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Shadow of Rome  
» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 23.02.2005
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Zwiespältiges Gladiatorenabenteuer mit enorm hohen Splatter-Faktor.

Wild trieben es die alten Römer - und brutal! Das allseits beliebte Gladiatorenthema erfährt mit Shadow of Rome eine weitere Videospielumsetzung, welche exklusiv auf der Playstation 2 erscheint. Verantwortlich für den Titel zeichnet sich jenes Capcom-Entwicklerteam, das schon mit der Onimusha-Reihe Erfolge feierte. Neben zahllosen Arenagemetzeln stehen knifflige Schleichpassagen im Mittelpunkt. Wie gut die beiden Elemente im fertigen Spiel miteinandern harmonieren, erfahrt ihr in unserem Master-Reivew.

Mord und Intrigen im Alten Rom
Dreh- und Angelpunkt der spannenden Geschichte ist die Ermordung Julius Cäsars im antiken Rom. Für die Schandtat wird der Vater des römischen Zenturio Agrippa
» Menschliches Katapult!
verantwortlich gemacht. Im Rahmen mehrtägiger Gladiatorenspiele soll der vermeintliche Missetäter vom Sieger der blutigen Arenagemetzel hingerichtet werden. Klar, dass Agrippa dies nicht zulassen kann. Von der Unschuld seines Vaters überzeugt, meldet er sich in der Gladiatorenschule des durchtriebenen Sextus an, um den geliebten Herrn Papa zu retten. Tatkräftige Unterstützung erhält er dabei von seinem Freund Octavianus: Der junge Blondschopf ist ein Neffe des ermordeten Imperators und will die Wahrheit über Cäsars Tod herausfinden. Während Agrippa sich bei diesem Vorhaben auf seine Kraft und Kampferfahrung verlassen muss, lernt der junge Octavianus die Künste des Schleichens und Versteckens, um so an wertvolle Informationen zu kommen. Die Geschichte wird dabei innerhalb und zwischen den einzelnen Levels durch schick inszenierte Ingame- und Rendersequenzen voran getrieben.

Blood, Gore and Violence
Aushängeschild des Titels sind natürlich die ultrablutigen Arenagemetzel, in denen der Spieler als Agrippa gegen zahllose Kontrahenten antreten muss. Die Fights
» Das tut weh.
glänzen aber nicht nur durch spektakuläre Bluteffekte und die brachiale Inszenierung. Das zu Grunde liegende Kampfsystem und die vielen verschiedenen Waffen sorgen für Abwechslung im grausamen Gladiatorenalltag. Mittels verschiedener Buttonkombinationen können unterschiedliche Angriffe ausgeführt werden. Dabei ist es nicht nur wichtig, welche Waffe man gerade zur Hand hat und welche Kombination man auf dem Gamepad drückt, sondern auch, in welcher Position zum Gegner man sich befindet. So kann man beispielsweise mit dem Dolch bei Frontalangriffen nur mäßig effektive Stiche ausführen - nähert man sich jedoch von hinten, ist es möglich, dem Gegner die Kehle durchzuschneiden und ihn somit sofort zu töten. Am Boden liegende Feinde erleiden durch Schläge von oben besonders heftige Schäden. Sehr effektiv ist es zudem, gestürzten Kontrahenten aufzuhelfen. Diese sind dann für kurze Zeit benommen und bilden ein perfektes Ziel für einen gut platzierten Finish-Move. Doch auch am Boden liegende Feinde stellen eine potenzielle Gefahrenquelle dar: sie können dem Spieler Sand in die Augen schleudern, wodurch dieser selbst für einen kurzen Moment leicht verwundbar wird. Darüber hinaus darf jederzeit sämtliches Kampfwerkzeug mit Schmackes auf den Feind geschleudert werden, was besonders gegen Kontrahenten mit hoher Reichweite taktisch klug ist.

Waffenvielfalt
Natürlich führt sich jedes Kriegsgerät anders und bietet unterschiedliche Vor- und Nachteile. So glänzt der Speer durch eine hohe Reichweite, während man mit einer Keule
» Sehr schicke Zwischensequenzen erzählen die Story.
hervorragend Knochen brechen kann. Alle Waffen werden entweder rechts-, links- oder beidhändig geführt. Hier hält sich das Spiel allerdings an feste Programmvorgaben. So ist die rechte Hand für Standardwaffen wie das Gladius oder die Streitaxt reserviert, während in der linken Unterstützungsgegenstände wie Schilde, Dolche oder Fackeln Platz finden. Es ist also nicht möglich, zwei Streitäxte oder Säbel + Gladius gleichzeitig einzusetzen. Um zusätzliche Spannung in die Fights zu bringen, wurde die Haltbarkeit der Waffen von den Entwicklern stark eingeschränkt, so dass diese bereits nach relativ wenigen Schlägen zerbrechen. Was auf der einen Seite nicht ganz glaubwürdig ist, sorgt auf der anderen Seite für ständiges Gerangel unter den Kämpfern, wer denn nun eines der begehrten Stücke bekommt.

