Zwiespältiges Action-Jump & Run zum Kinofilm.Dass Superhelden ganz normale Menschen mit ihren alltäglichen Problemen sind, wissen wir spätestens seit Pixars Kinohit
Die Unglaublichen. Auch die vermeintlichen Übermenschen haben Stress in der Familie, Ärger mit der Figur oder machen sich gegenseitig das Leben mit Eifersüchteleien unnötig schwer. Dass ein so publikumsträchtiger Film eine Videospielumsetzung mit sich bringt, ist schon fast ein ungeschriebenes Gesetz. Ob das Game mit dem tollen Leinwandvorbild mithalten kann, erfahrt ihr in unserem
Master-Review.
Jump'n'FightGenretechnisch präsentiert sich der Titel als
reinrassiges Action-Jump'n'Run mit kleinen Anleihen bei anderen Spieltypen. Somit wechseln sich Fights aus der Third-Person-Perspektive
» Die Dschungellandschaften sehen toll aus. |
und knifflige Sprung- und Klettereinlagen ab. Zwischendurch wird der Spielablauf durch
Shooter-Elemente,
Hindernisrennen oder
Bossfights aufgelockert. Dabei spielt man jedoch nicht immer den gleichen Helden, sondern
wechselt regelmäßig zwischen den Mitgliedern der Familie Incredible. Hauptsächlich ist man jedoch mit
Mr. Incredible unterwegs, der sich durch seine Bärenkräfte auszeichnet. Darüber hinaus sind seine Frau und die beiden Kinder spielbar. Während die Gattin des Superhelden durch ihren superelastischen Körper zu überzeugen weiß, glänzt der freche Sohn durch übermenschliche Laufgeschwindigkeit. Die Stärken der Tochter hingegen liegen im Erstellen von Kraftfeldern und der Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen, was vor allem beim Schleichen von unschätzbarem Wert ist. In den
zahlreichen Kämpfen gegen böse Buben und einfallsreiche Roboterkreationen kommen fast ausschließlich die blanken Fäuste der Superhelden zum Einsatz, auf Waffen wird konsequent verzichtet. Für Fernangriffe können jedoch diverse Gegenstände oder auch Feinde zweckentfremdet eingesetzt und auf Ziele geworfen werden.
Schwankende QualitätDas größte Problem der unglaublichen Superhelden ist die
stark schwankende Qualität über den gesamten Spielverlauf hinweg. Während einige Levels wirklich gut designt wurden
» Dieser Endgegner schießt mit Raketen. |
und durch spannende Fights und Sprungpassagen überzeugen, hat man sich bei anderen sichtlich keine Mühe gegeben. So tritt man in einigen Missionen gegen große Robotergegner an, bei denen nur geschicktes Vorgehen zum Sieg führt, während in den meisten anderen Aufträgen ständig die selben Standartgegner auf den Spieler gehetzt werden. Zu allem Übel arten die Kämpfe gegen diese zu
reinen Button-Smash-Orgien ohne jeglichen Anspruch aus, was schnell langweilt. Mit dem selben Problem haben die Sprungpassagen und Schalterrätsel zu kämpfen. Vor allem das Springen und Klettern macht in den
wunderschönen Dschungellandschaften einer geheimnisvollen Insel Spaß. Im krassen Gegensatz hierzu stehen
einige superöde Innenlevel, in denen man sich schleppend von einem Raum zum nächsten prügelt und nebenbei zahllose Schalter umlegt.
So pendelt das gesamte Spiel ständig zwischen
gelungenem Action-Erlebnis und
ödem Dauergekloppe hin und her. Aufgelockert wird das Ganze durch einige rennspielartige Laufpassagen mit dem jüngsten der vier Superhelden, in denen man unter Zeitdruck
Hindernissen ausweichen muss. Leider arten diese all zu oft in
Trial and Error aus und leiden zudem noch unter einer ungenauen Bedienung, die oftmals zum vorzeitigen Ableben des Knirpses führt. Ebenfalls negativ anzumerken ist die
kurze Spielzeit von gerade einmal 6-8 Stunden. Da helfen auch freispielbare Extras wie Filmclips und Galerien nur wenig.
Wackelnder Schwierigkeitsgrad und gute TechnikNicht nur die Qualität des eigentlichen Spielablaufs schwankt, sondern auch der Schwierigkeitsgrad. So gestalten sich die Kämpfe gegen die Standartgegner als sehr leicht und
» Elastigirl macht ihrem Namen alle Ehre. |
anspruchslos, während einige Bosskämpfe sowie die Laufpassagen mit Incredible Junior selbst geübte Zocker ins Schwitzen bringen werden. Dummerweise steigt der Schwierigkeitsgrad nicht mit dem Verlauf des Games an, sondern wechselt willkürlich hin und her, was zu einer
sehr schlechten Balance führt. Gerade bei einem Titel, der auch die ganz jungen Zocker anspricht, hätte zumindest ein einstellbarer Schwierigkeitsgrad hergemusst.
Technisch hingegen gibt es an dem Programm kaum was auszusetzen. Die
Grafik ist erstaunlich gut gelungen und sieht vor allem in den weitläufigen Dschungelarealen grandios aus. Saubere Effekte und der smarte Look des Films wurden ebenfalls gut implementiert. Da stören auch die sehr
seltenen Slowdowns nicht. Bei der musikalischen Untermalung hat man sich an der Filmvorlage bedient, was ein dementsprechend gutes Ergebnis nach sich zieht. Lediglich die
wenig abwechslungsreichen Sprachsamples der Heroen nerven nach einiger Zeit. Hier hätten mehr Abwechslung und ein sparsamerer Gebrauch Wunder gewirkt.