Capcoms brachiales Grafik-Feuerwerk entpuppt sich als konsequente Weiterentwicklung und bringt mehr Action ins Genre.Mit dem 1996 für die PSX erschienen
Biohazard (außerhalb Japans
Resident Evil) hat
Capcom etwas ganz Seltenes geschafft: Ein völlig neues Genre zu kreieren.
Survival Horror, eine Mischung aus Action, Gruselatmosphäre, abgefahrener Story und leichten Rätseln, ist heute jedem Gamer ein Begriff.
Resident Evil stellt eine Erfolgsgeschichte dar, die mittlerweile etwas in die Jahre gekommen ist.
Capcom hat das Feedback der Fans angenommen und begräbt veraltete und oft kritisierte Gameplay-Elemente.
Resident Evil 4 präsentiert sich mit sensationeller Grafik-Power, die die Konkurrenz nicht nur alt aussehen lässt, sondern sprichwörtlich
mind blowing ist.
3D-Grafik. Atmosphäre. Feuerwerk. Seit den ersten veröffentlichten Trailern war
Resident Evil 4 in aller Munde. Die in 16:9 präsentierte Grafik sieht
phänomenal gut aus. Capcom hat die Formel des Survival Horror Genres zumindest grafisch radikal neu definiert.
» Das war nur die kleine Wumme. |
Die typischen Kameraperspektiven und gerenderten Hintergründe sind einer in Echtzeit berechneten, völlig frei bewegbaren 3D-Umgebung gewichen, die einfach nur
WOW aussieht. Hat man die Kinnlade wieder hochgeklappt (was durchaus Minuten dauern kann), geht die Grafikorgie aber immer weiter. Allen voran stehen die exzellenten Feuereffekte: offene Flammen, Fackeln und Lavaströme sehen 100% realistisch aus - komplett bis hin zur optischen Verzerrung durch aufsteigende heiße Luft. Die ganz große Neuheit stellt die Kamera dar, die Leon Kennedy rechts über die Schulter schaut. Obwohl völlig frei beweglich, leidet hie und da die Übersicht, da sie etwas zu actionlastig - sprich zu nahe - positioniert wurde. Mittels C-Stick kann aber der Blickwinkel verändert werden, sodass sich kaum Übersichtsprobleme einstellen. Hinzu kommen exzellente Licht- und Schatteneffekte, die von Nebel und Wasser sogar noch übertroffen werden. Die Texturen sehen erstklassig aus und man muss schon mit der Lupe nach Unschärfen suchen. Das Beste an der Sache: die Grafik läuft trotz grenzgenialem Weitblick mit
völlig flüssiger Framerate. Selbst wenn 20+ Gegner im Bild sind, kommt der Gamecube nicht ins Schwitzen.
Auch der Soundtrack gibt sich keine Blöße. Die Musik ist stimmungsvoll, erreicht jedoch nicht ganz die tolle Atmosphäre von Teil 1 oder 2. Dafür haben die Klangdesigner aus dem Vollen geschöpft: Surround-Besitzer kommen in den Genuss von feinstem Pro Logic II. Die Geräuschkulisse ist schlicht beeindruckend: Unzählige Kampf- und Umgebungsgeräusche, Sprachausgabe sowie
Resident Evil-typische Soundeffekte sorgen für beste Laune.
Killing with my gun - so much fun Auch in der vierten Runde spendiert euch
Capcom eine coole Auswahl an Waffen. Während ihr zu Beginn nur über eine Standard-Pistole verfügt, sind im Spiel viele
freischaltbare Waffen (Shotgun, MP, 45er bis hin zum Raketenwerfer) versteckt,
die für mehr Durchsetzungkraft sorgen. Noch komfortabler: Beim neu hinzugekommen Händler lassen sich jetzt auch Waffen erstehen und sogar aufrüsten. Hier offenbart sich auch das neue Konzept hinter
RE4 am deutlichsten: Ausgeschaltete Gegner hinterlassen entweder Munition oder Geld. Da Ersteres beim Händler (leider) nicht gekauft werden kann, motiviert euch das Spiel zum fleißigen Head-Hunting. Die Kopfgeldjagd ist hierbei wörtlich zu verstehen, denn die Angreifer verfügen über
zahlreiche Trefferzonen. Während man einige mit gezielten Kopfschüssen (ja,
RE4 ist KEIN Kinderspiel) sofort ausschalten kann, bieten sich auch taktische Überlegungen an. Steht ein Gegner etwa nahe einem Abgrund, stürzt man ihn am besten mit einem Knieschuss in die Tiefe - und spart wertvolle Munition. Neu ist auch, dass
Waffen aufgelevelt werden können. Äußerst praktischer Nebeneffekt: die gleiche Munition richtet mehr Schaden an. Neben der Feuerkraft kann auch die Schuss- und Nachladegeschwindigkeit sowie die Magazinkapazität verbessert werden. Ganz neu und sehr cool ist die Möglichkeit, per Scharfschützengewehr etwas
taktische Raffinesse als Sniper ins Spielgeschehen einfließen zu lassen.
