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Master-Review:   » drucken    » versenden

Kingdom under Fire: The Crusaders

» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 21.02.2005
» Gesamtwertung:
/5
5/5: Pflichtkauf
uneingeschränkte Empfehlung.
Wie wir bewerten
Atemberaubendes Schlachtenspektakel mit tiefgründigem Spielsystem.

Der Versuch, Strategie- und Actiongenre in einem Game zu vereinen, ist so alt wie die beiden Spieletypen selbst. Leider führten solche Unterfangen bisher nur selten zu gelungenen Ergebnissen. Jetzt hat sich der koreanische Entwickler Phantagram diesem Problem angenommen und kehrt mit The Crusaders, dem zweiten Teil seiner Kingdom Under Fire-Reihe, dem reinen Echtzeitstrategiegenre und dem PC den Rücken. Ob der in einem klassischen Fantasyszenario angesiedelte Genremix überzeugen kann, erfahrt im folgenden Master-Review.

Gut gegen Böse
Mit der Abendsonne im Rücken preschen schwer bewaffnete Ritter einer Horde orkischer Axtträger entgegen. Durch die gleißenden Strahlen der untergehenden Sonne geblendet,
» Unter Geralds Leitung ziehen die Menschen in den Krieg.
verfehlt ein mit den Orks verbündeter Bogenschützentrupp der Dunkelelfen die Angreifer. Dank einer offenen Kampfformation kommen die Menschen gut voran und erleiden nur geringe Verluste durch hinter der Front positionierte Katapulte, welche fleißig ihre tödlichen Ladungen gen Feind feuern. Nur noch ein paar Meter liegen zwischen dem Anführer der Ritter und den bereits in Verteidungsstellung verharrenden Bestien. Wenige Sekunden später knallt kalter Stahl auf kochendes Blut und ein Gemetzel entbrennt. Bisher gut getarnte Kavallerietruppen der Menschen stürmen aus einem nahegelegenen Waldstück heraus und fegen die verdutzten Elfen ohne jegliche Gegenwehr vom Schlachtfeld. Nun ist der Weg frei für die mit Bomben bewaffneten zwergischen Zeppeline, welche kurzen Prozess mit den Katapulten der Orks machen…

Krieg im Fantasyreich
Die oben beschriebene Szene entspringt nicht etwa einem neuen Der Herr der Ringe-Film, sondern könnte sich genau so in Phantagrams neuestem Werk zutragen. In
» Elfenkriegerinnen stellen sich dem Feind.
Kingdom Under Fire: The Crusaders dreht sich nämlich alles um den geschickten Einsatz mittelalterlicher Truppen, um in insgesamt vier Kampagnen den Sieg von den zahllosen Schlachtfeldern zu tragen. Doch beginnen wir von vorne: Es herrscht Aufruhr im Fantasyland Bersia. Die Dunkle Legion, bestehend aus einem Bündnis der abscheulichen Orks, blutrünstigen Halbvampiren und finsteren Nachtelfen, hat die Grenze zum Menschenreich überschritten und zieht plündernd und brandschatzend durch die Provinzen. Klar, dass man sich dies als aufrichtiger Ritter des Königs nicht bieten lassen kann und so zieht man fortan als General Gerald gegen die Bösewichter zu Felde. Zumindest sollte man sich zunächst an Geralds Kampagne versuchen, da diese gleichzeitig als riesiges Tutorial dient und den Spieler mit wertvollen Tipps durch die Missionen führt. Wer es direkt etwas anspruchsvoller angehen möchte, darf alternativ die Geschichte der Dunkelelfin Lucrecia nachspielen. Zwar verfügt auch diese Kampagne über Tutorials, allerdings hält sich das Programm hier mit all zu detaillierten Tipps zurück. Zwei weitere Feldzüge, die sich an echte Kenner des Spiels richten, müssen erst freigespielt werden.