Brot und Spiele
In den römischen Arenen kommt es nicht nur darauf an, seinen Gegner zur Strecke zu bringen, sondern auch auf eine möglichst spektakuläre Inszenierung dieser Bluttaten. Je
» Je blutiger die Attacke, desto begeisterter das Publikum.
nachdem, wie man sich im Kampf anstellt, steigt die Beliebtheit beim Publikum, was durch eine Anzeige am unteren Bildschirmrand dargestellt wird. Besondere Aktionen, wie das Köpfen oder Zweiteilen eines Gegners, werden Salven genannt und geben einen Extrabonus. Diese insgesamt 192 Spezialmanövern müssen vom Spieler selbst herausgefunden werden, was sehr dazu motiviert, nicht immer auf gleiche Kampftaktiken zurück zu greifen. Wird eine Salve neu entdeckt, findet man diese samt Beschreibung im Salvenbuch wieder, auf das man jederzeit zurück greifen darf. Ein begeistertes Publikum belohnt den Spieler, indem es ihm besonders starke Nahkampfprügel oder Nahrung zuwirft. Doch Vorsicht! Auch die Gegner haben es auf diese begehrten Stücke abgesehen. Da sie in den Kämpfen recht intelligent agieren und ebenfalls heiß auf effektive Waffen sind, kann es sehr schnell passieren, dass der Spieler Opfer seiner eigenen Belohnung wird.

Abwechslungsreiches Gekeile
Doch nicht nur das Kampfsystem und die Waffenvielfalt wissen zu begeistern. Durch verschieden gestaltete Arenen und Wettbewerbsregeln kommt noch mehr Abwechslung in die
» Feuer frei!
blutigen Auseinandersetzungen. Neben normalen Letzer Mann-Kämpfen gilt es hin und wieder, eine bestimmte Anzahl an Punkten zu sammeln, einen Gefangenen zu retten oder zusammen mit Teamkameraden feindliche Statuen zu vernichten, während man eigene vor der Zerstörung bewahren muss. Der Team-Modus leidet allerdings ganz erheblich unter dem extrem dummen Verhalten der eigenen Mitstreiter: Eine wahre Geduldsprobe für alle Zocker. Glücklicherweise kommen diese Kämpfe nicht all zu oft vor. Zusätzlich wird die Abwechslung und Spannung durch in den Arenen platzierte Fallen, Mauern, Katapulte und Gruben erhöht. Auch bei den Gegnertypen hat sich Capcom einiges einfallen lassen. Neben verschiedensten Gladiatoren fallen auch wilde Tiere der Klinge zum Opfer. Besonders gelungene Bossgegner runden das Gesamtbild ab. Ebenfalls gut inszeniert sind Wagenrennen, die im späteren Spielverlauf bestritten werden müssen. Dass es auch hier nicht ohne Blutvergießen zugeht, ist eigentlich selbstverständlich.

Trial, Error and Boredom
Sehr viel schlechter als der Actionpart präsentieren sich die zahlreichen Schleicheinlagen mit Jüngling Octavianus. Zwar bietet das Programm hier viele gute Ansätze und
» Verkleidet schleicht es sich leichter.
Möglichkeiten wie Verstecken, Verkleiden, Schleichen, Klettern sowie diverse Hilfsgegenstände - allerdings kann deren Implementierung ins Spielgeschehen nicht überzeugen. Alle Levels sind extrem linear aufgebaut und bieten meistens nur einen richtigen Lösungsweg, so dass man auf Herumprobieren angewiesen ist. Mister Trial und Mister Error lassen grüßen! Diese Linearität geht sogar so weit, dass nur an bestimmten Stellen geklettert werden darf. Ein aufleuchtendes Aktions-Icon führt dem Spieler hier deutlichst vor Augen, wie unfrei er in seinem Handeln ist. Experimentieren mit den zahlreichen Möglichkeiten fällt so leider vollkommen flach. Zudem ist die Gegner-KI in den Schleichparts absolut unglaubwürdig. Wird man von einer Wache erblickt, nimmt diese die Verfolgung auf und ein Alarmbalken erscheint, der beginnt rasch abzunehmen. Läuft das Zeitlimit ab bevor der Wächter die Spielfigur ein zweites Mal erblickt, beendet der Feind die Verfolgung augenblicklich und geht seiner alten Tätigkeit nach, als wäre nichts gewesen. Auch das Fliehen des Spielers in einen Bereich, der mit einem Ladebildschirm vom aktuellen getrennt ist, deaktiviert den Alarm komplett.