Das umfangreichste Resident Evil Im Spiel-Cover verbergen sich gleich zwei Gamecube-Discs und dabei handelt es sich um keinen Zufall.
Resident Evil 4 ist eines der längsten Spiele der erfolgreichen Serie. Mit
ca. 20 Stunden und verschiedenen Schwierigkeitsgraden ist für lange Daueraction
» Die Story ist sehr cheesy. |
gesorgt. Die Story verfügt über die klassischen
RE-Zutaten wie beklemmende Atmosphäre und Schockeffekte, kommt aber nicht an das Meisterwerk des zweiten Teils heran. Es sind einfach zu viele Klischees eingebaut worden, die nur bedingt originelle Stimmung aufkommen lassen (Tochter des Präsidenten retten, gab's schon mal wo). Das Gameplay orientiert sich stärker am actionlastigeren Vorgänger
Resident Evil 3. Genre-typisch fallen die
sehr leichten Rätsel auf, die sich auf das Finden von Gegenständen und kleine Kombinationsaufgaben beschränken. Der größte Kritikpunkt von Hardcore-Fans ist wohl die Handlung. Gleich zu Beginn wird mit der Umbrella Corporation kurzer Prozess gemacht. (Hint: oder doch nicht?!)
RE4 beginnt als reinrassiger Actiontitel, kehrt aber behutsam nach und nach im Verlauf von sechs langen Kapiteln zu den
Survival-Horror-Wurzeln zurück. So ist für jeden Geschmack, wenn auch in letzter Konsequenz nicht ganz überzeugend, etwas dabei. Als äußerst zweischneidiges Schwert haben sich die
Dodge-Passagen herausgestellt: an gewissen Stellen muss innerhalb von Sekundenbruchteilen eine Tastenkombination gedrückt werden, sonst ereilt euch ein frühzeitiger Tod. Dieses
Trial and Error der tiefsten Sorte hätte mehr Feinschliff benötigt, denn die Idee ist gut.
In Sachen Humor hat sich
Capcom an eigenen Spielen (
Devil May Cry) orientiert und sich auch von der Konkurrenz (
Metal Gear Solid) inspirieren lassen. Dadurch wirkt
RE4 zwar cooler, aber insgesamt passt dieses Flair weniger zu einem Survival Horror Titel. Vor allem die ungewohnten Codec-Funksprüche würde man eher in einem anderen Spiel vermuten.
Survivors will be shot again Die actionlastige Ausrichtung des Spiels steigert den Replay-Value deutlich. Wer eine Partie
RE4 beendet, darf sich nämlich über zwei Boni freuen (zumindest in der unzensierten Version).
» Wirklich böse Nachbarn. |
Die Mini-Spiele
Assignment Ada und
Mercenaries sorgen dank hochgerüsteter Waffen und speziellen Missionen für kurzweiliges Spielvergnügen. Beim Händler kann man die Geschicklichkeit im Umgang mit Waffen auf der Shooting Range beweisen. Als Belohnung winken kleine lustige Goodies. Praktisch: Hat man das Spiel erfolgreich beendet, darf gespeichert werden und das Inventar sowie neue Waffen und Kostüme stehen gleich für den nächsten Durchgang bereit. Capcoms Actionspektakel verfügt über erfreulich hohen Replay-Value und das Spielgeschehen verliert bei wiederholtem Durchspielen kaum an Reiz. Einzig die Boss-Fights hätten mehr Pepp vertragen. Bis auf die letzten beiden kommt man überall fast ohne Taktik zum Ziel.