Strategie meets Action
Prinzipiell lässt sich Kingdom Under Fire: The Crusaders in drei Phasen aufteilen. Die taktische Landkarte dient als Übersicht. Hier ist es möglich, die eigene Truppe von Mission zu
» Die Ruhe vor dem Sturm.
Mission geschickt, zu verwaltet und zu briefen. All dies wird durch eine dreidimensionale Weltkarte sowie schicke Bild- und Textfenster dargestellt. Ist das nächste Auftragsziel klar, bewegt man seinen Einsatztrupp in die Kampfzone, wo das Spiel nach Auswahl der teilnehmenden Truppen und einer kurzen Ladepause in die Schlachtfeldperspektive wechselt. Je nach Mission befehligt man eine gewisse Anzahl an Kampfverbänden. Während in frühen Fights nur eine Einheit unter der Kontrolle des Spielers steht, kommen im Verlauf des Titels immer mehr Truppen hinzu, so dass man in späteren Missionen das Kommando über mehrere Verbände inklusive Unterstützungseinheiten hat. Die Befehligung der Einheiten erfolgt entweder direkt in der 3D-Ansicht oder über eine jederzeit einblendbare Minimap, auf der eigene und feindliche Verbände farblich markiert sind. Letztere Methode erweist sich nicht nur als wesentlich praktischer sondern auch übersichtlicher. Mit Hilfe des L-Triggers dürfen sogar Aufgabenketten vergeben werden. So kann eine Einheit beispielsweise angewiesen werden, zuerst einen Verstärkungszauber zu wirken, dann die Position zu wechseln und anschließend den Feind zu attackieren.

Hau weg die Schurken!
Treffen zwei Einheitenverbände aufeinander, kommt es automatisch zum Gemetzel. Wird dabei der Haupttrupp des Spielers in ein Gefecht verwickelt, darf man selbst mittels
» Berittene Bogenschützen sind sehr mobil.
Buttonkombinationen kräftig austeilen
. Dazu stehen drei Angriffsknöpfe sowie ein Verteidigungsknopf zur Verfügung. Leichte, schwere und Spezialangriffe können zu verheerenden Kombos miteinander verknüpft werden. Wird der Blocken-Button im richtigen Augenblick gedrückt, vollführt der Held einen besonders heftigen Gegenangriff, weicht blitzschnell aus oder wirft den Gegner zurück. Zudem verfügt das Hauptregiment über zwei Zusatzoffiziere, die im Kampf zur Hilfe geholt werden können. Diese führen dann Spezialattacken aus, die gleich mehrere Feinde beschädigen. Je nach Klasse des Adjudanten sind dies Pfeil-, Magie- oder Waffenangriffe. Solche Unterstützungsmanöver sowie Spezialattacken des Helden kosten jedoch Fähigkeitenpunkte (FP), die sich während der Kämpfe automatisch wieder regenerieren. Am schnellsten lassen sich gegnerischen Trupps besiegen, indem man ihren Anführer tötet. Allerdings sind dies meistens besonders fiese Brocken wie riesige Oger, schwer gepanzerte Paladine oder hartnäckige Magier.

Natürlich sollte man auch während der actiongeladenen Keilereien niemals den Überblick über das Kampfgeschehen verlieren, da das Schlachtgeschehen um die Truppe des Anführers herum fleißig fortläuft. Auch wenn man mitten in einem Scharmützel steckt, kann und solle man seine anderen Truppen weiterhin befehligen und auf das Kampfgeschehen reagieren. Wie man sich denken kann, artet dies oft in Hektik aus und erfordert viel Konzentration vom Spieler.

Facettenreichtum
Wer jetzt jedoch denkt, der Strategieteil würde nur darauf hinauslaufen, seinen Trupp möglichst schnell ins nächste Gefecht zu verwickeln, um dort ordentlich austeilen zu dürfen,
» Diese Hufe trampeln alles nieder.
der sei an dieser Stelle des Reviews vorgewarnt. Die zur Verfügung stehende Einheitenauswahl ist komplexer als in so manch reinen Strategiespiel. Dabei hat der Entwickler darauf geachtet, eine gute Balance zwischen allen Truppentpyen zu gewährleisten, so dass für unterschiedliche Situationen verschiedene Gattungen von Nöten sind. Während sich normale Infanteristen beispielsweise besonders gut für alle Arten von Nahkämpfen eignen, haben sie gegen anreitende Kavallerie keinerlei Chancen. Diese wiederum kann mit gut positionierten Lanzenträgern oder Axtwerfern problemlos ausgehebelt werden. Lufteinheiten wie Lindwürmer oder Sturmreiter können von Nahkampfinfanteristen gar nicht beschädigt werden. Treffen sie jedoch auf Fernkämpfer, ziehen sie schnell den Kürzeren. Komplettiert wird das mittelalterliche Fantasyaufgebot durch Belagerungswaffen, Riesenskorpione und gigantische Sumpfmammuts.

