Take 2 zeigt mit diesem Jump’n’Run, dass Low Budget nicht zwangsläufig Low Quality bedeutet.Ja was haben wir denn da? Es scheint, als ob der quirlige Daxter seinem Kollegen Jak für eine folgenreiche Nacht untreu war und sich mit Spyro vergnügte. Diesen Eindruck gewinnt man, wenn man sich den Hauptdarsteller des neuesten
Take 2-Jump’n’Runs
Scaler näher anschaut. Der namensgebende Protagonist gleicht auf den ersten flüchtigen Blick
Vivendis Hausdrachen, verhält sich jedoch ähnlich überdreht wie Wiesel Daxter. Auf die Hintergrundgeschichte wird an dieser Stelle nicht näher eingegangen, da sie derart abstrus ist, dass man sie besser verschweigt. Das Spiel zeigt seine Stärken auf anderen Gebieten, wie folgendes Master-Review verdeutlichen wird.
Alles nur geklautScaler versteht sich als
Jump’n’Run der alten Schule. Im Gegensatz zu Genrekollegen wie
Jak 3 oder
Ratchet & Clank 3: Up your Arsenal steht hier nicht der Umgang mit Schusswaffen im
» Die Gegnerschaft überragt den guten Scaler um einige Köpfe. |
Mittelpunkt. Titelheld Scaler setzt sich lieber mit Prankenhieb oder Zungenschlag gegen eine
Überzahl von Gegnern zur Wehr und beweist sein Geschick bei raffinierten Sprungpassagen. Außerdem müsst ihr euren Kopf nicht mit Rätseln traktieren; eure Aufgaben reduzieren sich darauf, in jedem der zehn Levels ein oder zwei Echseneier und zehn Kristalljuwelen aufzuspüren. Die Eier benötigt ihr unmittelbar für den Spielfortschritt, da ihr damit neue Welten freischalten könnt. Für das Entdecken der Kristalljuwelen werdet ihr mit Artworks belohnt. Dabei zeigt sich das Leveldesign von der schlichten Seite. Müsst ihr in einer Welt drei Aufgaben erledigen, so könnt ihr euch sicher sein, dass genau drei Wege durch ebendiese Welt führen und jeder zur Erledigung einer Mission dient. Bis hierhin bietet das Spiel Jump’n’Run-Fans also nichts, was es nicht schon in anderen Titeln gegeben hat.
Neue Ideen braucht das LandWer fleißig die allerorts herumschwebenden Energiekugeln namens
Klokkies sammelt, darf diese im sogenannten
Evolutionsmenü gegen bessere Klauen (fügen dem Gegner höheren
» Scaler weiß sich seiner Haut zu wehren. |
Schaden zu), mehr Lebensenergie oder Tarnfertigkeiten eintauschen. Dieses Feature erinnert Veteranen unter euch vielleicht an den SNES-Klassiker
Evo. Leider wurde das Evolutionsprinzip bei Scaler nicht so konsequent verfolgt wie beim angeführten Retro-Hit. Erwähnt werden muss hier auch Scalers
gestaltenwandlerische Fähigkeit. Kommt ihr mal an einer Stelle nicht weiter, dürft ihr euch – sofern das entsprechende Symbol eingeblendet wird – in eines von insgesamt fünf Geschöpfen verwandeln. Zur Auswahl stehen hier so klingende Wesen wie der
Swoom, eine pinguinähnliche Echse, die schwimmen und tauchen kann, der
Doozum, der euch durch seine Flugfähigkeit voranbringt oder der
Krock, ein kugelförmiges Wesen, das ihr durch Passagen führen dürft, die stark
an Super Monkey Ball erinnern.
Kurz und knackigScaler ist beileibe
kein Umfangsmonster. Die Aufträge der
insgesamt zehn Welten habt ihr innerhalb von zehn bis fünfzehn Stunden abgehakt. Im Gegenzug sorgt der Titel nie für
» Leon unterstützen Scaler auf seinem Abenteuer tatkräftig. |
Langeweile. Ständig seid ihr in Bewegung, kämpft euch durch Gegnerscharen oder bahnt euch euren Weg über schwindelerregende Abgründe. Die herkömmlichen Jump’n’Run-Passagen wechseln sich teilweise mit
Panzer Dragoon-ähnlichen Railshooter-Abschnitten oder den bereits oben angeführten Abschnitten mit
Krock, Swoom und Co. ab und nach jeweils zwei Welten wartet ein
fetter Obermotz, der sich dieses Attribut auch wahrlich verdient, nur darauf, euer Lebenslicht auszublasen. Die Konfrontationen mit diesen Endgegnern können sich schon mal über einige Zeit hinziehen und erfordern jeweils eine bestimmte Strategie. Generell gilt: dieses Spiel gehört sicher nicht zu den leichtesten, wird aber selten unfair. Nur gelegentlich fühlt man sich den Feindeshorden chancenlos unterlegen.
GrafikLicht- und Schattenseiten zeigt die Grafik-Engine von Scaler. Während man in den herkömmlichen Levels mit Texturen der Qualitätsstufe PSOne-HighRes konfrontiert wird und einem bei schnellen Kameraschwenks schon mal Zeilenflimmern unter kommt, überzeugen die Bosskämpfe mit bildschirmfüllenden Gegnern vor interessant inszenierten Kulissen. Abgesehen davon bietet dieses Spiel im visuellen Bereich gehobenen Durchschnitt. Selbst bei hohem Gegneraufkommen stellen sich keine Slowdowns ein.
SoundVon den begleitenden Melodien taugt keine einzige zum Ohrwurm. Allesamt dudeln sie unaufdringlich im Hintergrund vor sich hin, nerven allerdings auch zu keinem Zeitpunkt. Auch in Sachen Soundeffekte haben wir es hier mit Meterware zu tun, die nicht besonders hervorsticht. Das Spiel macht allerdings bei der überaus gelungenen englischen Sprachausgabe (deutsche Untertitel sind wahlweise zuschaltbar) während der Zwischensequenzen viel Boden wett. Hier witzelt sich Scaler gekonnt von Pointe zu Pointe, wenngleich er seinem offensichtlichen Vorbild Daxter in Sachen Bissigkeit nicht das Wasser reichen kann.
Spielspaß SoloScaler überrascht und enttäuscht zugleich. Reinrassige Jump’n’Runs gibt es dieser Tage kaum noch, so dass die blaue Eidechse vor allem Fans von Titeln wie
Jak and Daxter: The Precursor Legacy und jene Spieler beglückt, die an Jaks Nachfolgern und der Ratchet & Clank-Reihe den zu hohen Balleranteil kritisieren. Vieles wurde plump von Genrereferenzen abgekupfert und mit einer Handvoll eigenen Ideen aufgepeppt. Dabei gingen die Macher jedoch sehr geschickt vor, denn die Mischung weiß durchaus zu fesseln. Hätten die Entwickler das Evolutionsprinzip zielstrebiger verfolgt und wäre das Verwandeln in andere Lebensformen nicht auf bestimmte Abschnitte beschränkt, würde die Wertung zweifelsohne um einige Punkte höher ausfallen. Hier verspielt der Titel viel von seinem Potenzial. Hinzu kommen der etwas knappe Umfang und der de facto nicht vorhandene Wiederspielwert aufgrund fehlender Sidequests.
Spielspaß MultiIm Spiel ist kein Mehrspielermodus enthalten.