Konsolen-Eishockey - fast so gut wie das Original.US-Sportfans durchleben gerade schwere Zeiten: Erst fällt eine komplette Saison der nordamerikanischen NHL ins Wasser und dann erwirbt Electronic Arts auch noch die Exklusivrechte an der NFL sowie am Sportsender ESPN. Die
2k5-Auflage von Segas hauseigener Sportserie stellt sich somit das letzte Mal der Konkurrenz aus Kanada zum ultimativen Showdown – mit
ESPN NHL 2k5 auch auf dem Eisplatz. Dass diese Entwicklung durchaus zu bedauern ist, soll folgendes Master-Review noch einmal deutlich unterstreichen.
Ice, Ice, BabySonderlich viel konnte man ohnehin nicht falsch machen – gilt der direkte Vorgänger
ESPN NHL Hockey doch als Klassenprimus betreffend Authentizität und hervorragender
» Die Bruins im Vormarsch. |
Spielbarkeit. So präsentiert sich
ESPN NHL Hockey 2k5 im bekannten ESPN-Gewand, mit einigen Verbesserungen und Neuerungen im Detail. Beinahe unverändert blieb der
hohe Simulationsgehalt: Die Spieler bewegen sich äußerst realistisch über das frisch polierte Eis, schlagen auch mal daneben, verletzen sich bei harten Bodychecks und ermüden rasch. Schnelle – und auf Wunsch natürlich auch automatische – Linechanges sind einmal mehr Pflicht.
Was Kennern der Serie schon nach wenigen Partien auffallen wird, ist die
optimierte Balance beim Scoring: Waren die Schwierigkeitsgrade beim Vorgänger noch so gesetzt, dass Treffer entweder unmöglich oder beinahe schon zu einfach gelangen, hat man sich dieser Problematik endlich angenommen und für faire Verhältnisse gesorgt. Davon abgesehen ist es jedoch nach wie vor möglich,
das Spiel seinen Vorstellungen in unzähligen Optionsmenüs anzupassen: Spielgeschwindigkeit, Regeln, Verletzungen, Kamera, Schwierigkeitsgrad, Schiedsrichterhärte und zahlreiche andere Einstellungen lassen die Konfrontationen nach eurem Gutdünken ablaufen.
Two Minutes for HookingNeu auf dem Eis ist die so genannte
Körperkontakt-Steuerung: Mithilfe des rechten Ministicks lassen sich äußerst unschöne Attacken gegen Kontrahenten durchführen, die nicht
selten mit einer Zwei- oder sogar Fünfminuten-Strafe geahndet werden - ähnlich der vom Fußball bekannten
Blutgrätsche also nur bedingt und allerhöchstens in ausweglosen Situationen zu empfehlen (Stichwort
Breakaway). Angehenden Rüpeln und Eis-Rambos steht selbstverständlich ebenfalls die Möglichkeit offen, sich bei genügend aufgestauter Aggression
kleine Prügeleien zu liefern: In der Seitenansicht gibt’s dann auf die Leisten. Ein eingeblendeter Ausdauerbalken zeigt dabei an, wie lange ihr euch noch gegen euren wild um sich schlagenden Kontrahenten halten könnt. Als Belohnung darf sich der Unterlegene eine Gesichtsoperation vom Weihnachtsmann wünschen, während der Triumphator als Krönung seiner Leistung ein paar Minuten auf der Bank verschnaufen darf.
Ebenfalls neu – und einem fairem Spiel in jedem Fall zuträglicher – ist das Feature, durch Drücken von
L1 grazil und abwehrbereit
rückwärts zu
skaten: Vorbei sind die Zeiten, als dafür noch beide Analogsticks (jeweils konträr ausgerichtet) vonnöten waren.