Doch nicht nur die Truppen selbst sind von großer Bedeutung. Auch die Kartengegebenheiten und Spezialfähigkeiten können den Ausgang einer Schlacht maßgeblich beeinflussen. Bogenschützen werden beispielsweise durch Sonnenstrahlen und Baumkronen am Treffen gehindert. Minenfelder sollten zuerst von Pionieren ausgekundschaftet und anschließend entschärft werden, bevor die Haupttruppe nachrückt. Umgekehrt ist es auch möglich, selbst Fallen aufzustellen, um die Kontrahenten anschließend in diese hinein zu locken. Durch Flüsse schwimmende Einheiten sind leichte Beute für Fernkämpfer. Wälder dürfen angezündet werden und geschickt platzierte Zaubersprüche - wie beispielsweise Eisstürme, Meteorschauer oder Würgeranken - behindern Gegner beim Vorrankommen oder fügen ihnen massive Schäden zu. Einige Einheitentypen können darüber hinaus verschiedene Formationen einnehmen: So minimieren offene Aufstellungen die Verluste bei Bombardements und ermöglichen ein schnelleres Vorranrücken, während eine enge Annordnung die Truppen dazu veranlasst, einen Schildpanzer bei Pfeilbeschuss zu bilden.

Level Up
Für das erfolgreiche Abschließen von Missionen gibt es Erfahrungspunkte und Gold. Beides wird benötigt, um seine Truppen zwischen den Aufträgen zu trainieren und mit
» Schicke Ingamesequenzen erzählen die Story.
besseren Ausrüstungsgegenständen zu versehen. Außerdem dürfen mit dem Zahlungsmittel neue Offiziere samt Truppe angeheuert werden. Auch hier präsentiert sich das Spiel als tiefgängig und bietet dem Spieler zahlreiche Möglichkeiten seine Truppen zu gestalten. Bestehende Einheiten können beispielsweise zu einer anderen Truppengattung umgerüstet werden, was lediglich bestimmte Mindest-Attributwerte beim leitenden Offizier des Verbandes voraussetzt. Wird dieser im Nahkampf trainiert, können normale Fußtruppen zu stärkeren Rittern aufgerüstet werden. Es ist natürlich auch möglich, Infanterie zur Kavallerie umzurüsten oder mit Belagerungswaffen zu versehen. Solange die Voraussetzungen erfüllt werden, ist beliebig häufiges Umgestalten ohne Zusatzkosten kein Problem. Dies ist natürlich auch bitter nötig, um optimal gerüstet in die nächste Schlacht zu ziehen.


Grafik
Grafisch lässt der Titel die Muskeln der Xbox spielen. Große Massen an Einheiten, die sich riesige Schlachten liefern, satte Effekte für verschiedenste Zaubersprüche, abwechslungsreiche Gebiete und sehr detaillierte Einheitenmodelle zeigen vergleichbaren Titel wie der Dynasty Warriors-Reihe oder Drakengard, wie man es optisch besser macht. Die Kamera ist stets sehr dicht am Geschehen und vermittelt so ein perfektes Mitten-Drin-Gefühl, was allerdings manchmal zu Lasten der Übersicht geht. Lediglich bei extrem vielen Einheiten und Effekten gleichzeitig kommt es selten zu kleineren Slowdowns, die aber nicht weiter stören.

Sound
Kingdom Under Fire greift wie Dynasty Warriors auf einen Heavy Metal-Soundtrack zurück, um das Schlachtgeschehen zu untermalen. Dies funktioniert auch prima und stachelt zum hemmungslosen Kloppen und Prügeln an. Dennoch hätte hier etwas mehr Variation gut getan, da sich die Musikstücke mit der Zeit abnutzen. Sämtliche Gespräche zum Vorrantreiben der Story zwischen und in den Missionen wurden ins Deutsche übersetzt. Kampfkommentare der Hauptfigur und Mitstreiter sowie fette Soundeffekte geben ein dickes Atmosphäreplus. Das Niveau der Sprecher ist irgendwo zwischen mittelmäßig bis gut angesiedelt und hinterlässt im Großen und Ganzen einen soliden Eindruck. Wer möchte, darf die Sprache auch auf Englisch oder Französisch einstellen.