Glücklicherweise ist die Vorgehensweise in den Schleichmissionen meistens offensichtlich und auch der Schwierigkeitsgrad hält sich in Grenzen, so dass man die meisten Missionen bereits nach wenigen Versuchen schafft. Fair gesetzte Checkpoints sorgen dafür, dass kein unnötiger Frust aufkommt. Neben reinem Schleichen muss Octavianus manchmal kleinere Rätsel lösen, um beispielsweise einen römischen Legionär von einer Tür wegzulocken. Hierbei kann sich der Protagonist meistens frei in den Arealen bewegen und sogar mit Nichtspielercharakteren reden. Diese Unterhaltungen beschränken sich allerdings meistens auf ein paar Sätze oder Tipps seitens des NPCs. Nur mit wichtigen Personen können sehr kurze Multiple-Choice-Gespräche durchgeführt werden.


Grafik
Grafisch präsentiert sich der Titel auf gehobenem Niveau. Sämtliche Gegenden und Charaktere erfreuen das Auge durch detaillierte Gestalung und begeistern vor allem in den Zwischensequenzen dank realistischer Gesichtanimationen. Die zahllosen Bluteffekte der Arenakämpfe wurden sehr gut in Szene gesetzt und sparen nicht mit dem exzessiven Gebrauch von roten Pixeln. Allerdings leidet der Titel unter relativ starkem Aliasing. Auch der 50 Hertz Modus kann nicht ganz überzeugen. So kommt es in diesem bei Kamerafahrten in Zwischensequenzen zu starken Rucklern. Ingameabläufe bleiben von solchen Patzern bei der PAL-Anpassung glücklicherweise verschont. Abhilfe schafft zudem ein optionaler 60 Hertz Modus.

Sound
Beim Sound gibt es weniger Anlass zur Klage. Die (englischen) Sprecher leisten hervorragende Arbeit und hauchen den vielen Figuren Leben ein. Eine deutsche Synchronisation gibt es nicht. Die orchestrale Hintergrundmusik, satten Soundeffekte und Schreie verwunderter Feinde sowie das Gröhlen der Menge lassen echte Arenastimmung aufkommen und untermalen die Geschehnisse tadellos.

Spielspaß Solo
Shadow of Rome ist ein ständiges Auf- und Ab, welches den Spagat zwischen zwei Genres versucht, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während auf der einen Seite die grandiosen Auseinandersetzungen mit einem tiefgründigen Kampfsystem sowie die gelungene Storyerzählung mit ihren gut ausgearbeiteten Charakteren und Zwischensequenzen stehen, langweilen auf der anderen Seite die Schleicheinlagen, die dem Spieler mit Trail & Error-Gameplay den Spielspaß vermiesen. Für das Durchspielen benötigt man etwa 15 bis 20 Stunden, was für einen Actiontitel durchaus viel ist. Sämtliche gewonnenen Arenaherausforderungen dürfen beliebig oft wiederholt werden. Zudem gibt es einen freien Modus, an dem man jederzeit in Sextus Gladiatorenschule teilnehmen darf. Dies kommt der Spielzeit zusätzlich zu Gute. Obwohl der Titel zwei Schwierigkeitsgrade bietet, sollten sich Einsteiger vorsehen: Die Kämpfe richten sich eher an geübte Spieler.
Angesichts der extremen Brutalität und oft menschenverachtenden Kommentare und Salvenbeschreibungen ist es selbstverständlich, dass der Titel nicht in Kinderhände gehört.

Spielspaß Multi
Im Spiel ist kein Mehrspielermodus enthalten.
Pro
Tiefgründiges Kampfsystem
Top Arenaatmosphäre
Tolle Zwischensequenzen
Gut ausgearbeitete Charaktere
Abwechslungsreiches Gameplay
Contra
Trail & Error-Schleichpassagen
Trotz einstellbarem Schwierigkeitsgrad für Einsteiger ungeeignet
Unglaubwürdige Gegner-KI in den Stealth-Abschnitten
Katastrophale KI der Teamkameraden
Fazit
Selten habe ich mich über ein Spiel so geärgert wie über Shadow of Rome. Während mir die action- und facettenreichen Arenakämpfe sehr viel Spaß bereiteten, wurde ich zirka alle 30 Minuten aus dem gelungenen Schlachten herausgerissen und musste mich mit Milchgesicht Octavianus durch öde Trial & Error-Passagen quälen. Lediglich der Gedanke an weitere Fights mit Gladitorenheld Agrippa konnte mich hier zum Weiterspielen bewegen. Hätte man sich bei Capcom auf die Action konzentriert und diese noch weiter verfeinert, statt den Schleichpart zu entwickeln, wäre aus Shadow of Rome ein echter Hittitel für jeden Fan brachialer Metzelspiele geworden. So bleibt leider nur ein äußerst zwiespältiges Spielerlebnis, welches den Spieler zwischen Begeisterung und Ernüchterung hin und her reißt. Ärgerlich!