Be your own CEOZentrales Element für alle Singleplayer-Fans ist freilich der
Karriere- beziehungsweise Franchise-Modus , welcher im Vergleich zum Vorgänger noch einmal gehörig aufgepeppt wurde:
Mit dabei ist jetzt die Möglichkeit, sich als
Scout zu betätigen, um alle aufstrebende Talente weltweit unter die Lupe und gegebenenfalls unter Vertrag zu nehmen. Hierfür kann man sogar ein Testspiel arrangieren, um Schwächen und Stärken der Kandidaten besser ausmachen zu können. Daneben dürfen klarerweise Verträge abgeschlossen, Spieler angekauft beziehungsweise an andere Vereine abgegeben und auch Meisterschaften gespielt werden.
Als Belohnung für Erfolge in der Meisterschaft und in freien Spielen winken jedoch nicht nur Ruhm und gute Platzierungen, sondern auch Punkte, die in der
Sky-Box gegen allerlei Extras eingetauscht werden können; wie zum Beispiel klassische Teams, Jerseys sowie
Rinks (Plätze). Mit von der Partie sind natürlich wieder Mini-Games, welche sowohl getrennt voneinander als auch komprimiert im so genannten
Battle Mode gezockt werden dürfen. Ein Multitap vorausgesetzt, wagen sich bis zu vier Spieler an sehr arcade-lastige Bolzereien, die in großer Runde durchaus für die eine oder andere vergnügliche Runde gut sind. Ganz besonders witzig ist zum Beispiel das gute alte
Fangen geraten, welches mit mehreren Freunden stundenlang an den Bildschirm fesselt.
Regelkonforme Aufeinandertreffen können natürlich auch ausgetragen werden.
GrafikDie Optik präsentiert sich – für einen ESPN-Titel typisch – sehr ordentlich und atmosphärisch; vom Intro bis zu den kurzen Statistik-Einblendungen während einer Spielunterbrechung wirkt alles wie aus einem Guss. Aber auch auf dem Platz gibt es keinen Anlass für Kritik: Flüssige Animationen, tolle Spiegeleffekte und 3D-Zuschauer verwöhnen das Auge. Lediglich die häufig auftretenden Slowdowns beim Face-Off fallen etwas aus dem Rahmen – hier hätte man die lange Zeitspanne zwischen US- und EU-Release vielleicht für ein wenig Tuning nutzen können.
SoundAuch die Sounduntermalung ist durchwegs gelungen: Der (englische) Kommentator macht seinen Job gut und die wenigen Wiederholungen der Sprachsamples fallen kaum ins Gewicht. Ebenso überzeugen können die Stadionkulisse inklusive tausender kreischender Fans und die typischen Eishockey-Geräusche: Rempler, Rutscher und Schüsse klingen genau so wie sie müssen – bei aktiviertem Surround-Sound umso mehr. Fabelhaft!
Spielspaß SoloDer umfangreiche und mit der neuesten Auflage auch enorm erweiterte Franchise-Modus nagt behände an den zeitlichen Ressourcen des Spielers:
Nur noch diese eine Transaktion und
Diese eine Partie geht noch. Entsprechendes Sitzfleisch vorausgesetzt, hat man mit dem Karrieremodus und den unzähligen freispielbaren Extras einiges zu tun. Aber auch für eine Runde zwischendurch ist das Programm durchaus zu gebrauchen: Die Steuerung ist schnell erlernt und alle motivierten Zocker haben spätestens beim Erlernen und Perfektionieren der Tricks ausreichend Material für viele spaßige Stunden.
Spielspaß MultiIm Multiplayer spielt der
ESPN NHL Hockey 2k5 – für einen Sporttitel natürlich alles andere als ungewöhnlich – klarerweise seine wahren Stärken aus. Mit bis zu vier Spielern geht es sowohl regelkonform als auch in den äußerst unterhaltsamen Mini-Games zur Sache. Was ein wenig sauer aufstößt, ist der für Europa gestrichene Network bzw. Xbox Live-Modus: Während US-Zocker auch online ran dürfen, bleibt der Rest der Welt auf die eigenen vier Wände beschränkt. Schade.