Spielspaß Solo
Kingdom Under Fire bietet mit seinen vier Kampagnen Futter für viele aufregende Stunden vor der Konsole. Dank der sehr umfangreichen Tutorials und den zahllosen Tipps während der ersten und auch zweiten Kampagne bietet das Spiel eine seicht ansteigende Lernkurve, die den Spieler Schritt für Schritt mit den komplexen Spielmechanismen vertraut macht. Auch wenn die Bedienung anfangs etwas Eingewöhnung braucht, merkt man mit der Zeit, dass sie sehr wohl durchdacht und konsequent implementiert wurde. Der Schwierigkeitsgrad ist stets fordernd, aber nie zu hoch angesetzt. Wer sich die Missionsbeschreibungen und taktischen Gegebenheiten einer Map genau ansieht und seine Truppen darauf abstimmt, sollte stets gut zurecht kommen. Dennoch dürften vor allem Einsteiger und Gelegenheitsspieler durch die Komplexität des Titels etwas überfordert sein. Etwas frustrierend ist das knallharte Continue-System. So muss man eine verlorene Schlacht stets von ganz vorne beginnen, da es keine Checkpoints gibt.
Storytechnisch gibt es nichts zu bemängeln. Eine gelungene klassische Fantasygeschichte mit gut ausgearbeiteten Charakteren hält die knapp 50 Missionen der vier Kampagnen zusammen und erzählt diese aus verschiedenen Blickwinkeln.

Spielspaß Multi
Der Titel kann via Xbox Live gegen andere Spieler gezockt werden. Dabei übernimmt jeder Teilnehmer die Kontrolle über eine Armee. Anfangs stehen jedem Mitspieler drei Infanterietruppen, eine Bogenschützeneinheit sowie eine Flugeinheit zur Verfügung. Durch das Gewinnen in Schlachten erhält man Erfahrungspunkte, die man nach den Gefechten verteilen darf, um so an Stärke zu gewinnen. Eine Rangliste motiviert zudem möglichst viele Schlachten zu gewinnen. Leider gibt es nur einen einzigen Spielmodus, der sich auf offene Kämpfe konzentriert. Die Möglichkeit Spezialmodi wie Capture the Flag oder Basen erobern einzubauen, haben die Entwickler nicht wahrgenommen.
Pro
Perfekter Mix aus Action und Strategie
Saubere Grafik mit gewaltigen Armeen
Treibender Soundtrack
Packende Atmosphäre
Sehr tiefgründiges Spielsystem
Abwechslungsreiche Missionen
Großer Umfang
Contra
Nichts für Einsteiger und Gelegenheitszocker
Gnadenloses Continuesystem
Musikuntermalung hätte ein paar Tracks mehr vertragen
Fazit
Um es auf den Punkt zu bringen: Kingdom Under Fire ist eine Wucht und ein absoluter Pflichtkauf für jeden einigermaßen talentierten Xbox-Spieler, der auch nur im entferntesten was mit dem Genre und Setting anfangen kann. Noch nie zuvor habe ich Strategie- und Actionelemente dermaßen perfekt verbunden gesehen. Hinzu kommen dezente gestreute Anleihen aus Rollenspielen sowie ausgeklügeltes Truppenmanagement. Auch sonst gibt sich der Titel keine Blöße: Eine interessante Hintergrundgeschichte, coole Hauptcharaktere, rund 30 Stunden Spielzeit sowie eine überzeugende technische Umsetzung lassen keinen Raum zur Kritik. Wer jedoch ein zweites Dynasty Warriors erwartet, sei gewarnt: Phantagrams Meisterwerk geht weit über spektakuläres Gekeile hinaus und erfordert neben Buttonsmashing mindestens genauso viel geplantes Vorgehen und durchdachte Truppenaufstellungen. Jeder, der sich der Herausforderung gewachsen sieht und das beste aus Strategie und Action in einem Spiel vereint erleben möchte, greift sofort zu!
Infos
Erhältlich für
Genre
Strategie
   Action-Strategie
Publisher
Koch Media
Entwickler
Phantagram
Website
www.softunity.c...
Release
22. Oktober 2004
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User-Bewertung
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