessen Hilfe man sich durch die anrückenden Feindeshorden - bestehend aus allerlei wilden Tieren, Untoten, verhüllten Mönchen und Monstern – metzeln kann. Um feindliche Hiebe abzuwehren komplettiert der Blocken-Button die
rudimentäre Kampfsteuerung. Anders als in vergleichbaren Titeln muss dieser allerdings im richtigen Moment gedrückt werden, um keinen Schaden zu erleiden, was etwas
Timing vom Spieler erfordert. Insgesamt spielt sich das Abenteuer des Barden in den Kämpfen also geringfügig anspruchsvoller als die Konkurrenz. Zumindest so lange, bis man die Gegenangriffsfertigkeit erlernt hat, mit dessen Hilfe man eine Retourkutsche austeilt. Sobald man diese erlernt hat..., reicht es meistens aus, ständig auf die Blocktaste zu drücken, um gleichzeitig feindliche Attacken abzufangen und Gegentreffer zu landen. Neben seinen Nahkampfwaffen kann der Held mit einem Bogen Feinde aus der Entfernung beharken.
Magische HelferZudem verfügt der Held über die Fähigkeit, mit Hilfe seiner Instrumente magische Helfer zu beschwören. Während dem Protagonisten anfangs nur eine kleine Spinne zur Seite steht, wird das Repertoire während des Spielverlaufs mit diversen
» Viele Kämpfe erwarten unseren Helden. |
Fernkämpfern, starken Kriegern und hilfreichen Heilern aufgestockt oder dergleichen, da man ein "Repertoire" nicht füllt. Die maximale Anzahl an gleichzeitig beschworenen Kreaturen hängt dabei vom Instrument des Spielers ab. Während anfangs nur eine Unterstützungsfigur gleichzeitig mit dem Barden kämpft, sind es später gleich mehrere plus einem kleinen Hund, den man ziemlich am Anfang des Abenteuers findet.
Zudem gibt es magische Steine, mit deren Hilfe ebenfalls Kreaturen gerufen werden können. Diese wirken allerdings nur einen Unterstützungszauber und verschwinden anschließend sofort wieder. Leider muss man sich jedes Mal, wenn man solch eine Kreatur ruft, eine lange Beschwörungssequenz anschauen, die nicht abbrechbar ist. Ebenfalls negativ fällt das Fehlen von
normalen Zaubern ins Gewicht. Wer also gerne mit Feuerbällen, Blitzen oder Energiestrahlen um sich schießt, muss zu einem anderen Titel greifen.
Schwaches Inventar- und CharaktersystemWährend Präsentation und Spielsystem trotz dieser kleinen Mängel überzeugen können,
schwächelt der Titel in der Königsdisziplin eines jeden
Hack’n’Slay-Titels: Dem
Ausrüstungs- und Charaktersystem.
» Der Hund begleitet unseren Barden. |
Während letzteres anfangs durch verschiedene steigerbare
Attribute wie Stärke, Geschicklichkeit und Konstitution noch eine gute Figur macht, merkt man während des rund zwanzigstündigen Spielverlaufs schnell, dass man seinen Charakter nur sehr beschränkt entwickeln kann. So sind die Attribute auf einen Maximalwert von 20 beschränkt, was darauf hinausläuft, dass fast jeder Held am Ende der Geschichte gleich gelevelt ist. Auch die erlernbaren Fähigkeiten geben dem System
zu wenig Tiefgang. So kann man sich lediglich auf einige Waffentypen wie Zweihänder, Einhänder und Flegel spezialisieren, kritische Treffer erlernen sowie seinem Können mehr oder minder nützliche Zusatzfertigkeiten hinzufügen. Da diese
Talente nur einmal erlernt und nicht gesteigert werden dürfen, gehen dem Programm mit voranschreitendem Charakterlevel die Fertigkeiten aus, so dass man quasi gezwungen ist, unbrauchbares Können zu erwerben.
Noch schlimmer sieht es beim
Inventarsystem aus. Dieses wurde für das Abenteuer des Barden
auf ein Minimum beschränkt. So werden alle Gegenstände, die schlechter sind als die aktuell getragenen, nach dem Aufheben automatisch in Geld umgewandelt, welches augenblicklich in den Geldsack des Protagonisten wandert. Bessere Items lösen schlechtere ebenfalls vollautomatisch ab. Was anfangs relativ komfortabel wirkt,
beschneidet den Sammeltrieb des Spielers auf Dauer ganz gewaltig den Sammeltrieb des Spielers. Zwar haben örtliche Händler ein paar Gegenstände auf Lager, allerdings ist die Auswahl äußerst begrenzt. Zudem gibt es viel zu wenige Arten von Ausrüstungsgegenständen: Rüstungen, Nah- und Fernkampfwaffen sowie Schilde und Instrumente sind gerade einmal fünf Kategorien. Helme, Ringe, Stiefel, Handschuhe oder Beinbekleidung sucht man vergebens. Darüber können auch einige Bonusartefakte nicht hinweg täuschen.