Champions: Return to Arms präsentiert sich als übergroßes, eigenständiges Addon mit alten Stärken und bekannten Schwächen.Als letztes Jahr das
Everquest-Spin Off
Champions of Norrath die Ladenregale erreichte, schlugen die Herzen vieler Hack'n'Slay-Fans höher. Der Titel bot fünf verschiedene Charakterklassen, etliche Items, zufallsgenerierte Dungeons sowie einen umfangreichen Mehrspielermodus. Nun ist die Fortsetzung
Champions: Return to Arms erschienen, die mit bewährten Mitteln an den Erfolg des Vorgängers anschließen will. Ob dies den Entwicklern gelungen ist, erfahrt ihr in unserem
Master-Review.
Alles beim AltenVeteranen des Vorgängers werden bereits im Menü feststellen, dass sich gegenüber dem Erstling quasi nichts geändert hat. Die Ähnlichkeit geht sogar so weit, dass man sich fragt, ob man die richtige DVD in
» Der neue Echsenkrieger im Einsatz. |
seine Konsole gelegt hat. Dieser Zweifel wird allerdings beim Start eines neuen Spiels schnell verworfen, warten doch zwei neue Charakterklassen darauf, vom Spieler ausgewählt zu werden. Neben einem
Echsen-Schamanen ist dies ein raubeiniger
Katzenkrieger. Darüber hinaus stehen natürlich auch die alten Streiter wieder zur Auswahl: Barbar, Waldläufer und Kleriker wurden wie Zauberer und Schattenritter 1:1 aus dem Vorgänger übernommen. Wer noch einen Recken aus
Champions of Norrath sein Eigen nennt, darf diesen per
Import-Funktion übernehmen. Dumm nur, dass die höheren Schwierigkeitsgrade erst nach dem Durchspielen des jeweils untergestellten ausgewählt werden dürfen. Wer also sofort mit einem Level 50 Charakter aus dem Vorgänger ins Feld zieht, dürfte bei den ersten beiden Durchgängen keinerlei Herausforderung geboten bekommen.
Aus Alt mach NeuWährend Neueinsteiger bei satten
sieben Charakterklassen die Qual der Wahl haben, werden Kenner des ersten Teils ein wenig enttäuscht über die beiden neuen Helden sein. Beide heben sich,
» Auch der Berserker teilt kräftig aus. |
abgesehen von der Optik, zu wenig von den alten Streitern ab und hinterlassen einen eher hingeschluderten Eindruck. So weist der Katzenkrieger starke Parallelen zum menschlichen Barbaren auf und der Echsen-Schamane, welcher eigentlich als Beschwörer angepriesen wird, entpuppt sich als modifizierte Version des Hochelfen. Ebenso wurden einige Skills der anderen Charakterklassen einfach auf die neuen Recken übertragen, was von mangelndem Einfallsreichtum der Entwickler zeugt. Das Charaktersystem gestaltet sich ebenso wie im Vorgänger: Bei jedem Stufenanstieg dürfen Attributspunkte auf die üblichen Werte wie beispielsweise Stärke, Geschicklichkeit oder Intelligenz verteilt werden, während Fertigkeitspunkte die Spezialfähigkeiten des Charakters erhöhen. Letztere sind wieder in einem Skillbaum verzweigt, so dass jeweils die voranstehende Fertigkeit zuerst erlernt werden muss. Die meisten Talente erfordern zudem einen bestimmten Mindestlevel. Während aktive Fähigkeiten, wie beispielsweise eine erhöhte Manaregeneration, dem Heroen dauerhaft zu Gute kommen, werden aktive Fertigkeiten unter Verbrauch von Mana per Knopfdruck ausgelöst.
Déjà VuAuch im eigentlichen Gameplay hat sich rein gar nichts verändert. Der Ausgangspunkt für die neuesten Abenteuer in Norrath ist dieses Mal die Ebene der Luft, in der man von Oberelfe
Firiona Vie in trockenen
Worten, aber gelungener deutscher Sprachausgabe, seinem nächsten Zielort und der dort zu erfüllenden Aufgabe nähergebracht wird. Diese beschränkt sich in den meisten Fällen darauf, einen bestimmten Gegenstand zu finden und einem Endgegner den Garaus zu machen. Eine spannende Story sucht man somit vergebens. Also stürzt man sich mit Zielen wie
Finde Gegenstand x oder
besiege Feind y in die Schlacht und metzelt, schießt und zaubert sich in bester Dungeoncrawler-Manier durch die zahlreichen Stages. Doch bereits
Champions of Norrath bezog seinen Reiz nicht aus dem Erfüllen von komplexen Aufgaben oder dem Mitfiebern bei einer spannenden Story. Auch
Champions: Return to Arms zieht den Spieler hauptsächlich durch Ansprechen zweier Urinstinkte an: Dem
Jagen & Sammeln. Der Titel bietet noch mehr verschiedene Waffen, Rüstungen, Helme, Beinschienen, Ringe, Handschuhe, Stiefel, Hosen, Röcke, Ketten und magische Artefakte als der Vorgänger und vermag es daher wie kein anderes Game seines Genres, sammelwütige Zockernaturen mit immer neuen Items zu überraschen. Überflüssige Gegenstände dürfen natürlich gegen Bares bei örtlichen Händlern eingetauscht werden, von dem wiederum andere Ausrüstung erworben werden kann.
LevelklauUm auch auf Dauer Abwechslung zu schaffen, entspringen die viele Stages wieder dem Zufallsgenerator, so dass diese bei jedem Durchgang im Aufbau leicht unterschiedlich ausfallen. Leider schlägt hier
der
exzessive Gebrauch alter Terrain-Settings negativ zu Buche. Noch dreister ist das Wiederholen diverser Quests. So wird Veteranen der
Segen der Meerjungfrau und die darauf folgende Unterwasserwelt nur all zu bekannt vorkommen. Auch bei den Gegnern hat man sich fleißig bei den bereits bestehenden Kontrahenten bedient und diese in die Fortsetzung importiert. Das führt zwangsläufig dazu, dass man oft das Gefühl hat, durch den ersten Teil zu rennen, statt sich in einer Fortsetzung zu befinden. Trotz der vielen Wiederholungn, die eindeutig zum Strecken der dieses Mal sehr ordentlichen Spielzeit dienten, gibt es auch genügend Neues zu entdecken. Weitere Feinde, schicke neue Terrains und massig frische Items erfreuen das Heldenherz. Zudem gibt es zwischen den eigentlichen Stages einige
Spezialherausforderungen zu bestehen, bei deren Gelingen besonders attraktive Belohnungen auf den Spieler warten. Im Rahmen dieser Minispielchen liefert man sich beispielsweise ein Gefecht mit den vier apokalyptischen Reitern oder kämpft unter Zeitdruck gegen Feinde.
Selbe TechnikAuf der technischen Seite hat sich, wie nicht anders zu erwarten, ebenfalls nichts getan. Die alte
Grafikengine leistet immer noch gute Dienste und überzeugt durch sehr schöne Charaktermodelle,
» Im Mehrspielermodus geht es rund! |
stimmungsvolle Umgebungen und gelungene Effekte. Während die Soundsamples und die deutsche Sprachausgabe sehr gut gelungen sind, hapert es abermals bei der musikalischen Untermalung. Diese überzeugt zwar, wenn sie mal zum Einsatz kommt, allerdings ist dieser Fall viel zu selten gegeben. So streift man oft vollkommen ohne Musikbegleitung durch die vielen Dungeons und Ebenen, was der Atmosphäre merklich schadet. Über jeden Zweifel erhaben ist hingegen der gewohnt tolle Mehrspielermodus, der entweder direkt an einer Konsole oder online mit bis zu vier Spielern gezockt werden kann. Dank etlicher Items und vieler individuell steigerbarer Charaktere ist monatelanger Spielspaß garantiert.